Chronologischer Feed bei Instagram | Twitters Project Guardian | YouTubes 24-Stunden-Event | Live-Shopping bei TikTok | Facebooks neue Stars | Twitter bessert bei DM nach | Snapchat startet Content-Accelerator-Programm | LinkedIn lockt Creator mit neuen Features

Salut und herzlich willkommen zur 765. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute 15k Zeichen News! Von Mosseris Anhörung im Kongress über YouTubes 24-stündiges Live-Event bis zu Tinders neuer Kooperation mit Spotify ist alles dabei, was in den letzten 10 Tagen Spannendes passiert ist. Wir wünschen einen guten Überblick und bedanken uns für das Interesse an unserem Newsletter!

Übrigens: Zum Jahresende würden wir uns sehr über zahlreiche Empfehlungen unseres Angebots freuen! Wer mag, kann daher unsere Newsletter bis zum Jahresende gern beliebig oft weiterleiten. Herzlichen Dank für den Support!

Social Media & Politik

  • Mosseri bringt Geschenke mit: Wie in Ausgabe #764 dargestellt, gestaltet sich das Verhältnis von Instagram, Teenagern und mentaler Gesundheit äußert komplex. Das hat die US-Senatorïnnen aber nicht davon abgehalten, Instagram-Chef Adam Mosseri einige maximal binäre Fragen zu stellen. Mosseri übte sich in Schadensbegrenzung und hatte einen Rucksack voller Ideen dabei, was Instagram künftig alles besser machen möchte:
    • Eine neue "Pause"-Funktion, die die Nutzer ermutigt, Instagram zu schließen, wenn sie einmal wieder zu lange „auf Insta“ unterwegs waren.
    • Neue Optionen für Eltern, um mehr im Blick zu behalten, was ihre Kids auf Instagram so treiben. (Soll im März kommen.)
    • Eine Verpflichtung, Daten mit unabhängigen Forscherïnnen zu teilen, die die Auswirkungen von Instagram auf die psychische Gesundheit und das Verhalten untersuchen.
    • Ein neuer Hub, an dem Nutzerïnnen alte Beiträge, einschließlich Likes und Kommentare, auf einen Schlag löschen können.
    • Eine Rückkehr des chronologischen Feeds (dessen Umsetzung dann aber wahrscheinlich stark an Facebooks Option erinnert, den News Feed chronologisch zu nutzen).

    Ob Instagram mit diesen Vorschlägen den Kongress besänftigen kann, darf bezweifelt werden. Der Chef des Komitees, Richard Blumenthal, fasst die Gemütslage der Abgeordneten so zusammen:

“Self policing depends on trust. The trust is gone.”

  • Facebook restrukturiert Forschungsabteilungen: Im Zuge der Facebook Files wurde deutlich, dass Facebook zwar eine ganze Reihe an Forscherïnnen beschäftigt, die sich mit Fragen rund um das Thema gesellschaftliche Verantwortung auseinandersetzen. Bislang aber schienen diese Abteilungen jeweils ihr eigenes Süppchen zu kochen, hatten oftmals nicht so recht den Einblick, was andere bereits herausgefunden hatten. Das soll sich mit einer Restrukturierung (Bloomberg) nun ändern. Praktischerweise hat man so auch alle ein bisschen besser im Blick.

Kampf gegen Hass & Desinformation

  • „Project Guardian“ – Twitters geheime Liste: Bloomberg berichtet über eine geheime Liste bei Twitter, auf der Nutzerïnnen geführt werden, die mehr Schutz vor Trollen erhalten als reguläre User. Content-Moderatoren kümmern sich bevorzugt um sie, etwa wenn sie belästigt werden. Das Programm „Project Guardian“ (Bloomberg) umfasst Sportlerïnnen, Musikerïnnen, Politikerïnnen sowie Journalistïnnen. Es erinnert an das X-Check-System von Facebook (WSJ), über das im Zusammenhang mit den Facebook Files berichtet wurde. Sicherlich sinnvoll an der einen oder anderen Stelle. Anderseits zeigt es einmal mehr: Nicht alle Social-Nutzer sind gleich.
  • Twitter überarbeitet Melde-Funktion: Twitter-Nutzerïnnen können bekanntlich Tweets melden, die sie für problematisch erachten. Allerdings gestaltete sich der Melde-Prozess bislang etwas schwierig. Oft war nicht wirklich klar, in welche Kategorie die Meldung passen könnte. Genau da möchte Twitter nun mit einem neuen Melde-System nachbessern (The Verge).
  • Meta plant neues AI-Tool für Content Moderation: Oft ist bei den sozialen Medien die Rede davon, dass künstliche Intelligenz (AI) dabei helfen soll, problematische Inhalte zu identifizieren, um sie automatisiert von der Plattform zu nehmen. Noch bräuchte man zwar Content Moderatoren aus Fleisch und Blut – schon bald übernimmt aber dann komplett die Maschine. Alles safe und nur eine Frage der Zeit, so die Unternehmen. Ganz so einfach ist das aber nicht, wie sich immer wieder zeigt. Ein zentrales Problem: Die AI ist nur so gut, wie sie mit Daten gefüttert wird. Nur wenn eine Maschine Hunderttausendfach gezeigt bekommt, was ein unerwünschter Inhalt ist, kann sie „selbständig“ handeln. Dieser Prozess kann Monate dauern. Viel zu oft ist es dann schon zu spät. Metas neues AI-Tool „Few-Shot Learner“ (Cnet) soll sehr viel schneller lernen, verstehen und umsetzen können.
  • Nature-Artikel über Reddit: Nature hat eine Studie zum Thema „Radikalisierung auf Reddit“ veröffentlicht. Auch hier zeigt sich einmal mehr, dass es nicht so einfach ist mit den Schuldzuweisungen: Zwar kamen radikalere Nutzerïnnen über die Jahre kontinuierlich hinzu. Es lässt sich aber nicht belegen, dass bestehende User radikalisiert wurden.
  • Conspiracy Chart: Abbie Richards arbeitet als Forscherin zu den Themen Desinformation und Verschwörungstheorien. Ihre interaktive Conspiracy Chart ist legendär:


Social Media & Journalismus

  • Nieman Lab: Predictions for Journalism 2022: Das Nieman Lab hat traditionsbewusst einmal mehr Medienmacherïnnen und Expertïnnen gefragt, wie sich der Journalismus im kommenden Jahr entwickeln wird. Wir hatten noch keine Zeit, sämtliche Vorhersagen selbst zu lesen. Da wir aber die Lektüre in aller Regel inspirierend finden, trauen wir uns, die Serie an dieser Stelle auch blind zu empfehlen. Bis zum 17.12. werden täglich neue Beiträge zur Zukunft des Journalismus veröffentlicht. Dort lässt sich garantiert auch einiges zur Schnittstelle „Social Media & Journalismus“ finden.

Follow the money

  • Live-Shopping-Event bei TikTok: Während Live-Shopping bei TikToks chinesischer Schwester-App Douyin schon sehr erprobt ist (allein 800 Milliarden Yuan Umsatz im vergangenen Jahr) und ordentlich zum Wachstum beiträgt, ist Live-Shopping für TikTok in Europa noch Neuland. Um auch hier die ersten Erfahrungen zu sammeln, hat TikTok am 8. und 9.12. das sogenannte „On Trend“-Event (Protocol) abgehalten. Ganz interessant in diesem Zusammenhang: Da bei Kurz-Videos Werbeplätze per se arg limitiert sind (niemand will während eines TikToks Werbung sehen!), ist TikTok stark auf andere Einnahmen angewiesen – allen voran E-Commerce. (Oder aber TikTok führt immer längere Videos ein und erklärt dann seinen Nutzerïnnen, dass Creator es einfach lieben, längere Videos zu machen. Was? Das machen sie bereits? Ah, jaaaaa, richtig!)
  • Facebook verliert weitere hochrangige Mitarbeiter: Wir berichten ja in aller Regel nicht über Personalentscheidungen bei den Tech-Plattformen – mal abgesehen von den ganz prominenten Figuren wie @jack. Wenn nun aber innerhalb weniger Monate die nächsten hochrangigen Mitarbeiter bei Facebook die Segel streichen (Julien Codorniou, Facebook Workplace / Stan Chudnovsky, Head of Messenger Division), dann ist uns das schon eine Meldung wert – weil das fühlt sich jetzt mittlerweile einfach schon wie ein Trend an.
  • Pinterest kauft Video-Startup Vochi: Pinterest möchte gern mehr Video-Inhalte auf der Plattform. Und weil das hauseigene Video-Tool bislang noch etwas karg ausfällt, hat sich das Unternehmen ein kleines, aber feines Video-Startup namens Vochi einverleibt (Pinterest Newsroom), dessen Features nun Pinterests Video-Angebot zum Fliegen bringen soll.
  • Twitter kauft Quill: Um die eigenen Nachrichten-Funktionalitäten zu verbessern, hat sich Twitter den Slack-Herausforderer Quill geschnappt (Quill Chat). Die App soll eingestellt, das Team in die Messaging-Abteilung bei Twitter integriert werden.
  • Mit WhatsApp Geld empfangen: WhatsApp startet einen (vorerst auf die USA begrenzten) Test der digitalen Geldbörse Novi (Protocol). Nutzerïnnen können damit innerhalb eines Chats Geld senden und empfangen.
  • Signal sammelt Spenden von Nutzerïnnen: Die Messaging-App Signal hat einen Weg gefunden, um die eigene User-Base um Unterstützung zu bitten. Wer mag kann Signal jetzt direkt innerhalb der App entweder monatlich unterstützen oder einen einmaligen Boost geben (Heise). Als Gegenleistung erhalten Nutzerïnnen Badges, die den Support für Dritte sichtbar machen. Warum das alles? Nun, Signal ist eine Non-Profit und frei von Werbe- bzw. Investorengeldern. Auf Dauer reicht das bei der Signal Foundation hinterlegte Geld des WhatsApp-Gründers Brian Acton nicht. Um unabhängig zu bleiben, ist Signal auf den Support der Nutzerïnnen angewiesen.

Creator Economy

In den letzten Tagen ist in Sachen „Creator Economy“ schon wieder so viel passiert – das Thema verdient eigentlich einen fetten Deep Dive. Um heute den Rahmen nicht zu sprengen, belassen wir es aber einfach mal bei den News. Erklärt und analysiert wird später.

  • Meta spendiert Live-Creatorn zahlreiche neue Features: In einem Facebook-Post kündigte Zuckerberg folgende Funktionen an: Umfrage-Features, Optionen für Co-Broadcasting mit bis zu vier Personen über eine „Live With"-Funktion, neue Kommentarfunktionen sowie spezielle Links, mit denen sich in Stories auf anstehende Live-Übertragungen hinweisen lässt.
  • Meta launcht Stars: Eine neue Plattform (Facebook Newsroom) soll dabei helfen, User auf den Geschmack zu bringen, ihren Stars & Lieblings-Creatorn mehr digitale Liebe (ergo Geld) zukommen zu lassen.
  • Facebook startet „Professional Mode“: Creator bekommen zahlreiche Features (The Verge) an die Hand, die sonst nur Pages vorbehalten waren.
  • TikTok startet Creator Next: TikTok kündigte eine neue Website mit dem Namen "Creator Next" an. Das Ziel: Kreativen einen zentralen Ort anbieten, an dem sie Geld verdienen können – durch Trinkgelder und eine Art Marktplatz, auf dem sie mit Werbekunden in Kontakt kommen können.
  • Snapchat startet erstes Content-Accelerator-Programm: Das Programm mit dem Namen 523 (Snap Newsroom) soll laut Firmenangaben „kleine, von Minderheiten geführte Content-Unternehmen und Kreative unterstützen und ins Rampenlicht rücken“.
  • Discord denkt über Premium-Mitgliedschaften nach: Exklusive Communities sind ein probates Mittel, um Fans zu halten. Bislang haben Creator den Zugang zu solchen Communities häufig via Patreon und Co verkauft. Jetzt möchte Discord – eine der Plattformen, die sehr häufig für diese Form von geschlossenen Gruppen genutzt wird – exklusive Memberships selbst anbieten (Techcrunch).
  • LinkedIn bessert bei "Creator Mode"-Funktionen nach: User, die den Creator Mode aktiviert haben, erhalten nun unabhängig von der Anzahl der Followerïnnen Zugang zu Live-Features. Zudem gibt es neue Newsletter-Optionen für Creator. Hier die Tools im Überblick.

Wrapping up 2021

  • YouTube plant 24-stündiges Live-Event: Erst kürzlich wurde bekannt, dass YouTube auf Jahresrückblicke in Form der berüchtigten Rewind-Videos fortan komplett verzichten würde (The Verge). Um all die Video-Uploads trotzdem angemessen zu feiern, wird es dieses Jahr ein 24-stündiges, interaktives Live-Event mit Musikern und Kreativen geben, um auf die größten Trends und Videos des Jahres 2021 zurückzublicken. Escape2021 heißt das Ding. Mit Blick auf die Escape-Mutationen bei Corona vielleicht nicht der beste Name, aber das Event könnte ja ganz interessant werden. Bis dahin läuft auf dem Channel erstmal das Lofi-Girl.
  • Instagram Playback: Instagram schließt sich dem Trend zum Jahresrückblick mit einem neuen Feature namens Playback (Engadget) an. Die Funktion ermöglicht es, Stories aus dem Jahr 2021 noch einmal zu erleben. Dafür wählt die App vorab 10 Stories für jeden Nutzer aus. Wer mag, kann die Top-2021-Stories über die im Archiv gespeicherten Stories modifizieren.
  • TikTok feiert die Top-Creator 2021: TikTok hat wirklich ein absurd erfolgreiches Jahr hinter sich! Ein Grund: Sie rücken – anders als das etwa Facebook, Insta, Twitter oder Snapchat getan haben – ihre Creator immer wieder in den Mittelpunkt. So auch mit ihrem ziemlich umfangreichen Jahresrückblick (TikTok Newsroom). Wer noch einmal sehen möchte, welche Videos am meisten Buzz bekommen haben, erhält hier einen interessanten Überblick.

Was wir am Wochenende lesen / anschauen


Neue Features bei den Plattformen

WhatsApp

  • Geplante Vergänglichkeit: Wer mag, kann WhatsApp-Chats jetzt automatisiert wieder verschwinden lassen (Whatsapp) – nach 24 Stunden, 7 oder 90 Tagen. Bevor ihr maximal vertrauliches Zeug postet, lest aber bitte noch einmal das FAQ. Unter anderem heißt es dort: „Wenn eine selbstlöschende Nachricht an einen Chat weitergeleitet wird, in dem selbstlöschende Nachrichten ausgeschaltet sind, verschwindet die Nachricht dort nicht.“ Ist technisch nachvollziehbar, sollte nur eben auch jedem klar sein.

Twitter

  • Mehr TikTok wagen: Ja, nee, war ja klar, dass das bei Twitter auch eine Rollen spielen wird: Die Explore-Section wird manchen Nutzerïnnen aktuell testweise als Fullscreen (@TwitterSupport) angezeigt – ganz TikTokesque. Mal sehen, ob sie das wirklich für alle ausrollen…
  • Schneller folgen: Twitter arbeitet an einem Feature, das mehr Verbindungen schaffen soll. Konkret geht es um ein kleines Plus-Zeichen (@alex193a), das im Feed auf / neben den Profilfotos platziert werden soll – ähnlich wie das Plus, das Nutzerïnnen bei Instagram ermutigt, etwas in die Story zu posten. Bei Twitter hingegen geht es nicht darum, Inhalte zu kreieren, sondern anderen zu folgen.

Facebook

  • Stories & Posts via Portal anschauen: Facebooks Smart-Video-Speaker Portal bekommt ein paar neue Features (The Verge): Neben der Option, andere per Video-Call anzurufen, können sich Portal-User künftig auch Facebook-Stories und -Posts anzeigen lassen. Auch können Nutzerïnnen via Portal fortan Screenshots tätigen, Spiele spielen, Microsoft Teams nutzen und ESPN gucken.

Messenger

  • Rechnung teilen via Messenger: Facebook testet in den USA die Option, mittels „Split Payments“ (Messengernews) schnell und einfach Rechnungen aufzuteilen – etwa bei einem Restaurant- oder Kneipenbesuch ganz praktisch, so die Idee.

Telegram

  • Geschützte Inhalte, gezieltes Löschen, als Kanal posten: Telegram führt eine Reihe neuer Tools (Telegram) ein, die die Nutzung sicherer machen soll. So können Gruppen-Admins künftig Nachrichtenweiterleitungen einschränken. Das hat zur Folge, dass keine Screenshots mehr angefertigt, respektive Medieninhalte aus den Kanälen gespeichert werden können. Zudem können Nutzerïnnen jetzt gezielt Chatverläufe eines bestimmten Zeitraumes löschen. Ferner kann nun in Gruppen mit einem Kanal anstelle eines persönlichen Accounts gepostet werden. (Mit Blick auf die Nutzung von Telegram durch zahlreiche Demokratie-Feinde wird einmal mehr deutlich, was Datenschutz für ein zweischneidigen Schwert sein kann.)

Reddit

  • Engagement Galore! Reddit möchte gern mehr Engagement sehen. Dafür werden fünf neue Tools (9to5Mac) eingeführt: u.a. ein Voting-Feature, mit dem Nutzerïnnen sehen können, wenn die Anzahl der Stimmen steigt oder sinkt sowie Tipp- bzw. Lese-Hinweise, um zu sehen, wie viele Nutzerïnnen gleichzeitig aktiv einen Beitrag verfassen bzw. lesen.
  • Ciao Dubsmash: Reddit macht die Kurz-Video-App Dubsmash im Februar 2022 dicht (Dubsmash). Anfang des Jahres aufgekauft, um das eigene Video-Geschäft anzukurbeln (mittlerweile plus 70 Prozent Watch-Time!), geht Dubsmash nun also doch als eigenständiges Angebot vom Netz.

Gmail

  • Voice und Video Calls: One-on-one Sprach- und Videoanrufe können jetzt mittels Google Chat auch innerhalb der Gmail-App (workspaceupdates / googleblog) getätigt werden. Wer Gmail mag, nutzt dann künftig womöglich eben auch dort direkt die Videoanruf-Funktion anstelle eines Messengers wie WhatsApp.

Tinder

  • Gleicher Musikgeschmack? Tinder startet eine Kooperation mit Spotify (The Verge), um Nutzerïnnen die Möglichkeit zu geben, den Musikgeschmack mit potentiellen Partnerïnnen abzuchecken.

Header-Foto von Redd


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