Kartellklagen gegen Facebook | TikTok ohne Zeitdruck | Shopping bei Instagram Reels | Jahresrückblicke 2020

Salut und herzlich willkommen zur 689. Ausgabe des Social Media Briefings. Leider sind wir heute noch einmal etwas spät dran. Wir bitten, dies zu entschuldigen. Dafür ist Simon genau rechtzeitig aus dem Urlaub wieder da, um sich den Klagen gegen Facebook zu widmen. Aus gegebenem Anlass natürlich auch unser Top-Thema. Darüber hinaus ist das Briefing einmal mehr pickepackevoll mit spannenden News, interessanten Jahresrückblicken und handverlesenen Artikeln aus der Welt der Plattform-Giganten. Wir wünschen eine gewinnbringende Lektüre und ein angenehmes Wochenende! Bitte bleibt alle gesund und sorgt dafür, dass die anderen es auch bleiben! Martin 😷 und Simon 😷

Der Anfang vom Ende von Facebook, wie wir es kennen?

Was ist

Die US-Handelskommission (FTC) und 48 US-Generalstaatsanwältïnnen haben Kartellklagen gegen Facebook eingereicht. Es geht um die Frage, ob Facebook seine Marktmacht illegal ausgenutzt hat. Wenige Stunden später hat das deutsche Bundeskartellamt Ermittlungen aufgenommen und prüft die Verknüpfung von Oculus-Headsets mit dem Facebook-Konto.

Warum das wichtig ist

Mittwoch, der 9. Dezember 2020, könnte sich als einer der folgenreichste Tage in Facebooks Firmengeschichte herausstellen. Im Gegensatz zur Cambridge-Analytica-Affäre, die kurzfristig die Aktien einbrechen ließ, langfristig aber wenig Auswirkungen hatte, haben die beiden Klagen in den USA das Potenzial, Facebook vollkommen zu verändern.

Aus Facebook Inc., dem mächtigsten Betreiber von Kommunikations-Infrastruktur, den die Welt je gesehen hat, könnten wieder separate Unternehmen werden: Facebook, Instagram und WhatsApp – alle drei immer noch groß und einflussreich, aber längst nicht vergleichbar mit der Machtfülle, die der Konzern derzeit besitzt.

Was das Bundeskartellamt prüft

Wir fangen mit dem Verfahren in Deutschland an, denn das lässt sich deutlich leichter zusammenfassen. Am Donnerstag teilte das Kartellamt mit, dass es ein Missbrauchsverfahren gegen Facebook eingeleitet habe.

Andreas Mundt, Präsident des Kartellamts, erklärt den Vorwurf, den die Behörde prüfen wird:

Die Nutzung der neuen Oculus-Brillen soll künftig nur unter der Voraussetzung möglich sein, dass man auch ein Facebook-Konto hat. Diese Verknüpfung zwischen Virtual-Reality-Produkten und dem sozialen Netzwerk des Konzerns könnte einen verbotenen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung durch Facebook darstellen.

Seit Oktober ist ein Facebook-Account nötig, um VR-Brillen von Oculus nutzen zu können. Wer bereits ein Headset erworben hat, kann das Konto bis Ende 2022 verknüpfen.

Da es sich derzeit aber nur um ein Verfahren mit ungewissem Ausgang handelt und Facebook den Verkauf der Headsets in Deutschland ohnehin gestoppt hat, belassen wir es für den Moment dabei. Denn egal, wie die Ermittlungen ausgehen: An Facebooks Dominanz dürften sie nicht das Geringste ändern. Mark Zuckerberg hat derzeit wahrlich andere Sorgen.

Was Facebook in den USA droht

FTC (PDF, 53 Seiten) und Generalstaatsanwältïnnen (PDF, 123 Seiten) werfen Facebook in separaten Klagen vor, ein wettbewerbswidriges Monopol aufgebaut und betrieben zu haben. Beide Verfahren sind vor dem Bundesgericht in Kalifornien anhängig und eng miteinander verbunden.

Im Kern der Klagen stehen zwei Namen: Instagram und WhatsApp. Hat Facebook die beiden Start-ups 2012 und 2014 übernommen, um drohende Konkurrenz im Keim zu ersticken? Verstoßen die beiden Zukäufe gegen das Kartellrecht? Und wurden andere Wettbewerber bewusst behindert, etwa indem Facebook APIs abgedreht und sein Ökosystem immer weiter abgeschottet hat?

Wenn es nach der US-Regierung (in deren Auftrag die FTC handelt) und 46 US-Bundesstaaten sowie dem District of Columbia und Guam (in deren Auftrag die Generalstaatsanwältïnnen handeln) geht, dann lauten die Antworten dreimal…

Scroll to Top