Wie sich Social-Media-Plattformen verändern, Tech Trends 2019, Audio Boom

Salut und herzlich Willkommen zur 531. Ausgabe des Social-Media-Watchblog-Briefings. Heute blicken wir darauf, wie sich Social-Media-Plattformen derzeit verändern. Ferner schauen wir abermals auf den schwierigen Kampf gegen Desinformationen und die Tech Trends 2019. Wir bedanken uns für das Interesse und wünschen eine gewinnbringende Lektüre, Martin & Team

Social Media erfindet sich neu

Was ist: Social-Media-Plattformen stehen derzeit vor großen Veränderungen. Der Markt zeigt sich ja sowieso seit Jahren äußerst dynamisch. Jetzt aber sieht es so aus, als wären Facebook, Twitter und Co Dynamiken ausgesetzt, die ihr grundlegendes Geschäft verändern könnten.

Beispiel Facebook

  • Mark Zuckerberg hat in der vergangenen Woche seine Vision für ein soziales Netzwerk geteilt, das sich stärker dem Thema Privacy verpflichtet sieht. Nun ist diese Version aus vielerlei Hinsicht enttäuschend (dazu Freitag mehr), sie zeigt aber sehr wohl eins ganz deutlich: die Zeit des universellen Broadcastings scheint sich überlebt zu haben.
  • Wie von uns bereits mehrfach aufgeschrieben, sind Social-Media-Nutzer bereits seit Jahren stärker an direkter (und vermeintlich „privater“) Kommunikation interessiert, als an der Idee, sich über einen Post bei Facebook oder Instagram „allen“ mitzuteilen. Die drei wesentlichen Gründe für diese Entwicklung hier noch einmal im Überblick:
  • Erstens entspricht die direkte Kommunikation mehr der Alltags-Kommunikation – wer stellt sich schon regelmäßig vor ein Mikrofon / auf einen Marktplatz und brüllt allen entgegen, wie toll der Urlaub war? Genau: Politiker, Sportler, Stars und Menschen mit Profilneurosen. Na eben.
  • Bei der direkten Kommunikation via Messenger (oder auch in kleineren Gruppen) kann sichergestellt werden, dass die Botschaft auch beim Gegenüber ankommt. Facebooks News Feed (und auch alle anderen Algorithmus-basierten Feeds) befriedigt dieses Bedürfnis nicht – daran hat wohl auch der 2018er Umbau des News Feeds nichts ändern können.
  • Zudem haben Social-Media-Nutzer gern die Kontrolle darüber, wer an einem Gespräch teilnimmt, respektive vor allem auch: wer nicht teilnimmt. Mehr oder weniger öffentliche Posts im Feed lassen diese Kontrolle nur bedingt zu.

—> Facebook hat diese Dynamik erkannt und stellt sich nun neu auf. Zwar wird Facebook den News Feed nicht aufgeben, denn bislang ist das der Ort, an dem Facebook das große Geld verdient. Sehr wohl aber war der News Feed die längste Zeit das eine Kernprodukt von Facebook – die Nutzer sind längst weitergezogen (vor allem was die aktive Nutzung angeht).

—> Übrigens: Snapchat hatte dieses Bedürfnis als erstes erkannt und darf somit als Prototyp dieser Form von sozialem Netzwerk verstanden werden.

Beispiel Twitter

  • Seit gut einem Jahr ist Jack Dorsey auf der Suche nach einem Rezept, wie Twitter „gesünder“ werden kann. Die Metapher mag vielen etwas schräg erscheinen. Wer Twitter aber regelmäßig nutzt und um Hohn, Spott, Hass und Häme weiß, kann verstehen, warum Twitter diese Analogie nutzt.
  • Eigentlich wollte Twitter mithilfe von zwei Universitäten herausfinden, wie sich die Plattform umbauen lässt, um Menschen weniger Anreize zu geben, ungesunde Inhalte zu teilen, respektive die Plattform gesünder zu nutzen.
  • Dafür lässt Twitter – zumindest theoretisch – kein Stein auf dem anderen. Es wird darüber nachgedacht, die öffentliche Anzeige der Followerzahlen abzuschaffen. Es wird erwägt, die Anzahl von Retweets und Likes nicht mehr anzuzeigen. Es wird daran gearbeitet, Diskussionen besser zu strukturieren. Es wird getestet, bestimmte Replies ausblenden zu können. Auch gibt es eine Beta-App (TechCrunch), die Nutzer einlädt, am Umbau von Twitter mitzuwirken.
  • Das alles gestaltet sich aber sehr viel schwieriger als gedacht (siehe Recode). So würde Twitter seit nunmehr einem Jahr an einem juristisch einwandfreien Konstrukt arbeiten, wie die Universitäten an Nutzerdaten kommen können. Das ist natürlich einerseits sehr löblich (remember Cambridge Analytica?), andererseits können die Unis ohne Daten auch nichts untersuchen.

—> Unterm Strich entsteht der Eindruck, dass Twitter (allen voran CEO Jack Dorsey) grundsätzlich bereit ist, die Plattform fundamental umzubauen, wenn es denn der Gesellschaft nachweislich hilft. Wie dieser Umbau am Ende aussieht, scheint Twitter noch nicht zu wissen.

Beispiel TikTok

  • Seit dem Start des Social Media Watchblogs (2012) haben wir viele Apps kommen und gehen sehen: tbh, Path, Peach, Vero und wie sie alle heißen / hießen.
  • Bei keiner diesen Apps hatte ich persönlich das Gefühl, dass der Hype gerechtfertigt gewesen wäre. Bei TikTok verhält es sich anders: TikTok ist wirklich gekommen, um zu bleiben.
  • Der Grund dafür besteht vor allem in TikToks Feed-Algorithmus: Während die anderen Social-Media-Angebote jeweils so konzipiert sind, dass man Nutzern folgt, mit ihren Inhalten interagiert und ein Algorithmus daraufhin mehr vom selben Nutzer oder ähnliche Inhalte anbietet, stehen bei TikTok die Inhalte im Vordergrund – niemand muss irgendjemandem folgen.
  • In unserem Erklärstück zu TikTok hatte ich geschrieben, TikTok erinnert eher an eine zeitgemäße Variante von Fernsehen. Ich denke, dieser Vergleich trifft es ganz gut. Die App liefert Nutzern von der ersten Sekunde an Inhalte und verfeinert die Auswahl der Inhalte Video um Video, abhängig davon, was wie geklickt und geguckt wurde.
  • TikTok ist wie ein Instagram, das komplett um die Idee von Explore-Tabs konzipiert wurde. Oder wie ein Twitter, das sich vor allem Trending Topics und viralen Tweets widmet. Jemandem zu folgen ist eine Option, aber kein Muss, schreibt der geschätzte Kollege John Herrman in einem lesenswerten Artikel für die New York Times.
  • Ferner ermöglicht TikTok all jenen Nutzern, die sich ebenfalls mit einem Video präsentieren wollen, immer neue Publika zu finden. Von Competition zu Competition, von Hashtag zu Hashtag.
  • Während etwa Instagrammern gefolgt wird, weil sie Fotos zu Yoga, Food oder Fitness posten, müssen sich TikTokker „nicht festlegen“, sondern bekommen mit jedem Video wieder die Chance, ein Publikum zu finden. Überhaupt ist bei TikTok der ganze Gedanke des Social-Graph, der etwa bei Facebook das Fundament bildet, überhaupt nicht relevant.
  • TikTok ist vielmehr eine Art World Wide Social Media – ein Hybrid aus der Öffentlichkeit von Twitter, den Challenges bei YouTube, der Kreativität von Vine und der Ästhetik von Instagram.
  • Die Vermessung (read Überwachung) der Nutzer mittels AI steht dabei laut eigenen Angaben im Zentrum:

ByteDance’s mission to redefine the ways humans connect and share information would be impossible without reliance on AI technologies. In this hyperconnected era of mobile first and the Internet of Everything, personalised information flows will dictate the way. As a product and service provider in the industry of information flows, ByteDance has pioneered the deployment of large-scale AI models. (…) This virtuous cycle of AI has allowed us to venture into areas of machine intelligence the world has not seen before.

Be smart: Social-Media-Plattformen führen häufig neue Vehikel, Tools und Werkzeuge ein, um Nutzer bei Laune zu halten, respektive Werbetreibenden neue Anzeige-Optionen an die Hand zu geben. Bei den hier aufgezeigten Beispielen handelt es sich aber um sehr viel grundsätzlichere Trends und Dynamiken.

[line]
[gap size=“40px“]

Tech Trends 2019

Was ist: Amy Webb hat im Rahmen der SXSW die Tech Trends 2019 vorgestellt. Hier kann der lesenswerte Bericht via WeTransfer direkt als PDF heruntergeladen werden.

Warum ist das interessant? Amy Webb beobachtet seit Jahren die wesentlichen Trends in Tech und Medien. Ihre Berichte unterscheiden sich von vielen anderen, weil sie wissenschaftlich untermauert sind. Webb zeigt zudem Szenarien zu den jeweiligen Trends auf und gibt Handlungsideen an die Hand.

Was sind die wesentlichen Trends? Der Bericht umfasst 381 Seiten. Diese extrem umfassende Bestandsaufnahme kann natürlich niemals adäquat in nur einem Briefing zusammengefasst werden. Deshalb möchte ich den Report zum Anlass nehmen, über die dort vorgestellten Trends künftig stärker zu berichten. Heute bleibt es daher nur bei der Wiedergabe der Key Takeaways:

  • Privacy is dea…

Scroll to Top