Das Social Media Watchblog läuft bereits im siebten Jahr. Sehr häufig wollte ich, Martin, es in all dieser Zeit schon dicht machen, wegschmeissen, löschen, abgeben, loswerden. Heute verdiene ich damit meinen Lebensunterhalt. Blicken wir also zunächst zurück, um den Status Quo besser zu verstehen.

Während meines Volontariats beim ZDF (2010 – 2012) wurde mir bewusst, dass soziale Medien zu einem elementaren Bestandteil des Mediensystems würden – sowohl hinsichtlich der Verbreitungsmöglichkeiten für Medienschaffende als auch mit Blick auf reguläre Nutzer, die über Facebook, Twitter und Co die Option bekamen, sich publizistisch auszutoben.

Um der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der sozialen Medien – und insbesondere der Firmen, die dahinter stecken – mehr Beachtung zu schenken, trat ich an meine Schweizer Twitter-Bekanntschaft Konrad Weber mit der Idee heran, einen eigenen Blog zu gründen.

Zunächst hatten Konrad und ich noch davon geträumt, eine Website aufzubauen, die als eine Art Wiki für all die Themen rund um Social Media fungieren sollte – eine Anlaufstelle für Bürger und Medienmacher gleichermaßen. Recht schnell stellten wir jedoch fest, dass wir neben unserer eigenen Arbeit beim ZDF, respektive dem SRF, nicht genug Zeit haben würden, eine derart aufwändige Plattform aufzubauen.

In der Folge beschlossen wir, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: einen kuratierten Überblick über die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media – gern angereichert mit eigenen Ideen und Meinungen: das Briefing.

Durch die rasant wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen für Akteure aus den Bereichen Medien, Politik und Wirtschaft wurde unser Newsletter unter Kollegen gern und oft weiterempfohlen: über 6000 Menschen haben unseren Newsletter in all den Jahren ausprobiert, ohne dass wir einmal dafür im eigentlichen Sinne Werbung gemacht hätten. Herzlichen Dank an Euch alle an dieser Stelle!

Das Social Media Watchblog hätte allerdings nie so groß im Kleinen werden können (dazu gleich mehr), wenn ich nicht neben Konrad noch die tatkräftige Unterstützung von vielen weiteren großartigen Kollegen gehabt hätte: liebe Anna, Isabell, lieber Christian, Jan, Tilman, Simon – auch an Euch mein herzlicher Dank an dieser Stelle!

So haben wir also als Autoren-Kollektiv von 2012 bis 2017 gemeinsam fast 400 Newsletter-Ausgaben produziert – zwar immer mal wieder mit Pausen, aber eigentlich mit dem Wunsch, wöchentlich zu produzieren.

In all dieser Zeit stellte ich gefühlt monatlich fest, dass mir das Social Media Watchblog zwar eigentlich viel zu viel Stress macht neben meiner eigentlichen Arbeit (2012 – 2015 im Newsroom von heute.de, 2015 – 2017 bei bento), ich es aber auch nicht loslassen kann. Mehr noch: dass ich Stunde um Stunde am Feierabend und in den frühen Morgenstunden investierte, um zu recherchieren, Newsletter zu produzieren, an der Website zu doktern, unsere Arbeit via Social Media zu kommunizieren, eine Facebook-Gruppe aufzubauen, Abo-Anfragen zu verwalten, Werbepartner zu finden…

Während meiner Elternzeit 2017 wurde mir dann klar, dass ich das Social Media Watchblog nicht weggeben, sondern zu einem elementaren Bestandteil meines Erwerbslebens ausbauen möchte. So entschloss ich mich als Test zum September 2017, unsere LeserInnen wesentlich offensiver als in all den Jahren zuvor um eine finanzielle Würdigung unserer Arbeit zu bitten.

Das Feedback war enorm: über 300 LeserInnen buchten direkt ein Abo via Steady, Institutionen wie die Deutsche Welle, Vice, die SZ und das ZDF schritten mutig voran und schlossen Firmenabos ab. Und das alles nur weil unsere Arbeit so wertgeschätzt wurde – nicht weil die Briefings sie sonst nicht mehr erreicht hatten. Diese Signale ermutigten mich, zum September 2018 eine echte Paywall einzuziehen: fortan gibt es das Briefing nur noch für zahlende Abonnenten.

Stand heute hat das Social Media Watchblog über 600 Abos (darunter ein Großteil Jahresabos) direkt an Einzelpersonen verkauft und mehr als 15 institutionelle Kunden gewonnen, die für ihre Mitarbeiter Firmenabos abgeschlossen haben.

Damit lässt sich arbeiten. Über Steady erzielen wir 2500 Euro Umsatz, über die Firmenabos noch deutlich mehr. Das mag sich für einige noch nicht sonderlich attraktiv anhören, ich finde es galaktisch: die Idee, dass ich einmal komplett unabhängig publizistisch tätig bin und damit meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte, hätte ich in den Tagen meines Volos nicht gedacht. Indie Journalismus FTW!

Herzlichen Dank für das Interesse an unserer Arbeit,
Martin