Briefing für den 7.9.2017 | Ausgabe #387

martin

Moin, Moin und vielen lieben Dank an dieser Stelle an alle, die gestern unseren Artikel zu Facebook Watch geteilt haben. Das ist für unsere Arbeit echt Gold wert, denn nur so können wir bekannter werden. Aber wem erzähle ich das. Viel Spaß mit diesem Briefing! Peace

# Politics

Ob Muslim Ban, Transgender Troops, White Supremacists oder zuletzt die sogenannten Dreamer – die erste Riege der Silicon Valley CEOs meldet sich zunehmend öffentlich zu Wort und entwickelt sich dadurch zu einer politischen Kraft. Hatte sich US-Präsident Trump zu Beginn seiner Amtsübernahme noch an der Seite der Tech-Konzerne gewähnt, was in erster Linie der Nähe zu Peter Thiel geschuldet war, so kriegt er zunehmend Gegenwind aus dem Valley zu spüren. Zeit um einmal genauer hinzusehen und sich zu fragen: Welche politischen Ideen verfolgen die Chefs von Facebook, Google und Co eigentlich?

Eine Studie der Stanford-Universität, die sich momentan noch im Peer-Review-Prozess befindet, legt nahe, dass die Valley-Bosse sich entgegen aller Annahmen eher links-liberal einordnen lassen. Libertäre Vorstellungen, vielfach vor allem auf die Ikone Ayn Randian zurückgeführt, würden hingegen kaum eine Rolle spielen. Im Gegenteil: Der Staat solle durchaus eingreifen dürfen, um Bedürftigen zu helfen, Reichtum umzuverteilen und Kranken mit Gesundheitsleistungen zu versorgen.

Einzig beim Thema Regulierung von Märkten und Unternehmen, insbesondere mit Blick auf Arbeitnehmerrechte, zeigen die Valley-Chefs laut der Studie ein wahrlich kühles Gesicht: Gewerkschaften gehen gar nicht und letztlich würde jedes Kündigungsrecht nur den Wettbewerb gefährden. Well. Wir werden sehen, wie die Tech-Elite ihre politischen Ansichten künftig weiter artikulieren wird. Mark Zuckerberg doch als Präsident? Silicon Valley’s Politics: Liberal, With One Big Exception [New York Times]

# Gesellschaft

Schadet Social Media der Gesundheit? Allein die Frage lässt einige Leser garantiert den Unsubscribe-Button drücken. Aber nur weil eben jene Frage an vielen Stellen einzig und allein mit enormen Vorurteilen und eben wenig substantiell beantwortet wurde, ist die Frage ja nicht automatisch völlig unangebracht. Autor Matt Haig jedenfalls versucht ein sehr viel ausführlicheres Bild zu zeichnen, nutzt definitiv weiter Social Media und hat nur eine Bitte: We need to ensure we are still the ones using the technology – and that the technology isn’t using us. [Guardian]

# Video Boom

Heute viele kleinere Meldungen im Gepäck beim Thema Video Boom. Fangen wir mal mit den Kleinsten an: YouTube hat nun endlich auch eine eigene Plattform für Nutzer im Schul- bzw. Vorschulalter. Meine Tochter findet Bibi und Tina künftig also im besten Fall auf Anhieb und muss jetzt keine Werbung mehr ertragen, die nicht kindgerecht ist. Nur noch Werbung, die kindgerecht ist. Äh, Moment. Nun ja. [Spiegel Online]

Warum sollte es eigentlich nur bei Snapchat und Facebook Watch extra produzierte Shows und episodische Serien geben? Genau. Instagram Stories lässt sich dafür schließlich auch prima kapern. So geschehen und hier nachzulesen: How media companies are creating episodic series for Instagram Stories [Marketing Land]

Facebook investiert weiter heftig, um noch mehr Video-Inhalte auf seiner Seite zu haben. Insidern zufolge hat Facebook mit Plattenlabels Verhandlungen aufgenommen, damit Nutzer die Songs bekannter Künstler für ihre selbst hochgelandenen Videos verwenden dürfen. Wir sprechen hier von Hunderten von Millionen Dollar. Facebook meint es ernst. Sag ich ja.

Wer wissen will, wie man News Videos produziert, die auf Social Media funktionieren, der kann sich die Studie vom Reuters Instituteeinmal ansehen. Keine Gewähr, dass das nicht morgen bereits wieder überholt ist, aber einen Blick würde ich in jedem Fall einmal riskieren. Grundlegende Beobachtungen wie die Tatsache, dass vor allem Randgruppen-Themen gut funktionieren, dürften auch übermorgen noch einen Wert haben. [Reuters Institute]

# Follow the money

Eine Untersuchung hat ergeben, dass Facebook beim Werbemanager in bestimmten Altersgruppen eine höhere Zielgruppe ausgibt als eigentlich von offizieller Stelle erhoben. Nach dem Schlamassel mit den Video-Abrufen und einigen anderen Zahlendrehern sieht sich Facebook erneut massiver Kritik ausgesetzt. [Business Insider]

Alles Quatsch sagt einer, der sich zwar garantiert auskennt, aber meistens auch eh alles kleinredet, was nicht von ihm stammt – die Rede ist von Mr. „Chaos Monkey“ Antonio García Martínez. [Twitter]

# Wir müssen kurz über dein Outfit sprechen

Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie aufmerksam Facebook Inc seinen Facebook- und Instagram-Nutzern dabei zuhört, wenn sie sich etwa über Mode unterhalten, dem sei diese Studie ans Herz gelegt. In Deutschland spricht man übrigens anscheinend gern über Handtaschen. Nun denn. [Social Media Today]

# WhatsApp macht jetzt serious business

Bereits eine Meldung von gestern, aber der Chronistenpflicht sei hiermit entsprochen: WhatsApp wird künftig Business-Partner mit einem grünen Häkchen verifizieren und ihnen gegen Gebühr direkte Kommunikation mit Kunden ermöglichen. Mit anderen Worten: Facebook will mit seinem Messenger jetzt Geld verdienen [t3n].

Wie das dann aussieht, kann man hier bei einem der ersten WhatsApp-Business-Partner sehen: KLM hat ein nettes Erklär-Videodafür bei YouTube hochgeladen [YouTube].

# Tipps

Bevor du gehst noch schnell zwei echt nette Sammlungen an Apps und Browser-Erweiterungen, die einem das Arbeitsleben leichter machen können:


Ich gehe jetzt ins Bett, bin total müde. Falls du eine Frage zum heutigen Briefing hast oder diese Unterhaltung einfach gern fortsetzen möchtest, morgen stehe ich wieder auf und schreib zurück – ich beantworte jede Mail.


Diese Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings wurde gesponsert vom "Listening Center" der Rheinischen Post
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