WhatsApp-Nutzungsbedingungen | Social-Media-Strategien von Merz, Laschet und Röttgen | YouTube sperrt Trump

Salut und herzlich willkommen zur 695. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute schauen wir auf die neuen WhatsApp-Nutzungsbedingungen und erklären, warum für Nutzerïnnen in Europa Panik nicht angebracht ist, ein Wechsel zu einer anderen Plattform aber trotzdem lohnt. Zudem beschäftigen uns die Social-Media-Strategien von Merz, Laschet und Röttgen. Wir blicken auf die Schattenseite der „Passion Economy“. Und wir lernen, dass zwar immer mehr Amerikaner News via Social Media erhalten, sie aber nicht unbedingt erwarten, dass die News auch stimmen. Herzlichen Dank für das Interesse an unserem Newsletter! Simon und Martin

WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Keine Panik, trotzdem wechseln

Was ist (mit Augenzwinkern)

Da haben wir ja etwas angerichtet! In Briefing #693 schrieben wir vergangene Woche:

Wir empfehlen seit Jahren Signal und Threema als sichere und datensparsame Lösungen. (…) Wer WhatsApp und den Facebook Messenger mit iMessage oder Signal vergleicht, könnte ins Grübeln kommen, ob es sich nicht vielleicht doch lohnt, ein bisschen Überzeugungsarbeit zu leisten, um mit dem Familienchat umzuziehen.

Seitdem wird Signal überrannt. Erst machten kurzzeitig die Server schlapp, dann schoss die App auf Platz eins der internationalen und deutschen (alle Twitter) Download-Charts für Gratis-Apps. Auch Threema wurde wie wild heruntergeladen: "In den App-Stores in Deutschland, Schweiz und Österreich ist Threema aauf Platz eins der App-Charts der Bezahl-Apps", sagt ein Sprecher.

Okay, womöglich sind wir nicht allein dafür verantwortlich:

  • Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass WhatsApp seine Nutzerïnnen mit einem verwirrenden Pop-up auf neue Nutzungsbedingungen einstellt.
  • Es könnte auch sein, dass das Deplatforming eines nicht ganz unbedeutenden Politiker dazu beiträgt, dass Millionen Menschen sich jetzt nach neuen Netzwerken und Messengern umsehen.
  • Unter Umständen hat auch Elon Musk dazu beigetragen, der seinen 40 Millionen Twitter-Followern vergangene Woche empfahl: "Use Signal" – woraufhin nicht nur die Signal-Downloads durch die Decke gingen, sondern auch der Aktienkurs der börsennotierten Firma Signal Advance (CNBC), das rein gar nichts mit der Signal Foundation zu tun hat, die unter anderem von WhatsApp-Gründer Brian Acton getragen wird (Wired), der sein Unternehmen im Konflikt mit Mark Zuckerberg verließ.

Eventuell waren diese Ereignisse noch entscheidender als unser Ratschlag. Aber ganz sicher sind wir nicht.

Was ist (spaßbefreit)

Seit einer Woche dreht das halbe Netz durch – und zwar nicht (nur) wegen Donald Trump, sondern auch wegen den neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Wer nicht bis zum 8. Februar zustimmt, kann nicht mehr chatten.

Gerüchte und Panikmache machen die Runde: WhatsApp wolle die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufweichen. Facebook könne bald nicht nur auf Metadaten, sondern auch auf die Inhalte der Nachrichten zugreifen. Nutzerïnnen teilen wilde Memes und verkünden stolz, dass sie ihren WhatsApp-Account gelöscht haben. Fehlt nur noch, dass sie Bilder teilen, um den neuen AGB zu widersprechen – erinnert sich noch jemand (SZ)?

Was dahintersteckt

Tatsächlich informiert WhatsApp per Pop-up über neue Nutzungsbedingungen. Die Änderungen sind allerdings deutlich weniger gravierend, als viele befürchten. Vor allem für Menschen innerhalb der EU ändert sich fast nichts.

Tatsächlich ergänzt WhatsApp nur Informationen, auf welcher Rechtsgrundlage es Daten verarbeitet, und überarbeitet einige Passagen zur Kommunikation mit Unternehmen. Meike Laaff und Lisa Hegemann haben die Änderungen sehr ausführlich analysiert und schlussfolgern:

Was man sagen kann: So viel Neues enthalten die Datenschutzbedingungen nicht. Es entsteht allerdings nicht der Eindruck, als habe WhatsApp großes Interesse daran, Nutzerinnen und Nutzern einfach und verständlich zu erklären, was mit ihren Daten passiert.

Das trifft es gut. Zu der gewohnt technokratischen Sprache, in der solche juristischen Erklärungen verfasst …

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