ByteDance Apps, Snapchats Strategie, Next Billion

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 538. Ausgabe des Social-Media-Watchblog-Briefings. Heute werfen wir einen Blick auf all die Apps aus dem Hause ByteDance. Zudem schauen wir auf Snapchats neue Strategie(n) und den Kampf um die nächste Milliarde Nutzer. Ferner geht es um Live-Shopping, TikTok und wie man mit Podcasting startet. Wir wünschen eine gewinnbringende Lektüre und freuen uns über die zahlreichen neuen KollegInnen – herzlich Willkommen! Tilman, Simon und Martin



Apps aus dem Hause ByteDance

Was ist: Wir haben in den vergangenen Wochen aus guten Gründen viel über TikTok gesprochen. Es wird also Zeit, sich einmal all die anderen Apps aus dem Hause ByteDance anzuschauen. Denn vielleicht ist TikTok ja nicht die einzige App, die da aus dem Osten auf uns zukommt.

Die chinesischen ByteDance-Apps

  • Jinri Toutiao ist eine News-App, die Artikel und Videos per Algorithmus serviert und sich seit 2012 stetig wachsender Popularität erfreut. Die App ist auf 240 Millionen verschiedenen Geräten installiert. TechCrunch hat mehr zur App aufgeschrieben. Hier geht es zur Homepage: toutiao.com. Du sprichst doch Chinesisch, oder?
  • Douyin ist die chinesiche Version von TikTok und auf Short Video spezialisiert. Douyin ist dem Vernehmen nach derzeit die populärste Short-Video-App in China. Hier kann mensch mehr über die Ursprünge der App erfahren: walkthechat.com
  • Huoshan ist ebenfalls eine Short-Video-App. Allerdings geht es einem Bericht von Abacus News zufolge bei dieser App nicht ganz so kreativ zu wie bei Douyin / TikTok. Vielmehr werden Videos gepostet, die sich nach YouTube-Videos aus der Rubrik Astronaut anfühlen…
  • Xigua Video ist eine weitere Video-App aus dem Hause ByteDance. Die Videos bei Xigua sind allerdings sehr viel länger.
  • Toutiao (Light version): Wie es der Name bereits verrät, handelt es sich dabei um eine abgespeckte Version der populären News-Feed-App – wohl vor allem für Menschen in ländlicheren Regionen mit geringeren Bandbreiten gedacht.
  • Dongchedi ist eine App, die sich dem Thema Mobilität widmet und mit Informationen rund um Versicherungen und Autokauf aufwartet.
  • Lark ist eine Art Slack, bzw. Facebook Work. Die App bietet drei Funktionen (Kalender, Dokumente, Chat) und ist für macOS, Windows, iOS und Android verfügbar. Lark war ursprünglich nur für den internen Gebrauch bei ByteDance gedacht, steht jetzt aber bereits in vielen Ländern zur Verfügung und wird in Kürze wohl auch in Europa / den USA gelauncht. Technode und The Information ($) haben mehr dazu.
  • Duoshan ist ein Snapchat-Klon, der es Nutzern ermöglicht, Videos an Freunde zu verschicken. Die Videos lassen sich ganz Snapchat-Like mit einer Vielzahl an Filtern aufmotzen und verschwinden nach 72 Stunden automatisch. Auch werden ebenfalls analog zu Snapchat weder Likes noch Kommentare öffentlich abgebildet. Mehr bei TechCrunch.
  • Haohaoxuexi ist eine Online-Learning-Plattform.
  • Gogokid ist ebenfalls eine Lern-App mit dem Fokus, Englisch zu lernen. Die App richtet sich primär an Kids und vermittelt ausschließlich native teacher – vor allem aus den USA und Kanada. Mehr bei yicaiglobal.com
  • Banciyuan ist eine Online-Community, die auf Manga und Comics spezialisiert ist. Mehr bei yicaiglobal.com
  • Pipixia ist eine App, die dafür gedacht ist, Nutzer zum Lachen zu bringen – ob per Meme, Foto oder Video. Mehr bei technode.com
  • Fanqie novel ist eine Literatur-App, die Büchern kostenfrei anbietet und sich durch Werbung finanziert.
  • FaceU ist eine Selfie-App, die allerlei fancy Möglichkeiten bietet, um Fotos von sich zu knipsen.
  • Qingyan camera / ULike ist eine App, die ebenfalls für Selfies gedacht ist, allerdings den NutzerInnen nicht nur vorgefertigte Filter anbietet, sondern mit mehr Feinjustierung lockt. Hier mal ein schönes Foto von mir. Nicht.

Die internationalen ByteDance-Apps

  • TikTok braucht an dieser Stelle keiner weiteren Erklärung. Dafür gibt es diese Sonderausgabe und dieses reguläre Briefing.
  • Vigo ist die Oversea-Version von Huoshan: Ich habe mir die App nicht in aller Ausführlichkeit angeschaut, aber sie wirkt im Gegensatz zu TikTok sehr viel roher. Viele Inhalte sind mit denen von TikTok identisch. Daneben gibt es aber auch recht viel Schmutz, der mir so bei TikTok noch nicht begegnet ist.
  • Topbuzz ist Jinri Toutiaos Oversea-Version.
  • News Republic ist eine News-App, die u.a. auf Geräten von HTC, Acer und Samsung vorinstalliert ist. Zu den 3.000 Medienpartner zählen z.B. Stern, Bunte, CNN, BBC, Guardian und Reuters. Hier geht es zur Website: news-republic.com
  • Helo ist eine Social-Media-App, die über 40 Millionen Nutzer in Indien hat. Hier gibt es einen ausführlichen Bericht über die App.
  • Buzzvideo ist die Oversea-Version von Xigua Video.
  • Bobe: Keine Ahnung, was Bobe kann. Ehrlich nicht.
  • Flipagram: Mit der App Flipagram lassen sich Fotos und Audios zu einer Art Slideshow kombinieren.

Be smart: Nicht alle Apps aus dem Hause ByteDance werden den Weg nach Europa, bzw. nach Deutschland finden, völlig klar. Aber allein die Tatsache, dass ByteDance 23 ( minus 8 internationale Versionen) verschiedene Apps auf dem Markt hat, zeugt von den Ambitionen, die das Unternehmen an den Tag legt. Zum Vergleich: Facebook Inc hat mit Facebook (Blue), Messenger, Instagram, Instagram TV, WhatsApp, Lasso, Workplace, Facebook Local, MSQRD, Instagram Direct, Layout, Hyperlapse derzeit 12 echte Apps am Start. Twitter und Snapchat nur sich selbst.

Go deep: The Information hat einen ausführlichen Artikel zum Thema – allerdings kostenpflichtig.



Snaps neue Strategie(n)

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Was ist: Snap Inc hat ein Partner Summit abgehalten und allerlei News im Gepäck gehabt.

Was wurde angekündigt?

  • Gaming: Snapchat bietet NutzerInnen jetzt die Möglichkeit, direkt innerhalb der App Spiele zu spielen. Snapchat konnte dafür namhafte Game-Entwickler und einige alte Bekannte wie Zynga für sich gewinnen. Farmeville, anyone? Der Clou am Gaming bei Snapchat: NutzerInnen können per Multiplayer-Funktion mit Freunden zusammen spielen. In diesem Werbevideo kann man einen Eindruck gewinnen.
  • Bitmojis: Grundsätzlich sollen Bitmojis eine noch viel größere Rolle spielen. Was Bitmojis überhaupt sind? Nun, gute Frage. Bitmojis sind sozusagen dein digitaler Avatar. Fortan sollen die Bitmojis nicht nur bei Snapchat selbst verwendet werden können, sondern die NutzerInnen z.B. auch auf ihrer Fitbit erfreuen.

  • Stories everywhere: Snapchat bietet zudem NutzerInnen künftig die Option, Stories auch auf anderen Plattformen zu teilen – etwa bei Tinder.
  • Ad Network: Snap lässt die eigens für Snapchat produzierten Ads künftig auch in einem größeren Werbe-Netzwerk ausspielen.
  • Discover: Auch Snapchat Discover erfährt eine Aufwertung und bietet noch mehr Originals und lizensierte Inhalte. In Deutschland sind übrigens gerade die Reporter vom WDR bei Snapchat an den Start gegangen – spannend!

Be smart: Snapchat wird mit diesen neuen Features nicht unbedingt Millionen von neuen Nutzern ansprechen. Sie wehren sich damit aber klug gegen all die Copy-Cats da draußen, die bereits seit Jahren die interessantesten Features von Snapchat klauen, um sie auf der eigenen Plattform zu implementieren. Das mag bei Facebook Inc noch in großem Stile passiert sein, sollte sich aber nach Snaps Meinung bei weiteren Apps nicht wiederholen. Daher die Idee, die eigene Reichweite durch sinnvolle Kooperationen zu vergrößern und sich nicht weiter von anderen kopieren zu lassen, sondern einfach die eigenen Features bei Dritten integrieren. Könnte funktionieren.

Tiefgang:



Die nächste Milliarde

Was ist: Die westlichen Tech-Unternehmen müssen weiter wachsen, um Anleger und Risikokapitalgeber zufrieden zu stellen. Da dies in der westlichen Welt nur noch bedingt möglich ist, geht der Blick gen Asien und Afrika. Dabei lassen die Unternehmen nichts unversucht, wie die folgenden News zeigen:

  • Amazons Space-Programm: Auch Amazon steigt nun groß in das Satelliten-Geschäft ein. Das Projekt Kuiper sieht vor, 3236 Satelliten ins All zu bringen, um die Welt mit Internet (read: Amazon) zu versorgen. (CNBC)
  • Facebooks Unterwasser-Programm: Facebook ist einem Bericht des Wall Street Journals zufolge im Begriff, ein Unterwasser-Kabel „rund um Afrika“ zu verlegen. Auch hier lautet das Kalkül: alle Menschen mit Internet versorgen, damit sie endlich Facebook nutzen können. Dass sie mit Satelliten bei Facebook gut umgehen können, wissen wir ja schon (TechCrunch).
  • Googles Heißluftballon-Programm: Natürlich zeigt sich auch Google nicht untätig und arbeitet ebenfalls an einer Idee, wie Menschen selbst in den abgelegensten Gegenden mit Google versorgt werden könnten. Das Projekt hört auf den schönen Namen: Loon.

Be smart: Natürlich bin ich beeindruckt von dem Willen und der Ingenieurs-Kunst, die die Tech-Unternehmen hier unter Beweis stellen. Gleichwohl hoffe ich sehr, dass all jene Menschen, die von GFA das Internet gestellt bekommen, auch realisieren, dass das Internet sehr viel mehr sein kann als Google, Faceobok und Amazon. Sigh.



Im Fokus: TikTok

Content Moderation: Das Unternehmen ByteDance (TikToks Mutterschiff) hat etwa 40.000 Mitarbeiter – ca. 10.000 davon kümmern sich um Content Moderation bei TikTok und all den anderen Apps, die zum Portfolio gehören (s.o.). Auch in Deutschland hat TikTok angeblich bereits Content Moderatoren installiert. Letztes Jahr wurden nach Beschwerden der Chinesischen Regierung übrigens extra noch einmal 2000 neue Moderatoren mit Parteibuch eingestellt. Natürlich nicht primär für deutsche Inhalte. Das Beispiel zeigt aber sehr gut, wie kurz die Leine ist. Das wird noch spannend. (The Information $)

TikTok sucht den Superstar: Dass Musik auf der Plattform eine große Rolle spielt, ist bekannt. Jetzt möchte TikTok genau das gewinnbringend nutzen und schauen, ob sie unter all den Usern nicht vielleicht den nächsten Superstar entdecken. (TechCrunch)

Belästigungen: Die BBC hat über Monate hinweg die Kommentar-Kultur bei TikTok beobachtet und dabei festgestellt, dass sexuelle Belästigung auch bei TikTok an der Tagesordnung ist. Zwar würde TikTok durchaus einen ordentlichen Job in Sachen Content Moderation machen (s.o.), viele der gemeldeten Kommentare blieben aber dennoch weiterhin online, bzw. die Absender der Kommentare weiter auf der Plattform – mit Blick darauf, dass sich eine Vielzahl der Kommentare an Minderjährige richten, doppelt hässlich.



Livestream Shopping

Auf Sendung: Als ich im Herbst 2016 meine 99 Gedanken zur weiteren Entwicklung von Social Media und Journalismus formulierte, hatte ich vermerkt, dass wir wohl schon sehr bald eine ganze Reihe an Influencern sehen werden, die permanent live auf Sendung sind. Während das mittlerweile im asiatischen Raum tatsächlich zum Alltag gehört, entdecken westliche Influencer erst jetzt die Möglichkeiten des Livestreamings für sich. Digiday berichtet, dass neuerdings z.B. Fashion-Blogger ihr Publikum zum Shopping mitnehmen und sowohl Amazon als auch Instagram und Facebook an entsprechenden Features arbeiten (Facebook Shopping Mode) , respektive bereits passende Tools anbieten (Amazon Live).



Neues von den Plattformen

Instagram

  • Shopping Bag: In der Mai-Ausgabe der Brand Eins schreiben Mischa und ich darüber, dass Social-Plattformen sich immer stärker dem Thema E-Commerce widmen. Jetzt berichtet die wie immer maximal gut informierte Jane Manchun Wong, dass Instagram derzeit ein Shopping-Bag-Feature testet. Na, darauf haben wir doch alle gewartet!

WhatsApp

Twitter

  • Easier to follow: Twitter möchte gern mehr Ordnung in Diskussionen bringen. Dafür testet das Unternehmen neue Labels wie „Author“, „Mentioned“ und „Followed“. Da sich mir die Labels nicht sofort erschlossen haben, ahne ich nichts Gutes. Aber let’s see. (TechCrunch)


Tipps, Tricks und Apps

Dein persönlicher Privacy-Assistent: Die Jumbo Privacy App ermöglicht iPhone-Nutzern auf schöne und einfache Art, relevante Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook, Twitter, Amazon und Co vorzunehmen. TechCrunch stellt hier die App vor. Ganz praktisch das Ding. Und wohl auch safe.

How to Podcast: Mittlerweile gehört zwar das „Ich habe jetzt auch einen Podcast“ zu den durchaus besseren Running-Gags, aber am Ende kommt man ja auch einfach nicht drum herum: Podcast sind gekommen, um zu bleiben. Wer lernen möchte, wie man einen Podcast startet, wird bei NPR fündig.

Tweets to text: Wer mag, kann sich für die Beta-Version von Tweets to Text registrieren. Der freundliche Bot schickt einem einfach die eigenen Tweets als Text, wann immer man ihn darum bittet. Gerade bei Live-Twitterei vielleicht ganz praktisch – zu Zwecken der Dokumentation oder um später einen Artikel aus den Tweets zu stricken.



One more thing

Show and tell: Falls du von einem tollen Projekt erfahren hast oder vielleicht sogar selbst an einem mitwirkst, freue ich mich über einen Hinweis. Ich höre immer wieder, dass das Social Media Watchblog noch wertvoller wäre, wenn es Cases präsentiert. Nun sind wir zwar kein Marketing-Blog, das sich leidenschaftlich gern mit KPIs beschäftigt. Sehr wohl aber lohnt der Blick auf neue Formate und Ideen. Von daher: Gern immer melden – Merci!



Header-Foto von Alexandre Valdivia bei Unsplash