Journalisten auf Twitter, Rekordsummen für Lobbyarbeit, Hashtag Werbung

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 518. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings! Heute außer der Reihe eine etwas kürzere Ausgabe mit einem kompakten Überblick über die wesentlichen News und die neusten Features der Plattformen. Dazu natürlich wie üblich zahlreiche Lesetipps. In der nächsten Ausgabe dann wieder mehr Analyse. Ich bedanke mich für das Interesse und wünsche ein angenehmes Wochenende, Martin



Rekordsummen für Lobbyarbeit

Facebook, Google und Amazon haben 2018 zusammen die Rekordsumme von 48 Millionen Dollar für Lobbyarbeit in den USA ausgegeben. Sieht ganz so aus als würden sie wirklich Regulierungen fürchten. (Recode)

Die Kollegen von Politico haben hinsichtlich Facebooks Lobby-Bemühungen in Europa die passende Hintergrundrecherche parat: Inside Facebook’s fight against European regulation.



Social Media & Demokratie

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Indien wünscht sich von Facebook eine Aufweichung von Verschlüsselungsstandards. Zudem fordern sie Facebook auf, bestimmte Inhalte von der Plattform zu nehmen. Beobachter zeigen sich besorgt um die Meinungsfreiheit. (The Verge)

Social Media hilft der Ultra-Rechten: Bei Vox gibt es einen klugen Artikel zur Frage, wie Social-Media-Plattformen der Ultra-Rechten dabei behilflich sind, demokratische Standards zu untergraben, respektive gänzlich in Frage zu stellen. Social media is rotting democracy from within.



Finsteres Instagram

Schrecklich, aber leider wahr: Nachdem die Familie einer 14-Jährigen, die sich das Leben genommen hatte, in ihrem Instagram-Account zahlreiche Videos & Fotos entdeckt, die sich mit Suizid beschäftigen, gibt der Vater der Verstorbenen zu Protokoll: „Instagram helped kill my daughter". (BBC) Facebook bedauert den Vorfall. (BBC)



Fragwürdige Empfehlungen bei YouTube

BuzzFeed zeigt in einer Recherche, dass der YouTube-Algorithmus auch ein Jahr nach dem Versprechen, das Problem in den Griff kriegen zu wollen, Nutzer immer noch sehr schnell zu Videos führt, die aus den Lagern von Verschwörungstheoretikern oder Hass-Gruppen stammen. Ich persönlich kann die Ergebnisse nur unterstreichen, hatte in Ausgabe #503 ausführlich darüber berichtet. Der Hintergrund für die Untätigkeit an dieser Stelle ist imho in YouTubes Kampf gegen Artikel 13 zu sehen (siehe Ausgabe #501). Mehr dazu in den kommenden Wochen.



Hashtag Werbung

Wann muss ein Post als Werbung markiert sein? Diese Frage beschäftigt derzeit gleich mehrere Gerichte in Deutschland: Am Berliner Kammergericht konnte Influencerin Vreni Frost zuletzt einen Teilerfolg erzielen (WUV), beim Landgericht Karlsruhe wurde am Donnerstag Influencerin Pamela Reif angehört (Tagesschau). Meine Vermutung: Das geht weiter durch die Instanzen – womöglich bis zum Europäischen Gerichtshof.



Journalisten auf Twitter

Es gibt eine Debatte darüber, ob und wie Journalisten auf Twitter aktiv sein sollten. Sowohl Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender Axel Springer SE) als auch der berühmte New-York-Times-Kolumnist Farhad Manjoo plädieren unabhängig voneinander dafür, dass sich Journalisten aus Twitter-Debatten zurückziehen sollten. Hier sind Döpfners Standpunkte, hier geht es zur Kolumne von Manjoo. Ich halte das für keine gute Idee. Vielmehr gehe ich fest davon aus, dass Journalisten in der kommenden Zeit eine sehr viel stärker moderierende Rolle einnehmen müssen. Gern erläutere ich diese Gedanken in der kommenden Woche ausführlich.



Lesetipps fürs Wochenende

Leben ohne die Big Five: Die großartige Kashmir Hill hat für Gizmodo eine Serie zur Frage produziert, wie es sich eigentlich ohne die großen Fünf lebt – also ohne Amazon, Facebook, Google, Apple und Microsoft. Teil 1 & 2 sind bereits online. Spoiler: Ohne Amazon geht fast nix.

Facebook-Alternativen: Eike Kühl hat für fluter, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, einen lesenswerten Artikel über Facebook-Alternativen geschrieben – einerseits sortiert nach hyperlokalen, dezentralen und kostenpflichtigen Netzwerken, andererseits nach Netzwerken als Markplatz sowie Netzwerken für die Nische. Auf der Suche nach einem besseren Facebook. (Fluter)

Twitter-Boss Jack Dorsey ist gerade auf Presse-Tour. Bei The Ringer gibt es einen hörenswerten Podcast mit ihm, bei der HuffPo und beim Rolling Stone lesenswerte Interviews.

Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus: Shoshana Zuboff gehört zu den profiliertesten Kritikerinnen von Google, Facebook und Co. Von ihr stammt der Begriff „Surveillance Capitalism“. In ihrem neuen Buch diskutiert sie ihre Wortschöpfung in epischer Breite, beim Guardian bekommt man einen wertvollen Einblick: The goal is to automate us.



Neue Features bei den Plattformen

Twitter

  • Original Tweeter: Twitter testet ein Original-Tweeter-Tag, um bei Diskussionen besser den Überblick behalten zu können. (Techcrunch)
  • Neues Layout: Ferner hat Twitter diese Woche damit begonnen, ein neues Layout auszurollen. Als ich das Layout zum ersten Mal gesehen hatte, konnte ich ehrlich gesagt nicht glauben, dass das tatsächlich das „neue“ Layout ist – es fühlte sich eher nach einer abgespeckten Version von vor fünf Jahren an. Aber hey. Solange sie nicht am Tweetdeck schrauben, meinetwegen. (The Verge)

Google

Facebook

WhatsApp

  • Business: WhatsApp implementiert neue Business-Funktionen – sowohl für Desktop als auch für die Mobil-Version. (Techcrunch)


One more thing

Die Videospiel-Industrie hat 2018 unfassbare 43 Milliarden Dollar verdient und stellt damit die Filmindustrie in den Schatten. Die Chefs der Streaming-Plattformen haben diese Herausforderung erkannt und arbeiten fast alle an Twitch-Alternativen, um wenigstens bei der Live-Übertragung der Videospiele mitzumischen. (Techcrunch)



Foto-Credit: Warren Wong bei Unsplash