Was ist

Am Dienstagabend hat Mark Zuckerberg versucht, die Welt zu überzeugen, dass die Zukunft im Metaverse liegt. Wir haben uns seine Keynote auf der hauseigenen Konferenz Meta Connect angesehen und einen Tag später Meta besucht, um mit Tino Krause und Robert Günther über Zuckerbergs Vision für das Metaverse zu sprechen. Krause leitet Metas Geschäfte in Zentraleuropa, Günther kümmert sich um Partnerschaften mit Entwicklern, die helfen sollen, das Metaverse mit Leben zu füllen.

Wir fassen die wichtigsten Neuigkeiten der Keynote zusammen und erklären, warum selbst bei Meta nicht alle davon überzeugt sind, dass Zuckerbergs riskante Wette aufgeht.

 

Warum das wichtig ist

Bis 2026 könnte Mark Zuckerberg rund 70 Milliarden Dollar investieren (The Information), um seinen Traum vom Metaverse wahr werden zu lassen. Zum Vergleich: Apple steckte rund 3,5 Milliarden Dollar in die Entwicklung des iPhones, als noch niemand ahnte, wie revolutionär Smartphones werden sollten. Doch zumindest gab es damals schon Palm und Blackberry, Steve Jobs musste keine neuen Geräte erfinden, geschweige denn eine neue Welt.

Noch funktioniert das aktuelle Geschäftsmodell, Facebook und Instagram werfen weiter Milliarden ab. Doch die beiden Plattformen sind nicht die Zukunft; sie sollen nur helfen, die Zukunft zu finanzieren. Meta schichtet intern Ressourcen um und zieht Entwicklerïnnen von anderen Projekten ab. Die Strategie lautet: Metaverse or bust.

Dabei spielt Zuckerberg nicht nur mit der Existenz von Meta, sondern auch mit seinem eigenen Vermächtnis. Geht er als genialer Gründer und brillanter Stratege in die Geschichte ein?  (Unabhängig davon, was man menschlich und moralisch von Zuckerberg hält: Zumindest wirtschaftlich hat er vieles richtig gemacht.) Oder wird man sich in 20 Jahren an einen Zocker erinnern, der einen der wertvollsten Konzerne der Welt gegen die Wand fuhr, weil er Visionen hatte, mit denen er besser zum Arzt gegangen wäre?

 

Was Meta vorgestellt hat

    • Zuckerbergs Avatar hat jetzt Beine. Das ist nicht die wichtigste, aber die offensichtlichste Nachricht der Keynote.

 

    • Was lächerlich klingt, ist technisch tatsächlich ein großer Fortschritt. Man braucht Tausende Datenpunkte, aufwendige Berechnungen und komplexe Machine-Learning-Modelle, um Beinbewegungen halbwegs natürlich in die virtuelle Welt zu transferieren.

 

 

    • Die Grafik soll detailreicher und schärfer sein, zum ersten Mal werden Augenbewegungen erkannt und Mimik realitätsgetreu ins Metaverse transportiert. Angeblich verändert das die Erfahrung drastisch, erstmals sollen sich virtuelle Begegnungen wie echte Interaktionen anfühlen.

 

    • Selbst ausprobieren konnten wir es leider nicht. In Deutschland wird die Quest Pro vorerst nicht verkauft, weil Meta immer noch mit dem Bundeskartellamt streitet, das vor zwei Jahren ein Missbrauchsverfahren eingeleitet hatte.

 

    • Man arbeite an einer Lösung, sagt Krause, nennt aber kein Datum. Vorerst gibt es auch keine Testgeräte für deutsche Medien.

 

    • Neben der Hardware machte Zuckerberg zwei weitere wichtige Ankündigungen. Zum einen möchte man Horizon Worlds, eine Art soziales Netzwerk innerhalb des Metaverse, perspektivisch auch für Laptops und Smartphones öffnen.

 

    • Das könnte entscheidend sein, um die virtuellen Welten für eine breitere Masse zugänglich zu machen. Im Februar tummelten sich rund 300.000 Menschen in Horizon Worlds, aktuelle Zahlen sind nicht bekannt.

 

    • Allein Facebook hat fast drei Milliarden Nutzerinnen und Nutzer, das sind 10.000 Mal mehr. Damit bis 2030 mehr als eine Milliarde Menschen den Weg ins Metaverse finden, wie es Zuckerberg vorschwebt, braucht es keine teure Technik, sondern günstige Geräte.

 

    • Die Quest Pro zählt definitiv nicht dazu: Mit einem Verkaufspreis von 1500 Dollar spricht sie hauptsächlich enthusiastische Gamerinnen, Entwickler und Menschen an, für die Geld keine Rolle spielt.

 

    • Zum anderen verkündete Zuckerberg Partnerschaften mit Microsoft und anderen großen Unternehmen. Künftig soll man Teams-Konferenzen auch als Avatar besuchen (The Verge), gemeinsam in VR an Office-Dokumenten arbeiten und Xbox-Spiele streamen können.

 

    • Das ist ein wichtiges Signal: Meta entwickelt das Metaverse nicht allein, sondern holt sich Partner ins Boot, die ebenfalls daran glauben.

 

    • Der Einstieg von Microsoft ist aber auch ein Wagnis. Am Ende könnte man selbst viele Milliarden in die technische Grundlage stecken, während andere die wichtigsten Apps und Plattformen entwickeln, in denen sich Menschen treffen.

 

  • Zuckerberg weiß um diese Gefahr. Dennoch: „I think the pros of the partnership way outweigh the risks“, sagt er (Stratechery).

 

Warum selbst bei Meta manche skeptisch sind

    • Zuckerbergs Keynote wirkte wie eine Überzeugungspredigt – nicht nur für Medien, Entwickler und interessierte Nutzerinnen, sondern auch für seine eigenen Teams.

 

    • Das ist auch nötig: In den vergangenen Tagen berichteten The Verge und die New York Times über große Zweifel und zunehmenden Unmut.

 

    • Angesichts der Summen, die man in unbewiesene Projekte stecke, werde ihm schlecht, soll ein leitender Manager gesagt haben.

 

    • Vishal Shah, der die Metaverse-Entwicklung verantwortet, forderte seine Angestellten auf, selbst mehr Zeit in Horizon Worlds zu verbringen. Bislang haben sie darauf keine Lust, die virtuelle Welt ist voller Fehler und macht keinen Spaß.

 

    • Bei einer anonymen Umfrage unter 1000 Meta-Angestellten sagten gerade mal 58 Prozent, sie verstünden die Strategie des Konzerns. Manche bezeichnen Metaverse-Projekte intern angeblich scherzhaft als M.M.H.: „Make Mark Happy“.

 

    • Europachef Krause nennt diese Berichte „nicht repräsentativ“, er spüre große Zuversicht. Zuckerbergs Keynote sei „ein Moment des Stolzes“ gewesen. Am darauffolgenden Morgen hätten alle geschwärmt: nicht nur von den Beinen, sondern auch von der neuen Hardware und den Partnerschaften.

 

    • Wir glauben, dass beides gleichzeitig zutreffen kann. Natürlich löst ein derart fundamentaler Strategiewechsel Skepsis aus, auch innerhalb des Konzerns. Zuckerberg gibt das offen zu und spricht von einem „Tal der Enttäuschungen“ (The Verge), durch das man gehen werde.

 

  • Trotzdem ist es möglich, dass die meisten Entwicklerïnnen hinter Zuckerbergs Plänen stehen. Wer zufrieden ist, spricht eher nicht mit Medien oder gibt interne Memos weiter. Von außen ist es schwer, die Stimmung innerhalb des Konzerns richtig einzuschätzen.

 

Was die Metamorphose erschwert

    • Meta hat sich einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht, um sich neu zu erfinden. Der Aktienkurs ist um mehr als 60 Prozent eingebrochen, weil TikTok, Apples Anti-Tracking-Maßnahmen und die kriselnde Weltwirtschaft dem Konzern zu schaffen machen.

 

    • Im Juli sprach Zuckerberg von einem „der schlimmsten Abschwünge, den wir in der jüngsten Geschichte gesehen haben“ und droht den Angestellten, falls sie dem steigenden Druck und Tempo nicht standhalten (mehr dazu in Briefing #807).

 

    • Das betrifft auch die Investitionen ins Metaverse. Ursprünglich wollte man dafür 10.000 neue Stellen schaffen, diese Zahl dürfte nun deutlich kleiner ausfallen. Neuanstellungen wurden fast komplett auf null gesetzt, Meta muss sparen.

 

    • Zuckerberg sagt selbst, dass es rund 15 Jahre dauern wird, um seine Vision umzusetzen. Bis dahin muss Meta einen schwierigen Spagat meistern.

 

    • Facebook und Instagram spülen Geld in die Kasse, deshalb müssen die Produkte weiterentwickelt werden. Gleichzeitig möchte Zuckerberg enorme Ressourcen in Forschung und Entwicklung für das Metaverse stecken.

 

    • Das schmälert die Gewinne und drückt den Börsenkurs, da es Jahre bis Jahrzehnte dauern wird, bis sich diese Investitionen auszahlen.

 

  • Man könnte die aktuelle Situation aber auch anders interpretieren: Zuckerberg hat erkannt, dass Facebook und Instagram Auslaufmodelle sind. Wenn der Konzern noch einmal ähnlich dominant werden will wie im vergangenen Jahrzehnt, dann wird das nur im Metaverse gelingen.

 

Was die Zahlen sagen

    • Bislang hat Meta rund 15 Millionen VR-Brillen verkauft. Im zugehörigen App-Store gibt es etwa 400 Apps, die mehr als 1,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet haben.

 

    • Viele Start-ups wären froh über ein solches Geschäftsmodell, für Meta ist es bislang aber eher ein Rundungsfehler in der Gesamtbilanz.

 

    • Damit sich die gewaltigen Investitionen auszahlen, muss das Metaverse exponentiell wachsen, und das besser morgen als in fünf Jahren.

 

    • Ausgeschlossen ist das nicht. Roblox und Fortnite zeigen das Potenzial und die Faszination, die virtuelle Welten auslösen.

 

    • Die Chancen stehen gut, dass eine Mischung aus Virtualität und Realität das mobile Internet ablösen oder zumindest ergänzen wird.

 

  • Doch es ist völlig unklar, ob es fünf, zehn oder 25 Jahren dauern wird – und ob es Zuckerberg sein wird, der diese Zukunft maßgeblich mitgestaltet.

 

Be smart

Auch Apple arbeitet an einer Brille für erweiterte und virtuelle Realität, die 2023 auf den Markt kommen soll (Bloomberg). Zuckerberg ätzt schon mal vorsorglich gegen seinen Lieblingsfeind: Apple arbeite an einem geschlossenen Ökosystem (The Verge), während man selbst eine offene Welt vor Augen habe, an der alle Unternehmen, Entwicklerinnen und Nutzer teilhaben könnten.

Dabei verschweigt er, dass Meta mit Facebook und insbesondere Instagram alles daran gesetzt hat, abgeschottete Plattformen zu bauen, die das Gegenteil eines freien Webs darstellen. Die Offenheit, die Zuckerberg jetzt proklamiert, ist nicht aus Überzeugung, sondern aus der Not geboren.

Im Gegensatz zu Apple und Google besitzt Meta kein Betriebssystem und ist auf die Konkurrenz angewiesen. Im Metaverse könnte sich Zuckerberg von Android und iOS befreien und seine eigenen Regeln schreiben. Besonders verlockend klingt das für uns nicht.


1LIVE startet BeReal-Experiment

Ok, mit BeReal und uns ist das so eine Sache. Am Anfang haben wir es ein Stück weit verpennt, mit als erstes über BeReal zu schreiben. Dann passierte eine Zeit lang nicht wirklich viel Neues. Ja, die ersten Download-Zahlen sahen ganz spannend aus, aber irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, dass es schon auch ganz ok war, der App jetzt noch keine Sonderbehandlung in Form eines Deep Dives verpasst zu haben.

In den vergangenen Wochen hielt BeReal dann aber doch vermehrt Einzug in unsere Berichterstattung – vor allem weil andere Plattformen BeReal-Funktionen locker-easy gekapert und in die eigenen Angebote integriert haben (siehe Insta, TikTok und Snapchat).

Als uns Ann-Katrin Schmitz nach unserer Einschätzung fragte, fiel unser Urteil im „Baby got Business“-Podcast (Spotify) daher auch nicht all zu rosig aus.

Neben der beeindruckenden Story, dass das Ding von Frankreich aus mit einem recht kleinen Team so viel Buzz erzeugen konnte, stellt sich leider die Frage: Ist die App wirklich mehr als ein Feature? Oder verhält es sich so wie bei Clubhouse, das drei Monate satten Fame erlebte und dann genauso schnell wieder abstürzte. Die jüngsten BeReal-Zahlen lassen jedenfalls erahnen, dass der Hype bereits wieder abgeflaut ist (siehe Ausgabe #832).

Nun kamen aber die langjährigen Watchblog-Leserïnnen und Kollegïnnen vom WDR auf uns zu mit dem Hinweis, dass 1Live seit einer Woche mit einem eigenen Account bei BeReal unterwegs ist. Das hat uns natürlich neugierig gemacht. Per E-Mail-Interview wollten wir wissen, wie der Test konkret funktioniert und was sich die 1LIVE-Macherïnnen von ihrem Engagement bei BeReal versprechen. Hier die Antworten:

Wie funktioniert der Test ganz praktisch: Wer kriegt „das Handy“ mit BeReal?

  • Die Projektleitung (in Persona: ein:e Redakteur:in im Wochenwechsel) kümmert sich darum, dass das 1LIVE-Redaktionshandy dahin gelangt, wo spannende Dinge passieren: Zum Beispiel berealen wir von einem 1LIVE-Event wie der Comedynacht XXL oder von einer wahnwitzigen Aktion von Daniel Danger, zeigen Momentaufnahmen aus dem Studio oder machen ein BeReal direkt von der Krone-Bühne 2022. Was uns dabei enorm geholfen hat: 1LIVE hat das Glück, über eine gute Planungs-Infrastruktur zu verfügen. So können wir gut im voraus planen, was für Woche XY mögliche BeReal-Slots sind und die Planungsredakteurin übergibt entsprechenden Personen das Redaktionshandy. Wir haben aber auch explizit Zeiten für “kreativen Freiraum” eingeplant. Mittwochs ist beispielsweise der “Mitarbeiter:innen Mittwoch” hier wollen wir Einblicke in die einzelnen Units von 1LIVE geben: Mal bekommt die Musikredaktion das Handy, mal die Producer:innen und ein anderes Mal die Comedyredaktion. Wir möchten unseren Fans unter bere.al/1live einmal pro Tag einen unbearbeiteten Einblick in die Welt von 1LIVE geben. Natürlich werden neben den fetten Aktionen und Events auch ruhige Tage bei 1LIVE abgebildet – denn diese Mischung trifft genau den Sinn der App.

Was sind für euch Erfolgsindikatoren?

  • Da sein, wo die Zielgruppe ist: Als junge Marke hat 1LIVE den Anspruch, immer da zu sein, wo sich die Zielgruppe aufhält. Und das ist in diesem Moment auch BeReal.
  • Iterativ entwickeln oder einfach gesagt: Wir wachsen mit den Fans! Das direkte Feedback der Community spielt dabei natürlich eine große Rolle: Was wird kommentiert? Wieviele Realmojis bekommen unsere Posts? Und was sind die Reaktionen außerhalb der Plattform?
  • Mutig sein & experimentieren: Wir probieren aus, experimentieren und versuchen in den ersten Wochen möglichst viel Varianz aus dem 1LIVE-Alltag zu zeigen.
  • Zielgruppe bei Produktion involvieren: Wir binden Menschen aus der Zielgruppe (GenZ) in das 1LIVE-BeReal-Projekt mit ein. So sind unsere Community- Managerinnen allesamt aus der GenZ.

Welche Learnings erhofft ihr euch davon?

  • Während er dreimonatigen Testphase wollen wir so viel über die Plattform lernen, wie möglich und genau analysieren, welche Inhalte funktionieren und welche eben nicht. Da Instagram und TikTok mittlerweile ähnliche Funktionen etabliert haben, können die Erkenntnisse auch hilfreich für zukünftige Umsetzungen auf anderen Plattformen sein.

Warum überhaupt das Experiment: Ist der erste Hype nicht schon wieder vorbei?

  • Um im digitalen Bereich relevant zu bleiben, ist es wichtig auch Nischen-Plattformen zu erkunden und Trends auszuprobieren. Sollte BeReal kein Zukunftspotenzial haben, nehmen wir das auch als wertvolles Learning mit. Das Konzept einer geplanten kollektiven Erfahrung (scheduled collective experiences) im digitalen Raum ist jedoch ein relativ neues Phänomen, das wir gerne erforschen wollen.

Warum 1LIVE? Der WDR ist ja riesig…

  • 1LIVE hat nicht nur Potential auf BeReal, da sich die Zielgruppen überschneiden (Millennials und GenZ), sondern auch aufgrund des Behind-the-Scenes-Aspekts, der für die Hörer:innen und Follower:innen von 1LIVE auf anderen Plattformen nicht gezeigt wird.

Wie steht es um die Motivation der Mitarbeiter:innen, noch eine neue Plattform auszuprobieren – habt ihr mit all den anderen Plattformen nicht schon genug am Hacken?

  • Da es sich bei BeReal um zwei parallel geschossene Fotos pro Tag handelt, ist der Aufwand (besonders im Vergleich zu unseren anderen Plattformen) überschaubar. Die Motivation ist hoch, das 1LIVE-Team experimentiert gerne und möchte abermals zeigen: Wir sind schnell und agil im Digitalen. Probieren Neues aus und lassen es wieder, wenn es nicht funktioniert. Um nicht “noch etwas draufpacken“ war es wichtig, dass das Projekt von Anfang an limitiert wurde (maximal drei Monate). Außerdem wurden vorab mit allen Units passende Workflows etabliert und ein Ressourcen-Check gemacht (der klein ausfiel, BeReal ist wie schon geschrieben nicht aufwändig).

Gibt es Support von BeReal? Steht ihr mit dem Unternehmen in Kontakt?

  • Bis jetzt steht 1LIVE nicht mit BeReal in Kontakt.

Drei erste Insights, die 1LIVE zum Start gesammelt hat…

  1. Man kann sich mit bis zu fünf Devices parallel mit einem BeReal-Konto einloggen.
  2. Die Freundschaftsanfragen sind limitiert: Ab 50 Anfragen ist Schluss. Man muss erst die alten Anfragen akzeptieren, um neue zu erhalten.
  3. Es gibt einen Hack, um zu sehen, wer Screenshots vom eigenen BeReal gemacht hat. Hier das TikTok-Video dazu.

Was steht bei euch gerade an? Habt ihr ein spannendes Projekt, das ihr mit der Social Media Watchblog-Community teilen möchtet? Wir freuen uns über Hinweise per E-Mail oder über unseren Community-Postkasten 🙂


Social Media & Politik

  • Weißes Haus x TikTok-Stars: Das Weiße Hause lässt nichts unversucht, um die jüngere Generation mit politischen Botschaften zu beglücken. Nach einem Test im März (Washington Post) lädt Joe Bidens Staff erneut TikTok-Stars ein (NPR), um frohe Kunde in die Toks zu tragen. Tja. Und hierzulande ärgern sich immer noch einige, wenn YouTube-Kollegïnnen in der Bundespressekonferenz Fragen stellen.

Kampf gegen Desinfo

  • US-Verschwörungsideologe Alex Jones muss fast eine Milliarde Dollar Strafe zahlen, weil er über Jahre den Amoklauf an der Sandy-Hook-Schule geleugnet hatte. So sieht es die Entscheidung eines Gerichts im US-Bundesstaat Connecticut vor (Tagesschau). Ob es wirklich zu der Zahlung kommt, bleibt fraglich. Erstens wird erwartet, dass Jones gegen die Entscheidung vorgeht. Zweitens ist völlig unklar, wie viel Jones überhaupt zahlen kann – seine Website meldete im April Insolvenz an.
  • Auf dem nicht-englischen Auge blöd: Desinformationen sind eine diffizile Angelegenheit. Seit Jahren wird darüber diskutiert, inwiefern Desinfo-Kampagnen nun wirklich zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen. Die Plattformen jedenfalls geloben – immer dann wenn gerade irgendwo eine Anhörung ist – Besserung. Wirklich passieren tut aber nur etwas mit Blick auf englischsprachige Narrative. Sobald es um andere Sprachen geht, sieht die Sache anders aus. Hier schaffen es die Plattformen oft nicht, ihren selbstgesteckten Zielen gerecht zu werden – auch nicht im Vorfeld der US-Midterms (New York Times).

Follow the money

  • TikTok arbeitet an E-Commerce-Ökosystem: Bislang handelt es sich lediglich um Stellenausschreibungen, aber die haben es in sich: TikToks Mutterhaus ByteDance schickt sich an, eigene Fulfillment Center in den USA zu errichten (Axios). So ließen sich die via „TikTok Shop“ erworbenen Produkte direkt über das eigene Logistikzentrum à la Amazon zu den Usern nach Hause bringen. Wenn dann demnächst TikTok auch noch klingelt… Spoooky!
  • TikTok profitierte von Spendenaufrufen einer syrischen Familie: Wer bei TikTok einen Livestream anlegt, kann mittels digitaler Präsente (Herzchen und Co) echtes Geld verdienen. TikTok freut sich dann über einen entsprechenden Anteil an den erwirtschafteten Umsätzen. Dass syrische Geflüchtete darüber allerdings einen Spendenaufruf starten könnten, hat TikTok womöglich nicht vorhersehen können. Entsprechend groß ist nun das Entsetzen über einen Bericht der BBC.

Was wir am Wochenende lesen

  • With competitors like TikTok and BeReal, Instagram needs to double down on its roots: Despite changes, Instagram still has lots to offer users and brands (Fast Company)
  • Were fears about the “infodemic” overblown? (NiemanLab)

Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • Achievement Badges: Damit alle noch mehr Reels bauen, bastelt Instagram an sogenannten Achievement Badges (@alex193a). Userïnnen könnten dann zum Beispiel eine Auszeichnung als Trendsetter erhalten oder wenn sie mit anderen einen „Creative Streak“ hingelegt haben. (Was auch immer das dann sein soll.)

Twitter

  • Spaces innerhalb von Communities. Twitter bietet jetzt Community-Mods an, eigene Spaces innerhalb ihrer Gruppe abzuhalten (@HiCommunities).
  • Spotlight Links: US-Nutzerïnnen mit einem professionellen Twitter-Konto können jetzt die neue Spotlight-Link-Funktion (@TwitterBusiness) nutzen. Damit lässt sich auf der Profilseite ein Link prominent als eine Art Button setzen. Kommt in Deutschland bestimmt auch. Bald.

Substack

Substack hat eine ganze Reihe neuer Features bekannt gegeben. Im Blogpost gibt es die ausführlichen Erklärungen, bei uns den schnellen Überblick:

  • Gift referrals: Wer mag, kann jetzt Abos leichter verschenken.
  • Media kits: Wer einen Substack-Newsletter (bzw. -Artikel) veröffentlicht, erhält nun automatisch Post-Vorschläge für Insta, Twitter und Co.
  • Grafiken für Instagram: Weil viele Substack-Autorïnnen ihre neuen Ausgaben auf Instagram kommunizieren, hat Substack jetzt eigene Grafiken für Insta-Stories entwickelt.
  • Homepage-Anpassungen: Substack verwandelt sich immer stärker in Richtung Website-Anbieter – die Option, Seiten zu erstellen und Links in die Menüzeile zu integrieren sind weitere Schritte dahin.
  • Paywall für das Archiv: Wer seine Artikel frei veröffentlicht, kann ausgewählte nach Ablauf einer bestimmten Zeit automatisch hinter eine Paywall setzen.

Snapchat

 


Header-Foto von Max Bender