EU-Kommission verteidigt Chatkontrolle mit hanebüchenen Argumenten | Social Media verändern die Selbstwahrnehmung von Mädchen und Frauen | YouTube-Kanäle bekommen Handles

Salut und herzlich willkommen zur 832. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute mit jeder Menge News. Tief getaucht wird dann am Donnerstag wieder - u.a. ins Metaverse und in erste journalistische Feldversuche bei BeReal. Stay tuned, vielen Dank für die Wertschätzung unserer Arbeit und hört mehr Funk, Martin und Simon
Danke fürs Teilen

Social Media & Politik

  • Unser täglich Musk gib uns heute: Der Twitter-Deal ist immer noch nicht durch. Stattdessen wirft Musk Twitter vor (Bloomberg), das Unternehmen habe den früheren Sicherheitschef Peiter „Mudge“ Zatko gezwungen, wichtige Beweismittel zu vernichten. Gleichzeitig (FT) verharmlost der Tesla-Chef den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, schmiert China Honig ums Maul, brüskiert nach der Ukraine auch noch Taiwan und macht „Neomarxisten“ dafür verantwortlich, dass seine Tochter den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Kurzum: Wir können es kaum erwarten, dass Musk Twitter kauft und Trump endlich das Mikrofon zurückgibt (CNBC).
  • Insta und Twitter sperren Kanye West: Wenn wir schon bei unangenehmen Dudes sind, darf einer nicht fehlen: Ye, wie sich der Rapper und überzeugte Trump-Fan Kanye West mittlerweile nennt. Zuerst sperrte Instagram seinen Account (CNN), nachdem er dort antisemitische Inhalte verbreitet hatte. Daraufhin reaktivierte Ye seinen seit Jahren brachliegenden Twitter-Account, was – und damit schließt sich der Kreis – Musk bejubelte („Welcome back to Twitter, my friend!„). Da Ye seinen Judenhass aber auch auf Twitter zur Schau stellte („death con 3 On JEWISH PEOPLE“), war für ihn auch dort bald Schluss. Das verleitete selbst den bekennenden Redefreiheits-Radikalen Musk zu sanftem Tadel („Talked to ye today & expressed my concerns about his recent tweet, which I think he took to heart„). Wenn sich ein Antisemit wie Ye Musks Bedenken zu Herzen nimmt, sind wir natürlich vollkommen beruhigt. Unschöne Randnotiz: Falls Texas neues (und vollkommen wahnwitziges) Social-Media-Gesetz vor Gericht Bestand hat, dürfte Twitter Tweets wie den von Ye künftig wohl nicht mehr löschen (WaPo) – weil: „Zensur“. What a time to be alive.
  • EU-Kommission verteidigt Chatkontrolle mit hanebüchenen Argumenten: In Briefing #796 erklärten wir ausführlich, warum die Art und Weise, wie die EU-Kommission Kindesmissbrauch bekämpfen will, einen gefährlichen Angriff auf Verschlüsselung und die Privatsphäre Hunderter Millionen Menschen darstellt. Diese Pläne verteidigte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson am Dienstag im Europaparlament. Mit fragwürdigen Aussagen (Golem) und wirren Vergleichen (Netzpolitik) bügelte sie die massive Kritik der Abgeordneten (Heise) ab. Gleichzeitig veröffentlichen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen, AlgorithmWatch, digitalcourage und die Gesellschaft für Freiheitsrechte Aufrufe gegen die Verordnung zur Chatkontrolle.
  • Durchsuchung nach Facebook-Like war verhältnismäßig: Zu diesem Urteil kommt das Landgericht Meiningen (JurPC), das über die Klage eines Mannes entschied, der auf Facebook strafbare Äußerungen über die Tötung zweier Polizisten in Kusel gelikt haben soll. Daraufhin durchsuchte die Polizei seine Wohnung und beschlagnahmte Geräte. Es ist das erste Urteil zur Frage (Golem), ob bereits ein Like zu solchen Maßnahmen führen darf.

Datenschutz-Department

  • Apps erbeuten massenweise Facebook-Nutzerdaten: Metas Sicherheitsforscherïnnen haben mehr als 400 Android und iOS-Apps identifiziert (Meta-Newsroom), die es darauf abgesehen hatten, Zugangsdaten für Facebook-Konten zu ergaunern. Die Apps tarnten sich als vermeintliche harmlose VPN-Dienste, Spiele, Taschenlampen oder Fotobearbeitungs-Programme. Mehr als eine Million Menschen sollen betroffen sein. Das zeigt, dass es Apple und Google immer noch nicht gelingt (Wired), ihre App-Stores zuverlässig zu kontrollieren und Kriminelle auszusperren.
  • Android gibt trotz VPN Datenverbindungen preis: Der VPN-Entwickler Mullvad (einer der wenigen wirklich vertrauenswürdigen Anbieter auf dem Markt, auf dessen Infrastruktur auch Mozillas VPN aufbaut), hat Ergebnisse aus einem laufenden Security-Audit veröffentlicht (Mullvad VPN). Demnach leaken Android-Smartphones selbst dann bestimmte Netzwerk-Checks, wenn man einen VPN-Tunnel errichtet und die Option aktiviert, dass alle Verbindungen außerhalb des VPNs geblockt werden sollen. Für die meisten normalen Nutzerïnnen ist die Gefahr eher gering. Trotzdem sollte man im Hinterkopf behalten: Auch mit aktivem (seriösen) VPN gibt es keine absolute Garantie auf Anonymität.

Trends/Studien

  • Ein Drittel der Minderjährigen soll falsches Alter in sozialen Medien angeben: Die meisten Plattformen sind offiziell ab 13 Jahren erlaubt, manche Funktionen sind erst ab 16 oder nur für Volljährige verfügbar. Das hält Kinder und Jugendliche aber natürlich nicht davon ab, TikTok, Instagram oder Snapchat zu nutzen. Ein Drittel der 8- bis 17-Jährigen soll bei der Anmeldung einfach ein falsches Geburtsdatum angegeben haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom (TechCrunch). Das wissen auch die Plattformen, die mithilfe von maschinellem Lernen versuchen, verdächtig „junges“ Verhalten zu identifizieren und Konten zu sperren. Besonders zuverlässig funktioniert die Technik offenbar nicht. Die Verantwortung allein den Konzernen in die Schuhe zu schieben, wäre aber zu einfach. Verpflichtende Ausweiskontrollen bei Anmeldung, …

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