Briefing für den 21.9.2017 | Ausgabe #392

martin


Hi Crew, heute ein etwas kürzeres Briefing – dafür aber mit einem echten Bonbon am Ende. Herzlichst, Martin

# Neue Zahlen zu Facebook: Engagement und Traffic down

Zwei aktuelle Untersuchungen sollten Publisher und Werbetreibende gleichermaßen Sorgen bereiten: Erstens sei das Engagement mit ihren Posts bei Facebook seit Januar um 20 Prozent eingebrochen. Zweitens hätte Facebook als Traffic-Maschine wieder an Bedeutung verloren und sei wieder hinter Google zurückgefallen. Das jedenfalls geht aus Untersuchungen von Parsely und BuzzSumo hervor.

Der Hauptgrund für beide Phänomene dürfte darin bestehen, dass Facebook seit Beginn des Jahres mit aller Kraft versucht, Video in den Mittelpunkt seiner Nutzungserfahrung zu stellen. Publisher aber kommen erst langsam in Fahrt, was das Thema Video angeht. Und wer Video auf der Plattform guckt, klickt sich halt nirgends hin. Facebook gives, but continues to take more from publishers [Digiday]

# Politik wünscht sich von Social-Media-Plattformen entschiedenes Vorgehen gegen Terrorismus

Theresa May, Emmanuel Macron und Paolo Gentiloni haben sich in einer Sitzung bei den Vereinten Nationen besorgt darüber gezeigt, wie leicht es Terror-Organisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat gemacht wird, ihre Propaganda via Facebook und YouTube zu verbreiten. Die britische Premier-Ministerin fordert deshalb von den Tech-Konzernen, dass diese künftig innerhalb von zwei Stunden entsprechende Inhalte löschen – am besten automatisiert. Facebook zeigte sich verständnisvoll, unterstrich aber, dass die automatisierten AI-Lösungen noch lange nicht so weit wären. Da steckt viel drin – sowohl in der Forderung nach einer sofortigen, automatisierten Zensur als auch in dem Hinweis, dass AI noch ganz am Anfang stünde.

Auch die Verschlüsselungstechniken von WhatsApp und Telegram stehen seitens der Regierungschefs in der Kritik: Zu oft würden die Messenger dafür genutzt, um terroristische Akte vorzubereiten, heißt es. Folglich sei es für die Behörden notwendig, auch an verschlüsselte Nachrichten zu kommen. WhatsApp versprach, helfen zu wollen, allerdings könnten sie nichts liefern, was sie nicht selbst sammeln – bedeutet also: Metadaten ja, Inhalte nein. Facebook admits industry could do more to combat online extremism [Guardian]

# Facebook vor Anhörung im US-Kongress

Womöglich steht Facebook eine öffentliche Anhörung ins Haus. Der US-Congress ermittelt bekanntlich, inwieweit Russland die US-Wahl gehackt hat. Mit Blick auf die Anzeigen, die bei Facebook geschaltet wurden, sei es deshalb mehr als angebracht, von Facebook selbst zu erfahren, was sie alles über diesen Vorgang wissen, heißt es zur Begründung. Facebook würde sich einer Anhörung stellen, hätten sich doch nichts zu verbergen, lässt das Unternehmen verlauten. Facebook called on to testify before Senate intelligence committee on election hacking [The Independent]

Reaktion auf Targeting-Wahnsinn

Sheryl Sandberg hat sich in einem Post auf Facebook bestürzt darüber gezeigt, dass es über den Werbeanzeigen-Manager möglich war, Werbung gezielt an Menschen auszuspielen, die sich etwa als Juden-Hasser bezeichnen. Das dürfe nicht durch Facebook ermöglicht werden, so Sandberg. Deshalb wolle man die „ad targeting policies“ verschärfen und künftig vor allem mehr Menschen in den Review-Prozess mit einbinden. [Facebook]

Twitter kopiert Nuzzle

Was Facebook kann, kann Twitter jetzt auch: populäre Services von Dritten kopieren. So hat Twitter für seine iOS- und Android-App ein neues Feature gebaut, das stark an Nuzzle erinnert. Die Idee von Nuzzle ist es ja bekanntlich, relevante Artikel aufzuspüren, indem es auswertet, wie oft ein Artikel von Accounts, denen man folgt, geteilt wurde. So etwas kann Twitters App jetzt auch: Popular Articles heißt das Feature. Glückwunsch, Twitter. Hauptsache das bedeutet nicht das Ende von Nuzzle. New Twitter Feature Highlights The Stories People Are Tweeting [BuzzFeed]

Tipp

Die chinesische Allzweck-App WeChat haben wir ja in unseren Briefings bereits häufiger erwähnt. Auch wenn die App in Deutschland noch keine nennenswerte Nutzerzahlen aufweist, zeigt WeChat doch auf, wo auch für uns in der westlichen Welt die Reise hingehen könnte. Die Kommunikations-Agentur OSK hat einen extrem ausführlichen WeChat-Guide produziert, den Watchblog-Leser hier als Direkt-Download runterladen können: Download WeChat-Guide.


Falls du eine Frage zum heutigen Briefing hast oder diese Unterhaltung einfach gern fortsetzen möchtest, schreib mir zurück – ich beantworte jede Mail.

About the Author

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Kulturanthropologe, Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter

Diese Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings wurde gesponsert vom "Listening Center" der Rheinischen Post
Mit dem Listening Center verfolgen wir systematisch, was rund um unsere Themen im Netz passiert. Dabei stoßen wir immer wieder auf spannende Informationsquellen, die wir noch gar nicht kennen. Blogs zum Beispiel, die über Dinge schreiben, die auch für unsere Redakteure spannend sind. Gleichzeitig ist es für uns natürlich enorm wichtig, die Quellen, die wir schon kennen, ganz genau zu beobachten. Das gilt besonders für soziale Netzwerke. Ein Tool, das uns dabei sehr hilft, ist CrowdTangle. Wie wir damit unsere Berichterstattung zur Landtagswahl im Mai 2017 gepimpt haben, hat CrowdTangle jetzt aufgeschrieben: 5 Steps Germany’s Rheinische Post Took to Track a Local Election With CrowdTangle [Medium]