Wie Twitter sich neu erfinden will | Das Dilemma der Content Moderation | Facebook News startet in Deutschland

Salut und herzlich willkommen zur 706. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute beschäftigen wir uns damit, wie sich Twitter neu erfinden will. Zudem blicken wir auf das Dilemma der Content Moderation und die Einführung von Facebook News in Deutschland. Wir wünschen wie immer eine gewinnbringende Lektüre und bedanken uns für das Interesse an unserer Publikation. Merci, Simon und Martin

Wie Twitter sich neu erfinden will

Was ist

Vergangene Woche veranstaltete Twitter zum ersten Mal seit 2014 wieder einen Analysten-Tag (Twitter Investor Relations), und Jack Dorsey hatte einiges zu verkünden. Neben ambitionierten Zielen – der Umsatz soll sich bis 2023 auf 7,5 Milliarden Dollar pro Jahr verdoppeln – waren das vor allem neue Funktionen:

  • Super Follows: Twitter erlaubt es Nutzerïnnen, für bestimmte Inhalte Geld zu verlangen.
  • Communities: Twitter will Menschen mit ähnlichen Interessen vernetzen und Unterhaltungen thematisch bündeln.
  • Safety Mode: Twitter möchte die Plattform zu einem angenehmeren Ort für (vor allem) Frauen machen, die dort regelmäßig Belästigungen, Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt sind.

Warum das wichtig ist

Die Ankündigungen sind mehr als nur ein paar nette Features. Zum einen zeigen sie, wie stark sich Twitter im vergangenen Jahr gewandelt hat. Die Produktentwicklung stockte zuvor jahrelang (The Verge). Das gibt auch Dorsey zu, der sagt, dass sein Unternehmen langsam und wenig innovativ war.

Doch 2020 legte sich der Twitter-Chef nicht nur mit Donald Trump an, sondern brachte auch jede Menge neuer Funktionen auf den Weg. Dorsey, den die Investoren-Gruppe rundum Elliott Management Anfang des vergangenen Jahres angeblich loswerden wollte (Bloomberg), scheint den Turnaround geschafft zu haben.

Zum anderen wird deutlich, dass zwei der Entwicklungen, die wir in unseren Briefings immer wieder beleuchten, wohl mehr sind als kurzfristige Trends: Die großen Plattformen werden immer erbitterter um die kreativsten Content-Creators kämpfen, die exklusive Inhalte produzieren. Und sie werden ihren wertvollsten Nutzerïnnen mehr Möglichkeiten an die Hand geben, ihre Präsenz zu monetarisieren – nicht nur in Form von Werbeeinnahmen, sondern zunehmend über Abonnements und direkte Geldtransfers von Fans zu Creators.

Super Follows

  • Eine einzige Folie in einer der vielen Präsentationen an diesem Tag nimmt fast die gesamte Berichterstattung ein. Kein Wunder, schließlich könnte Super Follows tatsächlich spannend werden – und zwar auch für viele Journalistïnnen, die in den vergangenen Tagen darüber geschrieben haben.
  • Wer glaubt, dass seine Witze, Scoops und Kommentare in 280 Zeichen mehr wert sind als ein paar Likes und Retweets, kann versuchen, damit Geld zu verdienen. Follower müssen dann zahlen, um weiter mitlesen zu können.
  • Abonnentïnnen dürfen ihr Profil mit einem Supporter Badge schmücken, erhalten Zugang zu exklusiven Tweets und (optionalen) Newslettern oder können mit dem Creator und anderen Unterstützerïnnen in geschlossenen Räumen diskutieren.
  • Manche Journalistïnnen träumen bereits jetzt davon (Twitter / Chris Hayes), wie es wäre, von den eigenen Tweets leben zu können.
  • Das könnte bald
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