10 Dinge, die du über Social Media und die US-Wahl 2020 wissen solltest

Salut und herzlich willkommen zur 681. Ausgabe des Social Media Briefings. Simon und ich haben die letzten Tage gemerkt, wie überwältigt wir derzeit von den Ereignissen sind. Klimawandel, Corona, US-Wahl: die Welt brennt. Und es gibt viel zu viele Menschen, die nicht löschen, sondern weiter zündeln wollen. Das kann einen ziemlich fertig machen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass wir hier beim Social Media Watchblog einen Ort geschaffen haben, an dem wir mit Ruhe und Sorgfalt über den Zusammenhang von Politik, Kultur und Social Media nachdenken können. Das gibt uns sehr viel Kraft. Mit Blick auf die stetig steigenden Abo-Zahlen scheint das vielen von euch zum Glück auch so zu gehen! Lassen wir uns also nicht entmutigen und verrückt machen. Wir bedanken uns für das Interesse an unserer Arbeit und wünschen Dir wie üblich eine gewinnbringende Lektüre sowie ein angenehmes Wochenende! Martin

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10 Dinge, die du über Social Media und die US-Wahl wissen solltest

1/ Donald Trump ist der größte Treiber von Desinformationen

  • Allein in den letzen 24 Stunden hat Twitter sieben Tweets von Trump mit einem Warnhinweis versehen, weil „einige oder alle der Inhalte, die (…) geteilt werden, umstritten und möglicherweise irreführend in Bezug auf die Beteiligung an einer Wahl oder einem anderen staatsbürgerlichen Prozess sind“ – etwa hier, hier und hier.
  • In der Nacht zu Freitag hat Trump seine unbegründeten Vorwürfe der Wahlmanipulation in einer Fernsehansprache aus dem Weißen Haus noch einmal bekräftigt. Alle großen Fernsehsender haben die Ansprache übertragen. Als die Lügen nicht mehr aufhören wollten, stoppten NBC, ABC und CBS die Übertragung (Washington Post).
  • Aber nicht nur Trump selbst verbreitet ungebremst Unwahrheiten. Auch sein direktes Umfeld wird nicht müde, Falschbehauptungen zu verbreiten. In Anlehnung an das Coronavirus bezeichnet BuzzFeed News Donald Trumps Sohn Eric bereits als Disinformation Superspreader.

 

2/ Bislang gibt es keine Anzeichen für Einflussnahmen von Drittstaaten. Die sind aber auch gar nicht nötig. Die USA kriegt das alles prima selbst hin.

  • Im Anschluss an die Präsidentenwahl 2016 wurde bekannt, dass Drittstaaten über Social Media Einfluss auf die Wahl nehmen konnten.
  • Vor allem Russland sorgte mit seiner Internet Research Agency dafür, dass die Plattformen ihre Strategien überdenken mussten, wie sie künftig die Integrität von Wahlen besser schützen können.
  • Dieses Jahr gibt es bislang keinen Grund zur Annahme, dass sich ähnliches wiederholt hätte.
  • Allerdings ist die USA so zerrissen, dass es auch keiner Einflussnahme von Dritten bedurfte. Die sozialen Medien sind voll von hausgemachten Vorwürfen, Zorn und Zwietracht.

 

3/ Die Plattformen haben aus den Fehlern von 2016 gelernt.

  • Facebook, Twitter und YouTube haben sich seit Monaten akribisch auf die US-Wahl 2020 vorbereitet.
  • In Briefing #679 und #680 haben wir dargelegt, welche Maßnahmen die Plattformen getroffen haben.
  • Bislang sieht es so aus, als hätten die Maßnahmen weitesgehend gegriffen.
  • Weder gab es dieses Jahr erneut Teenager aus Mazedonien (Wired), die sich mit Fake News die Taschen voll gemacht hätten.
  • Noch gibt es Erkenntnisse darüber, dass Troll-Armeen und Bot-Netzwerke versucht hätten, gezielt die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
  • Auch waren politische Werbeanzeigen allem Anschein nach kein entscheidender Parameter, die Integrität der Wahl zu stören (The Markup).
  • Zudem waren die Netzwerke recht schnell darin, bestimmte Hashtags zu unterbinden (Techcrunch), bzw. Warnhinweise zu platzieren (Axios).

 

4/ Facebook, Twitter und YouTube sind trotzdem weiter entscheidende Katalysatoren für die Verbreitung von Zwietracht und Falschinformationen.

  • Eigentlich wollte Facebook verhindern, dass die Gruppen-Funktion genutzt wird, um Falschinformationen zu streuen (Buzzfeed).
  • Trotzdem konnte eine Gruppe mit dem Namen „StopTheSteal“ innerhalb von 48 Stunden auf 360.000 Mitglieder anwachsen, bis sie von Facebook terminiert wurde (New York Times).
  • YouTube wollte eigentlich dazu beitragen, die US-Wahl zu schützen.
  • Allerdings konnten sie sich nicht darauf verständigen, ein Video von der Plattform zu nehmen (CNBC), in dem behauptet wird, Trump habe die Wahl gewonnen. Das Video konnte bislang über 400.000 Aufrufe verzeichnen. Inwieweit das die Integrität der US-Wahl schützt, konnte YouTube nicht beantworten.
  • Eigentlich hatte sich Twitter vorgenommen, die Trending Topics besser in den Griff zu kriegen (Blog / Twitter).
  • Das konnte allerdings nicht verhindern, dass „Stop the Fraud“ bei Twitter trendete.

 

5/ Auch TikTok verteilt Desinformationen. Nicht zu knapp.

 

6/ Die Rolle der Messenger wird bislang sträflich vernachlässigt.

  • Bislang wird bei der Bewertung, ob Facebook, Twitter und Co es geschafft, die Integrität der Wahlen besser zu schützen, vor allem auf die öffentliche Seite von sozialen Medien geschaut: Was geht viral auf Facebook? Was trendet bei Twitter? Welche Videos erreichen wie viele Menschen auf YouTube und TikTok?
  • Was fehlt ist eine Auseinandersetzung mit dem dunklen Wald aka mit der Rolle von Messengern wie WhatsApp, Facebook Messenger und Co.
  • Wir werden beim Social Media Watchblog seit Jahren nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, hier mehr Energie zu investieren, denn die Menschen ziehen sich zunehmend aus den Pseudo-Öffentlichkeiten von Facebook Newsfeed und Co in vermeintliche privatere Kanäle zurück.

 

7/ Es braucht mehr Einblick, um zu verstehen, was auf den Plattformen passiert.

  • Um besser bewerten zu können, welche Rolle die Plattformen hinsichtlich der US-Wahl gespielt haben, braucht es bessere Einblicke.
  • Bislang weigern sich die Unternehmen aber hartnäckig, NGOs, Wissenschaftlerïnnen und Journalistïnnen bessere Zugänge zu ermöglichen.
  • Zwar hat Facebook ein neues Forschungsprojekt aufgesetzt, um zu prüfen, wie groß der Einfluss von Facebook und Instagram auf die US-Wahl ist (Briefing #664). Die Ergebnisse werden aber erst im Sommer 2021 veröffentlicht.
  • Zudem wird dabei auch nicht geprüft, welche Rolle Messenger dabei spielen. Genau das ist aber elementar, um den Einfluss der Plattformen auf Wahlen und politische Meinungsbildung zu verstehen.
  • Von Twitter, YouTube, TikTok oder Snapchat sind ähnliche Vorhaben nicht bekannt.

 

8/ Die Unternehmen können sich nicht ausruhen. Das wissen sie auch. Daher steuern sie kontinuierlich nach.

  • Facebook hat bereits angekündigt (New York Times), weiter nachjustieren zu wollen. So wolle das Unternehmen, womöglich analog zu Twitter eine zusätzliche Hürde beim Teilen von Inhalten einbauen.
  • Auch wird das Unternehmen die Sichtbarkeit von einigen Inhalte, die mit dem Ausgang der Wahl zu tun haben, einschränken.
  • Zudem sollen Facebook Live Streams in ihrer Sichtbarkeit temporär begrenzt werden.

 

9/ Trump könnte von Twitter komplett gesperrt werden.

  • Twitter behandelt Handlungen, die gegen die Community Richtlinien verstoßen, von führenden Persönlichkeiten der Welt anders als die von normalen Nutzern.
  • So werden bei Trumps Tweets derzeit ja bekanntlich „nur“ Warnungen hinzugefügt, anstatt sie komplett zui löschen, wie es bei anderen Nutzerïnnen passieren würde.
  • Twitter begründet dieses Vorgehen mit der Idee, dass Menschen in der Lage sein sollten, von führenden Persönlichkeiten der Welt zu hören, auch wenn sie kontroverse Beiträge teilen. Schließlich seien ihre Nachrichten von Natur aus berichtenswert.
  • Sollte Trump allerdings die Wahl verlieren, dann verliert er dieses Privileg (Bloomberg).
  • Heißt konkret: Twitter dürfte seine Inhalte dann nicht nur löschen, sondern womöglich sein Profil bei wiederholten Verstößen komplett sperren. 🤯

 

10/ Der Kampf um die Plattformen wird uns noch lange beschäftigen.

  • Sollte Donald Trump das Amt (und seine Privilegien) verlieren, wird noch lange keine Ruhe einkehren.
  • Vielmehr werden die Republikaner dann erst so richtig Gas geben (Platformer $):

"I’d go a step further and argue that the GOP has a structural conflict with Facebook as well. To the extent that Facebook and other social platforms are serious about reducing the spread of misinformation, they will always be at war with the Republican party. This war will be waged in various proxy battles — the current fight “against” Section 230 is the most visible — but the real fight is about the freedom to tell big political lies, and receive immediate and wide amplification for them, or else."


Neue Features bei den Plattformen

Facebook

  • Facebook Briefing, lol. Facebook hat eine neue PR-Maßnahme ins Leben gerufen. Der Ex-Journalist Hendrik Wieduwilt wird künftig mit Mitarbeiterïnnen von Facebook und ausgewählten Gästen über aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen diskutieren. Facebook nennt den Podcast „Facebook Briefing“. Nur damit wir uns richtig verstehen: Es gibt natürlich nur ein ernstzunehmendes „Facebook Briefing“ 🙃

WhatsApp

TikTok


Tipps, Tricks und Apps


One more thing

  • Social Media Watchblog Lecture #1: Am Donnerstagnachmittag dieser Woche fand unsere erste Lecture statt. 75 Minuten lang haben wir mit Teja über TikTok getalkt. In der Spitze waren 150 Leserïnnen gleichzeitig im Zoom-Call. Das Feedback war so großartig, dass wir uns schon jetzt enorm auf die zweite Ausgabe am 3.12. freuen. Wer dann als Referentïn am Start ist, geben wir in einer der kommenden Ausgaben bekannt. Aber lohnen wird es sich garantiert! Von daher: save the date – it is gonna be great 📌

Header-Foto von Kayle Kaupanger bei Unsplash


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