Suche neue Herausforderung, Elternzeit & Watchblog-Pause

martin Allgemein

Liebe Leser

Das Social Media Watchblog geht jetzt ins fünfte Jahr! Über 4.000 Leser konnten wir in all der Zeit als Abonnenten gewinnen – mehr als die Hälfte liest uns jeden Morgen. Das sind tolle Zahlen für ein Projekt, das als reines Hobby-Projekt startete und sich zu einem echten Service für Medienmacher aus den unterschiedlichsten Branchen gemausert hat.

Allerdings ist das Social Media Watchblog auch echt Arbeit geworden. Arbeit, die uns als Team zwar begeistert, aber auch gerade mich wirklich fordert, da ich als Herausgeber natürlich alles, was wir publizieren, im Blick haben muss. Da für mich nun meine letzten drei Monate Elternzeit anbrechen, habe ich mich entschieden, dass wir ab sofort eine Watchblog-Pause einlegen.

Ich möchte für ein paar Wochen / Monate raus, mir komplett Zeit für die Familie nehmen, reisen und vor allem: einen neuen Job suchen!

Wer glaubt, dass ich gut in sein Team passen würde, der sollte mir unbedingt schreiben. Meine Beats: Journalismus, Technologie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Einsatzort ist relativ, die Perspektive muss stimmen. Mehr zu meiner Person, meinen Berufserfahrungen und Schwerpunkten gibt es hier: martingiesler.de. Ich freue mich sehr über Angebote, Hinweise und Ideen!

Herzlichen Dank und einen schönen Frühling!

Martin

P.S.: Ich bin der mit den "99 Gedanken" zu Social Media und Journalismus. Und der mit dem "Wie man einen Beitrag baut" – letzteres ist aber schon etwas länger her ¯\_(ツ)_/¯


Über den Autor

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

#Briefing: Facebook startet Tool gegen Fake-News, Wider Walled Gardens, Livestream-Crime

martin Briefing

Von Fact-Checkern „disputed“

Facebook hat damit begonnen, Nutzer vor dem Teilen von Fake-Inhalten zu warnen. Wie üblich testet Facebook das neue Feature vorerst nur mit einer kleinen Nutzergruppe. Auf der Hilfe-Seite von Facebook wird das Feature aber bereits erklärt. So poppt vor dem Teilen ein Warnhinweis auf, der Nutzer darüber informiert, dass die Echtheit des Inhalts von unabhängigen Fact-Checkern angezweifelt wird. Wer dennoch teilen möchte, kann das natürlich gern tun. Der [Guardian] hat die ganze Story: Disputed by multiple fact-checkers.

Holt Euch das Internet zurück!

Johnny Haeusler erinnert sich in seiner aktuellen Kolumne an die guten Zeiten, als man noch Quelltexte und Links hatte. Äh, Moment. Die gibt es noch? Ach so. Nun ja. Haeusler ermuntert jedenfalls sein Publikum dazu, sich das Netz zurückzuerobern. Schließlich sei es nicht hinnehmbar, dass Nutzer heutzutage nicht ohne Umwege von einer Social-Media-App zur anderen etwas teilen könnten. Vielmehr sei es ja gerade im Interesse der Plattformen, als Walled Garden zu agieren. (Was muss sich Instagram übrigens damals kaputt gelacht haben, dass Nutzer automatisch ihre Twitter-Freunde adden konnten – aber das ist eine andere Geschichte.) Grundsätzlich bin ich ganz und gar auf Haeuslers Seite. Ich weiß nur nicht so genau, wen er damit in einer Kolumne bei der WIRED erreichen möchte. Wer die WIRED liest, weiß wahrscheinlich wirklich noch, was ein RSS-Feed ist. Holt euch das InterNETZ zurück! [Wired]

Mutmaßliche Vergewaltigung im Facebook Livestream

Schrecklicher kann es kaum werden: Auf Facebook wurde eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung per Livestream mit bis zu 40 Nutzern geteilt. Facebook hat zwar das Video des Livestreams im Anschluss von der Plattform genommen, der Livestream selbst wurde aber von keiner der 40 Zuschauer bei Facebook beanstandet oder der Polizei gemeldet – ja es gibt diese Möglichkeiten direkt unterhalb des Livestreams. Alles ganz, ganz schrecklich. Teen Daughter Afraid To Come Home After Chicago Attack [ap]

Was sonst noch lesenswert ist

Die Analysen als Newsletter (Montags)

Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint in aller Regel das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

#Briefing: Wer Hass verstehen will, muss Pegida-Slang pauken

martin Briefing

Künstliche Intelligenz lernt Pegida-Slang

Es gehört zu den tragischen Eigenschaften des rechten Hetzers, dass er sich meist nicht nur im Recht sieht, sondern auch noch für besonders lustig hält. Das verklemmt-ironische Spiel mit der „Lückenpresse“ und „Bahnhofsklatschern“ ist aber nicht nur anstrengend unlustig, sondern sorgt auch regelmäßig für Verwirrung. Was ist jetzt noch ernst gemeint und was soll eigentlich gesagt werden?

Besonders schwer ist diese Differenzierung, wenn es darum geht, Hass-Botschaften im Internet zu erkennen. In den USA nutzte das die alt-right-Bewegung bereits und versuchte mit gezielten Wortneuschöpfungen ihren Antisemitismus vor Moderationsfiltern zu verbergen. Jetzt hat das Google-Schwesterunternehmen Jigsaw aber einen Algorithmus vorgestellt, der selbst dazulernen und auch ironische Hassparolen stoppen soll.

Wie die künstliche Intelligenz den Pegida-Slang lernt und welche Probleme es derzeit noch gibt, steht hier. [Motherboard]

Zensiert Youtube zu viel oder zu wenig?

Youtube steht derzeit massiv in der Kritik – zahlreiche Unternehmen beschweren sich, weil ihre Werbung im Umfeld von Hassseiten oder anderen anstößigen Inhalten auftauchte – und sie diese mit ihren Werbegeldern so unterstützten. Gleichzeitig hagelt es aber auch Kritik aus der anderen Richtung, denn Youtube ermöglicht zwar immer wieder Hetze, sperrt LGBT-Videos in bestimmten Bereichen der Seite aber aus. Das Problem: Die einen fürchten zu viel Zensur, die anderen beklagen zu wenig. Das Unternehmen hat bereits Abhilfe versprochen und einige Maßnahmen angekündigt.

Wohin die Reise gehen könnte und was die unterschiedlichen Anforderungen für die Zukunft bedeuten, steht hier. [Guardian]

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#Briefing: Ein Snap sagt mehr als tausend Worte, it’s a bot’s world, Kritik an Trump unerwünscht

martin Briefing

Ein Snap sagt mehr als tausend Worte

Höhlenmenschen kommunizierten mit Wandmalereien, dann erfand irgendjemand die Schrift und nun gehen wir zurück zu unseren Wurzeln? So liest sich die Haltung eines Guardian-Kommentars. Zitiert wird Snapchat-Erfinder Evan Spiegel: „Die Leute wundern sich, warum ihre Tochter 10.000 Fotos am Tag macht. Was sie nicht verstehen ist, dass sie nicht die Bilder konserviert. Sie kommuniziert.“ Also vielleicht endet das Zeitalter der Schrift und es kommt das Zeitalter der Bilder. Wieder. Is Snapchat the sign of a post-literary future? [Guardian]

It's a bot's world

Bis zu 15 Prozent aller Twitter-Accounts stehen im Verdacht, von Bots bespielt zu werden, berichtet Motherboard – das wären etwa 48 Millionen. Die Zahlen stammen von Analysen der US-Universitäten Indiana und Southern California. Verraten haben sich die Bots zum Beispiel durch ihre Namen, das Alter der Accounts, Zahl der Retweets pro Stunde. Twitter selbst spricht übrigens von höchstens 8,5 Prozent Bot-Anteil. New Machine Learning Framework Uncovers Twitter's Vast Bot Population [Motherboard]

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#Briefing: Facebook will sein Geld zurück, Facebook zeigt Journalisten an, wie Social Media unser „Wissen“ verändern kann 

martin Allgemein

Facebook will sein Geld zurück

19 Milliarden US-Dollar hat Facebook für WhatsApp bezahlt. Nun will man natürlich auch Geld verdienen. Basic Thinking analysiert, wie das gehen soll: Mit einer Reihe neuer Funktionen, die auf den ersten Blick ziemlich sinnlos erscheinen: Statusmeldungen, ein Browser-Zugang für den Messenger, Kursiv- und Fettschrift. Nach der Einführung der Snapchat-artigen Statusmeldungen verschlechterten sich die Bewertungen im Appstore übrigens massiv. Entsprechend wird das Feature auch angenommen: Hand hoch, wer Statusmeldungen von Leuten bekommt, die nicht täglich beruflich mit Social Media zu tun haben… danke, reicht. 

Überhaupt intensiviert man die Zusammenarbeit mit Unternehmen, bietet neue Services an. Das, so notiert Christian Erxleben, birgt allerdings das (Facebook-typische) Risiko: Ändert sich WhatsApp oder wird ein Business-Dienst eingestellt, dann sind alle Nutzer weg. „Ein sicheres Modell sieht anders aus.“

In Indien wird’s dafür bald spannend: Unternehmen sollen Nutzern Nachrichten schicken können, die sich gerade in ihrer Nähe aufhalten. Nehmen wir uns also alle einen Moment Zeit und stellen uns das mal in der Mall of Berlin vor… WhatsApp for Business: Facebook will seine 19 Milliarden zurück [Basic Thinking]

Facebook zeigt Kinderpornografie-Rechercheure an

Ich musste es dreimal lesen. Facebook hat Journalisten aufgefordert, Screenshots von Kinderpornografie einzusenden, die das Netzwerk trotz Aufforderung nicht entfernt hat. Das taten die Kollegen. Facebook zeigte sie bei der Polizei an. Das berichtet der britische Guardian, passiert ist es Reportern der BBC. Die hatten testweise 100 Bilder gemeldet, die ihrer Wahrnehmung nach Kinderpornografie zeigten – 18 wurden aus dem Netzwerk entfernt. Ein Facebook-Sprecher kommentierte gegenüber dem Guardian: "Es verstößt für jeden gegen das Gesetz, Kinderpornografie zu teilen." Also auch für Journalisten, die ein Netzwerk mit Anschuldigungen konfrontieren und dafür Beweise vorlegen?  Facebook's stance on sexualised images of children is hypocritical [Guardian]

Wie Social Media unsere Erinnerungen ändern kann – und unser „Wissen"

Wenn ich dir ein Foto zeigen würde, auf denen du und ich auf Mallorca am Strand spielen, dann würdest du dich an die Begegnung im Urlaub erinnern, selbst wenn ich das Bild in Photoshop gebastelt habe. Glaubst du nicht? Bei den meisten Menschen wäre es so, das haben Wissenschaftler bereits erforscht. Was hat das mit Social Media zu tun? Naja. Der Effekt funktioniert nicht nur bei Urlaubsfotos. Deshalb glauben ganz viele Amerikaner, es habe ein „Bowling Green massacre“ gegeben. Gab es aber nicht. 

In der Masse unserer Erinnerungen ist es gar nicht so schwer, eine weitere – fiktive – hinzuzufügen. Auch deshalb sind Fake News ein Problem, berichten Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin Nature. Wenn wir etwas oft genug lesen, glauben wir es. Schließlich stammt die Information von unseren Freunden. How Facebook, fake news and friends are warping your memory [Nature]

Das Gleiche gilt auch für Dinge, die wir zu wissen glauben. Neulich hörte ich tatsächlich den Satz „Es gibt so viele Impfgegner, da muss doch etwas dran sein“, von einer gebildeten, vernünftigen Freundin. Buzzfeed-Reporterin Stephanie M. Lee analysiert, wie sich die Irrgläubigen im Internet versammeln, Unterstützung finden, ihren Glauben irgendwann für Wissen halten. So finde im Internet ein Feldzug gegen die Wissenschaft statt – ein dummerweise sehr erfolgreicher. Nächste Stationen: Klimawandel (erfunden von Konzernen und der Regierung) und Gentechnik (GIFT!). Inside the Anti-Science-Forces of the Internet [BuzzFeed]

PS: Beide Texte sind lang, aber äußerst lesenswert. Vielleicht fürs Wochenende bookmarken?

PPS: Impfungen lösen keinen Autismus aus. Wirklich nicht. Und das ist auch kein Streitthema.

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#Briefing: Big Data für alle, Facebook-Selfies mit Merkel und Twittern ohne Trump

martin Allgemein

Wem gehören unsere Daten?

Es war eine Bombe: Mithilfe von clever ausgewerteten Facebook-Daten habe Donald Trump seinen Wahlkampf gewonnen – Daten, die fast alles über uns verraten könnten. So stand es in einem Artikel, der Anfang Dezember von Zehntausenden geteilt wurde – und danach monatelang von engagierten Medien zerlegt wurde. Fast nichts an der Geschichte war wahr. Fake News. Wir berichteten gestern bereits darüber. Doch was können wir aus der Diskussion lernen?

George Monbiot findet, dass wir die Angst vor Big Data nutzen sollten, um noch schlimmeres zu verhindern. Dabei geht es ihm allerdings um mehr als nur wilde Untergangsfantasien. Monbiot fordert, endlich darüber diskutieren, wem die ausgewerteten Daten eigentlich gehören und anfangen, sie endlich für uns selbst zurückzufordern anstatt sie noch weiter privatisieren zu lassen. Sehr lesenswert, sehr europäisch und angenehm konstruktiv. [Guardian]

Facebook, Boxer und ein Selfie mit Merkel

Wer auf Facebook seine Bilder schützen will, sollte einen Boxer engagieren. Denn dann reagiert das weltgrößte soziale Netzwerk offenbar recht schnell und hilft gerne. So geschehen jedenfalls, als sich die Veranstalter eines Boxkampfes über die massenhaften Livestreams der Zuschauer empörten. Kurze Zeit später versprach Facebook, diese "Piraterie" künftig zu unterbinden.

Von diesem Entgegenkommen kann Anas M. nur träumen – denn die Postings, in denen der junge Syrer mit dem Merkel-Selfie als Terrorist verunglimpft wurde, kassieren bis heute. Und auch nach einem Rechtsstreit wird sich daran wohl so schnell nichts ändern. Doch was tun? Automatisch alle Beiträge filtern lassen und so möglicherweise auch harmloses und kritisches ausfiltern? Oder doch lieber mit dem Status Quo leben, auch wenn Einzelne darunter leiden müssen? Constanze Kurz fasst die schwierige Lage schön zusammen:

"Das Problem ist offenkundig schwer zur Zufriedenheit aller lösbar, es skaliert schlicht nicht gut." 

Wie es weitergehen könnte und wie es nicht weitergehen sollte – das steht alles hier. [Netzpolitik.org]

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#Briefing: Cambridge Analytica, Google fördert „Fake-News“, Social-Media-Nebenwirkungen

martin Briefing

Cambridge Analytica geht die Luft aus

Kurz nach der US-Wahl, als die Welt noch nach einer Erklärung für den überraschenden Sieg Trumps suchte, machte ein Story die Runde, die vielen Menschen Schauer über den Rücken laufen ließ: Angeblich hatte eine Daten-Firma aus Großbritannien das Ei des Kolumbus der politischen Analyse entdeckt: “psychographic” profiles auf Basis von Facebook Daten – und Donald Trump damit zum Wahlsieg verholfen. Ihr habt die Geschichte bestimmt gelesen oder zumindest davon gehört.

Nachdem lange über die Methoden spekuliert wurde, läßt nun die New York Times die Luft aus der Tüte: Alles übertrieben! Die besagte Präzision der Analyse wäre weit von der Wirklichkeit entfernt und Trump hätte sie nie eingesetzt. Die NYT beruft sich dabei auf ehemalige Mitarbeiter der Firma und aus Trumps Team. Größter Kritikpunkt scheint vor allem die angebliche Präzision der Methode zu sein, Wähler exakt einschätzen und dann auch noch adressieren zu können. Für beides bräuchte es mehr als die verfügbaren Daten von Facebook. Sehr lesenswerter Text!  [New York Times]

+ Eine deutsche Kurzfassung der wichtigsten Punkte gibt es hier zu finden. [Die wunderbare Welt der Wirtschaft]

+  Als Zusatzlektüre zu empfehlen: "Zuckerberg World President" – welche Macht Facebook selbst aufgrund eben dieser Daten über uns hat. [Monday Note]

Google fördert wissentlich "Fake-News"

Jeder von uns kennt sie: Googles Direktantworten, die gerahmten Texte mit Quellenangabe, die bei manchen Anfragen (Laut MozCast rund 20%) an erster Stelle der Suchergebnisse erscheinen. Google versucht damit dem Wunsch nach schnellen, direkten Antworten seiner Nutzer nachzukommen. Leider liefern einige dieser Anfragen zum Teil zweifelhafte Antworten (Mein Favorit: "Why are firetrucks red?" "Because they have eight wheels and four people on them …").

Das Problem ist zum einen die Vereinfachung auf eine einzelne Antwort und zum anderen der zugrunde liegende Suchalgorithmus, der sich auf den Google Search Rank bezieht. Diese Fokussierung ist viel störanfälliger (durch Beeinflussung des Search Rank), als die sonst übliche Liste an potentiellen Treffern. Daher fördert sie auch viel häufiger zweifelhafte Fakten zu Tage, die dann prominent gesetzt sind. So befeuert Google weiter die "Fake-News"-Situation, und nimmt dies willentlich in Kauf auf dem Weg zu einer mobil-freundlicheren Strategie." [The Outline]

Social Media Nebenwirkungen

Bringt ein Like mehr Glücksgefühle als eine reale Umarmung? Shane Saunderson stellt sich diese Frage, nachdem er mehrfach durch die Abhängigkeit von Technologie und sozialen Netzwerken ausgelöste Nervenzusammenbrüche erlebt hat. Seitdem plädiert er für einen sorgsamerem Umgang damit und rät öfter auch mal abzuschalten. [Digital Culturist]

Diesen Vorschlag unterstreicht auch das Ergebnis einer aktuellen Studie der University of Pittsburgh zur Frage, was uns dazu verleitet, soziale Netzwerke zu nutzen und welche Auswirkungen das auf die menschliche Psyche hat. Der Untersuchung zufolge fühlen sich Menschen, die sich intensiv mit sozialen Netzwerken beschäftigen, auch öfter sozial isoliert. Was dabei noch unbeantwortet bleibt, ist aber die Henne-Ei-Frage: Was kommt zuerst? Eine zufriedenstellende Antwort bleibt das Forschungsteam schuldig; eine Reduktion der Nutzung von sozialen Medien könnte aber grundsätzlich nicht schaden. [Forbes]

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Social Media Fasten

martin Artikel

Heute beginnt die Fastenzeit. Viele wollen in den kommenden sieben Wochen wieder auf Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten oder Autofahren verzichten. Ich dagegen möchte die Fastenzeit nutzen, um meinen Social-Media-Konsum zu überdenken. Vielleicht solltest du das auch tun. Here is why:

Die Social-Media-Plattformen müssen alles dafür tun, uns Nutzer auf den Plattformen zu halten. Dieser Satz ist natürlich gefühlt ein no-brainer, aber ein Blick in die jüngsten Jahresberichte von Facebook und von Twitter unterstreicht dies so deutlich wie es nur geht:

Als oberste Gefahr für das Geschäft wird die Abnahme des Nutzerinteresses genannt. Also müsse alles daran gesetzt werden, uns Nutzer immer stärker an die Plattformen zu binden – durch innovative Funktionen wie Stories, durch neue Angebote im Messenger bis hin zur Etablierung von Facebook als Infrastruktur für das Digitale Wir

Da hilft es, sich einmal wieder folgendes zu vergegenwärtigen: Wir Nutzer sind das Produkt. Die Plattformen wären nichts ohne Dich und mich. Ohne deine und meine Inhalte. Ohne unser Agieren auf Social Media und all die Klicks, Likes, Kommentare, Shares, Views und was sie nicht sonst noch alles in selbstausgedachten Metriken beziffern und in Gold verwandeln. 

Ich möchte heute die Chance ergreifen und dafür plädieren, in den kommenden Wochen die Social-Media-Plattformen achtsamer zu nutzen. Sich darüber Gedanken zu machen, was es wirklich ist, das einen dazu veranlasst, Facebook zu öffnen. Ist es nicht zu 99 Prozent eine ziemlich schlechte Gewohnheit, etwas, das sich so sehr in unsere Alltagshandlungen eingewoben hat, das es nur noch schwer zu erkennen ist, mit welchen psychologischen Tricks und Kniffen die Plattformen da faktisch gegen uns arbeiten? 

Ja, die Social-Media-Plattformen sind tolle Instrumente, um mit Freunden zu interagieren, beruflich auf sich aufmerksam zu machen oder Nachrichten und Stories zu finden, die einen in den traditionellen Medien so nicht begegnet wären.

Aber die Plattformen sind in allererster Linie Unternehmen, deren oberstes Ziel es ist, Geld an Dir zu verdienen – auf Kosten deiner Privatsphäre, deiner Freizeit und deiner Nerven. 

Wer mag, pflegt in den kommenden Wochen täglich 15 Minuten der Ruhe in seinen Tagesablauf mit ein. Smartphone aus, Laptop zu. Einfach 15 Minuten bei sich selbst sein. Das kann ganz schön aufregend sein, trust me!

-m-

Lesestoff für die nächsten Wochen

Judson Brewer: A simple Way to break a bad habit
WNYC: The Privacy Paradox
Guardian: How Technology gets us hooked
Make use of: How to really block time wasting websites
Benjamin Grosser: Facebook ohne Zahlen
 

Über den Autor

martin

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#Briefing: @realDonaldTrump sperren, Polizeiarbeit viral, Twitter als Zeitmaschine

martin Briefing

Sollte Twitter Trump sperren?

Wenn Twitter sagt, es stehe für Redefreiheit, für Demokratie, für Menschenrechte – müsste es dann nicht konsequenterweise @realDonaldTrump sperren? Diesen Ober-Troll, der Twitter für seine Machtspiele mit den Medien missbraucht, von der Plattform verbannen? Ist sein Agieren auf Twitter etwa vergleichbar mit dem Aufstieg der Nazis, die durch damals neueste (Rundfunk-) Technik in der Lage waren, Millionen von Menschen mit ihren Botschaften einzulullen? Sollte man neben Trump daher auch POTUS und WhiteHouse Konten blockieren?Jason Ditzian über ein Gedanken-Experiment, das wohl mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt, gang ganz gut – es lohnt sich das mal zu lesen. [The Bold Italic]

Polizeiarbeit auf Twitter

Die Polizei und Social Media – nicht selten hat das in letzter Zeit für Aufsehen gesorgt. Öffentliche, aktuelle Kommunikation über Twitter, mit viel Witz und flotten Sprüchen, eine ungewöhnliche aber oftmals mit Erfolg gekrönte Mischung. Aber wie flapsig darf und kann das sein? Man passe sich den Netzwerken und dem Umgangston dort an, sagt ein Polizeisprecher, da sei auch mal ein "WTF!" angebracht. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, hat aber Kalkül: Die Polizei will ihre Präsenz in den Netzwerken noch weiter ausbauen um zu zeigen: "Das Internet ist kein straffreier Raum." [heise]

Twitter als Zeitmaschine

Twitters größtes Problem sei es, dass sie zu schnell zu groß geworden seien. Dabei hätten sie als Firma nie so ganz herausgefunden, was sie eigentlich sein wollen. Viel zu oft versuchen sie lediglich, alte Ideen in Digital neu aufzubauen. Was Twitter aber bräuchte, wäre wahrer Innovationsgeist, wie ihn Snapchat oder Amazon an den Tag legen, meint zumindest Ben Thompson. Immerhin macht Thompson Twitter auch einen Vorschlag, wie sie aus der Miesere herauskommen könnten: Sie sollten "Live" (video) nicht nur als "Live and gone" vermarkten, wie es in der alten Medienwelt der Fall war, sondern ihren Nutzern die Möglichkeit bieten, jeden vergangenen Moment immer wieder "wie live" erleben zu können – indem sie neben einem Live-Video auch alle anderen Reaktionen, Verweise und Kommentare dazu anbieten. Und so die Zeit wahrlich erlebbar machen. [Stratechery]

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#Briefing: Journalismus und das Silicon Valley, Kampf um Glaubwürdigkeit, Fame und Vergänglichkeit

martin Briefing

Journalismus und das Silicon Valley – eine nötige Symbiose

In Zeiten, in denen Medien mit stetig sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben und gleichzeitig aus (demokratischen) Regierungskreisen stark unter Beschuss geraten, braucht es neue Denkansätze. Könnte die wohlhabende Tech-Szene mit freiwilligen Spenden in einen Treuhandfonds die Rettung sein? Es klingt ein bisschen nach Verzweiflung, ein bisschen nach Revolution: Ein Aufruf an die amerikanische Öffentlichkeit und vor allem das Silicon Valley, den unabhängigen Journalismus zu retten, indem die Regeln des freien Marktes umgangen werden. Guter Journalismus braucht Geld und Facebook et al brauchen guten Journalismus. Eigentlich eine Win-Win-Situation – nur müssen das erst alle für sich auch einsehen. [CJR]

+ Bei der New York Times sieht man das übrigens ähnlich: Was es jetzt braucht, ist mehr Philanthropie, gerade von den vier Playern, die den (Werbe-)Markt am meisten umgekrempelt haben bzw. am meisten von der Neuordnung profitieren (und am wenigsten spenden): Facebook, Google, Verizon and Apple. [New York Times]

Fighting 'Fake News': Kampf um Glaubwürdigkeit

Während die Diskussion um die Definition, die Deutungshoheit und die Verantwortlichkeit von/im Kampf gegen "Fake News" weiter geht, beweisen einige (britische) Medien, dass Ihnen Klicks nach wie vor wichtiger sind, als saubere Verifizierung von Quellen und Inhalt. Denn Schnelligkeit und spektakuläre Inhalte bringen ihnen bessere Werbeeinnahmen. Fehler werden einfach durch nachgereichte Updates korrigiert. Ein Verhalten, dass in der aktuellen Zeit unverantwortlich ist, denn es untergräbt die generelle Glaubwürdigkeit des Journalismus. [Guardian]

+ Was tun, wenn die falschen, verzerrten oder unverifizierten Nachrichten in der eigenen Facebook-Timeline auftauchen? Unterrichten und informieren ist ein guter Schritt, der aber zuerst auf einer persönlichen und anschließend auf einer faktischen Ebene erfolgen sollte, wenn man sein Gegenüber wirklich erreichen will. Lesenswert, weil es in der Diskussion um "Fake News" helfen könnte. [The Open Notebook]

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