Il faut parler de Parler | Google goes Abomodell | Womöglich doch kein erzwungener Verkauf von TikTok

Salut und herzlich willkommen zur 684. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute beschäftigen wir uns aus gegebenem Anlass doch noch einmal mit Parler. Zudem stauen wir über Googles Ambitionen, mit Services Geld zu verdienen. Last but not least stellen wir fest, dass unsere Hunderttausenden Zeichen zu TikTok in den vergangenen Monaten womöglich vollständig für die Katz waren. Nun ja. Wir wünschen nichtsdestotrotz eine gewinnbringende Lektüre und bedanken uns für das Interesse an unserer Arbeit! Simon & Martin

Il faut parler de Parler

Was ist

Seit einigen Tagen geistert ein neues Netzwerk durch die Medienlandschaft: Parler. Jedes große US-Portal hat er Plattform mindestens einen Text gewidmet. Auch deutsche Medien berichten darüber.

Die Überschriften vermitteln einen guten Eindruck, was einen auf Parler erwartet:

Wir haben Parler in den vergangenen beiden Briefings jeweils nur kurz erwähnt (#682, #683). Das war Absicht: Wir hatten gehofft, das Netzwerk ignorieren zu können.

Angesichts der allgemeinen Aufmerksamkeit geben wir dieses Unterfangen auf. Die Gefahr, dass wir mit einem kostenpflichtigen deutschsprachigen Newsletter Werbung für ein rechtes US-Netzwerk machen, dürfte gering sein. Zumindest medienethisch müssen wir uns also keine Sorgen machen.

Trotzdem fassen wir uns kurz – denn wir haben immer noch die Hoffnung, dass Parler genauso wie Diaspora, Ello, Vero und Openbook seine 15 days of fame abbekommt und dann wieder von der Bildfläche verschwindet.

Was hinter Parler steckt

  • Die Plattform wurde 2018 gegründet. Trotz des französischen Namens handelt es sich um ein US-Unternehmen.
  • Parler beschreibt sich selbst so: "A non-biased, free speech social media focused on protecting user's rights."
  • Das impliziert: Alle anderen Plattformen sind voreingenommen und beschränken die Redefreiheit. Beide Behauptungen sind Unsinn.
  • Parler hat Geld von prominenten Konservativen eingesammelt, unter anderem von Rebekah Mercer (WSJ), der Tochter von Robert Mercer.
  • Mercer? Richtig, da war was (Techdirt): Robert Mercer ist ein wichtiger Unterstützer von Donald Trump, Breitbart und auch Cambridge Analytica.

Warum alle über Parler reden

  • Seit einigen Monaten wiederholt sich immer wieder der gleiche Ablauf: Facebook, YouTube und Twitter verschärfen ihre Maßnahmen (oder setzen bestehende Regeln endlich um), woraufhin in rechtskonservativen Kreisen das "Zensur"-Klagelied angestimmt wird.
  • Rechte Influencerïnnen beschweren sich bei ihrem Millionenpublikum, dass ihnen die Plattform gelegentlich das Mikrofon unter der Nase wegziehen, wenn sie gegen der Richtlinien verstoßen. Sie fordern ihre Followerïnnen auf, zu Alternativen zu wechseln.
  • Eine dieser Alternativen ist eben Parler, das wir bereits im Juni als "das neue Refugium für die Rechte" bezeichneten.
  • Nach einem weiteren Peak im August verzeichnet Parler seit der US-Wahl starke Zuwächse. Binnen einer Woche stieg die Zahl der Nutzerïnnen v…

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