Briefing für den 24.10.2017 | Ausgabe 401

martin

Salut! Heute geht es im Briefing u.a. um einen Test, bei dem Facebook die Posts von Fanpages nur noch im neuen Entdecker Feed anzeigt, im Hauptfeed hingegen nur noch Posts von Freunden und Bekannten – und natürlich Werbung. Sehr spannende Angelegenheit… Merci, M

Plattformen unter Druck

Die Story
Am 1.11. müssen sich Google, Facebook und Twitter in Washington den Fragen vom US-Kongress stellen. Es gilt herauszufinden, welche Rolle die Tech-Unternehmen bei der Präsidentschaftswahl 2016 gespielt haben. Vor allem möchte die Politik hören, was die Firmen vielleicht selbst bereits wussten, aber nicht gemeldet haben. Damit nicht Zuckerberg, Page und Dorsey selbst in der Anhörung aussagen müssen, schicken sie ihre Leiter der Rechtsabteilungen vor. Die New York Times zeigt, wer das genau ist.

Ich kann das Thema nicht mehr hören
Kann ich verstehen, geht bei Facebook vielen auch so. BuzzFeed hat deshalb mit einigen von ihnen gesprochen. Viele fühlen sich aktuell als Sündenböcke für den von den demokratischen Kräften unerwünschten Ausgang der US-Wahl. Dabei hätten sie doch einfach nur ihre Arbeit getan. Facebook-Mitarbeiter empfinden das als Dilemma: Vor wenigen Jahren noch beschwerte sich alle Welt darüber, dass Facebook zu viel zensieren würde. Hashtag: Nippel, etc. Heute würde sich alle Welt fragen, wie Facebook es zulassen konnte, dass so viel misinformation auf der Plattform kursieren kann.

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Warum das trotzdem wichtig ist
Bei den Diskussionen um „fake news“ und Wahl-Manipulation haben wir viel zu oft nur einen verengten Blick auf die USA und Europa. Die Tech-Konzerne agieren allerdings weltweit. Folglich dürften die Untersuchungen im US-Kongress auch Strahlkraft weit über die westliche Welt hinaus haben. So gilt es eben auch Ideen zu entwickeln, wie Facebook dem Hass gegenüber den Rohingya in Myanmar begegnen kann oder wie Facebook der Flut an Falschmeldungen auf WhatsApp in Indien entgegenwirken kann oder wie… In vielen dieser digital noch nicht so geschulten Ländern wird häufig all das, was auf Facebook gepostet wird, automatisch als reine Nachricht gelesen – das ermöglicht Regierungen nahezu grenzenlose Formen der Propaganda. Wie die Tech-Konzerne hier in diesen neuen Märkten (und natürlich auch bei uns) aktiv sein können, zugleich aber auch der Tendenz entgegenwirken, für alle möglichen Formen der Manipulation missbraucht zu werden, wird eine der zentralen Herausforderungen für die Giganten aus dem Valley.


KILLT DER ENTDECKER FEED DIE REICHWEITE VON PAGES?

Was ist
Auf Twitter und Facebook wird gerade ein Artikel rumgereicht, in dem sich ein slowakischer Kollege besorgt über den neuen Entdecker Feed zeigt. Wir berichteten über die Einführung. Grund für seine Sorgen sind ein Test, den Facebook offenbar in „Slovakia, Sri Lanka, Serbia, Bolivia, Guatemala and Cambodia“ durchführt. Demnach testet Facebook in diesen Ländern einen neuen Hauptfeed, der nur noch aus Posts von Freunden und Bekannten besteht – alle Posts von Fanpages verschwinden im Entdecker Feed. Dies führt – so die Analyse des Artikels – zu einem Reichweiten-Verlust der Facebook-Seiten in den genannten Ländern.

OMG! 1!ELF!!!
Viele Kollegen werden nun mit einem hochroten Kopf diese Zeilen lesen und sich zurecht fragen, was das für ihre Fanpage bedeutet. Um ehrlich zu sein: Keine Ahnung. Zunächst testet Facebook diese neue Art des Feeds in den besagten Ländern. Dass es zu einem ähnlichen Test in Deutschland kommt, ist nicht auszuschließen, aber auch nicht wirklich realistisch, jedenfalls nicht ohne vorherige Absprachen – zeigt sich Facebook doch gerade mit Blick auf Medienhäuser in „wichtigen“ Märkten derzeit sehr an einer engen Partnerschaft interessiert. Daniel Fiene hat aufgeschrieben, was man derzeit zu diesem Thema wissen muss.

Facebook goes Snapchat Discover
Wie bereits bei der offiziellen Einführung des Explorer Feed von uns aufgeschrieben: „Die massive Fokussierung auf den News Feed ist letztlich der Grund für all die Sorgen, die Facebook seit Monaten auf Trab halten. Fake News, Filterblasen, Targeting – alles Dinge, die nur deshalb in dieser Form existieren und außer Kontrolle geraten konnten, weil Facebook den News Feed zum zentralen Erlebnis auserchoren hat. Über Jahre ging das gut, führte zu unglaublichem Engagement und märchenhaften Gewinnen. 2017 könnte imho der Turning-Point für den News Feed sein. Ich beobachte, dass Facebook damit beginnt, sich von der Fixierung auf den News Feed zu lösen.“ Der Test mit dem Haupt- und Entdecker Feed erinnert also stark an die Discover Section bei Snapchat, in der professionelle Medieninhalte konsumiert werden können, während der Hauptfeed vor allem aus Posts von Freunden besteht. Spannend, sehr spannend


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FUTURE OF JOURNALISM (1)

Es gibt Artikel, die kann man wieder und wieder lesen. Der Medium-Post „13 Dinge, die ich in sechs Jahren beim Guardian gelernt habe“ gehört für mich dazu. Da steckt viel drin für den eigenen Berufsalltag. Vor allem, weil der Artikel so herrlich weh tut. Beispiel? Gern:

Platforms are not strategies, and they won’t save news. Seriously. If someone else’s algorithm change could kill your traffic and/or your business model, then you’re already dead. Google and Facebook are never going to subsidise news providers directly, and nor should they. Stop waiting for someone to make it go back to the way it was before. If what you do is essential to your audience, so essential that their lives wouldn’t be the same without it, then you should be able to monetise that. If it’s not, your first priority should be to admit that and then get on with changing it.“

Ouch!


FUTURE OF JOURNALISM (2)

Die New York Times und das Wall Street Journal haben bekanntermaßen ihre Social Media Guidelines neu aufgelegt. Mitarbeiter sind – auf den Punkt gebracht – angehalten, sich permanent Unternehmens-konform zu verhalten: in Blogposts, auf Twitter, Instagram, ja sogar in geschlossenen Facebook-Gruppen. Alles könnte schließlich auf die Marke New York Times, bzw. Journal zurückfallen und sie beschädigen – so die Lesart.

Die Website Columbia Journalism Review zeigt sich über diese strengen Regeln besorgt. Schließlich sei Social Media gerade der Ort, an dem Reporter, Journalisten und Autoren mit ihrem Publikum auf Augenhöhe diskutieren könnten. Genau das würde zur Stärkung einer Marke beitragen, erhöht sich doch durch diesen fortwährenden Dialog via Social die Transparenz und das Vertrauen in den Kopf hinter einer Nachricht, einem Bericht, einer Reportage.


AUCH INTERESSANT

Going Instagram Official: Während es vor wenigen Jahren noch für viele Menschen unabdingbar schien, den neuen Beziehungsstatus auf Facebook mitzuteilen, ist heute Instagram the place to be. Wer etwas auf sich und seinen neuen Partner hält, der teilt der Welt via Instagram von der Liaison mit.


TOOLS

Facebook Live erhält neue Features: So kann man via Facebook Screen Sharing seinen Bildschirm, einzelne Browser Tabs und Anwendungen direkt auf Facebook Live teilen. Gerade für berufliche Szenarien spannend.

In den USA ist es fortan möglich, seinen Freunden via Facebook-Messenger Geld über Paypal zu schicken. Vorher gab es zwar auch schon diverse Möglichkeiten, Freunde mit Geld zu beglücken, Paypal gehörte bislang aber nicht dazu. Jetzt schon. Peter Thiel wird es freuen.

Facebook testet einen neuen Subscription-Button bei Instant Articles. Ausgewählten Partnern ist es möglich, Artikel, die sonst hinter der hauseigenen Paywall stecken, ebenfalls bei Facebook als Instant Articles anzubieten, aber eben mit Subscribe-Option. Im Newsroom bei Facebook gibt es den Überblick.


ONE MORE THING

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martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter

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