Wie WhatsApp seine neuen Bedingungen durchdrücken will | Facebook und Australien einigen sich doch | Zensur bei ByteDance

Salut und herzlich willkommen zur 705. Ausgabe des Social Media Briefings! Heute beschäftigen wir uns damit, wie WhatsApp seine neuen Nutzungsbedingungen durchdrücken will. Zudem konnten sich Facebook und Australien doch noch einigen in Sachen News - besser wird es dadurch aber nicht. Wir wünschen wie üblich eine gewinnbringende Lektüre und bedanken uns für das Interesse an unserem Newsletter! Simon und Martin

Wie WhatsApp seine neuen Bedingungen durchdrücken will

Was ist

WhatsApp startet einen zweiten Anlauf und versucht, die Aktualisierung seiner Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie besser zu erklären. Das Ultimatum läuft nun bis 15. Mai. Um renitente Nutzerïnnen unter Druck zu setzen, hat sich das Unternehmen einen fiesen Psychotrick einfallen lassen.

Was war

Mitte Januar schrieben wir in Briefing #695:

Seit einer Woche dreht das halbe Netz durch – und zwar nicht (nur) wegen Donald Trump, sondern auch wegen den neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Wer nicht bis zum 8. Februar zustimmt, kann nicht mehr chatten.

Gerüchte und Panikmache machen die Runde: WhatsApp wolle die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufweichen. Facebook könne bald nicht nur auf Metadaten, sondern auch auf die Inhalte der Nachrichten zugreifen. Nutzerïnnen teilen wilde Memes und verkünden stolz, dass sie ihren WhatsApp-Account gelöscht haben.

Damals löste ein kleines Pop-up große Panik aus. Millionen Menschen meldeten sich bei den Konkurrenten Signal, Threema und Telegram an. Vor allem in WhatsApps größten Markt Indien drohte ein Massenexodus.

Wie WhatsApp vorgehen will

  • Mit einem Blogeintrag, einer neuen Hilfeseite und Antworten auf häufig gestellte Fragen versucht WhatsApp, besorgte Nutzerïnnen zu beruhigen.
  • Außerdem stellt das Unternehmen klar, was passiert, wenn man trotzdem nicht mit den neuen Bedingungen einverstanden ist – und diese Pläne haben es in sich.
  • WhatsApp wird Konten nicht sofort löschen, aber seine Funktionen massiv einschränken: "Du wirst zwar für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können."
  • WhatsApp schürt also bewusst FOMO: Sieh mal, wer dir alles schreibt. Wäre doch schade, wenn du nicht mehr erfährst, was dir deine Freundin erzählen will. Willst du es dir nicht doch noch anders überlegen?
  • Die "kurze Zeit" des psychologischen Drucks soll wohl einige Wochen dauern (TechCrunch).
  • Dann verstummen die Benachrichtigungen, das Konto wird stillgelegt. Zustimmen kann man den neuen Nutzungsbedingungen in dieser Zeit aber immer noch, die Bedenkzeit gilt 120 Tage lang.
  • Danach wird das Konto gelöscht, wie es WhatsApps Richtlinie für inaktive Accounts vorsieht. Allerdings lässt das Wort "normalerweise" die Tür für eine weitere Verlängerung der Frist offen.

Warum die Sorgen unbegründet sind

  • Damals wie heute gilt: Die neuen Nutzungsbedingungen ändern nichts Wesentliches. WhatsApp teilt künftig nicht mehr Daten mit Facebook als bislang – nur wurde das so schlecht kommuniziert, dass Raum für Fehlinformationen blieb.
  • Insbesondere für Menschen in der EU ändert sich kaum etwas. Unternehmen sollen künftig einfacher mit Nutzerïnnen kommunizieren können, deshalb werden die Nutzungsbedingungen angepasst.
  • Zudem verpasst WhatsApp der Datenschutzerklärung ein neues Layout und überarbeitet einige Passagen, um klarer zu machen, wie es Informationen verwaltet.
  • Die beiden größten Ängste sind aber unbegründet. Zum einen bleiben Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, WhatsApp kann die Inhalte niemals sehen.
  • Zum anderen werden zwar Metadaten mit Facebook geteilt, sodass der Mutterkonzern erfährt, wer die App wann öffnet und mit wem chattet. Das geschieht allerdings schon seit Jahren.
  • Innerhalb der EU gilt nach wie vor, dass…

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