Musk will Twitter doch kaufen: Das Ende des Dramas | Wortfilter bei TikTok | Personalabbau bei Meta

Salut und herzlich willkommen zur 830. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute - wie könnte es anders sein - mit einer Analyse zur neuesten Musk-Twitter-Volte. Wir ordnen die jüngsten Ereignisse ein und suchen nach möglichen Motiven für Musks Sinneswandel. Zudem beschäftigen uns die Recherchen um Wortfilter bei TikTok und der Einstellungsstopp bei Meta. Ach ja: Instagram plant jetzt mit Anzeigen im Profil-Feed. Urggs. Das und mehr im Briefing deines Vertrauens! Vielen Dank für das Interesse, Martin und Simon
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Musk will Twitter doch kaufen: Das Ende des Dramas?

Was ist

Im absurden Übernahmestreit zwischen Elon Musk und Twitter beginnt ein neues Kapitel – natürlich eines, mit dem niemand mehr gerechnet hat: Musk möchte Twitter jetzt angeblich doch zum ursprünglichen Kaufpreis von rund 44 Milliarden Dollar übernehmen.

Dem Wort angeblich kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Denn die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Willensbekundungen des Tesla-Chefs ungefähr so viel mit seinen Handlungen zu tun haben wie ein Tesla mit einem Trabbi. Selbst eine Unterschrift von Musk bedeutet nichts. Dieser Deal ist erst durch, wenn alle Aktionärïnnen ihr Geld erhalten und ihre Anteile verkauft haben.

Wir ordnen die jüngste Volte ein und suchen nach möglichen Motiven für den Sinneswandel.

Was Musk vorschlägt

  • Musk möchte die vereinbarten 54,20 Dollar pro Aktie zahlen, wenn Twitter dafür im Gegenzug den Prozess vor dem Court of Chancery in Delaware abbläst. Die Verhandlung hätte Mitte Oktober starten sollen.
  • Diesen Vorschlag unterbreiteten seine Anwälte dem Twitter-Verwaltungsrat per Brief (Twitter / Kate Conger), zusätzlich informierte Musk die US-Börsenaufsicht SEC in einer Pflichtmitteilung.
  • Später äußerte Musk sich auch noch selbst und schrieb auf Twitter: „Buying Twitter is an accelerant to creating X, the everything app“
  • Musk pflegt eine innige Beziehung zu diesem Buchstaben: Eines seiner ersten Unternehmen war die Online-Bank X.com, auch in SpaceX und dem Tesla Model X taucht das Zeichen auf. Um die Übernahme von Twitter zu managen, gründete Musk eine Dachgesellschaft. Ihr Name: X Holding.
  • Bereits 2017 kaufte Musk die Domain X.com, derzeit zeigt sie nur ein schwarzes X auf weißem Grund. In den vergangenen Monaten machte Musk immer wieder Andeutungen über Pläne für eine eigene Social-Media-App (Gizmodo).
  • Bloomberg mutmaßt bereits, dass X eine Art westliches WeChat werden könnte. Wir halten uns beim Ankündigungsweltmeister Musk lieber zurück. Die Liste seiner gebrochenen Versprechen (SZ) ist noch länger als die seiner Erfolge.

Wie Twitter reagiert

We received the letter from the Musk parties which they have filed with the SEC. The intention of the Company is to close the transaction at $54.20 per share.

  • Diese Zurückhaltung ist verständlich und passt zur Strategie der vergangenen Monate. Twitter überlässt Musk die großen Töne und versucht, hinter den Kulissen zu verhandeln.
  • Offenbar trauen die Verantwortlichen bei Twitter dem Braten noch nicht ganz. Wie Washington Post und New York Times berichten, drängt Twitter auf Sicherheiten, dass Musk diesmal zu seinem Wort steht.
  • Auch diese Skepsis können wir nachvollziehen. Mit seinem bisherigen Verhalten hat Musk jeglichen Vertrauensvorschuss verspielt. Im Zweifel sollte man jedes seiner Manöver als Bluff oder bloße Verhandlungstaktik begreifen.
  • Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Twitter dem Vorschlag zustimmen wird. Der Börsenkurs ist bereits rasant gestiegen, weil fast alle davon ausgehen, dass sie 54,20 Dollar pro Aktie erhalten werden. Sollte Twitter ablehnen, wären wohl nicht nur die Aktionärïnnen wütend.
  • Twitters Angestellte sind weniger begeistert, dass Musk bald den Ton angeben könnte. Einige überlegen bereits, ob sie kündigen sollen (Bloomberg).
  • Auch die anonymen Stimmen, die Casey Newton und Zoe Schiffer (Platformer) in internen Foren aufgetrieben haben, klingen alles andere als begeistert. Das vergangene halbe Jahr scheint tiefe Spuren hinterlassen zu haben:

I saw the post, thought „haha my job“ then saw it was a poll option, so selected it, but now realizing I won’t miss the job I currently have. I will and do miss my 2019/2020/2021 job, but I will not miss my 2022 job.

Worum es bei dem Übernahmestreit geht

  • Keine Sorge: Wir rekapitulieren nicht die gesamte Posse, das sprengt dieses Briefing. Doch vielleicht hast du irgendwann im Sommer den Überblick verloren und alle Musk-News genervt ignoriert. Falls ja, folgt ein kurzer Überblick. Falls nein, kannst du diesen Punkt einfach überspringen.
  • Im April schockierte Musk nicht nur Twitter, sondern die gesamte Tech-Branche (#789). Über Monate hinweg hatte er heimlich Aktienpakete gekauft, bis er plötzlich verkündete: Ich möchte nicht nur zehn Prozent von Twitter haben, sondern mein Lieblingsspielzeug ganz besitzen (#791).
  • Der reichste Mensch übernimmt eine der einflussreichsten Plattformen der Welt (#792) – das ist selbst dann eine beunruhigende Vorstellung, wenn man Musks Pöbeleien, seinen Sexismus, die radikale Staatsfeindlichkeit und seine bestenfalls naive Vorstellung von Redefreiheit ausblendet (#795).
  • Trotz aller Bedenken einigten sich beide Seiten auf eine Übernahme. Musk verpflichtete sich schriftlich, 54,20 Dollar pro Aktie zu zahlen. Doch in den folgenden Monaten wechselte er öfter seine Meinung als andere Menschen ihre Unterhosen (#797).
  • Dem erfolgreichen Geschäftsmann dämmerte, dass er bei seinem Twitter-Deal einen Fehler gemacht haben könnte. In der Zwischenzeit waren viele große Tech-Aktien abgestürzt, auch Twitter und Tesla verloren an Wert, die Übernahme sah für Musk immer schlechter aus.
  • Gleichzeitig wurde deutlich, dass die meisten Twitter-Angestellten gar nicht auf den vermeintlichen Retter gewartet hatten, als der Musk sich selbst sah. Eine Online-Plattform zu führen, ist etwas anderes als Elektroautos zu bauen.
  • Also suchte Musk nach Gründen, um den Kauf platzen zu lassen (#809). Schließlich landete er bei Spam-Bots. Angeblich habe Twitter die Öffentlichkeit jahrelang getäuscht. Musk behauptete, dass hinter einem signifikanten Teil der Twitter-Konten keine echten Menschen steckten.
  • Einen Beweis legte er nicht vor, dafür aber eine fast schon bewundernswerte Hartnäckigkeit. Wochenlang erzählte Musk seinen mehr als 100 Millionen Twitter-Followern tagein, tagaus von der angeblichen Bot-Armee, die auf Twitter den Ton angebe.
  • Dass er den Kampf gegen Spam und Fake-Accounts noch kurz vor dem Kauf zu einer seiner wichtigsten Aufgaben als Twitter-Eigentümer erklärt hatte, ja sogar als Motivation für seine Entscheidung, verschwieg Musk dabei. Stattdessen griff er Twitter-Mitarbeiterinnen öffentlich an und antwortete dem Twitter-Chef Parag Agrawal mit einem Kothaufen-Emoji.
  • Twitter und Musk tauschten die Rollen. Hatte sich das Unternehmen zunächst gegen die feindliche Übernahme gewehrt, bestand es nun darauf, aufgekauft zu werden, während Musk den Kauf bereute und sich weigerte, den vereinbarten Preis zu zahlen.
  • Schließlich verklagte Twitter den Tesla-Chef, damit dieser ein Unternehmen kaufen muss, das er gar nicht mehr besitzen will, und heuerte dafür eine Anwaltskanzlei an, die einst Musk vor Gericht vertrat. Musk reagierte seinerseits mit einer Gegenklage. Unter diesen Vorzeichen sollte Mitte Oktober der Prozess beginnen.

Was Musk bezwecken könnte

  • Der Konjunktiv ist wichtig: Wir stecken (zum Glück) nicht in Musks Kopf, wie alle andere Medien können wir nur spekulieren. Niemand hat Gewissheit, womöglich nicht mal Musk selbst.
  • Die wahrscheinlichste Erklärung für Musks Kehrtwende lautet: Seine Anwälte haben ihm klargemacht, wie schlecht seine Aussichten vor Gericht sind. Richterin Kathaleen McCormick hat mehrfach durchblicken lassen, dass sie seiner fadenscheinigen Argumentation wenig abgewinnen kann. Auch die gravierenden Vorwürfe des früheren Twitter-Sicherheitschefs Peiter „Mudge“ Zatko schienen das Verfahren nicht nachhaltig zugunsten von Musk zu beeinflussen (#820).
  • Musk verliert nicht gern, womöglich möchte er eine ju…

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