Ultimatum für WhatsApp | Telegram liefert Daten ans BKA | Desinformationsschleuder TikTok | Musk erhält Einblick in Twitters Nutzerdaten | Neue Features für LinkedIn-Creator

Salut und herzlich willkommen zur 800. Ausgabe. Juhu! Was für eine Reise. Das hätten wir uns vor knapp zehn Jahren auch nicht träumen lassen, dass wir einmal diesen Geburtstag feiern. Aber hey, was sollen wir sagen? Hier sind wir mit einem weiteren Überblick über die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media - schön, dass du dabei bist! Wir wünschen eine gewinnbringende Lektüre und bedanken uns für dein Abo bei uns! Merci, Martin und Simon
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Social Media & Politik

  • Ultimatum für WhatsApp: Die EU-Kommission bezweifelt, dass die geänderten Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien mit dem EU-Verbraucherschutzrecht vereinbar sind. Deshalb fordert sie WhatsApp mit einem Brief auf (ec.europa.eu), "dass es die EU-Vorschriften zum Schutz der Verbraucher und ihrer Privatsphäre vollständig einhält". Die Vorschriften seien verwirrend und intransparent für Nutzerïnnen. WhatsApp hat jetzt einen Monat Zeit, um die neuen Regeln verständlicher zu formulieren. Ob und welche Konsequenzen es hat, wenn das Unternehmen die Aufforderung ignoriert, ist unklar.
  • Telegram liefert Daten ans BKA: Und sie kooperieren doch … zumindest ein bisschen. Dem Spiegel zufolge haben die Betreiber des Messengers in mehreren Fällen Daten von Nutzerïnnen an das Bundeskriminalamt herausgegeben. Dabei geht es um Verdächtige aus den Bereichen Kindesmissbrauch und Terrorismus. Jahrelang hatte sich der Messenger geweigert, auf solche Anfragen zu reagieren. Telegram selbst schreibt auf seiner Webseite aber nach wie vor: "Bis zum heutigen Tag haben wir 0 Byte Nutzerdaten an Dritte weitergegeben, einschließlich aller Regierungen."
  • Der Ukraine-Krieg auf Telegram: Der Kampf auf dem Boden und in der Luft setzt sich auf dem Messenger fort. Für Menschen in Russland hat sich Telegram in den vergangenen Monaten zu einer der wichtigsten Quellen für unabhängige Informationen entwickelt – doch mittlerweile sind dort auch staatliche Medien aktiv und verbreiten massenhaft Propaganda. Je nachdem, welchen Kanälen man folgt, ergibt sich ein komplett anderes Bild des Krieges. Das Wall Street Journal beleuchtet den Kampf um die Deutungshoheit und zeigt an konkreten Ereignissen, wie krass sich die Berichterstattung unabhängiger Medien wie Meduza oder Varlamov News von Ria Novosti unterscheidet. Auch Zeit Campus hat sich angeschaut, wie russischen Influencerïnnen auf Plattformen wie Telegram oder YouTube Propaganda verbreiten.
  • Telegram und TikTok haben ein Neonazi-Problem: Rechtsextreme nutzen Telegram – no Shit, Sherlock. Das ist jetzt offenbar auch bis zum Brandenburger Verfassungsschutz durchgedrungen, der davor warnt (FAZ), dass Corona-Leugner Verschwörungsmythen und Falschnachrichten zum Coronavirus und zu den Impfungen verbreitet hätten. Der Verfassungsschutzbericht erwähnt aber auch eine andere Plattform: Auf TikTok beobachten die Ermittlerïnnen antisemitische und rassistische Inhalte, deren extremistische Botschaften oft erst auf den zweiten Blick erkennbar sein. Die menschenfeindlichen Chiffren sollten vor allem Kinder und Jugendliche erreichen und für rechtsextremes Gedankengut empfänglich machen.
  • Desinformationsschleuder TikTok: Im August wird in Kenia gewählt, und es sieht so als, als wiederhole TikTok all die Fehler, die Facebook bereits gemacht hat. Eine Untersuchung der Mozilla Foundation zeigt, dass bewusst gestreute Fehlinformationen und Propaganda große Reichweiten erzielen. Ähnlich wie Facebook scheint sich TikTok auf die lukrativen Kernmärkte zu konzentrieren und Wahlen im Globalen Süden als zweitrangig zu betrachten. Warum Ressourcen investieren, wenn es unserem Image in den USA und Europa nicht schadet, dass wir die Menschen in Kenia im Stich lassen?
  • Twitter rückt Slack-Chats nicht raus: Eine Untersuchungskommission soll den Sturm aufs Kapitol am 6. Januar untersuchen. Wo haben sich die Menschen verabredet, wer hat wie für den Putschversuch mobilisiert? Dafür soll unter anderem Twitter interne Slack-Protokolle zu Verfügung stellen, doch das Unternehmen weigert sich (Rolling Stone). Einerseits verständlich, dass Twitter keine Kommunikation von Angestellten weitergeben will – andererseits bedauerlich, weil aus dem Bericht auch hervorgeht, wie schlecht die Untersuchungskommission bei ihrer Arbeit vorankommt.
  • YouTube kann für Urheberrechtsverletzungen haften. Der Bundesgerichtshof hat YouTube und den Hosting-Anbieter Uploaded in zwei Fällen für Rechtsverstöße in die Verantwortung genommen (Netzpolitik), die entstanden waren, weil Nutzerïnnen urheberrechtlich geschütztes Material hochgeladen hatten. Das ändert nichts am grundsätzlichen Prinzip des "Notice and Takedown", wonach Plattformen von der unmittelbaren Haftung für illegale Inhalte befreit, die von Dritten veröffentlicht wurden. In den verhandelten Fällen waren die Anbieter bereits auf die Urheberrechtsverstöße hingewiesen worden, die gemeldeten und entfernten Inhalte tauchten aber an anderer Stelle wieder auf. Jetzt müssen Berufungsgerichte über Schadenersatz- und Auskunftsansprüche entscheiden.
  • Neuer Facebook-Algorithmus kam Republikaner zugute: 2018 änderte Facebook seine Empfehlungssysteme, um sogenannte "meaningful social interactions" zu stärken. Dabei sollten Nachrichten und Politik eine geringere Rolle spielen und Inhalte von Freundïnnen mehr Reichweite erhalten. Nun gibt es einen weiteren Datenpunkt, dass von diesem Eingriff offenbar eher politisch rechte Akteure profitierten. Einer Studie zufolge (NBC) stieg die Reichweite republikanischer Ortsgruppen auf Facebook signifikant an, während sie auf Twitter stagnierte. Auch Demokraten verzeichneten keinen Zuwachs.
  • Lisa Khan legt los: Vergangenes Jahr übernahm Lisa Khan die Leitung der Regulierungsbehörde FTC, doch bislang passierte recht wenig. Das lag auch daran, dass Demokraten und Republikaner um die Hoheit innerhalb der FTC rangen. Inzwischen hat der Senat einen fünften Kommissar bestätigt, und die Demokraten haben das Sagen – jetzt will Khan ihren Ruf als knallharte Big-Tech-Reguliererin und Schreckgespenst des Silicon Valley bestätigen. In einer Serie (Washington Post) von (Vox) Interviews skizziert sie ihre Pläne, um die Machtkonzentration der großen Konzerne zu schwächen und den Wettbewerb ins Netz zurückzubringen.

Follow the money

  • Musk erhält Einblick in Twitters Nutzerdaten: Twitters Vorstand hat beschlossen, Elon Musks Forderung nach internen Daten nachzukommen (Washington Post). Musk erhält somit vor einer potentiellen Übernahme besseren Zugang zu den Daten des Unternehmens. Der Tech-Milliardär hatte gedroht, von seinem Kaufangebot zurückzutreten, wenn das Unternehmen ihm nicht ermöglicht, die Anzahl von Fake-Accounts und Bots auf der Plattform zu untersuchen. Na, auch wenn sicherlich ein Non-Disclosure-Agreement vereinbart wurde, sind wir an dieser Stelle tatsächlich ausnahmsweise einmal auf die nächsten Tweets von Musk gespannt.
  • Produktankündigungen per Tweet: Um weiter zu wachsen, muss Twitter dringend neue Einnahmequellen erschließen. Eine Option: mehr E-Commerce. Um Online-Händlern die Plattform schmackhafter zu machen, launcht Twitter ein neues Feature, mit dem Produkteinführungen über spezielle Tweets angekündigt werden können (Techcrunch): einerseits um die Artikel vorzustellen, andererseits um interessierten Nutzerïnnen zu signalisieren, wann der Artikel verfügbar sein wird. Nun ja.

AR / VR

  • Meta startet Roblox-Copycat: Um dem Metaverse einen Schritt näher zu kommen, startet Meta eine Plattform für die Echtzeit-Entwicklung sozialer Spiele (Techcrunch). Wie bei Roblox benötigen Nutzerïnnen von Crayta dafür kein fancy Virtual-Reality-Headset, Computer und Smartphone reichen vorerst aus, um Teil der virtuellen Welt zu werden. Auch für jemanden wie Mark Zuckerberg beginnt eine Reise ins Neuland mit vielen kleinen Schritten.

Lesetipps fürs Wochenende


Neue Features bei den Plattformen

TikTok

LinkedIn

  • Neue Features für LinkedIn-Creator: Alle Nutzerïnnen, die vom Creator Mode Gebrauch machen, können jetzt eigene Audio-Räume starten (LinkedIn Pulse). Bislang stand die Option nur einer ausgewählten Nutzerschaft zur Verfügung. Zudem können LinkedIn-Creator jetzt einen Link oben im Profil hinzufügen, um auf ein eigenes Angebot hinzuweisen. Last but not least gibt es bei LinkedIn jetzt für Creator eine Art Follow-Link, der außerhalb von LinkedIn genutzt werden kann, um mehr Follower zu gewinnen.
  • Neue Newsletter-Optionen: Wer die Newsletter-Funktion bei LinkedIn nutzt, kann künftig Kollegen und Seiten über ein @ taggen. Auch können künftig Hashtags bei Newslettern genutzt werden, um mehr Sichtbarkeit zu erzeugen (Social Media Today).

Linktree

  • Verknüpfung mit anderen Diensten: Linktree, das vor allem durch Instagram bekannte Link-in-Bio-Startup, startet einen App-Marktplatz (Techcrunch), über den Nutzerïnnen Dienste von Plattformen wie YouTube, TikTok und Spotify integrieren können. So lassen sich zum Beispiel Spotify-Inhalte direkt auf der Linktree-Landingpage einbetten. Ganz spannend zu beobachten, wie Linktree es schafft, zur Schnittstelle von Millionen Nutzerïnnen und etablierten Online-Diensten zu werden.

Discord

  • Text-Chats: Bei Discord können User relativ easy Voice-Gruppen-Chats starten. Bislang hatten diese Sprechzimmer aber keinen eigenen Text-Chat. So mussten Nutzerïnnen umständlich in andere Chats hoppen, um Links und Nachrichten zu teilen. Dem bereitet Discord nun mit der Einführung von Text-Chats bei Sprach-Chats (Techcrunch) ein Ende. Wir werden uns in den kommenden Ausgaben einmal ausführlicher mit Discord beschäftigen. Großes Indianerehrenwort.

Header-Foto von Arthur Edelmans


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