Dominanz von Die Partei, LinkedIn News Feed, Pinterest als Traffic-Bringer

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 558. Ausgabe des Social-Media-Watchblog-Briefings. Heute beschäftigen wir uns u.a. mit der Dominanz von Die Partei und AfD in Sachen Social Media im Europawahlkampf. Zudem schauen wir auf LinkedIns News-Feed-Änderungen – die machen jetzt nämlich auch auf „meaningful content“. Ferner geht es um Pinterest, den unterschätzten Traffic-Bringer, und das Ende von TikTok (Zwinkersmiley). Herzlichen Dank für das Interesse an unserem Newsletter, kommt gut durch den heißen Tag, Martin und Team.



Studie zum Social-Media-Europawahlkampf

Was ist: Die AfD und Die Partei waren in Sachen Social Media beim Europawahlkampf am erfolgreichsten. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie (Tagesschau) von Martin Fuchs und Josef Holnburger, die sie für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung erarbeitet haben.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die PARTEI dominiert bei Twitter.
  • Die AfD dominiert bei Facebook: So stammen 81 der 100 Postings, die die meisten Interaktionen hervorriefen, von der AfD. Geteilt wurden die Beiträge der AfD durchschnittlich fast 1800 Mal – das ist fast doppelt so oft wie bei allen anderen zusammengerechnet. Allerdings zeigt die Studie auch, dass die AfD über ihr bestehendes Kernklientel hinaus nicht mobilisieren konnte, was im Umkehrschluss natürlich bedeutet, dass die, die bereits „Fans“ der AfD sind, maximal engagiert sind.
  • Auch wurden die Postings der AfD sehr viel häufiger kommentiert als die Posts anderer Parteien.
  • Allerdings konnten die Autoren ebenfalls feststellen, dass der Wille zum Dialog nicht wirklich ausgeprägt ist bei den Parteien, bzw. ihren Spitzenkandidaten – mit einigen wenigen Ausnahmen (etwa Ska Keller).
  • Auf YouTube bleiben mehr oder weniger alle ziemlich blass.
  • Instagram gewinnt zunehmend an Bedeutung – auch für die politische Kommunikation.

Für die Studie wurden

  • 1769 Beiträge und 365.016 Kommentare auf Facebook,
  • 10.077 Tweets mit 17.547 Hashtags
  • 270 YouTube-Videos mit 41.997 Kommentaren
  • 902 Instagram-Beiträge mit 72.817 Kommentaren

… ausgewertet. Im Fokus standen die Accounts der Bundestagsparteien und deren Spitzenkandidaten für die Europawahl sowie die Social-Media-Profile von Die PARTEI und Martin Sonneborn.

Ein Blick auf die aktuellen Abonnentenzahlen der Parteien:

Be smart: Martin Fuchs gibt zu Bedenken, dass die unmittelbaren Effekte auf die Wahlergebnisse schwer zu ermitteln wären. Gleichwohl zeigten die Ergebnisse, dass Satire und eine emotional, zugespitzte Sprache auf Social Media weiter reüssieren. Für die eher staatstragenden Parteien bleibt Social Media somit eine echte Herausforderung. Mein Pro-Tipp: Auf Dialog setzen. Das hilft immer und kann echt einen Unterschied machen zu den anderen, die entweder dafür keine Ressourcen bereitstellen können (read: Die Partei) oder es aus strategischen Gründen ablehnen, mit Menschen in einen Dialog einzutreten (read: AfD).



Social Media & Politik

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Was wir aus Rezo lernen können: Ich durfte für die Fachzeitschrift politik und kommunikation noch einmal Bilanz ziehen in Sachen Rezo-Video und habe 9 ½ Learnings mit Blick auf Social Media formuliert:

  1. Den Status quo anerkennen
  2. Die Spielregeln der Plattformen kennen
  3. Native Inhalte produzieren
  4. Den Dialog suchen
  5. Dorthin gehen, wo die Leute sind
  6. Blogger einbinden
  7. Um Glaubwürdigkeit ringen
  8. Transparenz wagen
  9. Diskussionen verfolgen und ernstnehmen
  • Authentisch sein

Der letzte Punkt ist natürlich eine Binse – aber leider trotzdem auch fast der wichtigste. Der allerwichtigste Punkt ist aber übrigens, dass es beim Rezo-Video gar nicht so sehr um die Frage der Kommunikation ging, sondern um die politischen Inhalte – genau das kann man einfach nicht oft genug festhalten.

AfD und Hass – nicht nur im Netz: Sorgt die AfD mit ihren Posts und Botschaften, die sie auf Twitter und Facebook verbreitet, für ein Klima, dass womöglich Gewalt gegen Politiker zur Folge hat? Hell yes, wäre meine ganz private Meinung. Und auch jemand wie Johannes Hillje, der sich hauptberuflich mit Politik und Kommunikation auseinandersetzt, sieht in der Eskalationsspirale auf der AfD-Facebookseite ein enormes Problem.

Facebooks neues Aufsichtsgremium: Derzeit findet in Berlin ein zweitägiger Workshop mit NGOs, Journalisten und Facebook-Vertretern statt. Das Ziel der Veranstaltung besteht darin, besser zu verstehen, wie ein Facebook Aufsichtsgremium aussehen und funktionieren sollte. Es geht letztlich darum, eine Instanz zu entwickeln, die bei strittigen Moderationsfragen eine gut begründete und nachvollziehbare Entscheidung trifft. Das Handelsblatt hat bereits einen Artikel dazu – allerdings hinter einer Paywall. Auch Bloomberg hat über das Vorhaben geschrieben. Im nächsten Briefing dann auch von uns mehr dazu.

Drohungen und Beleidigungen im Netz: Wer sich mit Hass im Internet konfrontiert sieht oder jemanden kennt, der darunter zu leiden hat, der bekommt bei SPON vom Kollegen Breithut viele praktische Tipps an die Hand: Wie man sich gegen Hass und Hetze wehrt.



LinkedIn ändert seinen News Feed

Was ist: Auch LinkedIn verabschiedet sich davon, im News Feed primär virale Posts auszuspielen. Künftig möchte LinkedIn ebenfalls den Weg einschlagen, den Facebook und Snapchat bereits seit einiger Zeit gehen: mehr „meaningful“ Content von Menschen aus dem näheren Umfeld.

Was heißt das konkret? Die Kollegen von Axios schreiben:

  • Elevating content that users are most likely to join in conversation, which typically means people that users interact with directly in the feed through comments and reactions, or people who have shared interests with you based on your profile.
  • Elevating a post from someone closer to a users' interests or network if it needs more engagement, not if it's already going viral.
  • Elevating conversations with things that encourage a response (like opinions commentary alongside content), as well as posts that use mentions and hashtags to bring other people and interests into the conversation and elevating posts from users that respond to commenters.
  • Elevating niche topics of conversation will perform better than broad ones. (When it comes to length, LinkedIn says its algorithm doesn’t favor any particular format, despite rumors that it does.)

Be smart: LinkedIn hat ja bereits seit einiger Zeit immer wieder großes Interesse daran bekundet, dass mehr und mehr Journalisten (und andere Meinungsmacher) anfangen, Links und Texte zu ihren ganz persönlichen Beats zu teilen. Weniger Marken, mehr Menschen lautet das Credo. Ich persönlich habe dafür aktuell keine Zeit, denke aber, dass sich das je nach Branche durchaus lohnen kann und werde nach der Sommerpause damit experimentieren.



Social Media & Marketing

Influencer Marketing kaputt ? Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, ob das, was Thomoas Koch hier bei WiWo zu Protokoll gibt – „Influencer Marketing steckt in der Krise“ – stimmt. Auf Slack kam der Hinweis, Koch sei noch nie ein Freund von Influencer-Marketing gewesen. Von daher sei der Einwurf auch zu vernachlässigen. Ein anderer Kollege hält dagegen und erklärt, Koch würde mit seinem Mini-Rant nur aufzeigen, was viele nicht sehen wollen: belastbare Zahlen gibt es beim Influencer-Marketing einfach viel zu wenig. So bleibt die Antwort auf die Frage, wie nachhaltig und erfolgreich die Zusammenarbeit mit Influencern ist, bzw. sein kann, häufig vage.

Influencer Marketing lebt !!! Ich selbst habe neulich zum ersten Mal erlebt, was für eine Wirkmacht Influencer haben können: so hatte Maren Schiller, Abonnentin des Social Media Watchblogs, Influencerin bei Instagram und selbst ehemalige Journnalismus-Studentin, ihre 190.000 Follower in einer Story dazu ermutigt, für Journalismus Geld auszugeben – am besten direkt mit einem Abo des Watchblogs. Die Folge: unfassbar viele Aufrufe auf unser kleines Angebot und dutzende neue Abos. Danke noch einmal, Maren, für diese Überraschung, das Learning und diese großartige, unbezahlte Werbung – für Journalismus (und unser Angebot).

Pinterest, der unterschätzte Trafficlieferant: Drüben bei Meedia gibt es einen Artikel, der darstellt, warum Pinterest ein unterschätzter Trafficlieferant sei und warum sich für Publisher ein genauer Blick lohnen würde. Am erstaunlichsten fand ich dabei, dass Pinterest vor allem auch dann als Traffic-Treiber funktionieren kann (und das ist der entscheidende Hinweis aus unserer Slack-Community), wenn die Plattform vor allem hinsichtlich der SEO-Qualitäten und weniger als Social-Distributionskanal genutzt wird. Der Unterschied zwischen diesen beiden Rangehensweisen wird in diesem YouTube-Video vom Web Summit 2018 gut erklärt.



Schon einmal im Briefing davon gehört

Chatbot statt Therapeut: Es scheint ein weltweites Phänomen zu sein, dass Menschen, die gern psychologische Hilfe in Anspruch nehmen möchten, in der Regel sehr, sehr lange auf einen Therapieplatz warten müssen. Um diese Zeit nun abzukürzen, bzw. auch grundsätzlich die Scheu davor abzulegen, einen Therapeuten aufzusuchen, gibt es die App Youper – einen Chatbot, der einen Therapeuten nicht ersetzen, aber simulieren soll. Spannend, aber natürlich nicht ganz ohne Kopfschmerzen.



Inspiration

The Pudding hatten wir ja erst neulich im Briefing erwähnt: jetzt sind sie wieder mit so einem tollen Projekt am Start, dass ich einfach nicht drum herum komme, die Website erneut zu bewerben. Unter pudding.cool/projects/music-history gibt es einen animierten Überblick über sämtliche Billboard-Top-5-Platzierung seit den 1960er Jahren – inklusive Soundsnippets. Mega.



Neues von den Plattformen

Telegram

  • Add People Nearbye: Bei Telegram kann man neue Gruppen-Mitglieder nun auch über eine "Add People Nearby"-Funktion hinzufügen. Spannend für Events, Festivals, Konferenzen – und Demonstrationen. Mehr dazu auf Telegrams Blog.


Tipps, Tricks und Apps

Du interessierst dich für Tools und Methoden jenseits der Micky-Mouse- und Kopfstand-Methode? toolboxtoolbox got you covered – toolboxtoolbox.com ist eine tolle Sammlung für alle, die z.B. per Design Thinking in neue kreative Sphären vordringen wollen. Die Werkzeuge stammen von so namhaften Firmen wie Mozilla, Adobe oder Google und sind fast alle frei zugänglich.



One more thing

TikTok ist offiziell am Ende. Oder anders: Der Hype um TikTok wird mir jetzt echt zu hyper, hyper. ­čśë



Header-Foto von Alexandre Chambon bei Unsplash