Monat: November 2021

Ist Social Audio tot? Bloggen bis der Arzt kommt? Social Commerce bald völlig normal? 7 Fragen, die uns aktuell und 2022 beschäftigen werden.

Metaverse: Was soll das alles?

  • Spätestens seit Facebooks Metamorphose ist das Metaverse in aller Munde. Auch wir haben in etlichen Briefings darüber geschrieben (am ausführlichsten in Ausgabe #755), haben Essays dazu gelesen und mit Menschen gesprochen, die mehr davon verstehen als wir.
  • Nur: Wir wissen jetzt immer noch nicht, was wir davon halten sollen. Das Meinungsspektrum reicht von "schlimmster und unnötigster Hype der Tech-Geschichte" über "gibt es doch alles längst, siehe Roblox, Minecraft, Epic Games oder – haha! – Second Life" und "nerviges Buzzword, aber schon irgendwie wichtig" bis "das Metaverse verändert alles".
  • Für jede dieser Positionen gibt es nachvollziehbare Argumente, wobei wir uns vermutlich irgendwo in der Mitte zwischen Skepsis und Pragmatismus verorten würden.
  • Einerseits schreckt es uns ab, dass es eine große Schnittmenge zwischen Metaverse-Fans und Krypto-Crowd, Blockchain-Believern sowie NFT-Fans zu geben scheint: weiße Tech-Bros, die Produkte bauen, die keine realen Probleme lösen, massenhaft Energie verbrauchen und wenige Menschen sehr reich machen werden.
  • Andererseits wäre es verdammt leichtfertig zu glauben, dass eine Mischung aus Skepsis, Kulturpessimismus und begründetem Misstrauen eine Entwicklung aufhalten wird, auf die neben Meta gerade auch Unternehmen wie Apple, Microsoft, Snap, Discord, Roblox und Epic Games jede Menge Kapital setzen.
  • Klar ist: Ein Metaverse, in dem allein Meta den Ton angibt, ist keine schöne Vorstellung. Denn alle Probleme, die wir jetzt schon mit Social Media haben, werden sich im Metaverse fortsetzen, womöglich sogar potenziert. Menschen werden nicht aufhören, sich zu bedrohen und zu beleidigen, Verschwörungserzählungen zu verbreiten und Terroranschläge zu planen, nur weil sie eine komische Brille auf der Nase haben.
  • Wir werden das Thema jedenfalls im Auge behalten und uns nach Möglichkeit auch mal eine VR-Brille vor die Augen setzen. Denn das Video, das Joanna Stern aus ihren 24 Stunden im Metaverse mitgebracht hat (WSJ), ist nach wie vor die beste Möglichkeit, das Thema einem Menschen nahezubringen, der sich nichts darunter vorstellen kann.

DSA/DMA: Kommt die erste einschneidende Regulierung des digitalen Raums?

  • Die Europäische Union arbeitet eifrig an dem Gesetz für digitale Dienste (DSA) und dem Gesetz für digitale Märkte (DMA). Die beiden Gesetzespakete sollen eine Art Grundgesetz für die digitale Welt darstellen, die Macht der dominierenden Plattformen eindämmen und fairen Wettbewerb ermöglichen.
  • Anders als etwa bei der EU-Urheberrechtsreform schreitet der Gesetzgebungsprozess bislang verhältnismäßig zügig voran. Am Donnerstag legten die für Binnenmarkt und Wettbewerb zuständigen Ministerïnnen der Mitgliedstaaten ihre Verhandlungsposition fest.
  • Nun muss sich noch das Parlament über seine Position einig werden, bevor es im kommenden Jahr mit dem Ministerrat der EU-Staaten verhandelt. Frankreich will DSA und DMA in der ersten Jahreshälfte 2020 verabschieden, während es die EU-Ratspräsidentschaft innehat.
  • Aus anderen Gesetzgebungsverfahren (Urheberrecht, NetzDG) haben wir gelernt, dass sich die vermeintliche Zielgerade aber ziemlich lang ziehen und unvorhergesehen Kurven bereithalten kann.
  • Trotzdem werden wir uns DSA und DMA in den kommenden Wochen wohl noch einmal ausführlicher widmen – denn die EU könnte die scheinbar fest zementierten Machtverhältnisse der Plattformökonomie aufbrechen und das Netz auch aus Sicht der Nutzerïnnen spürbar verändern.

Mosseri vor dem Kongress: Was bleibt von den Facebook Files?

  • Am 6. Dezember wird Instagram-Chef Adam Mosseri vor dem US-Kongress aussagen. Häufig liest man bei solchen Anhörungen, die Vertreterïnnen der Tech-Konzerne würden "gegrillt". Das ist fast immer unpassend, meist blamieren sich eher die Politikerïnnen mit ihren Fragen.
  • In diesem Fall dürfte die Stimmung aber auf jeden Fall hitzig sein, und für Mosseri könnte es ungemütlich werden – vielleicht wird er nicht gerade gegrillt, aber zumindest sachte geschmort.
  • Denn im Zentrum der Anhörung stehen die Auswirkungen, die Instagram auf die psychische Gesundheit von Teenagern hat. Keine andere Enthüllung der Facebook Files hat in den USA auch nur ansatzweise so viel Empörung hervorgerufen wie ein paar interne Studien, die nahelegen, dass das Selbstwertgefühl von Mädchen sinkt, wenn sie viel Zeit auf Instagram verbringen.
  • Senatoren wie Richard Blumenthal machen Meta deshalb seit Monaten schwere Vorwürfe, auch viele Eltern sind beunruhigt. Wir halten ausgerechnet diesen Kritikpunkt aber für überschätzt. Die Stichprobe der Studien war winzig, außerdem maßen sie Korrelation, nicht Kausalität.
  • Es gibt wahrlich genug andere Dinge, die man Meta berechtigterweise vorhalten kann – etwa, dass die Öffentlichkeit nach wie vor auf Leaks interner Untersuchungen angewiesen ist, weil es für unabhängige Forscherïnnen nahezu unmöglich ist, den Effekt zu messen, den Facebook und Instagram auf Nutzerïnnen haben.
  • Wir verstehen zwar, dass die Sorge um das Wohlergehen der Kinder ein guter Talking Point ist, würden uns aber wünschen, dass die Kritik mehr auf Fakten und weniger auf Emotionen gründete. Deshalb sind wir gespannt, wie die Anhörung Anfang Dezember ablaufen wird.
  • Nach wie vor haben wir die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass die Facebook Files zumindest kleine Veränderungen bewirken könnten. Bislang sehen wir aber unsere anfängliche Einschätzung bestätigt: Meta scheint mal wieder einen Skandal relativ unbeschadet überstanden zu haben.

Online-Werbung: Wie verändern sich Adtech und personalisierte Werbung 2022?

  • In den vergangenen Monaten wurde der Online-Werbemarkt ordentlich durcheinandergewirbelt. Google wollte die Tracking-Cookies killen (#707), hat die Einführung der FLoCs im Chrome-Browser aber verschoben. Apple verlangt seit iOS 14.5 die Einwilligung der Nutzerïnnen, bevor Apps sie tracken dürfen. Seitdem hat sich Apples Umsatz mit In-App-Werbung verdreifacht, während Konkurrenten Milliarden einbüßen.
  • Torsten Klein hat die d3con besucht (Heise), eine Fachmesse für Programmatic Advertising. Sein Bericht zeigt, in welche Richtung sich der digitale Werbemarkt entwickelt. Politische Werbung könnte bald transparenter werden, die EU-Kommission erwägt eine Kennzeichnungspflicht (Netzpolitik) für Online- und Offline-Anzeigen.
  • Online-Werbung, Cookies und Adtech sind hochkomplex. Nur wenige Menschen blicken wirklich durch, und kaum jemand beschäftigt sich damit. Aber das Thema ist wichtig: Wir reden über eine Branche, die Hunderte Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt und rasant wächst.
  • Fast niemand mag Online-Werbung, aber ohne könnte das Netz, wie wir es kennen, nicht existieren. "Warum sich Online-Werbung 2021 grundlegend verändern könnte", überschrieben wir Anfang des Jahres eine Analyse in Ausgabe #693. Im Juni titelten wir dann in Briefing #729: "Warum das EU-Verfahren gegen Googles Werbegeschäft das ganze Netz verändern könnte".
  • Bislang hat sich wenig verändert. Aber das heißt nicht, dass das so bleiben muss. Die Werbebranche ist schwerfällig, manche Veränderungen brauchen Zeit. Bevor Unternehmen und Media-Agenturen ihre Budgets umverteilen, muss einiges passieren.
  • Wir haben nichts gegen Werbung – wohl aber gegen ein System, das Nutzerïnnen überwacht und ausspioniert, nur um angeblich passendere Anzeigen auszuspielen. Deshalb hoffen wir, dass zumindest die übelsten Auswüchse programmatischer und verhaltensbasierter Werbung verschwinden. Dass das 2022 geschieht, halten wir aber für unwahrscheinlich.

Social Commerce: Bald völlig normal?

  • Meta, Snap, TikTok und Twitter müssen stets weiter wachsen, um am Markt nicht ins Abseits zu geraten. So viel steht fest. Nur wenn die Plattformen es schaffen, Quartal um Quartal bessere Umsätze vorzulegen, haben sie eine Daseinsberechtigung. Folglich müssen neue Kanäle her, um mehr Umsatz zu generieren. Das können neue Features wie Kurz-Videos, Stories oder Social-Audio sein. Das kann aber auch ein komplett neues Business sein wie E-Commerce.
  • In China zeigen die großen Social-Plattformen bereits, wie viel Geld sich mit Social Commerce verdienen lässt. Kein Wunder also, dass bei Insta und Co ähnlich groß geträumt wird. Social-Shopping-Funktionen werden Stück für Stück ausgerollt, Partnerschaften mit Influencerinnen und Brands unterschrieben.
  • Wird Social Commerce aber wirklich zu einem zentralen Erlebnis bei der Nutzung von TikTok, Insta und YouTube? Was macht das mit traditionellen Online-Händlern? Wie viel Geld ist für Creator drin? Wie können Brands sicherstellen, dass sie dort entdeckt werden? 2022 dürfte einige Antworten bereithalten.

Creator Economy: Bloggen bis der Arzt kommt

  • Wir sind uns noch nicht ganz sicher, welches Word zum Buzzword des Jahres taugt. Aber während wir uns bei den Themen Metaverse und NFT stets ein wenig schütteln müssen, haben wir den Eindruck, dass der Hype um die Creator / Passion Economy gerechtfertigt ist.
  • Zum ersten Mal seit der Erfindung des Internets können sich freie Kreative für ihre Arbeit im Internet adäquat bezahlen zahlen. Und zwar unabhängig von traditionellen Auftraggebern und vor allem gänzlich ohne schleimige Brand Deals samt der eingepreisten Notwendigkeit, sich als Dauer-Werbebotschafter zu gerieren.
  • Wer Inhalte erstellt, für die Fans bereit sind zu zahlen, darf berechtigterweise davon träumen, sein ambitioniertes Hobby-Projekt in einen regulären Job zu verwandeln. Das ist ehrlich und das ist groß!
  • Aber mit der Professionalisierung beginnt auch der Hustle: Nur wer kontinuierlich liefert, wird auch davon leben können. In der Wissenschaft heißt es publish or perish (Wiki). Das ist in dieser Branche – insbesondere in der Unterhaltungsindustrie – nicht viel anders. Zahlreiche Creator – insbesondere YouTuber – haben in den letzten Monaten von ihren Erfahrungen mit Depression und Burnout berichtet. Creator müssen aufpassen, dass sie nicht alleine darstehen. Alle gegen alle ist auf Dauer keine Option.
  • Übrigens: Am 7.12. findet der Steady Growth Day statt. Via Zoom berichten zahlreiche deutsche Creator (über ihre Erfahrungen, ein zahlendes Publikum für ihr Schaffen zu finden. Auch wir werden von 10:30 – 11:00 Uhr dabei sein und darüber sprechen, was die Arbeit am Social Media Watchblog so reizvoll und herausfordernd zugleich macht. Wer mag, reserviert sich einen Platz.

Clubhouse: Die App ist abgestürzt – ist Social Audio damit auch tot?

  • Hach, was war das aufregend im Januar: Für ein paar Tage war die (deutsche) Medienbranche in helle Aufruhr versetzt. Sollten wir es hier wirklich mit einer revolutioniären neuen App zu tun haben? Und wie komme ich rein? Fear of missing out galore!
  • Wir waren in unserer Analyse etwas zurückhaltender (#696) und wurden den Eindruck nicht los, dass es sich hier womöglich nicht so sehr um eine App handelt, die alles auf den Kopf stellt, sondern Clubhouse letztlich nicht viel mehr ist als ein Feature, dessen Erfolg einige bekannte Risikokapitalgeber herbeiwetten wollten (The Information).
  • Heute berichten Tech-Portale über kontinuierlich sinkende Download- und Nutzungszahlen (Business Insider). Der Boom ist vorbei. Clubhouse konnte sich gegen die Platzhirschen nicht durchsetzen. Ein Grund: Facebook und Twitter konnten schnell ihre eigenen Interpretationen von Social Audio auf den Weg bringen. Zudem haben sie das nötige Kleingeld, um Creator von Clubhouse wegzulocken (The Information). Clubhouse nicht viel mehr als ein Feature.
  • Ist Social Audio damit tot? Mitnichten! Der anhaltende Podcast-Boom zeigt, Audio ist lebendiger als je zuvor. Auch kommen monatlich neue Apps hinzu, die ihren ganz eigenen Take in Sachen Social Audio wagen. Auf Twitter begegnen uns immer häufiger Event-bezogene Spaces, in denen Menschen klug miteinander diskutieren.
  • Dass allerdings mindestens einer von uns beiden (🤐) sich niemals bei Clubhouse angemeldet hat, war jedenfalls nicht die schlechteste Entscheidung dieses Jahr.

In eigener Sache: Facebook, Facebook, Facebook

  • Ja, wir wissen es: 2021 haben wir extrem viel über Facebook berichtet. Angefangen beim Sturm aufs Kapitol, über Facebooks Rolle bei der Verbreitung von Impf-Desinformationen, die Enthüllungen rund um die Facebook Files bis zu Zuckerbergs Ankündigung, ins Metaverse zu entfliehen. Selbst ihm schien es irgendwann genug.
  • Für einige von euch war es jedenfalls auch etwas zu viel des Guten. Vielen Dank für das ehrliche Feedback an dieser Stelle! Wir können gar nicht oft genug betonen, dass das Social Media Watchblog nicht als Einbahnstraße gedacht ist, sondern vom Austausch mit euch via E-Mail, Slack oder DM lebt. Wirklich eine fantastische Sache!
  • Und ja: Auch wir sind genervt von Facebook (zumal wir die App eben auch beide privat fast nicht nutzen). Gleichzeitig kommen wir aber aus journalistischer Sicht an vielen Stellen um Facebook einfach nicht drum. Es ist nun einmal das größte Netzwerk der Welt und darüber hinaus noch der Konzern mit drei weiteren der meistgenutzten Social-Apps: Instagram, Messenger und WhatsApp. Bei so viel Macht muss es eine kritische Öffentlichkeit geben.
  • Gleichzeitig nehmen wir eure Hinweise zum Anlass, über unsere Schwerpunkte noch einmal nachzudenken und uns ein Stück weit neu zu justieren. Denn auch wir finden Angebote wie TikTok, Twitch, YouTube Shorts, Discord, Roblox, Snapchat und Co in aller Regel persönlich sehr viel spannender… Mal schauen, wie wir das 2022 hinkriegen! Bock haben wir in jedem Fall!

Header-Foto von Mika Matin


Was wirklich auf Facebook viral geht | Warum Meta Nachrichten erst 2023 verschlüsseln wird | Twitter macht jetzt auch Liveshopping | Instagram lanciert Badges

Was wirklich auf Facebook viral geht

Was ist

Vor zwei Wochen legte Meta den zweiten Widely Viewed Content Report vor (Transparency, Facebook). Der Bericht soll schaffen, was Facebook sonst gern vermissen lässt: Transparenz. Er zeigt, welche Domains, Links, Seiten und Postings in den USA die meisten Menschen erreichen.

Zunächst dachten wir, die Erkenntnisse glichen den Lehren aus dem ersten Report, den wir in Briefing #740 ausführlich analysierten. Seitdem sind aber mehrere Artikel und Recherchen erschienen, die den Bericht in einem neuen Licht erscheinen lassen. Deshalb greifen wir das Thema nun auf.

Was war

Als wir uns Ende August mit der ersten Ausgabe des Berichts beschäftigten, schrieben wir:

Um zu verstehen, warum mal wieder über Facebooks fragwürdiges Verständnis von Transparenz diskutiert wird, muss man vier Erzählstränge miteinander verweben: die Veröffentlichung des "Widely Viewed Content Report", die Rolle von Kevin Roose, die Abwicklung von CrowdTangle und einen zweiten Bericht, der nie veröffentlicht wurde.

Um uns nicht zu wiederholen, setzen wir die Inhalte des damaligen Briefings als bekannt voraus. Wer nicht alles nachlesen will, sollte zumindest diese Fakten kennen:

  • Jahrelang führte der New-York-Times-Reporter Kevin Roose Facebook mithilfe von CrowdTangle vor. Er nutzte das Facebook-eigene Tool, um zu zeigen, dass an vielen Tagen rechte bis rechtsradikale Quellen hinter den erfolgreichsten Postings stecken.
  • Schließlich löste Facebook das CrowdTangle-Team auf (das Tool gibt es aber nach wie vor) und veröffentlichte einen eigenen Bericht, der statt der Zahl der Interaktionen die Reichweite berücksichtigte.
  • Der Report selbst warf dann aber mehr Fragen auf, als er beantwortete. Vor allem zeigte er, dass Facebook offenbar ein ernsthaftes Problem mit Spam hat.
  • In den Top-20-Links tauchten im zweiten Quartal 2021 auf den ersten beiden Plätzen eine fragwürdige Promo-Seite ehemaliger NFL-Spieler der Green Bay Packers und ein Hanf-Shop auf, kurz danach folgten ein christlicher Online-Shop und eine Seite, auf der man ein Abo für die Propaganda-Schleuder Epoch Times abschließen kann.
  • Der Großteil der erfolgreichsten Postings war dreist geklaut. Es fanden sich alte Memes oder abgeschriebene Sprüche, die zuerst auf Reddit, Twitter oder Quora geteilt wurden.

Was der aktuelle Bericht zeigt

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Ergebnisse aus Q3 kaum von denen der vorhergehenden drei Monate: Plagiate, Boomer-Cringe und Memes, die selbst in der Elterngruppe auf WhatsApp peinlich wären. Das deckt sich mit Erkenntnissen aus den Facebook Files (WSJ):

About 40% of the traffic to Facebook pages at one point in 2018 went to pages that stole or repurposed most of their content, according to a research report that year by Facebook senior data scientist Jeff Allen. (…) “What’s the easiest (lowest effort) way to make a big Facebook Page?” Mr. Allen wrote in an internal slide presentation the following year. “Step 1: Find an existing, engaged community. Step 2: Scrape/Aggregate content popular in that community. Step 3: Repost most popular content on your Page.”

Meta weiß genau, dass junge und talentierte Creator wenig Lust auf Facebook haben. Der Ruf ist mies, die Gen Z hat sich längst abgewandt (oder war noch nie dort). In einem weiteren Dokument der Facebook Files heißt es etwa (The Information):

Public figures and creators “lack a reason to be on FB,” according to a more than 50-page presentation shared internally at the time. That was hurting its chances of attracting young adults in the U.S., which Facebook’s own research had shown were shunning the blue app at alarming rates—in part because they viewed Facebook posts as “negative, fake, and boring.”(…) Facebook staff said their research showed young adults found the Facebook app “cluttered and filled with irrelevant content,” which made it hard for them to find and join fan communities. Plus, young adults “want uplifting and motivating content,” yet they see Facebook content as misleading, irrelevant and dull, one slide said.

Darauf Bezug nehmend bilanzierte Casey Newton (Platformer):

I can’t think of content much more misleading, irrelevant or dull than most of the material in the widely viewed content report. If Facebook is serious about reclaiming younger users, as it announced last month, this report tells them exactly where they should start.

Wer hinter dem Spam steckt

Die Kurzfassung: Menschen, die mit Reichweite Geld verdienen wollen. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Thinkarete Lifestyle. Die Seite ist für vier der acht erfolgreichsten Postings des vergangenen Quartals verantwortlich.

Ryan Broderick hat den Betreibern hinterher recherchiert (Garbage Day) und kam nach einigen Irrwegen schließlich zu einem verblüffenden Schluss: Einer der größten Facebook-Publisher der Welt ist ein Food-Blogger aus Utah, der mit zwielichtigen bis illegalen Methoden arbeitet. Am Ende blieb für Broderick nur eine Frage offen:

The one mystery we weren’t able to figure out is why any sane person working at Facebook would feel comfortable publishing a content report that admitted that the most viral publisher on its platform this year was a barely active drop-shipping scam page full of stolen video content run by an LLC that doesn’t even exist anymore.

Warum der Bullshit gefährlich ist

Der Widely Viewed Content Report wirft kein gutes Licht auf Facebook. Das gilt in erster Linie für die Zukunft der Plattform. Die Inhalte repräsentieren zwar nur einen Bruchteil der Links, Seiten und Postings, die auf Facebook viral gehen. Trotzdem steht die Top 20 für ein grundlegendes Problem: Facebook ist nicht nur uncool, sondern spammy, cringe und billig.

Die zweifelhafte Qualität der Inhalte ist aber mehr als nur ein Problem für Facebook selbst. Das zeigt etwa ein Selbstversuch von Kaitlyn Tiffany (Atlantic), die dafür einen komplett unpolitischen Fake-Account aufsetzte:

Let’s say you never gave the platform any hint about your ideology, or how you’ve ever voted, or whether you even have. Let’s say you made yourself as bland and centrist as you possibly could be, and then let the system do its algorithmic work. Would your account get pulled into some other kind of rabbit hole? And if it did, what would be waiting there?

Nach zwei Wochen fand sie sich in einer anderen Art von Rabbit Hole wieder. Sie bekam keine extremistischen Inhalte vorgesetzt, sondern "totalen Müll", wie sie es selbst ausdrückte:

bad advice, stolen memes, shady businesses, and sophomoric jokes repeated over and over. Facebook isn’t just dangerous, I learned. It doesn’t merely have the ability to shape offline reality for its billions of users. No, Facebook is also—and perhaps for most people—senseless and demoralizing.

Tiffanys Fazit fällt bitter aus:

The results of my experiment fascinated me mostly on account of their brutality. Each post felt like a blunt-force expression of loneliness, desperation, horniness, or all three. (…) If you don’t take any of your politics to Facebook, you may not get sucked into political extremism. But there are other ways to spiral down to the lowest common denominator, and then lower and lower, and there’s no relief, and there’s no bottom.

Be smart

In einem Podcast mit dem Wall Street Journal sagte Whistleblowerin Frances Haugen kürzlich:

If I could only do one thing, I would improve transparency. Because if Facebook had to publish public data feeds daily on the most viral content, how much of the content people see is coming from groups? How much hate speech is there?

Der Widely Viewed Content Report ist ein erster Schritt, aber längst nicht genug, um sich ein vollständiges Bild zu machen. Vor allem scheint er durch selektive Auswahl von Zahlen und Daten geschönt worden zu sein (interessanterweise ist das genau das Verhalten, das Facebook gern Medien vorwirft).

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Rechercheorganisation The Markup, die eigene Daten erhoben hat. In ihrem Newsletter fasst Chefredakteurin Julia Angwin das Ergebnis so zusammen (Revue):

When we ran the numbers, we found that sensational, partisan content from The Daily Wire and The Western Journal moved up in the ranks to become top performers.

Facebook wertete nur die reine Reichweite aus und zählte die Unique Users, in deren Newsfeed ein bestimmter Inhalt auftaucht. The Markup legte dagegen die Impressions zugrunde. Wenn also ein Nutzer fünf oder 50 Postings einer Seite sieht, dann zählt das bei The Markup fünf oder 50 Mal – und bei Facebook nur einmal.

Unserer Meinung nach haben beide Metriken ihre Berechtigung. Wenn wir die Zahlen von The Markup anschauen, verstehen wir aber gut, warum Facebook ausschließlich auf die Reichweite blickt. Sonst hätten die Top-20-Listen des Widely Viewed Content Report deutlich mehr rechte und rechtsradikale Inhalte enthalten. Offenbar hat Facebook also nicht nur ein Spam-Problem.


Warum Meta Nachrichten erst 2023 verschlüsseln wird

Was ist

Am Wochenende wurde bekannt, dass es noch länger dauern wird, bis Menschen auf Instagram und Facebook Ende-zu-Ende-verschlüsselt chatten können. "Meta delays encrypted messages on Facebook and Instagram to 2023", titelte der Guardian, der zuerst darüber berichtete.

Allerdings ist diese Überschrift streng genommen falsch. Der frühere Facebook-Angestellte Alec Muffet weist in seinem Blog zurecht darauf hin, dass Facebook nie versprochen hatte, E2EE 2022 auszurollen. Bei der Ankündigung 2020 war von mehreren Jahren Entwicklungszeit die Rede, es gab nie ein konkretes Datum. Also kann Meta nichts verschieben, da es ja von Anfang an so geplant war.

Was dahintersteckt

Wichtiger als solche semantischen Diskussionen ist der Grund der Ankündigung. Facebooks Sicherheitschefin Antigone Davis verweist in ihrem Op-ed im Sunday Telegraph auf die Gefahr, mit E2EE Kriminellen in die Hände zu spielen.

Insbesondere Kinderschutzorganisationen warnen seit Jahren vor kompletter Verschlüsselung. Tatsächlich verhindert E2EE, das Täter aufgespürt werden, die Kinder missbrauchen oder Darstellungen von Kindesmissbrauch hochladen, teilen und konsumieren. Auch Apple wollte kürzlich Maßnahmen gegen Child Sexual Abuse Material (CSAM) einführen und unter anderem iPhones lokal durchsuchen. Als Sicherheitsforscherïnnen und Bürgerrechtsorganisationen heftig protestierten, legte Apple die Pläne vorerst auf Eis.

Als wir das Vorhaben in Briefing #739 analysierten, schrieben wir:

Selten waren wir so hin- und hergerissen. Wir können die Argumente beider Seiten verstehen und sind trotzdem nicht sicher, wer recht hat – oder ob überhaupt jemand recht hat. (…) Wir glauben, dass es nicht darum geht, lauter zu schreien, um die Gegenseite zu übertönen. Es wäre schön, wenn die beiden Anliegen, der Schutz von Kindern und die Privatsphäre von Milliarden Menschen, nicht gegeneinander ausgespielt würden. Dafür sind beide zu wichtig.

So geht es uns auch heute wieder, wenn wir die Reaktionen anschauen, die auf Metas Ansage folgten. Manche werfen dem Konzern vor, den Schutz von Kindern nur vorzuschieben (Twitter / Evan Grier), um E2EE zu verzögern. Das halten wir für Unsinn. Man kann Meta vieles vorhalten, doch in diesem Fall geht es nicht darum, noch möglichst lange die Inhalte von Nachrichten analysieren zu können.

Ein 15-teiliger Thread des früheren Facebook-Angestellten David Thiel verdeutlicht, wie komplex das Problem ist. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Als E2EE 2020 angekündigt wurde, gab es noch nicht mal eine Roadmap für die Entwicklung. Es ist technisch extrem schwierig, drei komplett unabhängige Messenger (Instagram, Facebook, WhatsApp) zu verzahnen und gleichzeitig Verschlüsselung einzuführen.
  • Das wird noch dadurch erschwert, dass Instagram und Facebook eben keine reinen Messenger sind, sondern Algorithmen, Suchfunktionen und Freundesvorschläge bietet. Deshalb ist E2EE auf diesen Plattform deutlich aufwendiger als bei WhatsApp.
  • Die Entscheidung war durchaus eigennützig. Unter anderem sollte sie Kartellermittlungen verhindern, die Kosten der Safety-Teams reduzieren (verschlüsselte Inhalte lassen sich nicht scannen, also braucht es weniger Mitarbeiterïnnen) und dem öffentlichen Image dienen.
  • CSAM ist ein riesiges, grauenerregendes Problem. E2EE ohne zusätzliche Gegenmaßnahmen (etwa über Metadaten wie bei WhatsApp) ließe die Erkennungsraten einbrechen und verhinderte Ermittlungen. Mehrere hochrangige Mitarbeiterïnnen des Child-Safety-Teams kündigten nach der Ankündigung 2020, weil sie die Entscheidung nicht mittragen wollten.

Be smart

Bei keinem anderen Thema ist es so schwer, die richtige Balance zu finden. Datenschutz ist kein Täterschutz – aber strikte und kompromisslos eingeführte E2EE führt dazu, dass mehr abscheuliche Verbrechen nicht aufgeklärt und Täter nicht ermittelt werden können. Auf Twitter diskutieren sich mit Matthew Green, Zeynep Tufekci, Alec Muffet und David Thiel kluge Menschen die Köpfe heiß.

Auf manche Fragen gibt es keine richtigen Antworten. In diesem Fall geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der die berechtigten Anliegen beider Seiten berücksichtigt. Deshalb waren wir erleichtert, als wir erfuhren, dass Apple seine Pläne verschiebt, und deshalb halten für es für richtig, dass sich Facebook Zeit lässt.


Facebook Files


Video Boom

  • Marken entdecken TikTok-Kommentarspalten für sich: Es heißt ja immer, wer nicht kommentiert, nutzt das Internet nur halb. Genau das machen sich immer mehr Marken auf TikTok zu eigen. Anstatt nur darauf zu setzen, über eigene Videos möglichst viele Likes und Follower zu generieren, setzen sie nun auch darauf, unter viralen Videos mit besonders lustigen Kommentaren aufzufallen (OMR). Frei nach dem Motto: Wir sind einfach auch da, wo der Buzz ist.
  • BuzzFeed und TikTok machen gemeinsame Sache: Apropos Buzz: BuzzFeed und TikTok haben einen Deal abgeschlossen (Digiday), um gemeinsam Live-Shows zu produzieren: BuzzFeed sorgt für die Inhalte, TikTok für die Werbepartner und das Publikum. Das ist aus zweierlei Gründen spannend: Erstens ist es für TikTok Neuland, einen konkreten Deal mit einem Publisher für Unique Content einzugehen. Zweitens ist es für Marken sicherlich ganz verlockend, in so einem Umfeld aufzutauchen. Schließlich müssen so nicht selbst Video-Inhalte produziert werden…
  • Twitter ist jetzt auch beim Thema Liveshopping dabei: Na, klar! Es konnte ja auch gar nicht anders kommen. Liveshopping ist ja aktuell das Thema der Stunde. Also nicht weiter verwunderlich, dass Twitter nun auch einen Liveshopping-Test unternimmt (The Verge). Am kommenden Sonntag wird Jason Derulo durch eine mit Walmart zusammen produzierte Sendung führen, um für möglichst viel Absatz zu sorgen. Nun ja. Wir können schon verstehen, dass Unternehmen sich davon jede Menge Umsatz versprechen. Aber ist es das, was Twitter zu einem besseren Ort macht? Wohl kaum. Sigh. In einer der kommenden Ausgaben schauen wir uns das Thema Liveshopping noch einmal ausführlicher an.
  • Watchtime bei Netflix: Der Streaming-Anbieter Netflix präsentiert jetzt auf top10.netflix.com die Top 10 der Filme und Serien, die am meisten geguckt wurden – und zwar mit Blick auf die Anzahl der Stunden, die Zuschauerïnnen eine bestimmte Sendung geschaut haben. Ein ganz interessanter Move, der auch Folgen für die Metriken auf Social-Media-Plattformen haben könnte.

Creator Economy

  • Bei Instagram mit Badges Geld verdienen: Es war bereits bekannt, dass Insta an einem TikTok-ähnlichen Feature arbeitet. Nun ist es soweit und Instagram-Nutzerïnnen können Creator während Livestreams mit bezahlten Herzchen erfreuen (Instagram Business).
  • Triller setzt einen Fund über 14 Millionen Dollar für schwarze Creator auf. Das ist sehr löblich. Aber nutzt jemand von euch Triller? Wir würden uns über Hinweise freuen.
  • Creator-Marktplatz LTK wird mit zwei Milliarden Dollar bewertet: Wir müssen zugeben, dass wir von LTK bislang nichts mitbekommen hatten. So wie wir es verstanden haben, handelt es sich dabei um einen Ort im Internet, an dem die Postings von Influencerïnnen zu bestimmten Produkten direkt mit der Option, diese Produkte eben auch zu kaufen, verknüpft werden. Also eine Art Instagram Shopping sozusagen. Oder TikTok-Shopping. Nur eben auf einer separaten Plattform und nicht direkt in den Social-Apps. Warum so ein Angebot nun zwei Milliarden Dollar wert (Techcrunch) sein soll, keine Ahnung.
  • Substack denkt über Krankenversicherungen nach: Substack freut sich bekanntlich gerade arg über eine Million Bezahl-Abos. Das ist doch eine gute Zeit, um auch mal darüber nachzudenken, was die fleißigen Newsletter-Solopreneure wohl neben der (in den allermeisten Fällen ziemlich mies ausfallenen) Tantiemen noch gut gebrauchen können: vielleicht eine Krankenversicherung?

Schon einmal im Briefing davon gehört

  • US-Kids nutzen lieber TikTok als Instagram: Laut Forrester nutzten in diesem Jahr 63 % der Amerikanerïnnen zwischen 12 und 17 wöchentlich TikTok, während Instagram auf nur 57 % der Nutzerïnnen kommt. 2020 verhielt sich das noch anders: 61 % der Kids nutzen Instagram, TikTok lag bei 50 %. Nachtigall, ick hör Dir trapsen.

Was wir lesen


Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • Threads wird im Dezember dicht gemacht – die geplante Verzahnung von Messenger, WhatsApp und Instagram DM ist schon Arbeit genug. Da braucht es wohl nicht noch eine Messenger-App, die eh nur sehr wenige genutzt haben (Techcrunch).
  • Mit Video-Selfies authentifizieren? Instagram testet derzeit die Option, sich mit einer Art Video-Selfie zu authentifizieren (The Verge). Eigentlich geht es dabei um das Erkennen von Bots. Aber bei Twitter berichten reguläre Nutzerïnnen von der Aufforderung durch Insta, auf diese Weise ihre Accounts zu bestätigen. Etwas creepy, wenn ihr uns fragt.
  • Posts aus einem Carousel löschen: Hach, das wir das 2021 noch erleben dürfen: Insta-Nutzerïnnen können jetzt endlich einzelne Posts aus einem Carousel löschen (Techcrunch).

Facebook

  • Mehr Kontrolle über den News Feed: Facebook testet aktuell, ob Nutzerïnnen vielleicht gern mehr Kontrolle über ihren News Feed hätten – quasi weniger Posts von Gruppen und Verwandten (The Verge), mehr Posts von der Lieblingsband und den besten Freunden. Auch dieses Thema würde eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen und in einer der nächsten Ausgaben noch einmal genauer angeschaut werden, wenn es sich bei Facebook trotz der schieren Größe der Plattform nicht immer so mäh anfühlen würde, so viel darüber zu berichten. 🤷🏻‍♂️

Snapchat

  • Snap Map bekommt zwei neue Layer: Memories und Explore. Die interne Kartenfunktion bei Snapchat ist tatsächlich ein erfrischend anderer Blick auf die Nutzung von Karten. Durch die neuen Funktionen Memories und Explore (Techcrunch) wird die Kartenfunktion jetzt noch lebendiger. So werden einem bei Memories all die Snaps angezeigt, die an einem bestimmten Ort geknipst wurden. Bei Explore lassen sich Geschäfte, Museen und dergleichen entdecken, die von anderen Nutzerïnnen empfohlen / häufig besucht wurden (natürlich nur, wenn man dafür eine Freigabe erteilt hat). Allerdings kann das mit der Snap Map auch ordentlih nach hinten losgehen: Snapchat Turns a Low-Key High School Party Into a Rager (Bloomberg)
  • Foodscan bei Snapchat: Mit Snapchat lassen sich ja bereits eine Menge Dinge via Scan erkennen: 170 Millionen Snapchatter nutzen die Scan-Funktion bereits für Klamotten, Tiere, Pflanzen und Wein. Nun geht Snapchat einen Schritt weiter und bietet die Möglichkeit, Lebensmittel zu scannen. Sobald ein Lebensmittel erkannt wurde (1200 Zutaten sind bislang in der Datenbank erfasst), bietet Snap einem eine Idee, was damit anzustellen ist. Insgesamt sind bei Snapchat nun mittels Scan 4500 Rezepte zu finden.

Twitter

  • Twitter öffnet keine Links mehr in AMP: Die Idee von Instant Articles und AMP war es offiziell, das Internet schneller zu machen. Letztlich ging es aber wohl vor allem auch um den Versuch von Facebook und Google, noch mehr Kontrolle über das offene und freie Internet zu erhalten. Von daher: Schon ok, dass Twitter den Support für AMP jetzt beendet hat (The Verge).
  • Twitter lanciert neues Tweet-Analytics-Tool: Mitte Dezember soll das neue Dashboard (@juliussohn) allen Nutzerïnnen zur Verfügung stehen.

Header-Foto von Andre Benz


Kein Algorithmus ist auch keine Lösung | Wie Instagram und YouTube um TikTok-Creator buhlen

Kein Algorithmus ist auch keine Lösung

Was ist

Die Facebook Files enthalten mehrere Dokumente mit Experimenten, die untersuchen, ob Facebook mit einem strikt chronologisch sortierten Newsfeed automatisch besser wäre – für das Unternehmen, für die Nutzerinnen und für die Gesellschaft. Glaubt man den Zahlen, dann lautet die Antwort: dreimal nein.

Warum das wichtig ist

  • Seit Jahren muss "der Facebook-Algorithmus" (ein komplexes Machine-Learning-System, das in Wirklichkeit aus etlichen unterschiedlichen Algorithmen besteht) immer wieder als Sündenbock für Hass, Desinformation und Radikalisierung in sozialen Medien herhalten.
  • Dafür gibt es gute Gründe. Wie fast jede andere Plattform optimiert Facebook sein System auf Verweildauer und Interaktionen. Das begünstigt Inhalte, die Emotionen ansprechen, mit einfachen Wahrheiten und eine graue Welt in eine Schwarz-Weiß-Karikatur verwandeln: wir gegen die.
  • Facebook ist also keine neutrale Plattform, die einfach nur abbildet, was Menschen dort schreiben. Vielmehr greift Facebook ein, verbirgt, verstärkt oder pusht bestimmte Postings.
  • Doch wer glaubt, dass sich die grundlegenden Probleme ohne Algorithmus von selbst auflösen, macht es sich zu einfach. Das gilt etwa für die Demokraten in den USA, die Plattformen mit einem Gesetzentwurf dazu zwingen wollen, einen chronologischen Newsfeed anzubieten.

Was die Experimente zeigen

  • Vorab: Es handelt sich um Dokumente aus den Jahren 2014 und 2018. In beiden Fällen wurde einer kleinen Testgruppe standardmäßig ein chronologischer Newsfeed angezeigt. Wir wissen nicht, wie lange die Experimente andauerten und wie viele Nutzerïnnen (unwissentlich) teilgenommen haben. Das geht aus den Posts auf Facebooks Kommunikationsplattform Workplace nicht hervor.
  • Die Inhalte wurden zwar strikt chronologisch sortiert, ein Filter blieb aber erhalten: Als erste Stufe seines Ranking-Prozesses prüft Facebook, ob Inhalte mit den Integritätskriterien vereinbar sind (mehr dazu in dieser ausführlichen, technischen Erklärung). Erst nachdem aussortiert wurde, beginnt die Priorisierung. Diese Vorfilterung wurde für das Experiment beibehalten.
  • Da die Versuche schon länger zurückliegen und wir keine Details über die Methodik kennen, beschränken wir uns auf eine grobe Zusammenfassung.
  • Über beide Experimente wurde bereits berichtet: Zuerst entdeckte Alex Kantrowitz (Big Technology) das Dokument "What happens if we delete ranked News Feed?", dann fiel Will Oremus ein ähnliches, älteres Experiment auf (WaPo).
  • Nutzerïnnen, die Inhalte chronologisch sortiert sehen, verbringen weniger Zeit mit der App, betrachten weniger Videos, teilen weniger Inhalte und schreiben weniger Kommentare.
  • Dafür blenden sie signifikant mehr Postings aus (scheinen die Inhalte also für irrelevant zu halten) und sehen mehr Inhalte aus Facebook-Gruppen in ihrem Feed (die sonst weiter unten oder gar nicht angezeigt worden wären).
  • Interessanterweise verdiente Facebook mit der Testgruppe sogar mehr Geld, weil Menschen länger durch den Newsfeed scrollen mussten, um interessante Inhalte zu finden. Deshalb sahen sie auch mehr Anzeigen.
  • Das gilt aber natürlich nur, wenn Nutzerïnnen Facebook weiter regelmäßig öffnen. Es könnte gut sein, dass sie von den als irrelevant empfundenen Inhalten nach einiger Zeit so genervt wären, dass sie sich komplett von Facebook abwenden. Die Experimente liefen aber nicht lang genug, um solche Auswirkungen zu beobachten.
  • Spannend ist diese Erkenntnis: Trotz der oben beschriebenen Integritätsfilterung stieg der Anteil unseriöser und unerwünschter Inhalte. Im Dokument heißt es: "Interestingly, at first integrity bad metrics still short through the roof".
  • Erst nachdem die Filterung verstärkt wurde (also mehr Inhalte vorab aussortiert wurden als bei einem algorithmisch sortierten Newsfeed), normalisierte sich der Anteil wieder.

Was die Experimente nicht zeigen

  • Seit 2009 sortiert Facebook den Newsfeed. Menschen haben sich daran gewöhnt. Wenn Facebook für einen kurzen Zeitraum für kleine Testgruppen die Sortierlogik ändert, dann lässt das keinen Rückschluss darauf zu, wie sich Menschen verhielten, wenn die chronologische Ordnung der Standard wäre.
  • Vermutlich hätten sie gelernt, viel stärker selbst zu kuratieren, Inhalte von Anfang an auszublenden und Seiten zu entfolgen. Damit Nutzerïnnen entsprechende Kompetenzen entwickeln, muss man ihnen Zeit und Werkzeuge an die Hand geben.
  • Wenn Nick Clegg deshalb öffentlich behauptet (ABC), dass Nutzerïnnen mit einem chronologischen Newsfeed mehr Hassrede, Desinformation und gefährliche Inhalte sähen, ist das nur ein Teil der Wahrheit.
  • "Those algorithmic systems precisely are designed like a great sort of giant spam filter to identify and deprecate and downgrade bad content", sagt Clegg. Das stimmt. Aber dieser Spam-Filter ist auch deshalb nötig geworden, weil Facebook Nutzerïnnen jahrelang bevormundet hat.

Be smart

  • In der Theorie gibt es einen chronologischen Newsfeed, der über diesen Direktlink erreichbar ist. In seinem Hilfebereich erklärt Facebook die Einstellung.
  • Um direkt in der App darauf zuzugreifen, muss man erst nach unten scrollen, dann wieder ein Stück nach oben. Daraufhin wird am oberen Bildschirmrand eine kleine Leiste eingeblendet, über die man auf die Einstellung "Recent" wechseln kann. Auch am Desktop sind mehrere Klicks und gute Augen nötig: "See More > Most Recent".
  • Kurzum: Kaum jemand dürfte die Einstellung kennen, und zu allem Überfluss setzt sich die Option auch noch jedes Mal zurück, wenn man Facebook neu öffnet. Deshalb halten wir die Kritik von Facebooks Privacy Policy Director Kevin Bankston für überzogen, der Will Oremus Ungenauigkeit und Irreführung vorwirft (Twitter).
  • Wir glauben auch nicht, dass es darum gehen sollte, sich nur zwischen einem gerankten und einem ungerankten Feed zu unterscheiden. Sinnvoller wäre es, wenn Facebook Nutzerïnnen mehr Möglichkeiten gäbe, den Newsfeed selbst zu kuratieren.
  • Außerdem landen wir, wie so oft, beim Thema Transparenz. Nur Facebook weiß, wie Facebook rankt, und das ist ein Problem.

Instagram und YouTube buhlen um TikTok-Creator

Was ist

Erst haben alle von Snapchat kopiert und Stories zum dominierenden Social-Media-Format gemacht. Derzeit wiederholt sich die Geschichte mit TikTok. Instagram und YouTube haben mit Reels und Shorts das Kurzvideo-Format adaptiert – und versuchen jetzt auch mit aller Macht, Creator zu überzeugen, TikTok den Rücken zu kehren.

Wie Creator gelockt werden sollen

  • Instagram zahlt bis zu 10.000 Dollar pro Reel (TechCrunch), dafür muss das Video aber besonders unterhaltsam und erfolgreich sein (Instagram). Manche Creator verdienen derzeit 35.000 Dollar pro Monat mit Reels (Insider). Je nach Größe und Reichweite werden drei- bis vierstellige Beträge pro Video angeboten.
  • Die genaueren Kriterien sind aber unklar, die Beträge schwanken stark (TechCrunch). Das Creator Play Bonus Program (Instagram) macht keine Angaben über die Höhe der Ausschüttungen.
  • YouTube bietet bis zu 50.000 Dollar (Insider), verlangt dafür aber auch Dutzende Shorts, von denen ein Teil innerhalb von YouTube produziert werden muss (viele Creator zweitverwerten einfach ihre TikTok-Videos bei YouTube).
  • Offenbar gibt es unterschiedliche Programme, es werden Accounts mit einigen tausend und mit mehreren Millionen Followern angefragt. Manche sollen Inhalte zu bestimmten Hashtags produzieren, andere eine gewisse Zahl an Shorts veröffentlichen.

War for Talent

  • In Ausgabe #686 erklärten wir die "Klonkriege" der Plattformen, die sich alle gegenseitig kopieren.
  • In Ausgabe #699 betrachteten wir den Kampf um die Kreativen, bei dem Unternehmen versuchen, Creator, Streamerinnen und Autoren zu umgarnen.
  • In Ausgabe #733 nahmen wir den Deutschland-Start von YouTube Shorts zum Anlass, die Jagd auf TikTok zu beleuchten.
  • Wir sind überzeugt, dass sich das Wettbieten in den kommenden Jahren fortsetzen und sogar noch verschärfen wird. Mobil produzierte und konsumierte Kurzvideos, die TikTok groß gemacht hat, sind gekommen, um zu bleiben. Jetzt brauchen die Plattformen Creator, die hochwertige Inhalte produzieren und Menschen dazu animieren, Zeit in den jeweiligen Apps zu verbringen.
  • Instagram fügt Reels immer mehr TikTok-Funktionen hinzu (TechCrunch), YouTube lässt die App testweise direkt in der Shorts-Ansicht starten (Google), und auch Snapchat versucht, Spotlight als echten TikTok-Rivalen zu positionieren (Social Media Today).
  • Im Moment sehen wir TikTok aber gut aufgestellt, um den Angriff abzuwehren. Technisch liegt die App vorn, der Video-Editor ist konkurrenzlos, der Content-Graph funktioniert für viele Nutzerïnnen besser als der Social-Graph anderer Netzwerke.
  • Etliche Creator sind auf TikTok groß geworden und haben dort ihre Kernzielgruppe. Ein Umzug bedeutet zunächst immer einen Verlust an Reichweite. Und wenn sich herausstellt, dass Instagram und YouTube damit Erfolg haben, Creator mit Geld zu ködern, kann ByteDance – Jahresumsatz 2020: 34 Milliarden Dollar – locker mithalten.

Header-Foto von Matteo Modica


Twitter Blue, erklärt | Peak Newsletter noch lange nicht erreicht | YouTube versteckt Dislike-Counter

Twitter Blue: Wir würden ja Geld bezahlen, aber …

Was ist

Twitter macht Ernst: Im Juli startete Twitter Blue in Australien und Kanada, jetzt können auch Menschen in den USA und Neuseeland das kostenpflichtige Abonnement abschließen (Twitter-Blog). Für drei Dollar pro Monat enthält Twitter nun deutlich mehr Funktionen als in der bisherigen Testphase. Ob und wann das Produkt nach Deutschland kommt, ist unklar.

Warum das wichtig ist

Twitter Blue ist ein spannendes Experiment. Reddit, Twitch und Discord bieten bereits kostenpflichtige Abos an, diese Plattformen lassen sich aber nur eingeschränkt mit Twitter oder Facebook vergleichen. WhatsApp verlangte einst einen symbolischen Dollar pro Jahr, Google bietet YouTube Premium an. Doch die WhatsApp-Jahresgebühr wurde nie ernsthaft eingezogen, und das YouTube-Abo schließt man in erster Linie für Inhalte und Werbefreiheit ab. Dafür zahlen bereits 50 Millionen Menschen, Spotify und Netflix sind noch erfolgreicher.

Es gibt also etablierte Abo-Modelle im Silicon Valley, doch mit Twitter versucht nun zum ersten Mal ein größeres soziales Netzwerk, Nutzerïnnen zu überzeugen, regelmäßig zu bezahlen. Bereits vor vier Jahren erwog Twitter eine kostenpflichtige Version von TweetDeck (The Verge), die aber nie umgesetzt wurde. Auch Facebook dachte schon 2012 über ein Abo-Modell nach (The Information) und ließ immer wieder Umfragen durchführen (Bloomberg), ob Menschen bereit wären, für Werbefreiheit Geld zu zahlen.

Welche Funktionen neu sind

Auf seinen Hilfeseiten gibt Twitter eine praktische Übersicht, welche Features Abonnentïnnen auf welchen Geräten (iOS, Android, Web) erhalten. Mit dem Start in den USA sind folgende Funktionen dazugekommen:

Top Articles

  • Das mit Abstand spannendste Feature dürfte vielen bekannt vorkommen. Man kann sich die Links anzeigen lassen, die in den vergangenen 24 Stunden am häufigsten von Accounts geteilt wurden, denen man selbst folgt. Und das ist doch …
  • Nuzzel! Wir stellten den Dienst Anfang des Jahres als Tool-Tipp vor, wenige Monate später schluckte Twitter das Unternehmen Scroll, das zuvor Nuzzel gekauft hatte – und drehte App und Webseite einfach ab.
  • Als wir im Juni über die Testphase von Twitter Blue berichteten (#725), schrieben wir: "Jetzt wünschen wir uns sehnlichst, dass Twitter die Funktionen integriert und meinetwegen auch Geld dafür verlangt. Wir würden sofort zahlen."
  • Unser Wunsch ist wahr geworden, trotzdem sind wir noch nicht ganz zufrieden. Erstens sind die Top Articles weniger individuell anpassbar als Nuzzel, wo man den Zeitrahmen und die Reihenfolge der Sortierung einstellen konnte.
  • Zweitens gibt es keine Möglichkeit, sich bei bestimmten Schwellenwerten Push-Nachrichten schicken zu lassen oder täglich einen Newsletter mit den wichtigsten Links zu erhalten. Man muss Twitter also immer noch öffnen und in der App selbst nachsehen – aus Twitters Perspektive ist das nachvollziehbar, aber Nuzzel war effizienter und komfortabler.
  • Drittens, und das ist der wichtigste Grund, gibt es mittlerweile bessere Alternativen, die in die Marktlücke gestoßen sind, die Nuzzel hinterlassen hat. Eine davon stellen wir am Schluss vor.

Ad-free articles

  • Auch die zweite Neuerung basiert auf der Übernahme von Scroll. Twitter-Blue-Abonnentïnnen können Artikel bestimmter Medien ohne Werbung lesen.
  • Bislang funktioniert das aber nur in der iOS-App und der Webversion, Android soll bald folgen. Außerdem muss man direkt von Twitter aus auf den Text zugreifen und dort auf die Twitter Card (also die automatisch erzeugte Linkvorschau) klicken.
  • Zum Twitter Blue Publisher Network zählen derzeit 46 Verlage, darunter The Atlantic, BuzzFeed News, The Verge, Vox und die Washington Post.
  • Mit den Paywalls der jeweiligen Medien hat Twitter Blue aber nichts zu tun, für kostenpflichtige Inhalte muss man trotzdem bezahlen. Nur die Werbung fällt weg, dafür wird ein Teil der Einnahmen aus dem Abo mit den Verlagen geteilt.

Custom navigation

  • Standardmäßig enthält die Navigationsleiste am unteren Rand der App Icons für Home, Search, Notifications und Messages.
  • Zahlende Abonnentïnnen können die Anzeige verändern und bis zu sechs Icons auswählen. Dazu zählt etwa der direkte Zugriff auf Spaces, Bookmarks, Top Articles oder das eigene Profil.
  • Wir drücken es mal vorsichtig aus: Wenn sich jemand dafür entscheidet, 36 Dollar für Twitter Blue zu zahlen, dann dürfte diese Funktion wohl nur in seltenen Fällen der ausschlaggebende Grund gewesen sein.

Twitter Blue Labs

  • Das Abo richtet sich eindeutig an Poweruser, und die probieren gern neue Dinge aus. Deshalb gewährt Twitter früheren Zugriff auf neue Funktionen.
  • Aktuell sind das die Möglichkeit, bis zu zehn Minuten lange Videos hochzuladen und bestimmte Unterhaltungen in der Nachrichtenzentrale oben anzupinnen.

Welche Funktionen seit Juli enthalten sind

Undo Tweet

  • Der Elefant im Raum: Nein, es ist kein Edit-Button. Twitter hält daran fest, dass sich Tweets nicht nachträglich bearbeiten lassen sollen.
  • Vielmehr baut Twitter eine kurze Bedenkzeit ein. Wer einen Tweet abschickt, startet einen 30-sekündigen Countdown, bevor der Post veröffentlicht wird. In dieser Zeit kann man noch eingreifen.
  • Eine ähnliche Verzögerung bieten viele Mailprogramme. Das hat aber nichts damit zu tun, Nachrichten oder Tweets zurückzuholen – sie werden einfach nur später abgeschickt.

Reader Mode

  • Threads sind super. Kluge Menschen schreiben kluge Dinge, die nicht in 280 Zeichen passen.
  • Threads sind lästig. Wer will schon lange Texte in 27 Portiönchen lesen? (Und warum schreiben diese klugen Menschen nicht einfach Blogeinträge? Oder Newsletter? Es gibt dafür doch so viel schönere Plattformen als Twitter.)
  • Dieses Problem hat auch Twitter erkannt. Der Lesemodus verwandelt Threads in etwas weniger zerstückelte Texteinheiten.
  • Es gibt aber zwei Nachteile. Erstens verschwinden damit auch die Retweet- und Like-Buttons, sodass man mit einzelnen Tweets nicht mehr interagieren kann.
  • Zweitens gibt es bereits die Thread Reader App (Twitter / @threadreaderapp), die genau das macht, wofür Twitter jetzt Geld sehen will. Klar, das ist ein Schritt mehr – aber man muss schon sehr viele Threads lesen, um dafür zu bezahlen.

Bookmark Folders

  • Man muss Tweets nicht liken, um sie für später zu speichern. Man kann sie bookmarken. Wusstest du schon? Stimmt, die Funktion gibt es seit 2018.
  • Uns war das zwar in der Theorie bekannt, genutzt haben wir Bookmarks aber nie. Bei uns landen Tweets in Pinboard und werden von dort aus in unseren Slack-Channel und zu anderen Plattformen weiter verteilt.
  • Offenbar gibt es aber Menschen, denen die Funktion das Leben oder zumindest die Recherche erleichtert. Denen bietet Twitter jetzt die Möglichkeit, gespeicherte Tweets in Unterordnern zu sortieren.

Optische Kosmetik

  • Wer für Twitter Blue bezahlt, erhält ein paar zusätzliche Icons für den Homescreen des iPhones und neue Farboptionen für die App
  • Wir sind mit dem blauen Vogel und dem normalen dunklen Theme recht zufrieden und haben da wenig Bedarf. Als Einmalzahlung wären optische Spielereien noch vermittelbar, aber nicht als Abo.

Warum Twitter mit Abos experimentiert

2020 sagte Jack Dorsey beim Earnings Call (CNN), dass Twitter nach Möglichkeiten suche, sich unabhängiger von den Werbeerlösen zu machen – die bei Twitter im Vergleich zu den anderen Plattformen ohnehin deutlich kleiner ausfallen:

I have a really high bar for when we would ask consumers to pay for aspects of Twitter.(…) We want to make sure any new line of revenue is complementary to our advertising business. We do think there is a world where subscription is complementary, where commerce is complementary, where helping people manage paywalls … we think is complementary.

Bis 2023 soll sich der Umsatz auf 7,5 Milliarden Dollar verdoppeln. Bislang nimmt Twitter rund 4,30 Dollar pro User pro Quartal ein (CNBC). Ein Abo für drei Dollar pro Monat könnte den Umsatz deutlich steigern.

Für soziale Medien haben sich bislang keine Abo-Modelle etabliert, andere Unternehmen sind damit aber seit Jahren erfolgreich. Hunderte Millionen Menschen zahlen monatlich für Streaming-Dienste oder Software, auch die zunehmende Verbreitung digitaler Medien-Abonnements zeigt, dass die angebliche Kostenloskultur im Netz ein Mythos ist.

Selbst Google, der größte Anzeigenverkäufer der Welt, will mittlerweile Abos verkaufen (#684). Seit Anfang Juni verlangt Google nun Geld für Speicherplatz bei Google Fotos (SZ) und versucht, möglichst vielen Menschen ein Google-One-Abo schmackhaft zu machen.

Das liegt auch daran, dass rein werbefinanzierte Geschäftsmodelle unter Druck geraten sind. Verlage spüren diese Entwicklung seit Jahren, nun kommt der Trend auch in der Tech-Branche an. Apple verlangt seit iOS 14.5 die aktive Einwilligung der Nutzerïnnen, bevor Apps ihr Verhalten tracken dürfen. Seitdem hat sich Apples eigenes Geschäft mit mobiler Werbung verdreifacht – während Facebook, Snap, Twitter und YouTube fast zehn Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen eingebüßt haben (beide FT).

Warum wir (noch) skeptisch sind

  • Wir können uns nicht vorstellen, dass in der aktuellen Form ein signifikanter Teil der Twitter-Nutzerïnnen für Twitter Blue bezahlen wird. Die Funktionen bieten nur Powerusern einen Vorteil, die viel Zeit auf Twitter verbringen.
  • Eine werbefreie Version, in der zusätzlich keine Daten gesammelt werden, könnte mehr Menschen ansprechen. Produktchefin Sara Beykpour sagt aber, dass Twitter derzeit nicht daran arbeitet. Wenn das werbefreie YouTube Premium weiter wächst, überlegt es sich Twitter vielleicht doch noch anders.
  • Bislang sind keine Zahlen aus Kanada und Australien bekannt, also können wir nur spekulieren. Weltweit gibt es derzeit gut 200 Millionen Menschen, die Twitter täglich öffnen. Wenn ein Prozent davon für Twitter Blue bezahlt, bringt das rund 70 Millionen Dollar ein – weniger als zwei Prozent des Umsatzes, den Twitter 2020 machte.
  • Um Twitters Geschäftsmodell signifikant zu verändern oder auch nur zu diversifizieren, müssten also Dutzende Millionen Menschen ein Abo abschließen. Wir glauben, dass es dafür mehr Anreize bräuchte.
  • Twitter sagt aber ausdrücklich, dass Twitter Blue aktiv weiterentwickelt wird und künftig weitere Funktionen dazukommen sollen. Die heutige Version ist schon deutlich interessanter als das rudimentäre Portfolio der Testphase. Wenn Twitter Blue einen vergleichbar großen Sprung macht, bis es in Deutschland startet, könnten wir zu First-Adopter-Abonnenten werden.

Wie Twitter Blue besser werden könnte

Als wir im Sommer die erste Version von Twitter Blue analysierten, machten wir mehrere Vorschläge für weitere Funktionen. Dazu zählten unter anderem Early Access und die Integration von Nuzzel, die Twitter nun integriert hat. Die anderen Ideen bleiben aktuell:

  • Ein echter Edit-Button: Ja, wir wissen, dass Jack Dorsey das mehrfach ausgeschlossen hat. Und er hat natürlich recht: Eingebettete oder zitierte Tweets, die sich nachträglich ändern, könnten üble Folgen haben. Aber man könnte Veränderungen ja transparent machen oder eine Archiv- und eine Live-Ansicht einführen, um richtig referenzieren zu können. Und es wäre sooo praktisch.
  • Mobiles TweetDeck: Am Desktop ist TweetDeck unser Go-to-Client. Keine Werbung, mehr Spalten, what's not to love? Fürs Smartphone fehlt aber eine echte Alternative, da Twitter den Entwicklerïnnen den Zugriff auf bestimmte APIs abgedreht hat. Eine App für Poweruser mit besseren Filtern, brauchbarer Suche und Timeline-Sync mit dem Desktop könnte eine Marktlücke füllen.
  • Bessere Listen: Twitter hat der Listenfunktion seit Jahren kaum Beachtung geschenkt. Dabei hätte sie großes Potenzial, wenn sie einfacher zugänglich wäre und besser in das Produkt integriert würde. Für Poweruser, die Twitter gezielt zu Recherche nutzen, wäre das nützlich.
  • Aussagekräftige Analytics: Im Vergleich zu Business-Accounts bei Facebook oder Instagram sind die Insights bei Twitter ausbaufähig. Das ist zugegebenermaßen kein Feature, das uns persönlich fehlt, aber wer seine Reichweite gezielt vergrößern will, dürfte an besseren Auswertungen über neue Follower, Unfollows und die erfolgreichsten Tweets interessiert sein.

Be smart

Als Nuzzel im Mai verschwand, waren wir wirklich traurig. Der Dienst half uns, deutlich weniger Zeit auf Twitter zu verbringen und trotzdem alles Wichtige mitzubekommen. Vielen Menschen, die Twitter beruflich oder sehr aktiv privat nutzen, ging es ähnlich. Mehrere Start-ups erkannten die Chance, dockten an Twitters vergleichsweise offene Schnittstellen an und bauten Produkte, die enttäuschte Nuzzel-Nutzerïnnen glücklich machen sollten.

In den vergangenen Wochen haben wir Newslit, Murmel und TweetShelf ausprobiert. Bei Letzterem sind wir hängengeblieben. Als einziger Dienst bietet es eine Gratis-Version, die fast alle Funktionen von Nuzzel abdeckt. Außerdem gibt es mobile Apps, tägliche Newsletter und praktische Filtermöglichkeiten.

Ein Premium-Account kostet 6 Euro pro Monat (55 Euro bei jährlicher Zahlung). Dann erhält man unter anderem RSS-Feeds, stündliche E-Mail-Benachrichtigungen und zusätzliche Filter. Zudem kann man Listen und weitere Accounts hinzufügen. Wir sind mit der Gratis-Version bislang zufrieden und raten dir, auch Newslit und Murmel anzuschauen, bevor du für TweetShelf bezahlst.


Peak Newsletter? Von wegen!

  • Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie enthält eine interessante Zahl, die erstmals erhoben wurde: 21 Prozent der Befragten lesen mindestens einmal pro Woche Newsletter.
  • Die Studienautorïnnen drücken es so aus: "Der Kommunikationsweg über E-Mail, der schon vor Jahren immer wieder als angestaubt und in die Jahre gekommen bezeichnet wurde, und der Versand von Newslettern bei der privaten Nutzung bergen ein größeres Potenzial, als zu vermuten gewesen wäre."
  • Damit erzählen wir dir nichts Neues, aber es ist schön, das auch noch mal wissenschaftlich bestätigt zu sehen. Newsletter werden nicht den Journalismus retten, aber sie sind ein guter Weg, um mehr Menschen gezielter zu erreichen und ein angenehm abgeschlossenes Leseerlebnis zu bieten.
  • In den USA ist mit The Atlantic das nächste Medium auf den Newsletter-Zug aufgesprungen und lanciert neun kostenpflichtige Newsletter (NiemanLab).
  • Dazu zählt unter anderem Charlie Warzel, auf den wir regelmäßig verlinken. Im Frühjahr verließ er die New York Times und startete mit Galaxy Brain einen eigenen Substack-Newsletter. Nun wechselt er wieder zu einem klassischen Medium.
  • Wir raten allen, die sich auch nur ansatzweise für das Thema interessieren oder selbst darüber nachdenken, einen Newsletter zu starten, Warzels Ankündigung zu lesen (Substack), in der er seine Entscheidung erklärt.
  • Ganz grob zusammengefasst: Mit mehr Geduld und längerem Atem hätte sein Newsletter ein Erfolg werden können, doch im Moment verdient Warzel damit deutlich schlechter als mit seiner früheren Festanstellung.
  • Nachdem im vergangenen Jahr Dutzende Journalistïnnen bei klassischen Medien kündigten (oder gekündigt wurden) und Newsletter starteten, könnte nun eine Gegenbewegung einsetzen. Selbstständig und flexibel arbeiten zu können, ist toll, aber auch verdammt anstrengend – wir können das gut nachfühlen.
  • Trotzdem sind wir überzeugt, dass Newsletter gekommen sind, um zu bleiben – sowohl für einzelne Autorïnnen als auch für Verlage lohnt es sich, E-Mails zu verschicken: "We Haven’t Reached ‘Peak Newsletter.’ Not by a Long Shot." (Politico)

Weitere interessante Artikel


YouTube: Daumen runter für den Dislike-Counter

  • Nach einer längeren Testphase blendet YouTube bei allen Videos die Zahl der Dislikes aus. Das soll helfen, organisierte Dislike-Mobs auf einzelne Creator zu verhindern. Solche Attacken treffen vorwiegend kleinere Kanäle.
  • Der Dislike-Button selbst bleibt sichtbar und kann auch betätigt werden. Creator sehen in Studio (dem YouTube-Backend), wie viele Dislikes sie erhalten haben. Ein Dislike wirkt sich nach wie vor auf künftige Video-Empfehlungen aus und kann eingesetzt werden, um YouTubes Algorithmen beizubringen, für welche Inhalte man sich nicht interessiert.
  • Für viele Nutzerïnnen war das Like-Dislike-Verhältnis ein wichtiges Entscheidungskriterium, ob sie Video anschauen sollen. Manche Creator wie Marques Brownlee kritisieren den Schritt deshalb (Twitter) und fürchten, dass Menschen nun mehr Zeit mit wenig hilfreichen Videos verbringen.
  • Wir glauben trotzdem, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Kommentare wie "I just came here to dislike" dürften deutlich seltener werden: Es ist einfach nicht annähernd so befriedigend, einen gesenkten Daumen zu verteilen, wenn man gar nicht sieht, dass sich etwas verändert.
  • Mit der Entscheidung liegt YouTube auf Linie mit Facebook und Instagram. Beide bieten mittlerweile Möglichkeiten, öffentliche Likes auszublenden. Vanity Metrics verschwinden langsam aus den sozialen Medien – we like!

Video Boom

  • Twitter und ViacomCBS machen gemeinsame Sache: Die beiden Unternehmen haben sich auf eine mehrjährige, globale Zusammenarbeit (Techcrunch) verständigt. Einerseits wird es auf Twitter Inhalte aus dem ViacomCBS-Reich zu sehen geben, andererseits verpflichtet sich der Medienkonzern, Twitter-Watchparties ins Portfolio aufzunehmen. Ob wir auch in Deutschland die MTV Music Awards direkt über Twitter gucken können, ist nicht klar. Sicher ist aber, dass Social-Media-Plattformen immer mehr versuchen werden, mit traditionellen Medienmarken Inhalte-Deals abzuschließen, um relevanten Content ins eigene Angebote zu integrieren.
  • Erstes Date via Zoom: Eine Umfrage der Match-Gruppe (singlesinamerica.com) zeigt, dass Gen Z nicht nur für Schule und Uni auf Zoom & Co zurückgreift, sondern auch immer häufiger erste Dates via Video-Treffen stattfinden. Das Unternehmen hinter Apps wie Tinder, Match.com & OkCupid erklärt, dass das Video-Date für 71 Prozent der Nutzerïnnen ausschlaggebend war, um zu entscheiden, ob sie sich persönlich treffen wollen. Von wegen Zoom-fatigue…
  • Amazon Prime Video ermöglicht das Teilen von Clips auf Social: US-Nutzerïnnen können künftig 30-sekündige Clips von ausgewählten Sendungen (About Amazon) direkt aus der Prime-Video-App heraus auf Instagram, Facebook, Twitter, iMessage, Messenger und WhatsApp teilen. Sollte das den Sendungen mehr Buzz bescheren, könnten andere schnell nachziehen (wollen) – womöglich dann auch nicht nur in den USA.

Creator Economy

  • Verwirrung bei Instagram um Boni für Creator: TikTok marschiert weiter flott voran – 2022 wird die App Berechnungen zufolge (App Annie) 1,5 Milliarden monatliche Nutzerïnnen erreichen. Kein Wunder also, dass andere Plattformen vieles daran setzen, Kreative auf ihre Seite zu ziehen. Bei Instagram gibt es neuerdings Boni für alle, die Reels benutzen. Manche erhalten bis zu 10.000 Dollar für ein Reel (Techcrunch). Wie sich die Boni allerdings genau zusammensetzen, bleibt nebulös. Genau das sorgt für Verwirrung und Ärger bei den Creatorn ($ Business Insider).
  • Patreon will Videos selbst hosten: CEO Jack Conte hat durchblicken lassen, dass das Unternehmen an einem eigenen Video-Produkt arbeitet. Wie das genau aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Die Stoßrichtung dürfte aber klar sein: Patreon will nicht nur Dienstleister für den Verkauf von Abos sein, sondern zum One-Stop-Shop für Creator (The Verge) werden. Der Move ist mit der Integration von Newslettern bei Steady (Steady) vergleichbar – nur dass Video-Hosting sehr viel teurer sein dürfte hinsichtlich der Serverkosten…

Social & Gaming

  • TikTok und Zynga machen gemeinsame Sache: Gaming ist big! Apps wie Subway Surfer und Temple Run 2 werden im kommenden Jahr (App Annie) aller Vorrausicht nach die 1-Milliarde-Download-Marke knacken – eine Benchmark, die bislang nur Social-Apps und Anwendungen wie Spotify und Netflix erreicht haben. Für Social-Media-Plattformen stellen Games somit also eine ernstzunehmende Bedrohung dar, wenn es um die Frage geht, wie Leute ihre Zeit verbringen. Da liegt es auf der Hand, Gaming in die eigenen Angebote zu integrieren. (Wer die News zu Twitter und ViacomCBS gelesen hat, erkennt hier einen Trend…).

Schon einmal im Briefing davon gehört

  • Twitter baut Crypto-Team auf: Blockchain, Crypto und NFT sind nicht so ganz unser Spezialgebiet. Auch hier im Newsletter werden diese Hype-Themen bis dato nur mit recht spitzen Fingern angefasst. Wenn Twitter jetzt allerdings ein eigenes Crypto-Team aufbaut (Techcrunch), ist womöglich der Zeitpunkt gekommen, , sich on Top zu allen anderen Themen auch hiermit stärker zu befassen.

Lesetipps fürs Wochenende

  • Crypto Is Cool. Now Get on the Yacht: Wer jetzt direkt auf den Crypto-Geschmack gekommen ist, könnte sich am Wochenende diesen Text der New York Times anschauen. Kevin Roose berichtet von NFT.NYC – einem Treffen für NFT-Enthusiasten, das einem Einblicke in eine „crypto-filled future“ gewährt.


Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • Mach mal Pause! Insta-Chef Adam Mosseri hat angekündigt (Twitter / @mosseri), dass das Unternehmen mit dem Test einer neuen Funktion namens "Take a Break" (Mach eine Pause) begonnen hat. Das Feature soll Nutzerïnnen, wenn sie sich denn via Opt-in dazu entscheiden, es überhaupt zu nutzen, daran erinnern, nach 10, 20 oder 30 Minuten eine Pause einzulegen. Hintergrund für den Test dürften die Facebook Files sein – allen voran der Bericht über die negative Wirkung von Instagram auf die Psyche von Teenagern (WSJ). Vorbild ist sicherlich die Einführung von Pausen bei TikToks-Schwesterapp in China (Gizmodo).
  • Instagram führt zwei neue TikTok-Features bei Reels ein: Text-to-speech und Sprach-Effekte (Instagram / @Creators) erfreuen sich bei TikTok großer Beliebtheit, da dürfen sie bei Reels natürlich nicht fehlen.

Header-Foto von Andre Benz


ARD/ZDF-Onlinestudie: Scheinriese TikTok, Zombie Facebook, Gigant WhatsApp | Instagram bastelt an Abo-Funktion | Netflix und YouTube möchten mehr wie TikTok sein

ARD/ZDF-Onlinestudie: Scheinriese TikTok, Zombie Facebook, Gigant WhatsApp

Was ist

Im November wird es in Berlin trüb und grau, man holt seine Winterjacke aus dem Keller – und die ARD/ZDF-Onlinestudie erscheint. Nach 2018 (#494), 2019 (#586) und 2020 (#674) fassen wir auch dieses Jahr die zentralen Erkenntnisse zusammen.

Warum das wichtig ist

Neben dem Digital-News-Report des Reuters-Institute (zehn Erkenntnisse aus der aktuellen Veröffentlichung in Ausgabe #730) zählt die ARD/ZDF-Onlinestudie zu den wichtigsten Erhebungen zur Nutzung von (sozialen) Medien in Deutschland. Sie basiert nicht auf Angaben der Plattformen, sondern auf Befragungen unabhängiger Forscherïnnen.

Wie viel Aussagekraft die Ergebnisse haben

Dieses Jahr wurden unterschiedliche Datensätze kombiniert und insgesamt rund 2000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt, der Großteil davon per Telefon-Interview im März und April – also während des zweiten Corona-Lockdowns. Die Grundgesamtheit bildet dabei die deutschsprachige Bevölkerung über 14 Jahren.

Wie bei allen Studien gilt: Gerade für die Ergebnisse einzelner Altersgruppen, bei denen die Stichprobe kleiner ausfällt, sollte man nicht allzu viel auf exakte Prozentzahlen geben. Eine gewisse statistische Ungenauigkeit kann selbst das beste Studiendesign nicht verhindern.

Viele Zahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nur minimal verändert, manche Erkenntnisse sind eher banal: Fast alle Menschen sind online, junge Menschen nutzen Online-Angebote eher als Ältere, das Internet gewinnt an Bedeutung – ach was. Wir konzentrieren uns auf unser Kernthema Social Media und dabei auf Ergebnisse, die uns überrascht haben oder größere Trends erkennen lassen.

Instagram und Facebook

  • Im vergangenen Jahr hatte Instagram erstmals Facebook bei der täglichen Nutzung überholt. Dieser Trend setzt sich fort. 18 Prozent der Befragten öffnen Instagram mindestens einmal pro Tag (+3), bei Facebook sind es 15 Prozent (+1).
  • Bei der wöchentlichen Nutzung liegt Facebook knapp vorn (28% zu 26%), allerdings wächst Instagram deutlich schneller. Männer nutzen eher Facebook, Frauen neigen zu Instagram.
  • Die Nutzung hängt stark vom Alter ab. 73 Prozent der 14-19-Jährigen öffnen Instagram mindestens einmal pro Woche, gerade mal ein Drittel hängt auf Facebook ab. In der Altersgruppe der 30-49-Jährigen dreht sich das Verhältnis um: 41 Prozent verbringen wöchentlich Zeit auf Facebook, aber nur ein Viertel öffnet Instagram. Mit zunehmenden Alter setzt sich der Trend fort.
  • Zusammengefasst: Instagram ist das mit großem Abstand wichtigste Netzwerk für Unter-30-Jährige, Facebook bleibt die Plattform, um Boomer und Seniorïnnen zu erreichen – und wird das, allen düsteren Vorhersagen zum Trotz, wohl auch noch einige Jahre lang bleiben. Wir können uns schlecht vorstellen, dass Über-50-Jährige in absehbarer Zeit anfangen werden, massenhaft zu Instagram überzulaufen.

Snapchat

  • Bei allem Hype um TikTok konnte man fast vergessen, dass Snapchat auch 2021 noch existiert – und wie: 33 Prozent der 14-29-Jährigen öffnen Snapchat täglich, 44 Prozent nutzen die App mindestens einmal pro Woche.
  • In allen anderen Altersgruppen existiert Snapchat dagegen so gut wie überhaupt nicht. Zwei Prozent der 30-49-Jährigen öffnen die App einmal pro Woche, noch ältere Menschen sind dort gar nicht vertreten (jedenfalls nicht statistisch nachweisbar). Über alle Altersgruppen hinweg kommt Snapchat auf zehn Prozent wöchentliche Nutzung.

TikTok

  • Damit ist Snapchat immer noch etwas weiter verbreitet als TikTok, das neun Prozent der Befragten einmal pro Woche öffnen. Bei den 14-29-Jährigen ist es knapp ein Drittel.
  • Diese Zahlen weichen stark von TikTok eigenen Erhebungen ab. Als wir kürzlich mit Tobias Henning, Deutschlandchef von TikTok, sprachen, sagte er, TikTok sei auch bei älteren Menschen viel weiter verbreitet als angenommen (Details folgen in den kommenden Wochen).
  • Glaubt man der ARD/ZDF-Onlinestudie, ist TikTok dagegen immer noch eine Plattform, die fast ausschließlich für Unter-30-Jährige Bedeutung hat. Gerade mal zwei Prozent der 30-49-Jährigen nutzen TikTok demnach mindestens einmal pro Tag.
  • Die deutlichen Unterschiede könnten sich durch die unterschiedlichen Erhebungsformen erklären. Wir wissen nicht, wie TikTok seine Daten sammelt, vermutlich werden aber keine repräsentativen telefonischen Befragungen durchgeführt. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen den beiden Angaben.

Twitter

  • Uns verbindet beide eine Hassliebe mit Twitter: Oft nervt es, trotzdem ist es von allen Netzwerken das Wichtigste für uns. Damit sind wir aber in der Minderheit. Im Vergleich zum Vorjahr büßt Twitter bei der wöchentlichen Nutzung einen Prozentpunkt ein und kommt nur noch auf vier Prozent.
  • Nur jeder 25. öffnet die App einmal pro Woche – so viel zur Relevanz von "So lacht das Netz"-Artikeln. Es ist und bleibt einfach eine krasse Bubble.

LinkedIn und Xing

  • Unsere anekdotische Evidenz im Freundes- und Bekanntenkreis hätte gesagt, dass LinkedIn an Bedeutung gewinnt. So kann man sich täuschen: ein Prozent tägliche Nutzung, drei Prozent wöchentliche Nutzung, noch weniger als im Vorjahr. Xing entwickelt sich auf den Prozentpunkt genau im Gleichschritt und erreicht ebenfalls nur eine Nische.

Twitch

  • Twitch zählt dagegen zu den Pandemie-Gewinnern, die wöchentliche Nutzung steigt von drei auf fünf Prozent. Wenig überraschend ist die Streaming-Plattform sehr jung und sehr männlich geprägt. Jeder fünfte Befragte zwischen 14 und 29 Jahren verbringt einmal pro Woche Zeit auf Twitch. Über alle Altersgruppen hinweg erreicht Twitch acht Prozent der Männer – und nur ein Prozent der Frauen.

Pinterest

  • Erstmals wurden Zahlen für Pinterest erhoben. Mit sieben Prozent wöchentlicher Nutzung ist die Plattform ungefähr doppelt so groß wie Twitter, Xing und LinkedIn.

Clubhouse

  • Die ARD/ZDF-Onlinestudie bestätigt, was viele ahnten: Clubhouse ist mausetot. 0 Prozent tägliche Nutzung, 0 Prozent wöchentliche Nutzung. Wir fragen uns, ob wir nur die einst gehypte App beerdigen müssen – oder das ganze Thema Social Audio gleich mit, das Anfang des Jahres noch als nächstes großes Ding galt. Damit werden wir uns bei Gelegenheit noch mal ausführlicher beschäftigen.

YouTube

  • Für YouTube weist die Studie leider keine separaten Zahlen im Vergleich zu den anderen Social-Media-Diensten aus, sondern behandelt Plattform wie eine reine Videoplattform. Aus öffentlich-rechtlicher Sicht mag der Fokus auf Mediatheken verständlich sein, aus unserer Sicht müsste YouTube eigentlich bei den sozialen Netzwerken auftauchen.

WhatsApp

  • WhatsApp ist und bleibt der Kommunikationskanal der Wahl: 70 Prozent der Befragten nutzen WhatsApp täglich, acht von zehn Befragten schreiben oder lesen mindestens eine Nachricht pro Woche.
  • Vor allem bei der Generation U30 gibt es fast keine Menschen mehr, die man nicht über WhatsApp erreicht. 95 Prozent der jüngeren Menschen öffnen die App einmal pro Woche.
  • Auch für Seniorïnnen gewinnt WhatsApp zunehmend an Bedeutung. 53 Prozent der Befragten über 70 schreiben wöchentlich, 39 Prozent chatten jeden Tag. Facebook und Instagram kommen in dieser Altersgruppe nur auf einen Bruchteil.

Telegram, Signal und iMessage

  • Zum ersten Mal wurden auch andere Messenger abgefragt.
  • Zusammengefasst kann man sagen: WhatsApp muss sich wenig Sorgen machen, der Vorsprung dürfte uneinholbar groß sein.
  • Telegram (8% wöchentliche Nutzung), Signal (6%) und Threema (3%) sind bislang keine echte Konkurrenz. Wenn überhaupt, dann ergänzen sie WhatsApp, ersetzen die App aber nicht.
  • Leider wurden keine Zahlen für iMessage erhoben. "Sonstige Messenger" kommen nämlich auf insgesamt elf Prozent wöchentliche Nutzung, in der Altersgruppe U30 sogar auf 26 Prozent. Wir vermuten, dass dahinter in erster Linie Apple steckt.

Dig deeper


Creator Economy

  • Twitter Blue startet in den USA: Nachdem Twitter seinen neuen Bezahldienst vorab in Kanada und Neuseeland getestet hat, ist Twitter Blue nun auch in den USA verfügbar. Wann europäische Nutzerïnnen Twitter Blue nutzen können, ist noch nicht absehbar. Ob man dafür überhaupt Geld ausgeben möchte, dass man Tweets in einem Zeitraum von 30 Sekunden noch einmal bearbeiten, in Ordnern organisieren, Threads besser lesen und die Twitter-Experience etwas personalisieren kann, bleibt fraglich. Wir werden uns das in einer der kommenden Ausgaben noch einmal genauer anschauen.
  • Facebook Fan Subscription: Das Unternehmen (hinter Facebook, LOL) kündigt an, dass Creator, die auf Facebook Merchandise oder ähnliches verkaufen, künftig ein dafür gesondertes Checkout-System nutzen können (The Information). So lässt sich Apples 30-Prozent-Cut umgehen und Facebook selbst kann sich von seiner generösen Seite zeigen – vorerst verzichtet das Unternehmen auf eine Beteiligung an den erzielten Einnahmen. Zudem können Creator, die Facebooks neues Newsletter-Tool Bulletin nutzen, ihre gesammelten E-Mail-Adressen „behalten“ und an anderer Stelle nutzen.
  • Instagram arbeitet an Abo-Funktionen: Es sieht ganz danach aus, als würde bei Instagram demnächst tatsächlich eine Abo-Funktion eingeführt (Techcrunch). Insta-Boss Mosseri hatte darüber ja bereits hier und da laut nachgedacht in den vergangenen Monaten. Über eine solche Abo-Funktion könnten Creator z.B. exklusive Inhalte anbieten. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Grundsätzlich haben wir den Eindruck, dass sich Instagram hier in einer guten Position befindet, um mit derartigen Creator-Abos zusätzliches Geld umzusetzen – und Creator somit etwas unabhängiger von Werbedeals werden könnten.

Video Boom

  • Netflix macht einen auf TikTok und testet die Akzeptanz von kurzen Clips für Kids (Bloomberg).
  • TikTok gibt es jetzt auch auf dem Fernseher – aber ist das dann überhaupt noch TikTok? Ein lesenswertes Thinkpiece vom Wall Street Journal, dessen Grundskepsis wir uns anschließen können. Während YouTube auf dem Fernseher ohne Wenn und Aber funktioniert, fühlt sich TikTok auf dem Fernseher bis dato nach einer schlechten Kopie des Originals an.

Audio b̶̶o̶̶o̶̶m̶


Neue Features bei den Plattformen

Instagram

Twitter

  • Tweets besser finden: Twitter führt eine neue Profil-spezifische Suchfunktion (The Verge) ein. So lässt sich künftig auf der Profilseite einer Nutzerïn leichter nach einem Tweet suchen.

WhatsApp

  • Community FTW: Es sieht danach aus, dass WhatsApp an einer Art Community-Feature (The Verge) arbeitet. Genaueres weiß man noch nicht. Klingt aber ganz interessant…

Facebook

  • Neue Gruppen-Funktionen: Facebook baut die Funktionen bei seinem Gruppen-Feature weiter aus (Techcrunch). Künftig können Gruppen stärker personalisiert und Unter-Gruppen eingeführt werden. Zudem gibt es ein paar neue Tools, über die sich Geld verdienen lässt.

Threema

  • Threema für Desktop: Threema hat jetzt auch eine Desktop-Variante (Threema). Wer hätte das nach all den Jahren noch für möglich gehalten?!

YouTube

  • Mehr TikTok wagen: YouTube testet (Techcrunch) derzeit, wie es bei Nutzerïnnen ankommt, wenn die mobile App direkt mit YouTubes TikTok-Rivalen Shorts öffnet anstatt mit dem gewohnten YouTube-Feed.

Header-Foto von Jack Finnigan


Facebook schaltet Gesichtserkennung ab – oder doch nicht? | TikTok, Tourette und Tics: Es ist kompliziert | Link-Sticker für alle

Facebook schaltet Gesichtserkennung ab – oder doch nicht?

Was ist

  • Der erste Satz des Blogeintrags im Meta-Newsroom klingt eindeutig: "In the coming weeks, Meta will shut down the Face Recognition system on Facebook as part of a company-wide move to limit the use of facial recognition in our products." Das schreibt Jerome Pesenti, bei Meta für AI zuständig.
  • Die meisten Medien übernahmen dieses Framing, wohl auch weil Nachrichtenagenturen dem Thema am Dienstagabend einen entsprechenden Spin mitgaben. Inhaltlich ist das sachlich auch gar nicht falsch: Tatsächlich stoppt Facebook nach elf Jahren die automatisierte Gesichtserkennung auf der Plattform. Zudem werden rückwirkend mehr als eine Milliarde Datensätze gelöscht.

Nur ein PR-Stunt?

  • Trotzdem hat Sebastian Meineck einen Punkt, wenn er unter dem Titel "Facebook arbeitet weiter an Gesichtserkennung" bei Netzpolitik kommentiert: "Jetzt ist Meta ein PR-Stunt gelungen, und fast alle Nachrichtenmedien machen mit."
  • Denn Facebook verabschiedet sich nicht komplett von der Technologie und will für bestimmte Szenarien daran festhalten, etwa beim lokalen Einsatz auf einem Smartphone oder anderen Geräten. Der Algorithmus namens DeepFace soll weiterentwickelt werden.

Definitiv ein Symbolträchtiger Schritt

  • Trotzdem sind wir nicht ganz so kritisch wie Sebastian und halten es tatsächlich für einen überfälligen, wichtigen und symbolträchtigen Schritt. "This change will represent one of the largest shifts in facial recognition usage in the technology’s history", schreibt Meta, und das stimmt.

Warum das wichtig ist

Be smart

  • Man kann Facebook dafür kritisieren, Jahre zu spät und erst auf massiven öffentlichen und regulatorischen Druck hin gehandelt zu haben. Mit Sicherheit spielte auch ein Verfahren in Illinois eine Rolle, das mit einer Vergleichszahlung von 650 Millionen Dollar endete. Facebook soll die automatische Tagging-Funktion ohne Einverständnis der Nutzerïnnen aktiviert haben.
  • Dennoch bleibt am Ende stehen: Nach Amazon, Microsoft und IBM setzt auch Facebook ein wichtiges Zeichen. Das lobt auch Adam Schwartz (EFF), Anwalt der Electronic Frontier Foundation, die nun wirklich nicht dafür bekannt ist, mit Facebook zu kuscheln: "Facebook getting out of the face recognition business is a pivotal moment in the growing national discomfort with this technology."
  • Eine wichtige Einschränkung gibt es aber, auf die Rebecca Heilweil aufmerksam macht (Recode):

While Meta says that facial recognition isn’t a feature on Instagram and its Portal devices, the company’s new commitment doesn’t apply to its metaverse products, Meta spokesperson Jason Grosse told Recode. In fact, Meta is already exploring ways to incorporate biometrics into its emerging metaverse business, which aims to build a virtual, internet-based simulation where people can interact as avatars. Meta is also keeping DeepFace, the sophisticated algorithm that powers its photo-tagging facial recognition feature.


TikTok, Tourette und Tics: Es ist kompliziert

Was ist

  • Seit einigen Wochen wird aufgeregt über einen Artikel des WSJ diskutiert, der einen Zusammenhang zwischen TikTok-Videos über das Tourette-Syndrom und der Zunahme von Tics bei Mädchen nahelegte.
  • Der Text selbst ist differenzierter als die Überschrift ("Teen Girls Are Developing Tics. Doctors Say TikTok Could Be a Factor"), unter anderem findet sich darin diese Aussage eines Psychiaters: "There are some kids who watch social media and develop tics and some who don’t have any access to social media and develop tics. I think there are a lot of contributing factors, including anxiety, depression and stress."
  • Trotzdem folgten viele reißerische Schlagzeilen, auch deutsche Medien stellten ohne große Recherche nicht nur eine Korrelation, sondern gleich eine Kausalität her.

Es ist komplex

  • Wir kennen uns nicht mit dem Tourette-Syndrom aus, haben die Studien zu diesem Thema nur oberflächlich gelesen und behaupten garantiert nicht, die endgültige Wahrheit zu kennen. Aber wir werden immer misstrauisch, wenn soziale Medien allzu schnell als alleinige Erklärung für ein bestimmtes Phänomen herhalten müssen.

Be smart

  • Da uns dieses Thema mittlerweile mehrfach begegnet ist, verweisen wir an dieser Stelle auf die Faktenchecker von Snopes, die viele Hintergrundinformationen liefern und medizinische Begriffe erklären.
  • Außerdem empfehlen wir die ausführliche Analyse von Matthias Kreienbrink (Spiegel), der zwar auch kein abschließendes Urteil fällt, aber mit dem ermutigenden Zitat einer Psychiaterin endet: "Das Phänomen wird wieder abflauen – und hoffentlich schneller, wenn darüber in der Öffentlichkeit und nicht nur in Fachkreisen berichtet wird."

Presseprivileg auf Plattformen: Gut gemeint, aber bitte nicht

Was ist

  • Viele Verlage wollen im geplanten Digital Services Act der EU eine Ausnahme für Medien verankert sehen. Plattformen wie Facebook, YouTube und TikTok sollen journalistische Inhalte nur dann löschen oder drosseln dürfen, wenn sie eindeutig gegen Gesetze verstoßen.

Was war

  • Das klingt erst mal nachvollziehbar: In der Vergangenheit wurden immer wieder fälschlicherweise legitime Inhalte gesperrt oder ganze Apps verbannt.
  • Etwa das berühmte Foto des "Napalm Girl" (SZ), das die norwegische Zeitung Aftenposten auf Facebook teilte, oder die App der Titanic, die wegen angeblicher Pornografie und Blasphemie zwischenzeitlich aus dem Google Play Store geworfen wurde.

Yes but:

  • Doch leider ist es nicht so einfach, wie Alexander Fanta deutlich macht (Netzpolitik). Er verweist auf die unserer Meinung nach berechtigten Einwände von Organisationen und Expertïnnen, die sich mit Desinformation beschäftigen.

Be smart

  • Das Problem: Die zugrundeliegende Definition für Presseverlage und audiovisuelle Mediendienste ist vage, und es ist unklar, wer am Ende alles dazu zählte. Das könnte dazu führen, dass zweifelhafte Akteure weitgehende Immunität genießen, weil Plattform nicht eingreifen dürfen.
  • Unter anderem warnt Julian Jaursch von der Stiftung Neue Verantwortung: "Es geht hier also um die Balance zwischen dem völlig berechtigten Hinweis, dass Plattformen nicht alles alleine entscheiden und durchsetzen können sollen, und der Gefahr, dass diese gute Absicht dadurch zunichtegemacht wird, dass am Ende ein Freifahrtschein für jegliche 'Medien' dabei rauskommt."
  • Auch die EU-Kommission sieht "potenziell negative Folgen für die Arbeit gegen Desinformation", und Věra Jourová, Vizepräsidentin der EU-Kommission, sagt gar (Euractiv): "Für mich ist das eine Kiste guter Absichten, die direkt in die Hölle führt."

Metaverse-Boom


Follow the money

  • Zoom testet Werbung: Du bist das Produkt! Was für die kostenlosen Social-Media-Anwendungen gilt, könnte demnächst auch bei Zoom gelten: Zoom is testing showing ads to free users (The Verge)
  • Hier kommt Pinterest TV: Mit Live und „shoppable creator shows“ wagt Pinterest erste Schritte in Sachen Live-Shopping. Ab dem 8. November sollen in den USA täglich neue Shows in der App ausgestrahlt werden. Das Unternehmen frohlockt mit einigen bekannten Pinterest-Nutzerïnnen und reichlich Rabatten.
  • Live Shopping wirkt: Dass Tele- bzw. Live-Shopping in Social-Media-Apps funktioniert, zeigt der erste Tag des jährlichen Shopping Festivals der Alibaba-Gruppe in China. Dort hat es ein Influencer geschafft, für Vorbestellungen im Wert von 2 Milliarden Dollar an einem Tag (BNN Bloomberg) zu sorgen. Aber wer könnte Lipstick Brother auch widerstehen…
  • Walmart will es wissen: Ist ja nur logisch, dass Traditionsunternehmen wie Walmart nun ebenfalls prüfen, was mit Live-Social-Shopping möglich ist: Walmart partners with livestream platform Buywith on influencer shopping (Glossy)

Creator Economy

  • Super Follows jetzt für alle verfügbar: Bislang kann zwar weiterhin nur ein ausgewählter Kreis an Twitter-Nutzerïnnen die Super-Follow-Funktionen freischalten. Aber immerhin können jetzt alle Nutzerïnnen Super-Follower werden (The Verge). Was es mit den Super Follows auf sich hat, haben wir u.a. in Ausgabe #706 beschrieben.
  • Spotify will mehr Interaktivität: Bislang war die Spotify-Nutzung ja eine ziemlich einseitige Angelegenheit: Künstlerïnnen stellen ihre Musik / Podcasts zur Verfügung, Nutzerïnnen lauschen andächtig. Eigentlich richtig old school. Das soll sich nun ändern: Spotify plant interaktive Features wie Video, Umfragen, Live-Social-Audio-Events und Q&A-Funktionen (Axios). Wirklich spannend, wie immer mehr Unternehmen, die nicht von Haus aus eine Social-Media-App sind, „Social“ integrieren. Wir werden davon 2022 noch sehr viel mehr sehen.
  • TikTok testet Tipping-Funktionalitäten: Derzeit können nur Personen mit 100.000 oder mehr Followern am Test teilnehmen. Bei Live-Streams akzeptiert das Unternehmen finanzielle Zuwendungen ja schon länger. TikTok is testing a new direct tipping feature with select creators (Techcrunch)

Video / Audio Boom


Schon einmal im Briefing davon gehört

  • Facebook-Boycott vom 10. bis 13. November: Mit Blick auf das geringe Interesse regulärer Nutzerïnnen dürfte der für die USA geplante Facebook-Boycott, der unter dem Namen thefacebooklogout firmiert, daher auch nicht auf all zu großes Echo stoßen (USA Today).
  • Snap feiert 100 Millionen Nutzerïnnen in Indien: Für Snapchat ist Indien ja schon länger der wichtigste Markt hinter den USA. Nun feiert das Unternehmen dort 100 Millionen Nutzerïnnen (Economic Times). Ein Grund für die große Popularität von Snapchat in Indien dürfte das dortige TikTok-Verbot (Nikkei Asia) sein.
  • Netflix macht jetzt auch Gaming: Der Videostreaming-Dienst steigt ins Gaming-Geschäft ein (Netflix Newsroom). Zum Start gibt es fünf Spiele für Google Android – unter anderem Stranger Things: 1984 und Stranger Things 3: The Game.

Neue Features bei den Plattformen

Instagram

Facebook

Linkedin


Header-Foto von Osman Rana


Facebook heißt jetzt Meta: Fünf Fragen zu Facebooks Metamorphose

Fünf Fragen zu Facebooks Metamorphose

Was ist

Facebook heißt jetzt Meta, aus dem Big-Tech-Akronym FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) wird MANGA. Die Nachricht ist vom Donnerstagabend, in Internetzeitrechnung also ungefähr drei Monate alt. Alle guten und schlechten Witze wurden gemacht, jede Interpretation mindestens einmal niedergeschrieben. Trotzdem können wir das Thema nicht ignorieren, nur weil es zeitlich nicht ganz in unseren Veröffentlichungsrhythmus passt.

Seit Mark Zuckerberg seine Vision für das Metaverse präsentiert hat, haben wir viel gelesen, mit Kollegïnnen gesprochen und nachgedacht. Trotzdem wissen wir selbst noch nicht so ganz, was wir davon halten sollen. Deshalb haben wir uns für ein ungewohntes Format entschieden: Wir sammeln alle Fragen, die wir uns stellen – und versuchen, sie bestmöglich zu beantworten.

Will Zuckerberg von den Facebook Files ablenken?

  • Die naheliegende Interpretation: Zuckerberg möchte mit der Flucht in die Zukunft die Gegenwart vergessen machen. Wer den Herbst nicht winterschlafend unter einem Stein verbracht hat, dürfte mitbekommen haben, dass es für Facebook gerade nicht ganz so gut läuft.
  • Diese Unterstellung sei "lächerlich", sagt Zuckerberg selbst. (The Verge). Er hat recht: Kein Konzern trifft eine so grundlegende Entscheidung in so kurzer Zeit. Die Entscheidung muss gefallen sein, bevor das Wall Street Journal den ersten Aufschlag der Facebook Files veröffentlichte.

Hat die Entscheidung gar nichts mit Facebooks Krise zu tun?

  • Zuckerbergs Aussage trifft nur zu, wenn man sie ausschließlich auf die Facebook Files bezieht. Der neue Name ist keine Reaktion auf die Ereignisse der vergangenen Monate, sehr wohl aber auf die der vergangenen Jahre.
  • In diesem Zeitraum sind zwei Dinge geschehen: Zum einen ist Facebook, die blaue App, uncool geworden, Teenager und junge Erwachsene laufen davon oder melden sich gar nicht mehr an. Zum anderen ist Facebook, die Marke, toxisch geworden, viele Menschen verbinden mit dem Namen negative Schlagzeilen.
  • Wäre Facebook nach wie vor die Go-To-App der Gen Z, hätte Zuckerberg wohl nicht nach einem neuen Namen gesucht. Doch Facebook ist nicht die Zukunft von Facebook Inc., auch wenn Zuckerberg angekündigt hat, die Plattform verjüngen zu wollen.
  • Facebooks Image aufzupolieren, ist eine ähnliche Mammutaufgabe. Uns ist kein Beispiel bekannt, bei dem es einem ähnlich großen Konzern gelungen ist, sein Kernprodukt komplett neu zu branden. Angestellte sprachen intern gar von einer "brand tax" (CNBC): Die Marke Facebook wirke sich negativ auf alle anderen Produkte wie Instagram, WhatsApp, Portal und Oculus aus.
  • Zuckerberg und Meta-Technikchef Andrew Bosworth beteuern beide in mehreren Interviews, die Entscheidung habe rein gar nichts mit Vergangenheit und Gegenwart zu tun, sie richte sich ausschließlich auf die Zukunft. Das halten wir für wenig überzeugend.

Welche Ziele verfolgt Meta mit dem neuen Namen?

  • Fokus auf die Zukunft: Mehr als 10.000 Menschen arbeiten bereits jetzt bei Meta im AR/VR-Bereich, in der Reality-Labs-Sparte sollen 10.000 weitere Jobs in Europa entstehen. Allein in diesem Jahr investiert Facebook zehn Milliarden Dollar in Technologie und Produkte, die das Gerüst für das Metaverse bilden soll. Das ist kein Ablenkungsmanöver, Zuckerberg glaubt wirklich daran. Meta passt als Dachmarke besser dazu als Facebook.
  • Rekrutierung von Entwicklerïnnen: Dokumente der Facebook Files zeigen erneut, dass Facebook seit mehreren Jahren ernsthafte Probleme hat, talentierte Angestellte zu finden. Politik und Nutzerïnnen misstrauen Facebook, das schlägt sich auch auf die Stimmung im Silicon Valley nieder. Wenn es Zuckerberg gelingt, den Konzern nicht nur dem Namen nach aufs Metaverse auszurichten, könnte das junge Entwicklerïnnen anziehen, die sich für dieses Thema begeistern.
  • Beruhigung von Investoren: Facebook und Instagram sind nach wie vor Cashcows, aber der langfristige Ausblick wurde zunehmend ungemütlich. Drohende Regulierung, Konkurrenz durch TikTok, Abwanderung von Teenagern, Apple Anti-Tracking-Maßnahmen – all das kommt bei Kapitalgeberïnnen nicht gut an. Jetzt gibt es eine neue Vision, in die Menschen ihr Geld investieren können.
  • Klarheit für Nutzerïnnen: Man kann sich darüber lustig machen, dass auch neun bzw. sieben Jahre nach den Übernahmen noch in fast jedem Artikel stand: "WhatsApp/Instagram, das zum Facebook-Konzern gehört". Leider war es nötig. Viele Menschen kennen den Zusammenhang bis heute nicht oder vergessen immer wieder, dass ein Konzern, der eine gleichnamige App betreibt, andere Plattformen besitzt. Bei Google/Alphabet war das kein großes Problem, weil es wenige Produkte gibt, die sich in die Quere kommen können. Bei Facebook war es ein ständiger Quell der Verwirrung – das ist jetzt klarer.
  • Unabhängigkeit von Apple und Google: Seit Nutzerïnnen zustimmen müssen, bevor Entwicklerïnnen sie auf iOS-Geräten tracken dürfen, hat sich Apples Geschäft mit mobiler Werbung verdreifacht – und Facebook, Snap, Twitter sowie YouTube haben fast zehn Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen eingebüßt (beide FT). Anders ausgedrückt: Am Ende sind auch Facebook und Instagram nur Apps, die sich nach den Spielregeln von Apple und Google richten müssen. Facebook hat es verpasst, ein eigenes mobiles Betriebssystem zu etablieren und ist abhängig, solange Smartphones die dominierenden Endgeräte sind. Im Metaverse werden die Karten neu gemischt.

Ändert sich irgendwas, weil Facebook jetzt Meta heißt?

  • "Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix", warb der Lebensmittelkonzern Mars vor genau 30 Jahren. Das gilt bislang auch für Meta: Für den Moment hat Facebook nur seine Fassade übertüncht.
  • Das bedeutet: Alle Risiken und Nebenwirkungen, die Facebook noch am Donnerstag hatte, bringt Meta ebenfalls mit sich. Und das sind eine ganze Menge.
  • Wir haben den Eindruck, dass Facebook den Slogan von Mars abgewandelt hat: "Facebook heißt jetzt Meta – Verantwortung kommt später."
  • Dazu tragen die Interviews bei, die Zuckerberg rundum das Rebranding gegeben hat. Im Gespräch mit Alex Heath (The Verge) nutzt er siebenmal das Wort "aufregend", einer Frage von Ben Thompson nach Metas Verantwortung (Stratechery) für die physikalische Welt weicht er auf unbefriedigende Art aus, und natürlich habe er nie über einen Rückzug nachgedacht (The Information), sondern wolle weiter im Tagesgeschäft aktiv sein.
  • Das ist keine gute Kombination: Zuckerberg interessiert sich seit jeher mehr für die Zukunft als die Gegenwart und überlässt es lieber anderen, mit den lästigen Niederungen fertig zu werden, die eine globale Kommunikationsplattform eben so mit sich bringt. Wenn er seine Aufmerksamkeit nun noch mehr auf seine ach so aufregende Vision konzentriert, gleichzeitig aber über seine Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht Alleinherrscher bleibt, könnte der Schaden, den Facebook in der Welt anrichtet, weiter wachsen.
  • "Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu verdienen", schrieb Zuckerberg vor neun Jahren. "Wie verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln." In seinem aktuellen Founder's Letter wiederholte er diese Aussage und fügte hinzu: "Die vergangenen fünf Jahre haben mich und unser Unternehmen in vielerlei Hinsicht Demut gelehrt."
  • Von beiden Behauptungen war bislang wenig zu sehen. Soziale Netzwerke spiegeln nicht nur die Menschheit wider, wie Zuckerberg selbst gern sagt, sie verstärken die Schattenseiten. Globale Vernetzung birgt Chancen, aber Facebook hat bislang nicht gezeigt, dass es in der Lage wäre, die Schattenseiten in den Griff zu bekommen.
  • Wenn der Konzern jetzt schon damit überfordert ist, seine Plattformen zu zivilisieren, wie wird es dort erst aussehen, wenn das Metaverse wichtiger wird als Social Media? Milliardäre wollen mit Kryptowährungen das Geldsystem ersetzen, bauen nutzlose Blockchains, fliegen ins Weltall und träumen vom virtuellen Welten – dabei gäbe es genug reale Probleme, die sie mit ihrem Geld und ihrer Macht angehen könnten.

Was bitteschön ist das Metaverse genau?

  • Wir haben lange Essays und neunteilige Primer (beide Matthew Ball) gelesen, die im Silicon Valley gefeiert werden. Wir haben kluge Menschen wie Ethan Zuckerman (Atlantic) gesehen, die das Metaverse als Dystopie bezeichnen, haben erfahren, dass es das Metaverse längst gibt (WaPo) oder dass es aus etlichen Gründen "Bullshit" sei (PC Gamer – der Artikel ist besser argumentiert als seine Überschrift vermuten lässt und hat auch kaum etwas mit Games zu tun).
  • Das Problem: Wir wissen jetzt immer noch nicht, was wir davon halten sollen. Wenn überhaupt, dann sind wir noch verwirrter als zuvor. Ständig fallen Buzzwords wie NFTs, Krypto-Gläubige sehen den endgültigen Durchbruch gekommen, andere warnen vor dem größten Hype der Tech-Geschichte.
  • Ehrlich gesagt glauben wir auch nicht, dass irgendjemand derzeit genau weiß, wie das Metaverse in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Wenn Zuckerberg davon spricht, ist alles unglaublich nebulös (Riffreporter). Auch die Connect-Konferenz war nicht mehr als eine Ansammlung klinisch gerenderter Videos mit hölzern schauspielernden Top-Managern und mittelprächtigen Witzen, mehr ferne Vision als nahe Zukunft.
  • Zumindest bei einer Sache sind wir uns aber sicher: Menschen werden nicht aufhören, sich zu bedrohen und zu beleidigen, Verschwörungserzählungen zu verbreiten und Terroranschläge zu planen, nur weil sie eine komische Brille auf der Nase haben.
  • Alle Probleme, die wir jetzt schon mit Social Media haben, werden sich im Metaverse fortsetzen, womöglich sogar potenziert. Wir haben die Demo nicht als "wahnhaften Fiebertraum" wahrgenommen wie Jason Koebler, aber wir müssen diese Überschrift einmal erwähnen: "Zuckerberg Announces Fantasy World Where Facebook Is Not a Horrible Company" (Vice)
  • In unseren eigenen Worten: Ist es eine gute Idee, wenn der Mann, der maßgeblich dazu beigetragen hat, das freie und offene Netz in eine Handvoll hyperkommerzieller Ökosysteme zu verwandeln, nun auch noch das Metaverse prägt?
  • Zuckerberg spricht zwar brav bei jeder Gelegenheit von Offenheit und Interoperabilität, erwähnt Privatsphäre und Sicherheit als Eckpfeiler des Metaverse (Facebook Newsroom). Aber ganz ehrlich: Vertrauen muss man sich verdienen, und das hat Facebook nun wirklich nicht getan.
  • Zumindest vor drei Jahren klang das noch ganz anders. "Das erste Metaverse, das wirklich an Fahrt gewinnt, wird wahrscheinlich das letzte sein", schrieb der damalige Oculus-Manager Jason Rubin, heute bei Meta für Metaverse-Inhalte verantwortlich, in einem 50-seitigen Strategiepapier (CNBC). "Wir müssen als Erste handeln und groß werden, oder wir riskieren, abgehängt zu werden."
  • Zwischenüberschriften wie "The Metaverse is ours to lose" klingen jedenfalls nicht nach friedlicher Koexistenz, sondern nach dem altbekannten Machtanspruch. Wir erinnern uns: Zuckerberg ist großer Caesar-Fan und beendete Meetings früher mit dem Ausruf: "Domination!"
  • Deshalb verspüren wir eher Beunruhigung, wenn wir uns ein Metaverse vorstellen, das in erster Linie nach Metas Vorstellungen funktioniert. Wir sparen uns Witze über Metadaten, der potenziell dystopische Charakter eines immersiven Überwachungskapitalismus mit dreidimensionaler Werbung dürfte sich von selbst erklären.
  • Nur einen Fehler sollte man nicht machen: Glauben, dass eine Mischung aus Skepsis, Kulturpessimismus und begründetem Misstrauen eine Entwicklung aufhalten wird, auf die neben Facebook gerade auch Unternehmen wie Apple, Microsoft, Snap, Roblox und Epic Games jede Menge Kapital setzen.
  • Wir teilen den Tech-Optimismus von Marcel Wichmann nur eingeschränkt, stimmen aber seinem Fazit zu (Substack):

Man kann von Zuckerberg, Social Media und Meta halten, was man will. Man kann sich über den Namen Metaverse lustig machen, sogar hochnäsig erwähnen, dass man das Buch kennt, das der Name referenziert und man weiß, was das klug klingende Wort "Dystopie" bedeutet. Was man, wenn man in den nächsten 10-15 Jahren nicht abgehängt werden möchte, allerdings nicht tun sollte, ist zu unterschätzen, was hier gerade passiert.


Header-Foto von Steve Johnson


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