#Briefing: Cambridge Analytica, Google fördert „Fake-News“, Social-Media-Nebenwirkungen

martin

Cambridge Analytica geht die Luft aus

Kurz nach der US-Wahl, als die Welt noch nach einer Erklärung für den überraschenden Sieg Trumps suchte, machte ein Story die Runde, die vielen Menschen Schauer über den Rücken laufen ließ: Angeblich hatte eine Daten-Firma aus Großbritannien das Ei des Kolumbus der politischen Analyse entdeckt: “psychographic” profiles auf Basis von Facebook Daten – und Donald Trump damit zum Wahlsieg verholfen. Ihr habt die Geschichte bestimmt gelesen oder zumindest davon gehört.

Nachdem lange über die Methoden spekuliert wurde, läßt nun die New York Times die Luft aus der Tüte: Alles übertrieben! Die besagte Präzision der Analyse wäre weit von der Wirklichkeit entfernt und Trump hätte sie nie eingesetzt. Die NYT beruft sich dabei auf ehemalige Mitarbeiter der Firma und aus Trumps Team. Größter Kritikpunkt scheint vor allem die angebliche Präzision der Methode zu sein, Wähler exakt einschätzen und dann auch noch adressieren zu können. Für beides bräuchte es mehr als die verfügbaren Daten von Facebook. Sehr lesenswerter Text!  [New York Times]

+ Eine deutsche Kurzfassung der wichtigsten Punkte gibt es hier zu finden. [Die wunderbare Welt der Wirtschaft]

+  Als Zusatzlektüre zu empfehlen: "Zuckerberg World President" – welche Macht Facebook selbst aufgrund eben dieser Daten über uns hat. [Monday Note]

Google fördert wissentlich "Fake-News"

Jeder von uns kennt sie: Googles Direktantworten, die gerahmten Texte mit Quellenangabe, die bei manchen Anfragen (Laut MozCast rund 20%) an erster Stelle der Suchergebnisse erscheinen. Google versucht damit dem Wunsch nach schnellen, direkten Antworten seiner Nutzer nachzukommen. Leider liefern einige dieser Anfragen zum Teil zweifelhafte Antworten (Mein Favorit: "Why are firetrucks red?" "Because they have eight wheels and four people on them …").

Das Problem ist zum einen die Vereinfachung auf eine einzelne Antwort und zum anderen der zugrunde liegende Suchalgorithmus, der sich auf den Google Search Rank bezieht. Diese Fokussierung ist viel störanfälliger (durch Beeinflussung des Search Rank), als die sonst übliche Liste an potentiellen Treffern. Daher fördert sie auch viel häufiger zweifelhafte Fakten zu Tage, die dann prominent gesetzt sind. So befeuert Google weiter die "Fake-News"-Situation, und nimmt dies willentlich in Kauf auf dem Weg zu einer mobil-freundlicheren Strategie." [The Outline]

Social Media Nebenwirkungen

Bringt ein Like mehr Glücksgefühle als eine reale Umarmung? Shane Saunderson stellt sich diese Frage, nachdem er mehrfach durch die Abhängigkeit von Technologie und sozialen Netzwerken ausgelöste Nervenzusammenbrüche erlebt hat. Seitdem plädiert er für einen sorgsamerem Umgang damit und rät öfter auch mal abzuschalten. [Digital Culturist]

Diesen Vorschlag unterstreicht auch das Ergebnis einer aktuellen Studie der University of Pittsburgh zur Frage, was uns dazu verleitet, soziale Netzwerke zu nutzen und welche Auswirkungen das auf die menschliche Psyche hat. Der Untersuchung zufolge fühlen sich Menschen, die sich intensiv mit sozialen Netzwerken beschäftigen, auch öfter sozial isoliert. Was dabei noch unbeantwortet bleibt, ist aber die Henne-Ei-Frage: Was kommt zuerst? Eine zufriedenstellende Antwort bleibt das Forschungsteam schuldig; eine Reduktion der Nutzung von sozialen Medien könnte aber grundsätzlich nicht schaden. [Forbes]

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