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Salut und herzlich willkommen zur 728. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute beschäftigen wir uns mit der Zukunft von Cookies - einem Milliardengeschäft - und dem Vorhaben des Bundesjustizministerium, Telegram stärker zu regulieren. Die Betonung liegt auf "Vorhaben". Wir wünschen wie immer eine gewinnbringende Lektüre und bedanken uns für das Interesse, Simon und Martin

Zukunft der Cookies: Sind Googles FLoC gefloppt?

Was ist

In den vergangenen Wochen haben sich eine Menge Tech-Schwergewichte gegen Googles Federated Learning of Cohorts (FLoC) positioniert. Das gefährdet Googles ambitionierten Versuch, Cookies von Drittanbietern aus dem Browser zu verbannen.

Warum das wichtig ist

Third Party Cookies, Browser Fingerprinting, Privacy Sandbox: Auf den ersten Blick klingt das alles sehr technisch. Doch wir sprechen über eine Branche, die Hunderte Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt. Online-Werbung ist nicht nur die Grundlage für den Siegeszug von Facebook und Google, sondern ermöglicht viele kostenlose Angebote und finanziert Journalismus.

Warum FLoC Work in Progress ist

Wir haben FLoC in Briefing #707 ausführlich erklärt. Damals endeten wir mit einem vorsichtig optimistischen Fazit:

Wir glauben, dass die Abkehr von Drittanbieter-Cookies richtig ist und helfen kann, allzu aggressives Tracking deutlich einzuschränken. (…) Vor diesem Hintergrund halten wir Googles Entscheidung für überfällig. Ob FLoC aber die beste Lösung ist, daran gibt es zumindest Zweifel. Um uns ein abschließendes Urteil zu bilden, müssen wir noch weitere Gespräche mit Expertïnnen führen, die sich besser auskennen als wir.

Diese Gespräche haben wir mittlerweile geführt, ein Teil davon sind in diesen Bericht und diesen Kommentar (jeweils SZ) eingeflossen. Die Kurzfassung: Der Ansatz ist richtig, die Umsetzung hat Schwächen. Im aktuellen Entwurfsstadium könnte FLoC sogar die Privatsphäre von vielen Menschen weiter erodieren lassen (Restore Privacy), statt sie zu schützen – von dem Risiko, dass Google seine Dominanz weiter ausbaut, erst gar nicht zu reden.

Entscheidend ist das Wort Entwurfsstadium: Google will FLoC gemeinsam mit dem World Wide Web Consortium (WC3) entwickeln. Es ist ausgeschlossen, dass das Konzept in der aktuellen Form Realität wird. Das gibt auch Google selbst zu und sagt offen, dass man Feedback einholt, um FLoC zu verbessern.

Deshalb werden wir vorerst nicht weiter in die technischen Details einsteigen, weil sich das Rad in ein paar Monaten vermutlich eh zweimal weitergedreht hat. Vielmehr fassen wir zusammen, wer FLoC aus welchen Gründen und Motiven ablehnt.

Warum FLoC einen schweren Stand haben

Bereits im Frühjahr meldeten sich die "üblichen Verdächtigen" zu Wort. NGOs und Bürgerrechtsaktivistïnnen protestierten, Bennett Cyphers von der EFF nannte FLoC "a terrible idea", Cory Doctorow legte später nach (EFF):

The only sense in which "pro-privacy" and "competition" are in tension is the twisted sense implied by FLoC, where "pro-privacy" means "only one company gets to track you and present who you are to others."

So weit, so erwartbar. Seitdem ist der Widerstand gewaltig gewachsen. Außer Google selbst hat sich bislang kaum jemand hinter das Projekt gestellt, fast alle Browser-Hersteller und Konkurrenten sind skeptisch:

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