Ist Metas Krise schon wieder vorbei?

In unserem heutigen Briefing geht es um Metas neue Liebe für Effizienz, Twitters Abschied von offenen Schnittstellen und Startups, die dabei helfen wollen, AI-generierte Inhalte aufzuspüren.
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Was ist

Die aktuellen Zahlen von Meta (PDF) fallen besser aus als erwartet. Im vierten Quartal 2022 sank der Umsatz zwar leicht, Analystinnen und Anleger hatten aber mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Meta möchte Aktien im Wert von 40 Milliarden Dollar zurückkaufen. Der Kurs stieg nachbörslich um 20 Prozent.

Was das bedeutet

Die Reaktion bildet einen krassen Kontrast zur Situation im Oktober. Nach den Zahlen für Q3/22 nahm die Aktie genau den entgegengesetzten Verlauf und brach um mehr als 20 Prozent ein. Was an der Börse geschieht, steht nicht immer in Bezug zur Realität. Doch solche Kursschwankungen allein mit Herdentrieb und Spekulation zu erklären, wäre zu kurz gegriffen. Wir erklären, warum sich die Stimmung gedreht hat.

Wie Meta Optimismus verbreitet

  • Auf den ersten Blick hat sich an den Zahlen wenig verändert. Keine Katastrophe, aber auch kein Homerun. Umsatz, Gewinn und Marge sinken, auch der durchschnittliche Anzeigenpreis geht zurück.
  • Dafür steigen Werbevolumen und Nutzerzahlen – interessanterweise auch bei Facebook. Deshalb nochmal für alle zum Mitschreiben: Die blaue App fühlt sich aus deutscher Medienblasenperspektive vielleicht an wie ein Zombie, sie ist aber nicht tot, sondern ziemlich lebendig. Anders lassen sich zwei Milliarden tägliche aktive Nutzerïnnen (pro Monat sind es fast drei Milliarden) und steigende Pro-Kopf-Umsätze nicht erklären.
  • Viel wichtiger als die reine Reichweite ist aber etwas anderes: Mark Zuckerberg hat 2023 zum "Jahr der Effizienz" erklärt. Allein in seinem Facebook-Post taucht "efficiency" zehnmal auf, in Transkript des Conference Call (PDF) findet sich das Wort ganze 33 Mal.
  • Konkret bedeutet das: Die 11.000 Menschen, die Meta im vergangenen Herbst entließ, werden wohl nicht die letzten Opfer der Sparmaßnahmen gewesen sein. "I don’t think you want a management structure that’s just managers managing managers, managing managers, managing managers, managing the people who are doing the work", sagte Zuckerberg kürzlich bei einem internen Meeting. Meta wird also weiteren Angestellten kündigen, darunter auch Führungspersonal.
  • Das passt zu Zuckerbergs früheren Aussagen und Ankündigungen. Seit etwa einem Jahr appelliert der Meta-Chef immer wieder an die Belegschaft, dass man mit weniger Ressourcen mehr erreichen müsse. Teils droht er auch unverhohlen und macht Druck.
  • Aktionärinnen und Investoren hören solche Worte gern. Sie sind an kurzfristiger Rendite interessiert. Wenn Meta einen Teil seiner 85.000 gut bezahlten Angestellten entlässt, spart das eine Menge Geld, wirkt sich positiv auf die nächste Bilanz aus und lässt den Börsenkurs steigen.
  • Der zweite Punkt, der Anlegerïnnen Sorgen machte: Zuckerbergs riskante und vor allem teure Wette auf das Metaverse (#833). Meta steckt Dutzende Milliarden Dollar in eine Vision, von der niemand weiß, ob und wann sie Realität wird.
  • Trotz aller Kritik ließ Zuckerberg sich bislang nicht davon abbringen, das Metaverse zu priorisieren und bei jeder Gelegenheit davon zu schwärmen. Nun scheint er erkannt zu haben, dass es dafür noch zu früh ist.
  • Bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen spielte das Metaverse nur eine Nebenrolle. An den gewaltigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (allein im vergangenen Jahr machte die Sparte Reality Labs einen Verlust von fast 14 Milliarden Dollar) ändert sich zwar nichts, wohl aber an der Kommunikation.
  • Meta rückt die aktuellen Cashcows wieder in den Vordergrund, streicht Ausgaben zusammen und gibt einen verhalten optimistischen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Wer Aktien hält, bekommt das Gefühl, in einen Konzern investiert zu haben, dem auch an 2023 gelegen ist – und nicht nur an VR-Avataren im Jahr 2033.

Be smart

Die Abgesänge waren schon immer etwas zu schrill und düster. Im Oktober schrieben wir deshalb in Ausgabe #839:

Facebook ist eine Geisterstadt, Instagram schwächelt, TikTok dominiert, digitale Werbung stirbt, und Meta wirft sinnlos mit Geld um sich? Moooment! Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Facebook ist nach wie vor die größte Plattform der Welt, Instagram und Reels wachsen, TikTok hat ein Plateau erreicht, und Meta könnte es mit gewaltigen Investitionen in AI und Rechenpower gelingen, Apples ATT zu kontern und zielgenauere Anzeigen zu ermöglichen.

Aus diesem Anlass verweisen wir auch erneut auf die Analyse von Ben Thompson (Stratechery), der fünf weiter verbreitete Mythen über das kriselnde Meta widerlegt:

  • Users Are Deserting Facebook
  • Instagram Engagement is Plummeting
  • TikTok is Dominating
  • Advertising is Dying
  • Meta’s Spending is a Waste

Nichts davon trifft zu. Metas langfristige Zukunft ist trotzdem ungewiss, denn es ist unklar, ob die Metamorphose aufgeht oder Zuckerberg auf die falsche Technologie wettet (#833):

Dabei spielt Zuckerberg nicht nur mit der Existenz von Meta, sondern auch mit seinem eigenen Vermächtnis. Geht er als genialer Gründer und brillanter Stratege in die Geschichte ein?  (Unabhängig davon, was man menschlich und moralisch von Zuckerberg hält: Zumindest wirtschaftlich hat er vieles richtig gemacht.) Oder wird man sich in 20 Jahren an einen Zocker erinnern, der einen der wertvollsten Konzerne der Welt gegen die Wand fuhr, weil er Visionen hatte, mit denen er besser zum Arzt gegangen wäre?

Falls das Metaverse das nächste große Ding wird, könnte es sein, dass sich in zehn Jahren viele fragen, warum Meta das VR-Startup Within kaufen durfte. Ein Richter wies am Mittwoch die Forderung der US-Behörde FTC zurück (Bloomberg), die Übernahme zu blockieren. Nur zur Erinnerung: Als Facebook 2012 und 2014 Instagram und WhatsApp kaufte, hielt das auch niemand für problematisch – bis heute ärgern sich die Kartellwächter, dass sie die Übernahmen damals genehmigten.


Twitter macht alle Schnittstellen dicht

Starting February 9, we will no longer support free access to the Twitter API, both v2 and v1.1. A paid basic tier will be available instead.

  • Damit bewahrheitet sich, was der schäbige Umgang mit Clients wie Tweetbot und Twitterific (#853) bereits befürchten ließ: Twitter kappt sämtliche kostenlosen Schnittstellen und verlangt jetzt Geld für den Zugriff. Bislang ist unklar, wie viel Twitter dafür verlangen wird und welche Limitierungen gelten.
  • Konkret bedeutet das: In einer Woche dürften fast alle Möglichkeiten wegfallen, mit Tweets oder Twitter-Accounts außerhalb der offiziellen App zu interagieren. Die meisten Drittentwickler werden nicht für den Zugang zur…

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