Plattformen sind keine neutralen Instanzen | TikTok in bestimmten Altersbereichen YouTube auf den Fersen | Neue Steady-Pakete

Salut und herzlich willkommen zur 784. Ausgabe des Social Media Briefings. Zunächst einmal vielen Dank für das Feedback zu unserer letzten Ausgabe! Es sieht ganz so aus, als hätten wir mit dem Text von Isabell einen Nerv bei euch getroffen. Das freut uns sehr. Es gibt den Text auch auf unserer Website - wer mag, kann gern darauf verweisen. Speaking of which: Wir haben unsere Website umgebaut. Mehr dazu am Ende des Newsletters. In der heutigen Ausgabe schauen wir auf kein Thema im Speziellen. Vielmehr versuchen wir ein Round-up der wichtigsten News zu liefern, damit sich alle einmal kurz, gezielt updaten können. Um dann wieder weiter daran zu arbeiten, dass diese Welt ein schönerer, besserer, klügerer, freundlicherer, nachhaltigerer, gerechterer Ort wird! One love, Simon und Martin
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Krieg in der Ukraine

Plattformen sind keine neutralen Instanzen

  • Vor ziemlich genau einer Woche sah es kurz so aus, als würde Meta Menschen in Osteuropa vorübergehend gestatten, Posts zu verfassen, in denen sie konkret zu Gewalt gegen russisches Militär aufrufen. Auch – so schien es zunächst – sei es nun erlaubt, den Staatschefs Putin und Lukashenko den Tod zu wünschen. Reuters hatte von einer entsprechenden Anweisung an Content Moderatoren berichtet.
  • Russland hatte daraufhin Meta als extremistisch bezeichnet und erklärt, Instagram zu sperren (netzpolitik). Die Sperrung von Instagram ist dann auch erfolgt (Golem) – allerdings wäre sie wohl so oder so gekommen.
  • Meta selbst ruderte einige Stunden später zurück und erklärte über ihren „Außenminister“ Nick Clegg, dass es weiterhin nicht erlaubt sei, Staatschefs "den Tod zu wünschen" (@nickclegg). Es ginge lediglich darum, dass Ukrainerïnnen temporär Posts zu ihrem Widerstand gegen russisches Militär verfassen dürften. Diese wäre so vorher von den Community Standards nicht gedeckt gewesen und hätten gelöscht werden müssen. Das wäre den Umständen nicht gerecht geworden, so das Unternehmen.
  • Bei Twitter möchte man ebenfalls nicht tatenlos zusehen. Das Unternehmen hat sich dazu entschieden, einen Post der russischen Botschaft zu löschen. In dem Tweet wurde behauptet, bei der schwangeren Frau, deren Foto viral ging (Techcrunch), weil es sie blutverschmiert zeigte, handele es sich um einen Crisis Actor. Die Frau und ihr Baby sind in der Zwischenzeit verstorben (Spiegel). Es ist alles so fürchterlich.
  • YouTube hat sich seinerseits dazu entschieden, russische Staatsmedien komplett von der Plattform zu verbannen (@YouTubeInsider).
  • Die Beispiele zeigen, dass die Plattformen keine neutralen Instanzen sind. Auch wenn einzelne Entscheidungen, wie etwa die von Twitter, sofort nachvollziehbar sind, sollte jedem klar sein, welche enorme Verantwortung die Plattform tragen. Sie sind längst zu supranationalen Institutionen geworden. Ohne jede Kontrolle. Sie treffen Entscheidungen, die die ganze Welt betreffen. Ihre Entscheidungen sind allerdings in keiner Weise demokratisch legitimiert.

Weitere Schlagzeilen zum Krieg in der Ukraine

  • Google sendet Menschen in der Ukraine Luftangriffswarnungen an Android-Handys. (The Verge)
  • Vor zwei Jahren gab es große Aufregung um Clearview AI (#607). Jetzt berichtet Reuters, dass das Unternehmen der Ukraine die kostenfreie Nutzung ihrer umstrittenen Gesichtserkennungssoftware angeboten hat (BBC), um russisches Militär, Falschinformationen & Tote zu identifizieren.
  • Russische Influencerïnnen wurden bezahlt: Einige von euch haben womöglich die russischen TikToker gesehen, die quasi wortgleich die gleichen Pro-Kremlin-Statements posteten. Vice hat Telegram-Kanäle entdeckt, die die These untermauern, dass es sich dabei um eine koordinierte Kampagne handelte – inklusive Cash für die Influencerïnnen.
  • Dass TikToker längst zu veritablen Waffen im Informationskrieg geworden sind, hat auch das Weiße Haus verstanden. Die Washington Post berichtet von einem wohl bislang einzigartigen Pressebriefing für amerikanische TikTok-Influencerïnnen.
  • Twitch in Wartime: Auch bei Twitch spielt der Krieg in der Ukraine eine Rolle. Dabei machen einige Streamer keine besonders glückliche Figur (Washington Post).
  • Tracking exposed: Wie bereits in Ausgabe #781 dargestellt, können Nutzerïnnen in Russland derzeit auf keine TikToks aus dem Ausland zugreifen. Das Hochladen neuer Videos aus Russland ist ebenfalls untersagt. Das Projekt Tracking Exposed zeigt, wie weitreichend dieser Eingriff in den Informationsfluss ist (PDF). Kollegin Köver hat sich den Bericht für netzpolitik ausführlich angeschaut.
  • Kritik an sozialen Medien: Human Rights Watch bezweifelt, dass die Social-Media-Plattformen wirklich genug tun, um Nutzerïnnen adäquat zu schützen. Vor allem kritisiert die Organisation die intransparente Maßnahmen von sozialen Medien (hrw).
  • Deep Fake von Zelenskyy: In den vergangenen Tagen zirkulierte ein Deep-Fake-Video von Ukraines Präsident Zelenskyy in den sozialen Medien. Meta hat das Video relativ schnell als Fälschung identifiziert und von der Seite genommen (Techcrunch). In russischen Social-Media-Angeboten – allen voran VKontakte – wurde das Video Angaben des DFRLab zufolge aber vielfach geteilt. Das Video zeigt eine Rede von Zelenskyy, in der er sein Land zur Kapitulation aufrief.

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