Was verloren geht, wenn Twitter untergeht

Salut und herzlich willkommen zur 841. Ausgabe des Social-Media-Briefings! Immer wenn wir denken, wilder kann es nicht mehr werden, belehrt uns Elon Musk eines Besseren. Was sich in den letzten 48 Stunden zugetragen hat, könnte drei Folgen einer Netflix-Serie über ein irres Startup aus dem Silicon Valley füllen. Es ist aber leider keine Fiction, sondern der ganz normale Wahnsinn bei Twitter, der womöglich dafür sorgt, dass sehr viel verloren geht. Wir wünschen trotzdem ein wunderbares Wochenende, Martin und Simon
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Was verloren geht, wenn Twitter untergeht

Was ist

Immer wenn wir denken, wilder kann es nicht mehr werden, belehrt uns Elon Musk eines Besseren. Nachdem Twitters neuer Boss, seine Kollegïnnen genötigt hatte, sich zum neuen Twitter 2.0 zu bekennen (jetzt richtig Hardcore!!!), haben sich folgende Ereignisse zugetragen:

Warum das wichtig ist

Was anmutet wie eine Realsatire hat dramatische Konsequenzen für das Produkt Twitter. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass bei Twitter direkt morgen die Lichter ausgehen. Was US-Journalist Charlie Warzel in Gesprächen mit Twitter-Mitarbeiterïnnen hört, deutet eher auf einen langsamen Verfall hin (The Atlantic):

(…) most people with any understanding of how the platform works say Twitter is unlikely to just cough, sputter, and go dark forever. Those I spoke with all described a slow rot of systems that get more load than expected and “just fail silently,” as one recent employee put it.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist aber die selbe: Was kommt nach Twitter? Welche anderen Services könnten Twitters Platz einnehmen?

  • Ist Mastodon tatsächlich der logische Nachfolger von Twitter? Wir haben da unsere Zweifel.
  • Kann Tumblr vielleicht als Successor dienen? Die User bei Tumblr tun alles, damit das nicht passiert (Polygon).
  • Erleben wir mit dem Niedergang von Twitter einfach nur eine logische Weiterentwicklung der Social-Media-Landschaft – raus aus den Pseudo-Öffentlichkeiten von Facebook, Instagram und Twitter, hin zu mehr privatem Austausch via Messenger, geschlossenen Gruppen und Diskussionen in Kommentarspalten bei TikTok, YouTube und demnächst auch Spotify?
  • Vielleicht – so schreibt es Ian Bogost bei The Atlantic – waren wir eh nie dafür bestimmt, mit so vielen Menschen gleichzeitig zu sprechen?

Was jetzt

Es ist nicht abzusehen, was mit Twitter passiert. Hier ein paar Tools und Ressourcen, die in den kommenden Tagen auf jeden Fall hilfreich sein könnten:

Was verloren geht, wenn Twitter geht

Wir laufen beim Social Media Watchblog nicht gerade Gefahr, als Außendienstmitarbeiter von Twitter oder anderen Social-Media-Plattformen wahrgenommen zu werden. Zu differenziert ist unsere Kritik. Heute möchten wir aber gern einfach mal zeigen, warum Twitter neben all den Problemen eine großartige Plattform ist (die Musk hoffentlich nicht kaputt kriegt).

  • Twitter gibt Menschen eine Stimme, die sonst nicht gehört werden: Ja, Twitter ist schon seit Jahren eine Kampfzone für Meinungsmacherïnnen jeglicher Couleur – mit zum Teil dramatischen Konsequenzen für Einzelpersonen. Aber Twitter ist eben auch der Ort, über den es Menschen geschafft, sich Gehör zu verschaffen, die es sonst vermutlich nicht in den breiteren gesellschaftlichen Diskurs geschafft hätten – #MeToo oder #BlackLivesMatter sind Paradebeispiele dafür. Die derzeitigen Proteste in Iran unterstreichen die Funktion ebenfalls sehr deutlich.
  • Twitter ist ein Ort der Wissen schafft: Ja, auf Twitter gibt es eine Menge Schmutz, Desinformationen und haltlosen Quatsch. Twitter ist aber auch der Ort, auf dem sachkundige Menschen jeglicher Profession profundes Wissen in meterlangen Threads teilen, zur Willensbildung beitragen, Falschbehauptungen zügig entlarven und die Welt so ein Stück weit zu einem klügeren Ort machen.
  • Twitter bringt Menschen zusammen: Twitter hat Abertausenden von Menschen Begegnungen ermöglicht, die ihnen sonst verwehrt geblieben wären. Sicher, viel zu viele Idioten und Hetzer hätten besser nie den Weg auf die Plattform finden dürfen. Aber Twitter hat Karrieren, Freundschaften und Beziehungen hervorgebracht, die ohne die Plattform womöglich niemals stattgefunden hätten. (Auch unsere ganz persönlichen Vitae hätten sicherlich ganz anders ausgesehen, wenn es Twitter nicht gegeben hätte.)
  • Twitter ist kultureller Schmelztiegel: Was heute auf Twitter diskutiert wird, steht morgen in der Zeitung und übermorgen bei Facebook. Twitter ist die maßgebliche Instanz für Trends und Memes. Vermeintlich nischige Fandoms beeinflussen Popkultur und teils auch Politik. Twitter ist (neben TikTok) die zentrale Instanz für die Auseinandersetzung um Deutungshoheit. Ideen, die sich auf Twitter durchsetzen, können die ganze Welt berauschen.
  • Twitter ist witzig: Twitter ist die zentrale Anlaufstelle für Gagschreiber, Werbetexter und alle Menschen, die absurde Momente mit einem größeren Publikum teilen wollen (anstatt sie nur in der WhatsApp-Volleyball-Gruppe zu posten). Nicht umsonst ist das halbe Internet voll mit Twitter-Screenshots. Wer auf Twitter zündet, kann groß rauskommen. Jeder von euch hat mindestens einen dieser Accounts in seiner Timeline. Weil sie das Leben oft leichter machen. Looking at you Alf, EL HOTZO und Co!

Hoffen wir das Beste!


Social Media & Politik

  • FBI warnt vor TikTok: Bei einer Anhörung (YouTube) hat FBI-Direktor Chris Wray noch einmal ausdrücklich seine Bedenken bezüglich TikTok zum Ausdruck gebracht. Die App stelle eine potentielle Gefahr für die nationale Sicherheit der USA dar:

“Under Chinese law, Chinese companies are required to essentially—and I’m going to shorthand here—basically do whatever the Chinese government wants them to, in terms of sharing information or serving as a tool of the Chinese government. So that’s plenty of reason by itself to be extremely concerned”

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