EU-Verfahren gegen Google | ZDF Sport verabschiedet sich von Facebook | Clubhouse arbeitet an Messaging-Funktion

Salut und herzlich willkommen zur 729. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute blicken wir auf ein EU-Verfahren gegen Google, das das ganze Netz verändern könnte. Zudem lernen wir, dass man sich von Facebook auch wieder zurückziehen kann: ZDF Sport hat sich von der Plattform verabschiedet. Einen wunderbaren Mittwoch, Simon und Martin

Warum das EU-Verfahren gegen Google das ganze Netz verändern könnte

Was ist

Die EU-Kommission nimmt Googles Werbegeschäft ins Visier, ein Datenschutz-Aktivist klagt gegen das System, über das Online-Anzeigen in Echtzeit versteigert werden. Wir geben zu: Das klingt eher nach Gute-Nacht-Lektüre als nach Thriller. Aber wir versprechen: Das Thema ist wirklich spannend und könnte Auswirkungen haben, die weit über Google und das Hamburger Landesgericht hinausgehen, wo der Fall verhandelt wird.

Warum das wichtig ist

Online-Medien wird oft Clickbaiting unterstellt – das kann man dem Spiegel nun wirklich nicht vorwerfen: "EU startet noch ein Verfahren gegen Google" ist garantiert keine Überschrift, die allzu viele Menschen zum Klicken bringt. In dem Fall ist das schade, denn die "Untersuchung zu mutmaßlich wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen von Google im Bereich der Online-Werbetechnologie", wie es die EU-Kommission ebenfalls eher langatmig ausdrückt, trifft Google dort, wo es am meisten zu verlieren hat.

Nach Google Shopping (2017), Android (2018) und AdSense (2019) befasst sich die EU nun mit Googles Kerngeschäft. Rund 147 Milliarden Dollar pro Jahr setzt der Konzern mit digitaler Werbung um. "Wir vermuten, dass Google es konkurrierenden Online-Werbediensten erschwert haben könnte, am Wettbewerb im Bereich der Werbetechnologie teilzunehmen", sagt Vize-Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager. Wenn sich der Verdacht erhärtet, könnte es teuer werden.

Auch die zweite Spiegel-Überschrift ist etwas unterverkauft: "Ein Ire verklagt die Schaltstellen der Werbeindustrie". Zwar klagt nur Johnny Ryan, doch er ist mehr als ein renitenter Einzelkämpfer. Hinter Ryan steht das Irish Council for Civil Liberties (ICCL), das dieses Verfahren seit vielen Jahren vorbereitet hat. Falls die Klage Erfolg hat, könnte sich das System der Online-Werbung verändern. Adtech-Anbieter, Media-Agenturen und Verlage müssten umdenken – und natürlich auch Google, Facebook und Amazon, die größten Werbeverkäufer der Welt.

Was Google droht

Im Wesentlichen geht es um die Frage, ob Google Werbetreibende mit unfairen Methoden dazu nötigt, seine eigenen Adtech-Produkte und Dienste wie Google Ads zu nutzen. Unter anderem werden der Ad Manager, Ad Exchange und Google FLoC (#707, #728) untersucht. Es droht eine Strafe von bis zu zehn Prozent des jährlichen Umsatzes, also fast 20 Milliarden Dollar.

Für den Moment gehen wir nicht weiter ins Detail, das hat zwei Gründe:

  1. Wir möchten Ereignisse einordnen, nicht nur aufzählen und abbilden. Derzeit sprechen wir mit Menschen, die sich besser mit der Branche auskennen als wir und die Erfolgsaussichten und möglichen Konsequenzen der Kartelle…

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