Monat: Juli 2021

Facebook darf Konten nicht einfach dichtmachen | Rekordumsätze bei Facebook, YouTube, Snapchat und Twitter | Pinterest lockt Creator mit neuen Features

Social Media & Politik

  • Facebook darf Konten nicht einfach dichtmachen: Social-Media-Unternehmen wie Facebook dürfen zwar durchaus strengere Regeln aufstellen, als sie etwa der gesetzliche Rahmen vorgibt. Sie müssen Nutzerïnnen aber künftig vorab informieren, wenn sie wegen Verstößen gegen Regeln des Online-Netzwerks gesperrt werden sollen. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Tagesschau).

Kampf gegen Desinformation


Datenschutz-Department

  • Potentiell mehr Privatsphäre: Facebook hat angekündigt (Facebook Newsroom), dass neue Nutzerïnnen unter 16 Jahren ihre Instagram-Konten standardmäßig privat schalten können. Bei minderjährigen Nutzerïnnen, die bereits ein öffentliches Konto haben, zeigt Instagram jetzt ein Pop-up an, das erklärt, wie man die Privatsphäre einstellt. Zudem möchte es das Unternehmen potenziell verdächtigen Accounts erschweren, überhaupt junge Menschen auf der Plattform zu finden. Last but not least sollen einige Werbe-Optionen eingeschränkt werden. Wichtig: Es handelt sich dabei lediglich um Optionen – Nutzerïnnen müssen selbst aktiv werden und die entsprechenden Privatsphäre-Einstellungen vornehmen. Facebooks Kalkül lautet wie eh und je: Nur ein Bruchteil der Nutzerïnnen wird von den neuen Optionen Gebrauch machen.

Follow the money

  • Rekord um Rekord: Facebook, Snapchat, Twitter, LinkedIn, YouTube und Google haben allesamt Rekordwachstumsraten bei den Werbeeinnahmen für das zweite Quartal 2021 gemeldet:
  • Facebook und Google konnten ihre Werbeumsätze um 55 bzw. 68 Prozent im Jahresvergleich steigern. Facebook kommt dadurch auf 28,6 Milliarden Dollar Umsatz in drei Monaten, Google verbucht sogar 50,4 Milliarden Dollar.
  • Snapchat und Twitter haben ihre Umsätze im Jahresvergleich nahezu verdoppelt, beide Unternehmen kommen jeweils auf ungefähr 1 Milliarde Dollar.
  • YouTube hat 7 Milliarden Dollar Umsatz eingefahren – und damit mehr als Snapchat, Twitter und LinkedIn zusammen.

  • Substack kauft Letter: Die Newsletter-Plattform Substack hat das Start-up-Unternehmen Letter übernommen (On / Substack). Mit Letter kann man Briefwechsel publizieren. Zu den bekanntesten Test-Nutzerïnnen gehören Noam Chomsky und Yuval Noah Harari. Substack verspricht sich vom Kauf mehr Interaktion zwischen den Autorïnnen (Digiday).
  • Paypal möchte Super-App werden: Bereits seit einiger Zeit arbeitet Paypal hinter den Kulissen an neuen Funktionen (Techcrunch), um dem großen Vorbild WeChat ein Stück näher zu kommen. In den kommenden Monaten sollen die Features (zunächst in den USA) ausgerollt werden – darunter „enhanced direct deposit, check cashing, budgeting tools, bill pay, crypto support, subscription management, and buy now, pay later functionality“.
  • Twitter kauft Team hinter News-App: Mit dem Kauf des Teams hinter der News-App Brief (Appstore) könnte Twitter demnächst ganz interessante Summary-Funktionen anbieten (The Verge).

Creator Economy

  • Pinterest lockt Creator mit neuen Features: Pinterest hat neue Funktionen angekündigt (Techcrunch), die es Creatorn ermöglichen, Provisionen zu verdienen, wenn sie Pinterest-Nutzerïnnen zum Kauf bestimmter Produkte anregen. Zudem arbeitet das Unternehmen an einer Art Marketplace, wie wir es bereits von Snapchat, TikTok und Instagram kennen.

Audio Boom


Was wir lesen


Neue Features bei den Plattformen

Twitter

TikTok

  • Mehr Live: TikTok erweitert seine Palette an Live-Funktionen. Künftig können Creator u.a. Live-Events besser planen, Q&A-Events abhalten und zusammen live gehen. Userïnnen können bei Live-Events zudem künftig einen Picture-in-Picture-Modus nutzen, damit sie nichts verpassen, wenn sie weiter im For-You-Feed suchten. Alle Ankündigungen gibt es hier im TikTok Newsroom.

Snapchat

  • My Places: Snapchat bietet jetzt Empfehlungen in seiner Snap Map an (Techcrunch) – quasi eine Art Yelp für die Gen Z. Über das Feature My Places können Nutzerïnnen personalisiert Geschäfte und Sehenswürdigkeiten empfohlen bekommen.

One more thing

  • Signal Case Study: Die Case Studies von Growth Design sind immer einen Blick wert. In ihrem neuesten Report widmen sie sich dem Messenger Signal. Unter der Überschrift „How to Ethically Boost Your Revenues“ geht es um die Frage, wie man es schafft, Nutzerïnnen davon zu überzeugen, Geld für die gute Sache auszugeben. Sehenswert!


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Wie Expertïnnen die Gefahr digitaler Desinformation in Deutschland einschätzen | Facebook will das Metaverse dominieren

Wie Expertïnnen die Gefahr digitaler Desinformation in Deutschland einschätzen

Was ist

Die Vodafone-Stiftung hat 63 Menschen aus Medien, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Tech-Branche gefragt, für wie gefährlich sie Desinformation in Deutschland halten – und was man dagegen tun könnte. (Pressemitteilung, PDF)

Unsere Offenlegung gleich zu Beginn: Fiete Stegers, der die Studie durchführte, hat dabei auch mich (Simon) um meine Einschätzung gebeten. Da die Befragung im Frühjahr und Sommer 2020 durchgeführt wurde, kann ich mich nicht mehr an meine Antworten erinnern. Meine Zitate, die in der Studie auftauchen, finde ich überraschend vernünftig. Darüber hinaus haben wir nichts mit der Vodafone-Stiftung zu tun. Wir hätten auch über die Ergebnisse berichtet, wenn das Social Media Watchblog keine Erwähnung gefunden hätte.

Warum das wichtig ist

In zwei Monaten wird in Deutschland gewählt. Seit anderthalb Jahren führt eine Pandemie zu einer Infodemie. In diesen Zeiten ist es besonders schwer, im Netz zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, weil Menschen mit fragwürdigen Motiven versuchen, Wählerïnnen zu beeinflussen oder Angst zu schüren.

Welche Auswirkungen gezielt gestreute Lügen und Gerüchte aber wirklich habe, ist umstritten und kaum erforscht. Auch die Studie "Desinformation in Deutschland" liefert keine abschließenden Erkenntnisse. Das ist bei so einem vielschichtigen Thema, bei dem etliche Faktoren eine Rolle spielen, auch nicht möglich. Doch die Meinung von mehr als 60 Menschen, die sich beruflich damit beschäftigen, gibt zumindest einige Anhaltspunkte.

Was die Studie ergeben hat

Wenn du unsere Briefings regelmäßig liest, dann dürfte dir das Meiste bekannt vorkommen. Die Einschätzungen der Befragten decken sich weitgehend mit dem, was wir seit Jahren schreiben. Dennoch sind einige interessante Details und Abweichungen dabei. Wir konzentrieren uns auf sechs zentrale Erkenntnisse:

1. "Fake News" ist ein ungeeigneter Begriff für ein wichtiges Thema

  • Spätestens seit Donald Trump den Ausdruck nutzt, um seriöse Medien zu diskreditieren, sollte klar sein: "Fake News" ist zum Kampfbegriff geworden.
  • Das war absehbar. Darunter kann man fast alles verstehen, von schlechtem Journalismus bis zu bewusst lancierten Falschbehauptungen.
  • Fast alle Befragten halten den Ausdruck deshalb für "problematisch" oder "eher problematisch". Auch wir meiden den Begriff in unseren Newslettern.
  • Stattdessen versuchen wir, möglichst präzise auszudrücken, was wir meinen: Missinformation (versehentlich geteilte Falschmeldungen), Desinformation (bewusst geteilte Falschmeldungen), Lügen, Gerüchte, fehlerhafte Recherchen … Es gibt genug andere Begriffe, die sich weniger leicht instrumentalisieren lassen.
  • Trotzdem können wir die Zahnpasta nicht in die Tube zurückdrücken. "Fake News" hat sich etabliert, viele Menschen nutzen die Bezeichnung umgangssprachlich. Wir hoffen, dass sich Medien nicht davon anstecken lassen und die Fachterminologie irgendwann Einzug in die Alltagssprache hält.

2. Cheap Fake sind gefährlicher als Deep Fakes

  • In der Theorie klingt es furchteinflößend: Neuronale Netzwerke und maschinelles Lernen ermöglichen es, Audioaufnahmen und Videos fast nach Belieben zu fälschen. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welch üble Konsequenzen manipuliertes Material haben könnte.
  • In der Praxis hält sich der Schaden bislang in Grenzen. Deep Fakes haben noch keine Wahlergebnisse beeinflusst, Kriege ausgelöst oder auch nur größere Verwirrung gestiftet. Die bekanntesten Beispiele sind relativ harmlos, etwa der Tom-Cruise-Imitator Miles Fisher, der mithilfe des belgischen Videokünstlers Chris Umé im März auf TikTok viral ging (SZ).
  • Das spiegelt sich in den Antworten der befragten Expertïnnen wider. Nur fünf Prozent (also 3 von 63) sind der Meinung, dass Deep Fakes in Deutschland verbreitet sind und derzeit eine reale Gefahr darstellen.
  • Der wichtigste Grund: Es braucht gar keine technisch aufwendigen Fälschungen. Menschen glauben ohnehin, was sie glauben wollen. Dafür reichen billige Photoshop-Fakes.
  • Zudem benötigen perfekte Deep Fakes immer noch jede Menge technische Expertise und Rechenpower. Die erschreckende Vorstellung, dass alle Menschen mit wenigen Mausklicks Videos manipulieren können, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Wir unterhalten uns dann 2023 noch mal.
  • Weit verbreitete Formen von Miss- oder Desinformation sind der Umfrage zufolge verzerrte Darstellungen, suggestive Deutungen, Gerüchte oder Journalismus mit handwerklichen Fehlern.

3. Wir müssen über Messenger reden

  • Wenn es um Risiken und Nebenwirkungen sozialer Netzwerke ging, dominierte jahrelang Facebook die mediale Berichterstattung. Obwohl viele Menschen längst mehr Zeit auf YouTube verbringen und auch Instagram die blaue App überholt hat, erhielt Facebook die meiste Aufmerksamkeit.
  • Fast völlig unter dem Radar fliegen dabei Messenger. Dabei ist WhatsApp der mit großem Abstand am weitesten verbreitete Kommunikationskanal in Deutschland. Allerdings lässt sich die Desinformation dort von außen deutlich schlechter aufspüren und entlarven, schließlich sind Nachrichten privat und Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
  • Diese abgeschlossenen Kommunikationsräume bergen nach Einschätzung der Studienteilnehmerïnnen große Risiken. 92 Prozent halten WhatsApp für relevant oder sehr relevant für die Verbreitung von Desinformation.
  • Dicht dahinter folgen Facebook (89 %) und YouTube (88 %) – und auch Telegram (85 %), obwohl der Messenger deutlich weniger Nutzerïnnen hat als die anderen Plattformen.
  • Das dürfte auch an der Rolle liegen, die Telegram während der Pandemie für die Vernetzung der Corona-Leugnerïnnen und anderer, teils militanter Verschwörungideologïnnen und Extremistïnnen gespielt hat.
  • Die Befragung fand zwischen Mai und Juli 2020 statt, damals zeichnete sich schon ab, dass sich Telegram-Gruppen und öffentlichen Kanäle zur zentralen Plattform für Bewegungen wie Querdenken entwickelt.
  • Immerhin hat sich das Bundesjustizministerium dazu durchgerungen, das NetzDG auch auf Telegram anzuwenden. Dass die laufenden Bußgeldverfahren Gründer Pavel Durov beeindrucken werden, bezweifeln wir aber (#728).

4. Wir müssen über klassische Medien reden

  • Viele Medien halten es mit Jean-Paul Sartre: "Die Hölle, das sind die anderen." Statt ihre eigene Rolle zu hinterfragen, zeigen sie auf Plattformen, die angeblich zu wenig tun.
  • Dabei bereiten vermeintlich seriöse Medien den Falschbehauptungen oft erst die große Bühne. Teils sogar mit bester Absicht: Sie wollen Gerüchte widerlegen, hängen bleibt aber nicht das Debunking, sondern die Fehlinformation.
  • Folglich halten auch acht von zehn Befragten die "Verstärkung der Reichweite durch Medienberichterstattung" für einen relevanten Faktor für die Verbreitung von Desinformation. 92 Prozent sagen dabei, dass "Medien in jedem Fall genau abwägen sollten, ob sie mit einer Berichterstattung zu einer Amplifikation beitragen".
  • Die Frage, ob Faktenchecks hilfreich sind, spaltet das Panel. Eine knappe Mehrheit (57 %) glaubt, dass Debunking nur eine sehr kleine Anzahl der Nutzerïnnen erreiche. Gleichzeitig sagen aber auch 52 Prozent, dass Medien häufiger über Miss- und Desinformation schreiben sollten, um ihre Leserïnnen aufzuklären.
  • Einig ist sich das Panel aber, dass es noch viel Verbesserungsbedarf gibt. Nur zehn Prozent sind der Meinung, dass Medien gelernt haben, wie sie über Desinformation berichten können und dabei möglichst wenig zur Amplifikation beizutragen.
  • Wir empfehlen in diesem Zusammenhang (mal wieder) "The Oxygen von Amplification" von Whitney Philips – schon drei Jahre alt, aber nach wie vor aktuell.
  • Interessante Randnotiz: Nur 26 % halten den Einsatz automatisierter Social Bots für einen relevanten Faktor für die Verbreitung von Desinformation – die befragten Vertreterïnnen großer Social-Media-Plattformen sehen darin allerdings den zweitwichtigsten Faktor nach der Berichterstattung klassischer Medien. Die Innen- und Außenwahrnehmung unterscheidet sich stark.
  • Da aber nur zwei Angestellte von Tech-Unternehmen befragt wurden, wollen wir das nicht überbewerten. Eine mögliche Erklärung wäre auch, dass sie die Frage anders interpretieren. Natürlich gibt es Hunderttausende Fake-Accounts, die Tweets und Posts teilen. Wir bezweifeln aber, dass diese Bots allzu großen Schaden anrichten. Je nachdem, ob man auf Quantität oder Qualität der Verbreitung achtet, verändern sich also die Antworten.

5. Wir müssen über ältere Menschen reden

  • Jede Podiumsdiskussion über Desinformation kann sich auf eine Forderung einigen: Wir brauchen mehr Bildung und Medienkompetenz. Wie das funktionieren soll und wer "wir" sind, bleibt dabei meist offen.
  • Unserer Wahrnehmung nach denken dabei viele an Schülerïnnen oder junge Erwachsene, denen man angeblich digitale Kompetenzen beibringen müsste. Das schadet sicher nicht – aber größeren Nachholbedarf hat eine andere Altersgruppe.
  • Rund drei Viertel der Studienteilnehmerïnnen sagen, dass ältere Menschen anfällig oder sehr anfällig für Desinformationskampagnen seien. Dagegen glauben das nur 40 Prozent von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
  • Politikerïnnen (20 %) und Journalistïnnen (13 %) werden als weniger anfällig eingeschätzt als Bürgerïnnen allgemein (27 %). Wir lassen das lieber unkommentiert.

6. Keine direkte Wahlmanipulation, aber Polarisierung und Radikalisierung

  • Fast alle Befragten sind der Meinung, dass Miss- und Desinformation negative Auswirkungen haben – global, aber auch in Deutschland. Bei jedem einzelnen Punkt wird die Gefahr in Deutschland aber als geringer eingeschätzt als in anderen Ländern.
  • Nur 20 Prozent glauben, dass Desinformation hierzulande dazu beiträgt, Wahlen direkt zu manipulieren. Fast die Hälfte sieht global betrachtet ein solches Risiko.
  • Für deutlich realer halten die meisten andere Folgen, etwa die Polarisierung der Gesellschaft (79 % in Deutschland/ 87 % weltweit), die Radikalisierung Einzelner (74 %/ 85 %) oder den Glaubwürdigkeitsverlust von Medien (71 %/77 %).
  • Besonders groß ist die Diskrepanz bei der Frage, ob Desinformation das politische System destabilisiert. Ein Drittel befürchtet das in Deutschland, zwei Drittel sieht diese Auswirkung global betrachtet.

Be smart

Die Einschätzung der Expertïnnen unterscheidet sich deutlich von der Meinung der meisten "normalen" Menschen. 82 Prozent der Befragten bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der NRW-Landesmedienanstalt (PDF) stimmten der Aussage zu: "Ich habe Sorge, dass durch politische Desinformationskampagnen das Wahlergebnis manipuliert wird."

Auch das Rheingold Institut hat Menschen im Auftrag des Tabakkonzerns Philip Morris für die Studie "Wir wir wirklich leben" befragt. Wir warnen davor, einzelne Umfragen überzubewerten, zu stark unterscheiden sich die Ergebnisse in Abhängigkeit von Methodik und Fragestellung.

Trotzdem finden wir die Antworten spannend, die auf folgende Frage gegeben wurden: "Welche der folgenden Informationsangebote nutzen Sie, bevor Sie Ihre Wahlentscheidung treffen?" Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten informiert sich demnach in Medien, dagegen sagen fast zwei Drittel der 18-34-Jährigen, dass sie die Wahlprogramme der Parteien heranziehen (hallo, soziale Erwünschtheit?).

Und angeblich spielen soziale Medien fast gar keine Rolle für die Wahlentscheidung: Gerade mal 30 Prozent der Jüngeren, 16 Prozent der 35-54-Jährigen und zehn Prozent der älteren Befragten sagen, dass sie Facebook, Instagram, Twitter, YouTube oder andere Plattformen dafür nutzen.


Facebook will das Metaverse dominieren

Was ist

Wenn Menschen digital kommunizieren, hat Facebook mit großer Wahrscheinlichkeit seine Finger im Spiel: die blaue App, Instagram, WhatsApp – kein anderes Unternehmen der Welt kontrolliert einen so großen Teil der Plattformwelt.

Darauf will sich Mark Zuckerberg nicht ausruhen. Er glaubt, dass nach dem Internet das Metaverse kommt – und natürlich soll Facebook auch da eine entscheidende Rolle spielen.

Was das Metaverse ist

In einem Interview mit Casey Newton (The Verge) beschreibt Zuckerberg die Vision folgendermaßen:

You can think about the metaverse as an embodied internet, where instead of just viewing content — you are in it. And you feel present with other people as if you were in other places, having different experiences that you couldn’t necessarily do on a 2D app or webpage, like dancing, for example, or different types of fitness.

Das Metaverse soll mehr sein als virtuelle Realität, sondern VR und AR kombinieren. Es geht nicht nur um Gaming oder Entertainment, irgendwann könnte sich das gesamte Leben ins Metaverse verlagern, alle Menschen begegnen sich als Avatare.

Das klingt nach abgedrehter Science-Fiction, die weit in der Zukunft liegt. Die Idee ist aber fast 30 Jahre alt: Der Begriff stammt aus dem Roman "Snow Crash", den Neal Stephenson 1992 veröffentlichte. Für eine ausführlichere Erklärung verweisen wir auf John Herrman und Kellen Browning (NYT).

Mark Zuckerberg sieht darin jedenfalls keinen Moonshot, sondern eine sehr konkrete Entwicklung, an der Facebook eng beteiligt sein soll:

I think over the next five years or so, in this next chapter of our company, I think we will effectively transition from people seeing us as primarily being a social media company to being a metaverse company.

Wie Facebook das Metaverse prägen will

Mit seinen Oculus-Brillen mischt Facebook bereits kräftig im VR-Markt mit (Cnet), doch es geht um mehr. Wenige Tage, nachdem Zuckerberg seine Vision skizziert hatte, zeigte Facebook, dass es wirklich ernst ist: Instagrams bisheriger Produktchef Vishal Shah wird künftig ein eigenes Metaverse-Team leiten. Die Abteilung soll eng mit Facebooks Gaming-Ableger zusammenarbeiten und direkt an Andrew Bosworth berichten, der den Bereich AR und VR leitet.

Facebook hat große Pläne: Zu den Tausenden Angestellten, die bereits bei Facebook Reality Labs arbeiten, sollen Hunderte weitere kommen, die das Metaverse-Team vergrößern. Zuckerberg investiert also signifikante Ressourcen in eine Vision, die den meisten Menschen noch sehr fremd ist.

Das liegt auch daran, dass er einen Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen möchte. Im Gegensatz zu Apple und Google sind Facebooks Versuche gescheitert, die mobile Revolution mit einem eigenen Betriebssystem zu begleiten. Jetzt hat Zuckerberg eine neue Chance:

One of the reasons why we’re investing so much in augmented and virtual reality is mobile phones kind of came around at the same time as Facebook, so we didn’t really get to play a big role in shaping the development of those platforms. So they didn’t really develop in a very natural way, from my perspective.

Als Facebook am Mittwochabend seine Quartalszahlen für das zweite Quartal (Investor Facebook) verkündete, nutzte Zuckerberg die Gelegenheit, um Aktionärïnnen und Analystïnnen das Metaverse nahezubringen – und noch mal deutlich zu machen, dass Facebook viel Geld ausgeben wird, um dort präsent zu sein:

It is going to require very significant investment over many years. This is going to create a lot of value for a lot of companies up and down the stack. Over the long term, I think that there's going to be a very big digital economy.

Warum das Metaverse bereits beginnt

Tatsächlich entwickelt sich das Metaverse schon vor unseren Augen. Die Roblox-Plattform und Fortnite-Entwickler Epic Games schicken Nutzerïnnen längst in eine erweiterte virtuelle Realität. Bekannte Musikerïnnen wie der Rapper Lil Nas geben dort Konzerte, Menschen hängen dort gemeinsam ab, und man kann sich gut vorstellen, wie diese Welt in einigen Jahren Einzug in den Alltag hält, wie es auch mit dem Netz und Smartphones passiert ist.

Investorïnnen glauben jedenfalls daran: Roblox wurde im März mit 45 Milliarden Dollar bewertet (IGN). Johannes Klingebiel schreibt in seinem Newsletter über das Metaverse als Marketingvision:

Die Idee des Metaverse ist derzeit also vor allem Marketing, um Investitionen einzusammeln. Es ist das Standardvorgehen des Silicon Valleys.

  1. Skizziere einen großen Zukunftstrend, der angeblich unvermeidbar ist.
  2. Sammle mit diesem Argument Geld und Talent ein.
  3. Baue diese von dir skizzierte Zukunft und habe eine Monopol-Stellung in ihr.

Be smart

All das wirft viele Fragen auf: Wird sich die Vorstellung von Matthew Ball durchsetzen, der auf seinem Blog in einer Essay-Serie unter anderem Interoperabilität und ein offenes Ökosystem als Kriterien für das Metaverse beschrieb – oder steuern wir auf die nächsten Walled Gardens zu, in der wenige Unternehmen nach dem Netz auch das Metaverse dominieren? Und was ist eigentlich mit Werbung, wie will Facebook dort Geld verdienen?

Wir werden uns künftig wohl noch öfter und ausführlicher mit dem Metaverse beschäftigen. Schließlich sind Zuckerbergs Wetten auf die Zukunft oft aufgegangen. Bis dahin halten wir es mit Johannes:

Es ist durchaus möglich, dass das Metaverse tatsächlich die nächste Version des Internets ist, aber dazu fehlt es noch gewaltig an Technologie. Und es wäre mir dann doch lieber, wenn diese nicht von Facebook gebaut wird.


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Biden vs. Facebook | Shopping, Shopping, Shopping | Die erfolgreichsten Publisher auf TikTok

Biden vs. Facebook: Der eine hat keine Ahnung, die anderen keine Daten

Was ist

Facebook hat mal wieder Ärger mit einem US-Präsidenten. Seit der nicht mehr Donald Trump heißt, ist die Menge an ärgerlichem Unsinn, der aus dem Weißen Haus ertönt, drastisch gesunken. Doch jetzt greift Joe Biden Facebook an – leider mit wenig Sachverstand und fragwürdigen Argumenten.

Worum es geht

Biden warf Facebook vor, zu wenig gegen Impf-Desinformation zu unternehmen und damit "Menschen zu töten". Facebook widersprach heftig, woraufhin Biden seine Anschuldigungen relativierte. Letztendlich sehen beide Seiten schlecht aus: Der Präsident weiß offenbar nicht genau, wovon er spricht – und Facebook weigert sich nach wie vor, Daten zu veröffentlichen, um die Vorwürfe zu entkräften.

Warum das wichtig ist

Die Impfkampagne in den USA ist ins Stocken geraten. Es mangelt weniger an Vakzine als an Menschen, die bereit sind, sich impfen zu lassen. Daran sind auch Lügen, Gerüchte und Panikmache schuld, die Impfungen in Verruf bringen sollen. Diese Desinformation wird auch in sozialen Medien geteilt und verbreitet sich dort viral.

Wir haben in diesem Newsletter immer wieder über die Infodemie geschrieben (#623), Facebooks Maßnahmen gegen Impf-Desinformation analysiert (#661, #701), die potenziell tödlichen Folgen von Anti-Impf-Propaganda erklärt (#692) und immer wieder über Berichte von Avaaz und anderen Organisationen berichtet, die Facebooks Rolle beleuchten (#718).

Kurzum: Wir wollen die Gefahr nicht kleinreden, die von Impf-Desinformation ausgeht (NPR). Trotzdem sind Bidens Äußerungen ärgerlich: Sie reduzieren ein komplexes Problem auf einen altbekannten Schuldigen, den Biden bekanntermaßen (#682) nicht leiden kann. Das ist noch nicht ganz Trump-Niveau, aber es ist nicht weit davon entfernt.

Wie der Streit eskaliert ist

  • Der Konflikt zwischen Facebook und dem Weißen Haus schwelt seit Monaten vor sich hin (WSJ). Die Regierung ist frustriert über den langsamen Impf-Fortschritt und macht Facebook dafür mitverantwortlich.
  • Anfang Juli fordert Ron Klain, Stabschef des Weißen Hauses, Facebook öffentlich zum Handeln auf (NYT): "I think the platforms need to do better. I think particularly Facebook needs to do better."
  • Vergangene Woche nennt der Leiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Vivek Murthy, medizinische Desinformation eine "ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit" (HHS.gov) und verlangt schärfere Maßnahmen von Tech-Unternehmen.
  • So weit, so differenziert. Kurz darauf macht Bidens Sprecherin Jen Psaki aus einer allgemeinen Mahnung an alle Plattformen eine explizite Facebook-Kritik (Reuters) – und dann meldet sich der Präsident höchstpersönlich zu Wort.
  • "They're killing people", sagt Biden (NYT). Mit "ihnen", das geht aus der Frage hervor (Twitter / Peter Alexander), meint er Social-Media-Konzerne wie Facebook.
  • Zwei Stunden später gibt es ein erstes Statement von Facebook (Twitter / Peter Alexander), das die Anschuldigungen als "nicht von den Fakten gedeckt" abtut. Die kurze Entgegnung endet so: "The facts show Facebook is helping save lives. Period."
  • Ein Facebook-Manager behauptet anonym (Twitter / Dylan Byers), hinter verschlossenen Türen lobten Murthy und das Weiße Haus Facebooks Anstrengungen. Es gehe nur darum, einen Sündenbock für die stockende Impfkampagne zu finden – eine Behauptung, die Murphy später zurückweist (NYT).
  • Am selben Tag veröffentlicht Facebook einen langen Blogpost von Guy Rosen. Mit sehr vielen Zahlen und Grafiken sagt der Facebook-Manager: Wir haben alles getan, um möglichst vielen Menschen seriöse Informationen über das Coronavirus anzuzeigen, und löschen Desinformation entschlossen. Facebook sei nicht der Grund, warum Menschen sich nicht impfen lassen wollten.
  • Übers Wochenende schalten sich Dutzende Forscherïnnen, Hunderte Journalistïnnen und Tausende Menschen mit wenig Ahnung und viel Meinung ein. Auch die Republikaner schreien natürlich wieder irgendwas von Zensur, aber das ist so lächerlich, dass wir gar nicht weiter darauf eingehen und es Mike Masnick überlassen (Techdirt), den Unfug einzuordnen.
  • Schließlich sieht Biden offenbar ein, dass er zu weit gegangen ist. "Facebook isn't killing people", revidiert er seine früheren Worte. Er habe angeblich nicht Facebook gemeint, sondern die zwölf Superspreader, die dort Desinformation verbreiteten. Das ist … wenig glaubwürdig.
  • Auf den Versuch, die Debatte zu beruhigen, folgt gleich die nächste Attacke. Die Regierung will nun prüfen (Protocol), ob man Section 230 ändern müsse, um Plattformen zu zwingen, Desinformation entschlossener zu bekämpfen.

Warum Biden nicht gut aussieht

  • Facebook hat recht: Es ist unterkomplex (NYT), eine Plattform für einen politischen und sozialen Missstand verantwortlich zu machen. Natürlich tragen soziale Medien dazu bei, aber sie sind bei Weitem nicht die einzige und wichtigste Ursache.
  • Vermutlich ist die Aussage nicht mal falsch, dass auf Facebook geteilte Lügen Leben kosten. Wenn Menschen das Coronavirus nicht ernst nehmen, keine Masken tragen und sich leichtfertig verhalten, breitet sich die Pandemie schneller aus.
  • Aber die Rhetorik und die Reduktion auf einen Schuldigen sind wenig zielführend. Facebook desinformiert und hilft gleichermaßen. Ein Großteil der Facebook-Nutzerïnnen erhält verlässliche Informationen, und die Plattform hat im vergangenen Jahr tatsächlich viel unternommen, um Corona-Lügen zu unterbinden.
  • All das scheint Biden gar nicht zu wissen. Offenbar äußert er sich zu Dingen, über die er sich vorher nicht informiert hat. Das gibt er sogar selbst zu. Auf die Frage, ob Facebook genug getan habe, um Desinformation zu stoppen, sagte er (Twitter (Kaitlan Collins)):

To be completely honest with you, I don't know that they did anything today, up to over the weekend, I don't think they had. But I don't know.

Warum Facebook nicht gut aussieht

  • Auch wenn wir uns vergangene Woche mit einem ganz anderen Thema beschäftigten, können wir wörtlich aus Briefing #734 zum Enthüllungsbuch "The Ugly Truth" zitieren:

Es ist das alte Problem: Nur wenige Wissenschaftlerïnnen erhalten Zugang zu internen Facebook-Daten, die verlässliche Forschung ermöglicht. (…) Facebook mauert weiter, wenn es darum geht, mehr Forschenden Einblicke in die Blackbox des Algorithmus zu geben. Man muss Facebook also vertrauen – und das fällt nicht leicht.

  • Denn genau darum geht es erneut: Facebook widerspricht einem Vorwurf und wirft mit Zahlen um sich, leistet dabei aber wenig Aufklärung.
  • Zum einen lassen sich Daten nicht überprüfen, weil niemand außer Facebook selbst Einblick hat.
  • Zum anderen nennt Facebook viele und teils irrelevante Statistiken, verschweigt aber eine Zahl. "I guess I'm left with a simple question", schreibt Rob Flaherty (Twitter), der die Digitalstrategie des Weißen Hauses verantwortet. "How many people have seen COVID vaccine misinformation on Facebook?"
  • Facebook brüstet sich damit, dass bereits zwei Milliarden Menschen verlässliche Informationen gesehen hätten. In dem Fall wäre es aber hilfreicher zu wissen (Techpolicy), wie viele Nutzerïnnen Desinformation ausgesetzt waren.
  • Wir würden nicht so weit gehen wie der Biologie-Professor, Coronavirus-Experte (NBC) und Buchautor ("Calling Bullshit") Carl T. Bergstrom, der Facebooks Reaktion "a textbook example of bluster, obfuscation, and agnatogenesis" (Twitter) nennt und einige der vermeintlichen Argumente in einem Thread widerlegt.
  • Doch auch der frühere Facebook-Manager Brian Boland sagt, dass Facebook wichtige Daten zurückhalte (CNN), die es selbst sehr wohl kenne: "I feel like the president is left without the data that he needs to really understand what role Facebook is playing in the issue."
  • Dazu passt eine Recherche von Sheera Frenkel (NYT), die von einem Treffen von Facebook-Datenexpertïnnen berichtet, das kurz nach dem Ausbruch der Pandemie stattgefunden haben soll. Die Wissenschaftlerïnnen hätten mehr Ressourcen und Personal gefordert, um zu erforschen, wie viele Nutzerïnnen falsche oder irreführende Informationen über das Coronavirus sehen. Facebook habe den Wunsch ohne Angabe von Gründen ignoriert.
  • Mit dem aktuellen Kenntnisstand lässt sich also schwer abschätzen, welche Rolle Facebook wirklich spielt. "The facts show that Facebook is helping save lives. Period", ist auf jeden Fall eine gewagte Behauptung, wie Kara Swisher treffend schreibt (NYT):

Period? Hardly. More like a semicolon, if I had to pick a punctuation.

Be smart

Corona-Leugnerïnnen auf Facebook sind nur ein Bestandteil eines ganzen Ökosystems der Desinformation (Axios), das seit Langem wächst und gedeiht. Die Stanford-Forscherin Renée DiResta beobachtet die Szene der Impfgegnerïnnen seit sieben Jahren und beschreibt in einem langen Twitter-Thread, warum Verschwörungserzählungen und Bewegungen wie QAnon so großen Zulauf finden. Plattformen wie Facebook haben dazu beigetragen, können und werden das Problem aber nicht allein lösen (Charlie Warzel).

Solange TV-Moderatorïnnen wie Tucker Carlson und Laura Ingraham einem Millionenpublikum auf Fox News weismachen wollen (NYT), wie gefährlich die Impfung sei, und republikanische Politikerïnnen wie die erklärte QAnon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene Lügen verbreiten (Factcheck), kann Facebook so viel Desinformation löschen, wie es will (Wired).

It is, in short, very hard to argue that any social network has anything close to the impact of Fox News and other conservative media on vaccine hesitancy. Even the evidence incriminating Facebook tends to implicate Fox even more: Data from CrowdTangle, a Facebook-owned analytics tool, shows that right-wing media figures, including those who sow doubt about vaccines, consistently drive the most engagement.


Social Media & Politik

  • Ergebnisse zur Untersuchung der US-Wahl erst 2022: Eigentlich hätten die Ergebnisse zur Frage, welchen Einfluss Facebook auf die jüngste US-Präsidentschaftswahl hatte, schon diesen Sommer veröffentlicht werden sollen. Jetzt ist eine Veröffentlichung für 2022 angepeilt (Protocol). Der Grund dafür ist der Sturm aufs Kapitol am 6. Januar diesen Jahres. Die Forscherïnnen möchten die Geschehnisse noch in die Studie miteinbeziehen – oh ha!

Kampf gegen Desinformation

  • First Draft schaut sich Social-Audio-Angebote an: Wie ist es eigentlich um die Content Moderation und Falschinformationen bei Social-Audio-Angeboten bestellt? First Draft hat sich einen ersten Überblick verschafft (@firstdraftnews).

Social Media & Journalismus

  • TikTok und Tagesschau machen gemeinsame Sache für die Bundestagswahl 2021. Wie bei Facebook und Google gibt es nun auch bei TikTok ein Informations-Hub, auf dem alle wesentlichen Fakten rund um die Wahl aufbereitet werden. Die Tagesschau übernimmt dabei die redaktionelle Steuerung und kuratiert Beiträge aus allen ARD-Anstalten.
  • Die erfolgreichsten Publisher auf TikTok: The Fix hat sich angeschaut, welche Publisher in Europa die besten Zahlen auf TikTok vorweisen können (The Fix). Für Deutschland sind die Tagesschau, Chip und BR24 ganz vorne mit dabei.

Follow the money

  • Shopping, Shopping, Shopping! Amazon hat große Pläne (Business Insider), wie sie Influencerïnnen stärker an sich binden können. Snapchat kauft eine Firma, die sich auf Tools für AR-Shopping (The Verge) spezialisiert hat. YouTube kauft zum einen ein E-Commerce-Startup (Techcrunch), um noch mehr Shopping auf der Plattform zu ermöglichen. Zum anderen testet das Unternehmen Livestream-Shopping à la QVC (Techcrunch), um endlich zur Nummer-1-Plattform für Livestream-Shopping zu avancieren. Hach, wie rappt Fatoni doch so schön:

Ich hasse mich für diese Aussage

Doch der momentane Zeitgeist

Versace, Versace, Versace, Versace

Ist gar nicht mal so geistreich

Sie reden nur noch von Klamotten

Klamotten, Klamotten, Klamotten, Klamotten

Und Drogen und Drogen und Drogen und dann geh'n

Sie shoppen und shoppen und shoppen

Ich würde das so gerne fühlen

Aber ich finde das alles so dumm

Und frage mich

War das denn wirklich je anders

Oder bin ich nur nicht mehr jung?

Früher war alles besser, aber jetzt mal im Ernst

Im Frühjahr war alles besser

Aber jetzt ist es Herbst

  • Partnerschaft zwischen TikTok und Vimeo: Es ist schon etwas länger her, dass die Film- und Kulturinteressiereten, die etwas auf sich hielten, Vimeo zu ihrer Lieblingsplattform kürten. Das war damals in etwa so wie beim Fernsehen heute: Wer wirklich etwas auf sich hält, schaut Arte (read: Vimeo), YouTube war für die Prollos. Vimeo hat das alles nicht viel geholfen und sich deshalb über die Jahre zu einer B2B-Plattform entwickelt. Nun läuft das Geschäft und sogar eine Kooperation (hinsichtlich der Editing-Funktionen) mit TikTok ist in trockenen Tüchern (Vimeo).
  • TikTok Spark Ads: Das klingt sicherlich verführerisch für viele: Marketing-People können jetzt Posts mit ihrem Branding versehen, wenn diese gerade viral gehen. Nach Absprache versteht sich. Aber ganz smart das Vorgehen. So müssen Brands nicht mehr selbst versuchen, etwas Virales zu kreieren, sondern schmeissen einfach Geld auf Dinge, die bereits abgehen (Adage).

Audio Boom


Creator Economy

  • Neue Autoren für Facebook Bulletin: Facebook hat einige neue Autorïnnen (Axios) für den hauseigenen Newsletter-Service Bulletin an Bord geholt – darunter z.B. auch Malala Yousafzai (Wiki)
  • Twitter testet neues Tweetdeck: Twitter überlegt ja schon länger, ob sie Tweetdeck nicht auch zu einer Art Paid-Feature umbauen könnten. Jetzt berichtet Techcrunch über ein neu aufgesetztes Tweetdeck, das u.a. mit neuen Such- und Sortierfunktionen aufwartet.
  • YouTube Tipping: YouTube testet eine Option, mit der Zuschauerïnnen YouTubern Geld geben können – quasi eine Art Trinkgeld pro Video (Techcrunch).
  • Tumblr testet post+ Das von WordPress aufgekaufte Blogger-Plattform-Urgestein Tumblr bietet jetzt auch eine Option an, mit der Bloggerïnnen einige ihrer Posts hinter eine Paywall packen können (Wall Street Journal). Etwas late to the party, aber die Richtung ist eindeutig: Die Zeiten, in denen es überall alles für umme gab, sind vorbei.

Schon einmal im Briefing davon gehört

  • Roblox = Paralleluniversum: Wir haben ja in unseren Briefings bereits häufiger darüber berichtet, dass Games für viele Nutzerïnnen eine Form von Social Media darstellen. Wir sind dem Thema immer noch einen Deep Dive schuldig. In der Zwischenzeit verweisen wir auf diesen Artikel von The Verge, der das Thema gut aufbereitet.

Neue Features bei den Plattformen

WhatsApp

  • Multi-Device: WhatsApp macht es einfacher, mehrere Geräte zu nutzen (Facebook). Eben auch dann, wenn das Smartphone zum Beispiel gerade nicht zur Hand ist.
  • Group-Calls: Nutzerïnnen können bei WhatsApp jetzt auch dann noch in Gruppen-Anrufe einsteigen, wenn diese schon begonnen haben (The Verge).

Instagram

  • Mehr Kontrolle über Inhalte: Instagram führt neue Wege ein, damit Nutzerïnnen darüber befinden können, welche Inhalte bei ihnen im Feed landen – und welche nicht. (Facebook Newsroom)
  • Gemeinsames Posten: Stell dir vor, du könntest mit anderen Insta-Userïnnen gemeinsam an Reels und Posts arbeiten (Economic Times). Klingt nach einem stabilen Feature, oder? Instagram testet genau das.

YouTube

  • Clips, Polls und Subscriber-Only Chat Features: YouTube bedient sich einmal mehr bei Twitch und launcht zahlreiche Features (The Verge), um das Creator-Leben bunter zu machen.

Twitter

  • Captions für Voice Tweets: Was Clubhouse nicht hinbekommt (und sich trotzdem damit rühmt, nun für "alle" verfügbar zu sein – s.u.), hat Twitter jetzt endlich eingeführt: Untertitel für Voice-Tweets (@TwitterSupport). Ja, ziemlich spät. Aber immerhin.

Snapchat

  • 3D Bitmojis: E-Commerce ist für Snapchat ein extrem wichtiges Thema, um weiter zu wachsen. Mit den neuen 3D Bitmojis (Digital Information World) möchte das Unternehmen diesem Ziel näher kommen.

Zoom

  • Zoom Apps und Events jetzt überall verfügbar: Zoom ist mittlerweile ja weit mehr als nur eine Video-Konferenz-Plattform. Über Zoom lassen sich Events planen, zahlreiche Apps einbinden, und, und, und… Jetzt stehen diese Funktionen weltweit zur Verfügung (zdnet).

Clubhouse

  • Ohne Einladung: Clubhouse ist nicht länger invite-only (@Clubhouse). Entweder haben sie genug Telefonnummern abgegriffen oder aber die FOMO-Strategie hat nicht länger gezündet. Anyway, hauptsache die Delta-Variante sorgt nicht dafür, dass wir alle wieder auf Clubhouse hängen müssen.

One more thing

  • Inside TikToks Algorithmus: Die Washington Post hat sich den TikTok-Algorithmus näher angeschaut. Mit der Hilfe von Bots hat die Post u.a. versucht herauszufinden, wie lange der TikTok-Algorithmus braucht, um den Sehgewohnheiten der Bots zu entsprechen. Das Ergebnis: gerade einmal 40 Minuten. Wer sich für den TikTok-Algorithmus interessiert, hat mit diesem Artikel eine spannende Wochenendlektüre.

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Was „An Ugly Truth“ über Facebook verrät | Facebook investiert eine Milliarde Dollar in Creator | TikTok verzeichnet drei Milliarden Installationen

Was "An Ugly Truth" über Facebook verrät – und welche Bücher wir außerdem empfehlen

Was ist

Sheera Frenkel und Cecilia Kang haben ein Buch veröffentlicht, vor dem sich, so erzählen es Facebook-Angestellte, angeblich sogar Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg fürchteten. In "An Ugly Truth – Inside Facebook's Battle for Domination" (Harper Collins) kommen die beiden Reporterinnen der New York Times zu einer drastischen These: All die Skandale der vergangenen Jahre waren keine Fehler, sondern unausweichlich – weil Mark Zuckerberg Wachstum wichtiger sei als alles andere.

Warum das wichtig ist

Facebook? Das ist doch diese blaue App mit ein paar Milliarden Karteileichen, die eh niemand mehr nutzt und bald irrelevant wird. Im Interview mit dem Spiegel erwidert Kang:

Viele Menschen wissen offenbar nicht, dass Facebook viel mehr ist als die blaue App. Instagram, WhatsApp und Oculus gehören ja auch dazu. Facebook ist ein wucherndes Konglomerat mit fast drei Milliarden Nutzerinnen und Nutzern. Und auch wenn Facebook selbst in manchen Gegenden nicht mehr so populär sein mag: In vielen Ländern gehört es fast zur öffentlichen Grundversorgung. Wir sprechen hier über das größte Kommunikationsunternehmen der Geschichte.

Ein Kommunikationsunternehmen, zu dessen großen Stärken Kommunikation eher nicht gehört und über dessen Innenleben recht wenig bekannt ist. Dabei wäre es wichtig zu verstehen, warum Facebook in welchen Fällen wie entscheidet – denn diese Entscheidungen betreffen das Leben Hunderter Millionen Menschen. Genau diese Einblicke versprechen Frenkel und Kang.

Was das Buch nicht leistet

Wer Facebook seit Jahren verfolgt (oder unsere Briefings) liest, wird in dem Buch wenig substanziell Neues lernen. Es gibt nicht das eine große Geheimnis, einen bislang nicht berichteten Skandal oder eine Szene, die ein völlig neues Licht auf den Konzern wirft.

Auch die Kernthese, die Frenkel und Kang im Nachwort beschreiben, hat man so oder so ähnlich auch schon woanders gelesen:

One thing is certain. Even if the company undergoes a radical transformation in the coming years, that change is unlikely to come from within. The algorithm that serves as Facebook’s beating heart is too powerful and too lucrative. And the platform is built upon a fundamental, possibly irreconcilable dichotomy: its purported mission to advance society by connecting people while also profiting off them. It is Facebook’s dilemma and its ugly truth.

Was das Buch leistet

Die beiden Reporterinnen haben mehr als 1000 Stunden lang mit mehr als 400 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterïnnen gesprochen. Sie zitieren aus internen Dokumenten, geben den Verlauf Dutzender Meetings wieder und stützen sich auf vertrauliche Gespräche und Memos an die Angestellten. Allein diese Rechercheleistung ist beeindruckend.

Obwohl Frenkel und Kang nicht den einen großen Aufreger liefern, gelingt ihnen etwas Bemerkenswertes. In der Summe wirken die Fehltritte und fragwürdigen Entscheidungen viel stärker als einzeln und über mehrere Jahre verteilt. Wir zitieren erneut aus einem Interview (T-Online):

Wir glauben und hoffen, dass unser Buch die Leser wirklich näher an das Unternehmen bringt, sie besser verstehen lässt, wie diese Facebook-Maschinerie genau funktioniert, sowohl als Technologie als auch als Geschäftsmodell. Und wir hoffen, dass es die Menschen besser als je zuvor verstehen lässt, welchen Einfluss die Führungsriege auf die Richtung des Unternehmens hat. Aber auch, dass diese Führung Verhaltensmuster gezeigt hat, die Sorgen bereiten. Ich glaube, wenn man sich diese Verhaltensmuster im Gesamten anschaut, dann hat das eine ganz andere Wirkung als die einzelnen Nachrichten von einer Krise, die auf die nächste folgt.

"An Ugly Truth" liest sich stellenweise wie die Schilderung zweier Kriegsreporterinnen, die jahrelange Gefechte embedded miterleben. Sie liefern die interne Sichtweise auf all die Krisen, die Facebook durchlebt hat. Die äußeren Ereignisse sind meist bekannt, aber man bekommt ein besseres Gefühl, wie Facebook tickt.

Was hängenbleibt

Wir können ein Buch mit mehr als 350 Seiten in diesem Newsletter nicht komplett zusammenfassen. Das wollen wir auch gar nicht. Unser Ziel ist es, dir bei der Entscheidung zu helfen, ob du das Buch selbst lesen solltest.

Dabei helfen womöglich die beiden Exzerpte, die New York Times und Telegraph exklusiv veröffentlicht haben. Außerdem haben wir einige Eindrücke und Erkenntnisse zusammengestellt, die uns nach dem Lesen in Erinnerung geblieben sind:

  • Die Enthüllung mit dem härtesten Nachrichtenwert: Facebook hat zwischen Januar 2014 und August 2015 52 Angestellte gefeuert, die ihren Zugriff auf private Profildaten missbraucht haben – und das sind nur diejenigen, die entdeckt wurden. Die meisten davon waren Männer, die Facebook-Profile von Frauen stalkten, die sie dateten.
  • Damals hatten Facebook-Angestellte unbeschränkten Zugriff auf private Nutzerdaten, darunter Nachrichtenverläufe im Messenger, besuchte Veranstaltungen, hochgeladene Fotos (auch gelöschte) oder angeklickte Links. Zuckerberg wollte keine technischen Hürden einbauen, um den Entwicklerïnnen möglichst schnelles und autonomes Arbeiten zu ermöglichen.
  • Bei Missbrauch drohte die Kündigung. Letztendlich beruhte das System aber auf Vertrauen und höchstens nachträglichen Konsequenzen, falls Facebooks Software verdächtige Zugriffe von Arbeitsrechnern registrierte.
  • 2015 wies der damalige Sicherheitschef Alex Stamos Zuckerberg auf das Risiko hin. Zu diesem Zeitpunkt sollen mehr als 16.000 Facebook-Mitarbeiter Zugang zu den Profildaten gehabt haben. Stamos beklagte angeblich, dass Facebook nichts Unternehme, "um dieses eindeutig systemische Problem zu lösen oder zu vermeiden".
  • Zuckerberg war überrascht und schockiert und fragte. Er fragte, warum er erst so spät davon erfahre und niemand erwogen haben das System zu ändern – ein System, das er selbst etabliert hatte.
  • Stamos, der Facebook 2018 verließ und nach Stanford wechselte, taucht in weiteren eindrücklichen Passagen auf. Er wird als eine Art gutes Gewissen, eine ständig mahnende Stimme dargestellt.
  • Unter anderem forderte er mehrfach, die Gefahr russischer Desinformationskampagnen ernster zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen – was aber erst mit einem Dreivierteljahr Verspätung bei Zuckerberg ankommt. Nach der US-Wahl 2016 machte er sich dafür stark, die eigene Rolle aufzuarbeiten und auch öffentlich transparent zu kommunizieren. In Grundzügen berichteten Frenkel und Kang zusammen mit drei anderen Reportern darüber aber bereits 2018 (NYT).
  • Über Zuckerberg selbst erfährt man wenig Neues: ein Getriebener mit unbändigem Ehrgeiz, der in der Anfangsphase oft bis tief in die Nacht programmierte und davon überzeugt ist, dass Facebook die Welt besser macht. Zuckerberg ist ein Alleinherrscher, der seine Macht nicht teilt: Das letzte Wort, die endgültige Entscheidung gehört immer ihm.
  • Spannender sind die Details über seine Vize-Chefin und Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Obwohl sie Facebooks Anzeigengeschäft aufgebaut und den kommerziellen Erfolg damit erst möglich gemacht hat, ist sie in vielen inhaltlichen und strategischen Fragen angeblich erstaunlich machtlos.
  • Angeblich haben sich Zuckerberg und Sandberg in den vergangenen Jahren auseinandergelebt. Zuckerberg mischte sich zunehmend in Policy-Fragen ein und überstimmte Sandberg. Insbesondere der Umgang mit Donald Trump und der Kuschelkurs mit den Republikanern soll die Beziehung der beiden Top-Manager beschädigt haben.
  • Dieser Darstellung widerspricht eine Facebook-Sprecherin. Zwischen Zuckerberg und Sandberg gebe es keinen Bruch. Sandbergs Rolle habe sich nicht verändert, das Verhältnis sei intakt, ihre Zusammenarbeit vertrauensvoll. Trotzdem bleiben jede Menge Fakten, die auch Facebook nicht wegreden kann.
  • Eines der frustrierendsten Kapitel dreht sich um Facebooks Rolle in Myanmar. Es wäre falsch, Facebook direkt für den Genozid an den Rohingya verantwortlich zu machen. Klar ist aber, dass die Plattform als Brandbeschleuniger diente.
  • "Facebook ist zu einer nützlichen Plattform für diejenigen geworden, die Gewalt anstacheln und offline Schaden anrichten wollen", konstatierte ein Untersuchungsbericht, den Facebook selbst in Auftrag gegeben hatte (#501). Auch für seine Rolle bei Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka, Indonesien und Kambodscha entschuldigte sich Facebook später (#638).
  • All das ist gut dokumentiert, doch Frenkel und Kang leisten eine wertvolle Ergänzung. Sie dokumentieren, wie frühzeitig, eindringlich und unmissverständlich Facebook intern und extern gewarnt wurde – und trotzdem weitgehend tatenlos zusah oder zumindest weit hinter den Maßnahmen zurückblieb, die in dieser Situation nötig gewesen wären.
  • In den USA und Europa nimmt Facebook Hasskommentare und andere, potenziell geschäftsschädigende Probleme ernst. Doch in vielen asiatischen oder afrikanischen Ländern schob der Konzern seine Verantwortung lange Zeit von sich weg.
  • Ein Beispiel verdeutlicht die Ignoranz und Fahrlässigkeit: Als sich die Lage in Myanmar 2015 zuspitzte, gab es im Content-Moderation Team eine einzige Person, die für Inhalte aus Myanmar zuständig war – aber nur Burmesisch sprach. In Myanmar existieren Dutzende Sprachen und Hunderte Dialekte:

Everything was beginning to make sense. There was only one moderator tasked with monitoring the deluge of content being generated in Myanmar, and that person spoke only Burmese. The repeated complaints of harassment and hate speech had gone unanswered because the company was hardly paying attention. The sheer amount of information being shared in Myanmar was tremendous, but Facebook hadn’t expanded its staff to keep up.

Was Facebook selbst dazu sagt

Überraschend wenig. Frenkel und Kang haben Facebook sämtliche offiziellen Zitate und jeden Fakt vorgelegt und hatten sich auf eine zähe Autorisierung eingestellt. Doch es kamen nur minimale Änderungswünsche (Tages-Anzeiger), sagt Frenkel:

Es waren wirklich sehr kleine Dinge. Wir erinnern uns, dass das an einem Dienstagnachmittag geschah, nicht an einem Dienstagmorgen, oder sie aßen zu Mittag, bevor das Meeting begann, nicht während des Meetings.

Das zeigt, wie akribisch die beiden gearbeitet haben. Facebook dürfte über das Buch nicht glücklich sein, doch offenbar gab es keinen Anlass für ein inhaltliches Dementi. Am Tag der Veröffentlichung wurden Zuckerberg und Sandberg bei einem gemeinsamen Spaziergang im Sun Valley fotografiert. Das letzte Foto, das sie dort zusammen zeigt, ist sieben Jahre alt. Es gab also einiges zu besprechen.

Dabei reagierte Facebook in der Vergangenheit immer wieder öffentlich auf kritische Berichterstattung und veröffentlichte Richtigstellungen (oder zumindest das, was Facebook dafür hält) im offiziellen Newsroom. Teils widersprachen hochrangige Facebook-Manager auf Twitter den Darstellungen der Reporterïnnen und diskutierten dort. Auch zwei aktuelle Kontroversen zeigen, wie ungewöhnlich Facebooks Schweigen ist. Beide passen auch inhaltlich gut zu den großen Themen des Buches, deshalb gehen wir an dieser Stelle darauf ein:

1. Sind Hass und Wut gut fürs Geschäft?

  • Am Dienstag warfen drei Forscher in einem Gastbeitrag in der Washington Post Facebook vor, dass es kein Interesse daran habe, den Algorithmus so zu verändern, dass der Anteil extremistischer Inhalte sinke – weil das Interaktionen, Verweildauer und Gewinn schmälere.
  • Facebook reagierte umgehend mit einer umfangreichen Gegendarstellung (Facebook-Newsroom). "The opinion editorial is simply wrong", schreibt Pratiti Raychoudhury.
  • Tatsächlich liefert der Blogeintrag wichtigen Kontext. Die Untersuchung der Forscher erscheint damit zumindest unvollständig, weil der Zeitraum in den Monaten vor der US-Wahl wohl nicht repräsentativ ist. Vor allem machen sie einseitig Plattformen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich und blenden andere mögliche Ursachen aus.
  • Die Anschuldigungen, die der Gastbeitrag macht, wirken dadurch arg zugespitzt und nicht komplett von Fakten untermauert. Ob sie aber "einfach falsch" sind, wie Facebook behauptet, lässt sich von außen kaum beurteilen.
  • Es ist das alte Problem: Nur wenige Wissenschaftlerïnnen erhalten Zugang zu internen Facebook-Daten, die verlässliche Forschung ermöglicht. Mehrere Projekte, die unabhängige Untersuchungen ermöglichen sollten, sind gescheitert oder stecken auf halbem Weg fest.
  • Facebook mag teils gute Gründe haben, externen Forscherïnnen nicht leichtfertig Zugriff zu gewähren. Allzu offene Schnittstellen brachten die Cambridge-Analytica-Affäre ins Rollen, und nicht nur Entwicklerïnnen, sondern auch Wissenschaftlerïnnen können Daten missbrauchen.
  • Am Ende bleibt aber trotzdem ein ungutes Gefühl: Facebook widerspricht vehement einer Studie, mauert aber weiter, wenn es darum geht, mehr Forschenden Einblicke in die Blackbox des Algorithmus zu geben. Man muss Facebook also vertrauen – und das fällt nicht leicht.

2. Wird Facebook von Rechten dominiert?

  • Der zweite Konflikt schließt sich direkt an den ersten an. In einer langen Kolumne (NYT) schildert Kevin Roose, wie die Daten des Analysetools CrowdTangle Facebook intern entzweien.
  • Die Vorgeschichte in Kürze: Roose und andere Reporterïnnen (wir auch) nutzen CrowdTangle seit Jahren, um öffentlich verfügbare Interaktionszahlen von Facebook-Posts zu aggregieren und auszuwerten. Über den Twitter-Account Facebook's Top 10 veröffentlicht er täglich eine Liste mit den zehn Artikeln, die am meisten Interaktionen sammelten.
  • Angesichts der Listen drängt sich der Eindruck auf, dass rechte und rechtsradikale Seiten dominieren. Facebook hält dem entgegen, dass Daten von CrowdTangle keinen unmittelbaren Rückschluss zuließen, wie viele Menschen bestimmte Inhalte sehen und welche Beiträge von Facebooks Algorithmen gepusht werden.
  • Vergangenes Jahr meldete sich unter anderem John Hegemann, Facebooks Produktverantwortlicher für den Newsfeed, auf Twitter zu Wort. Er kritisierte die Aussagen von Roose als verkürzt. Dessen Vorgehen sei zwar formal korrekt, entscheidender als die Interaktionen sei aber die Reichweite.
  • Womit wir wieder beim gleichen Problem wie bei der ersten Kontroverse wären: Diese Daten kennt nur Facebook – und die verantwortlichen Managerïnnen, so schildert es Roose, haben kein Interesse daran, die Zahlen zu veröffentlichen.
  • Der Artikel vermittelt den Eindruck, dass es einem Teil des Führungsteams bei Facebook eher um die Außenwirkung als die Auswirkung des eigenen Produkts geht. Wichtig ist es, die negativen Schlagzeilen über CrowdTangle-Daten zu verhindern – dass lautstarke Rechte und Rechtsextreme einen Teil der Plattform dominieren und kräftige Unterstützung von Facebooks Algorithmus erhalten, scheint das kleinere Problem zu sein.

Be smart: Vier weitere Tech-Bücher, die wir empfehlen

Wir haben in den vergangenen Jahren nicht nur Tausende Texte über Tech-Konzerne gelesen, sondern auch Dutzende Bücher. Einige waren mies, viele gut, manche sehr gut. Wenn du tiefer einsteigen willst, legen wir dir diese vier Bücher ans Herz, die alle im Laufe der vergangenen anderthalb Jahre erschienen sind – und erklären in einem Satz, was sie für uns lesenswert gemacht hat:

  • Steven Levy – Facebook: The Inside Story: Levy gibt tiefe Einblicke in ein intransparentes Unternehmen und verdeutlicht, wie Zuckerbergs Entscheidungen die Welt verändert haben.
  • Alex Kantrowitz – Always Day One: Wie Amazon, Facebook, Google und Microsoft zu den mächtigsten Konzernen der Welt wurden: mit dem absoluten Willen, sich immer wieder neu zu erfinden und alles zu tun, um das nächste große Ding nicht zu verschlafen.
  • Tim Hwang – Subprime Attention Crisis: Personalisierte Werbung ist eine Hunderte-Milliarden-Dollar-Branche – und womöglich eine Blase, die irgendwann platzen könnte.
  • Sarah Frier – No Filter: Was Levy sowie Frenkel und Kang bei Facebook erreicht haben, ist Frier mit Instagram gelungen: ein Blick ins Innenleben einer Plattform, die Popkultur und Politik des 21. Jahrhunderts prägt.

Social Media & Politik

  • Facebook beschuldigt iranische Hacker, die Plattform zum Ausspionieren des US-Militärs zu nutzen: Taking Action Against Hackers in Iran (Facebook Newsroom)
  • Was zeigt der YouTube-Algorithmus zur Bundestagswahl? AlgorithmWatch untersucht in einem Forschungsverbund mithilfe der neuen Datenspende-Plattform „DataSkop“, welche Videos der YouTube-Algorithmus verschiedenen Nutzer·innen zur Bundestagswahl empfiehlt.
  • Die AfD läuft sich auf TikTok für die Bundestagswahl warm: Belltower News hat einen lesenswerten Artikel zum Engagement der AfD auf TikTok verfasst. Wer sich dafür interessiert, wie die AfD versucht, auf der gerade in der jungen Zielgruppe extrem populären Plattform Stimmung zu machen, hier entlang.

Creator Economy

  • Facebook investiert eine Milliarde Dollar in Creator: Ok, ok. Facebook nimmt also bis Ende 2022 eine Milliarde Dollar in die Hand, damit Creator Content für Facebook und Instagram produzieren (Facebook Newsroom). Das klingt natürlich nach einer soliden Option, um endlich für all die spannenden Inhalte bezahlt zu werden, die Creator auf den Plattformen bislang (in den allermeisten Fällen) für umme gepostet haben. Im Vergleich zu YouTube und weiteren Plattformen (The Information) ist der Deal aber gar nicht so klasse. Erstens ist bislang überhaupt nicht transparent, wer von dem Geld profitieren wird. Und auf welche Weise dies geschehen soll. Zweitens ist eine Milliarde Dollar zwar viel Geld, den eigentlichen – wirklich fetten – Kuchen möchte Facebook aber nicht mit Creatorn teilen: Da ist YouTube schon eine Ecke weiter (VOX).


Studien / Paper / Reportings

  • Spotify Culture Next Report 2021: Spotify hat sich angeschaut, „wie Gen Z und Millenials das Audio-Streaming und den Zeitgeist prägen“. Wir selbst haben noch keine Zeit gehabt, den Report in aller Ausführlichkeit zu studieren. Gern möchten wir ihn aber hier bereits heute mit euch teilen.
  • Twitter schaut auf einen entspannten Sommer: Jedenfalls geben das die Datenanalysen her, die Twitter nutzt, um Marketing-Verantwortlichen das Werben auf Twitter schmackhaft zu machen. Hoffen wir das Beste!

Zahl der Woche

  • TikTok verzeichnet 3 Milliarden Installationen: TikTok hat eine Schallmauer durchbrochen, die bislang nur Apps aus dem Hause Facebook geknackt hatten: 3 Milliarden Installationen auf Android- und Apple-Geräten (Sensortower).
    • Das bedeutet nicht, dass drei Milliarden Menschen TikTok nutzen. Viele laden TikTok mehrfach runter. Etwa um sich am Wochenende eine Pause zu gönnen. Oder weil man die App dann doch noch einmal ausprobieren möchte.
    • Die Anzahl der monatlich aktiven Nutzerïnnen (MAU) – die eigentliche und nicht weniger schräge Währung – liegt ca bei 1 Milliarde. An sich auch eine völlig irre Zahl. Allerdings sagt die Anzahl der MAU nicht all zu viel darüber aus, wie viele Menschen die App wirklich nutzen. Um als MAU gezählt zu werden, reicht es in der Regel, die App einmal im Monat zu öffnen.
    • Anyway: Die Zahl „3 Milliarden“ ist ein extrem fettes Ausrufezeichen und zeigt, welche Konkurrenz Facebook da erwächst. Wenn es noch einen Beweis brauchte, hier ist er: TikTok ist gekommen, um zu bleiben.


Schon einmal im Briefing davon gehört

  • Facebook versucht nicht weiter, deine Gedanken zu lesen: Im Juli 2019 berichteten wir, dass Facebook an einem Projekt arbeitet, mit dem sich Gedanken quasi verschriftlichen lassen sollten. Nun erklärt das Unternehmen das Projekt vorerst für beendet (Technology Review) – zu gering seien die Fortschritte gewesen.
  • Netflix setzt auf Gaming: Filme und Serien sind Netflix anscheinend nicht genug. Das Unternehmen baut derzeit – unter der Führung eines ehemaligen Facebook-Managers – eine Gaming-Einheit (Protocol) auf. Das wäre für unser Briefing gar nicht so arg von Interesse, wenn wir nicht derzeit immer wieder beobachten würden, welche Rolle Gaming beim digitalen Miteinander einnimmt. Deine Kids wissen, was wir meinen.
  • Vermessung der deutschsprachigen Twittersphäre: Der geschätzte Internet-Kollege Luca Hammer hat sich in seiner Bachelor-Arbeit damit beschäftigt, wie groß die deutsche Twittersphäre ist. Da Twitter selbst dazu nur bedingt Angaben macht, sind die Zahlen von Luca wirklich spannend. Seine Ergebnisse kann man hier in aller Ausführlichkeit nachlesen: lucahammer.com/ba2020. Bei Sebastian Meineck gibt es ein Interview mit Luca zum Thema. Gern gehen wir demnächst auch noch einmal ausführlich auf das Thema ein. Heute nur so viel:

Jeden Tag gibt es 1 bis 1,5 Millionen neue Tweets auf Deutsch. Sie kommen von 0,76 bis 2,2 Millionen verschiedenen Accounts. Im Median ist ein Account seit vier Jahren auf Twitter, hat 204 Follower und folgt selbst 290 Accounts.


Neue Features bei den Plattformen

Facebook

  • Soundmojis: Emojis können im Facebook Messenger jetzt Geräusche machen (Facebook Newsroom). Kreisch.
  • Group Experts: Gruppen-Admins können jetzt einzelne Personen als Gruppen-Experten benennen (Facebook Newsroom), um sicherzustellen, dass sie zu einem bestimmten Thema gehört werden.

Instagram

  • Full-Screen-Videos: Wie von Insta-Boss Mosseri angekündigt, arbeitet Instagram hinter den Kulissen fleißig daran, Videos künftig auch im Feed in voller Pracht darstellen zu können. Wer bereits einmal schauen möchte, wie das dann aussehen könnte, hier ein erster Eindruck davon (@ alex193a).
  • Sharing is caring: Instagram testet eine Option, mit der Nutzerïnnen in Stories mehr von dem teilen sollen, was sie sich jüngst angeschaut haben. Ermöglicht wird dies über einen neuen „Reshare“-Sticker (Techcrunch). Nun denn.

Twitter

  • Twitter killt Fleets: Nach gerade einmal sieben Monaten begräbt Twitter seine Stories-Funktion wieder. In einem Blogpost heißt es zur Begründung schlicht, dass einfach zu wenig Leute Fleets genutzt hätten. Einige Features sollen in den regulären Tweet-Composer integriert werden – etwa Sticker, Full-Screen-Camera und Textformatierungs-Optionen. Statt Fleets werden künftig dann dann Spaces ganz oben zu sehen sein.
  • Wer auf einen Tweet antworten kann und wer nicht, lässt sich nun auch noch einstellen, nachdem ein Tweet veröffentlicht wurde (@TwitterSafety).

Clubhouse

  • Backchannel: Clubhouse hat jetzt auch eine Messaging-Funktion. Backchannel ermöglicht sowohl 1:1-Kommunikation als auch Gruppen-Chats. Was ihr damit anstellt, ist euch überlassen.
  • Exklusive TED-Talks sind jetzt das neue Ding auf Clubhouse (The Verge).

One more thing


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YouTube Shorts startet in Deutschland | Twitter haftet für Inhalte in Indien | Facebook kämpft um Creator

YouTube Shorts startet in Deutschland: Was kann der TikTok-Klon?

Was ist

Instagram hat Reels, Snapchat hat Spotlight, nur YouTube hatte in Deutschland bislang keinen TikTok-Klon. Das ändert sich jetzt: Nach einem Beta-Test in Indien und dem US-Start im März (#713) bringt YouTube Shorts nun in mehr als 100 weitere Länder, darunter auch nach Deutschland (YouTube-Blog).

Warum das wichtig ist

Keine große Plattform wächst schneller als TikTok – und keine hat in den vergangenen zwei Jahren stärkeren Einfluss auf Formate, Inhalte und Nutzungsverhalten in sozialen Medien gehabt. Nach Snapchats Stories sind mobil produzierte und konsumierte Kurzvideos der Trend, den alle kopieren.

ByteDance und Facebook sind Schwergewichte, die keinen K.O.-Schlag im Kampf um die Aufmerksamkeit des jüngeren Teils der Menschheit fürchten müssen. Aber mit YouTube betritt nun ein Gorilla den Ring, der gefährliche Schwinger verteilen könnte.

Das ist für alle beteiligten Akteure relevant:

  • Für die Konzerne geht es um Milliarden.
  • Für die Creator geht es um die Entscheidung, in welche Plattform sie langfristig Ressourcen investieren und sich Reichweite aufbauen sollten.
  • Für Nutzerïnnen steht am wenigsten auf dem Spiel. Wer keine Inhalte produziert, kann die Plattform ohne größere Hürden wechseln und muss sich nur an eine neue App gewöhnen, wenn Reels etwa erfolgreich einen TikTok-Star abgeworben hat.
  • Daran knüpft sich aber eine Frage an, die sich Unternehmen stellen müssen: Wo sehen sie das größte Potenzial, ihre Zielgruppe zu erreichen? Auf welcher Plattform wollen sie präsent sein, wo ist das Werbebudget am besten angelegt?
  • Das gilt natürlich nicht nur für Anzeigenkunden und Marken mit eigener Social-Media-Präsenz, sondern genauso für Verlage, Stiftungen oder den politischen Sektor. Sprich: Eigentlich für alle, die in irgendeiner Form mit Social Media zu tun haben.

Wie YouTube Shorts funktioniert

  • Das Grundprinzip erinnert stark an TikTok: Videos dürfen höchstens 60 Sekunden lang sein, mit der Multi-Segment-Kamera können Nutzerïnnen viele kurze Clips zusammenschneiden.
  • Man scrollt und swipt sich vertikal durch die Videoflut, die niemals zu Ende geht: YouTubes Empfehlungsalgorithmus setzt einem immer neue Inhalte vor.
  • Inhalte lassen sich ausschließlich mit dem Smartphone erstellen und anschauen. Auf dem Desktop gibt es YouTube Shorts bislang nicht.
  • Musik und Sounds sind die Basis der Shorts. YouTube hat Verträge mit mehr als 250 großen Labels abgeschlossen, damit eine große Auswahl an Musik zur Verfügung steht, mit der man die Videos unterlegen kann.
  • Bislang sollen "Millionen von Songs (Tendenz steigend) und Musikkataloge" verfügbar sein. YouTube will das Angebot weiter ausbauen.
  • Nutzerïnnen können nicht nur auf YouTubes eigenen Katalog zurückgreifen, sondern Sounds anderer Shorts und auch normaler YouTube-Videos weiterverwenden und remixen.
  • Wer nicht will, dass die Audiospur des eigenen YouTube-Clips verwendet wird, muss aktiv widersprechen. Die Funktion ist also opt-out statt opt-in, was einige Creator verärgern oder zumindest verwundern könnte.
  • Genau wie bei Reels ist es möglich, Clips von TikTok zu recyceln und direkt als Shorts zu veröffentlichen.

Wie YouTube Creator für sich gewinnen will

  • Ende Juni kündigte YouTube den Shorts Fund an (TechCrunch). Im Laufe des kommenden Jahres sollen 100 Millionen Dollar an Creator ausgeschüttet werden, die Shorts veröffentlichen.
  • Es soll bestimmte Schwellenwerte geben, ab der man für die Ausschüttung qualifiziert ist. Die genauen Benchmarks sind aber noch nicht bekannt. Creator können sich nicht selbst bewerben, vielmehr will YouTube von sich aus auf die Nutzerïnnen zugehen, die infrage kommen.
  • Bislang ist unklar, ob der Fund auch in Deutschland startet. YouTube erwähnt ihn allerdings im deutschsprachigen Blogpost und schreibt: "Im Vorfeld des Starts des Fonds werden wir weitere Details bekannt geben, einschließlich der Länder, in denen der Fonds verfügbar sein wird."
  • Im Vergleich zu den Plattform-Platzhirschen sind 100 Millionen Dollar relativ wenig. TikTok will in den kommenden drei Jahren zwei Milliarden Dollar verteilen (TikTok-Newsroom). Snapchat schüttete über Monate täglich eine Million Dollar an Nutzerïnnen aus, deren Spotlight-Snaps viral gehen (Snap-Newsroom).
  • Instagram hat für Reels zwar noch keinen Creator Fund aufgesetzt, behält sich diese Möglichkeit aber offen (The Information). Außerdem wirbt Instagram offenbar aktiv TikTok-Stars ab (WSJ) und bietet ihnen nicht öffentlich kommunizierte Summen, wenn sie die Plattform wechseln.
  • Den War for Talent haben wir Briefing #699 ausführlich beschrieben. Mehr über die unterschiedlichen Möglichkeiten für Creator, mit ihren Inhalten Geld zu verdienen, liest du in Ausgabe #703.

Was für Shorts spricht

  • YouTubes Marktmacht: Wenn es eine große Plattform gibt, die immer noch unterschätzt wird, dann ist das wohl YouTube. Jährlich zeigen Erhebungen wie der Reuters Digital New Report (#730) oder die ARD/ZDF-Online-Studie (#674), wie viel Zeit insbesondere Gen Z und Y auf YouTube verbringen – und welchen politischen und popkulturellen Einfluss die Plattform hat. Shorts wird direkt in die normale YouTube-App integriert und erreicht damit auf einen Schlag Hunderte Millionen Nutzerïnnen.
  • YouTubes Musik- und Videokatalog: Andere TikTok- und Reels-Clips zu remixen, ist das eine – auf die Tonspur aller YouTube-Videos zugreifen zu können, ist ein ganz anderer Anreiz. Fans können Mashups der Inhalte ihrer YouTube-Idole erstellen, und man kann sich gut vorstellen, welches kreative Potenzial dort schlummert.
  • YouTube Music und die nahtlose Integration: Videoplattform: check. Kurzvideos: check. Musik-Streaming: check. YouTube ist die einzige Plattform, die alle Dienste gemeinsam bieten kann. Immer wieder hören Nutzerïnnen etwa den Ausschnitt eines Songs auf TikTok, googeln die Lyrics und streamen das Lied auf Spotify. YouTube könnte einen komplett integrierten Workflow bieten, bei dem man kein einziges Mal die App verlassen muss.
  • Googles Kriegskasse: Alphabet Inc. ist eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Wenn es jemand mit ByteDance und Facebook aufnehmen kann, dann wohl Google und YouTube. Den Creator Fund mal eben von 100 Millionen auf eine Milliarde erhöhen? Vorstellbar. In kurzer Zeit viele fähige Entwicklerïnnen ins Shorts-Team beordern, um schnell zentrale Funktionen nachzuliefern? Machbar. Jedes Problem mit Geld bewerfen? Alphabet hat im ersten Quartal 2021 rund 18 Milliarden Dollar verdient. Richtig: verdient, nicht umgesetzt.
  • Der Reiz für Creator: Wer seinen YouTube-Channel pushen will, sollte ernsthaft darüber nachdenken, Shorts zu produzieren. Der 17-jährige Magier Dan Rhodes erhöhte die Zahl seiner Abonnentïnnen binnen weniger Monate von 17.000 auf 3,8 Millionen – dank der Shorts, die er veröffentlichte (Bloomberg). YouTube präsentiert die kurzen Clips prominent in der App und macht es extrem leicht, Videos zu liken oder einem Kanal zu folgen. Intern wird nicht zwischen YouTube- und Shorts-Account unterschieden: Wer einen Kanal über ein Shorts abonniert, folgt auch den normalen Videos, die sich über Reichweite und Werbung monetarisieren lassen.
  • Der erfolgreiche Start: Zumindest die Zahlen klingen gut. Im März sollen Shorts rund 6,5 Milliarden mal pro Tag angeschaut worden sein, fast doppelt so oft wie zu Jahresbeginn. Google-Chef Sundar Pichai bezeichnete die App bei einer Aktionärsversammlung als großes Versprechen für die Zukunft. Allerdings sind die Metriken allein wenig wert, wenn man nicht weiß, wie sie genau erhoben werden (Was zählt als View?) und wie man sie mit anderen Plattformen vergleichen kann.

Was gegen Shorts spricht

  • Eine App, sie alle zu binden? YouTubes größte Stärke könnte gleichzeitig die größte Schwäche sein. Denn womöglich wollen Nutzerinnen gar nicht eine App für alles. Viele Menschen schauen auf YouTube 10-20-minütige Videos oder gar stundenlange Filme. Die Plattform erfüllt für sie einen ganz anderen Zweck. YouTube ist soziales Netzwerk, Abspielfläche für Longform-Videos, eine Plattform für Streamer, hat Verticals und Formate wie YouTube Gaming und YouTube Stories und läuft Gefahr, sich zu überladen. Auch Facebook hat sich keinen Gefallen damit getan, jede Funktion und jedes Format in die blaue App einzubauen.
  • Googles Vorgeschichte: Erinnert sich noch jemand an Google+ oder kann die ungefähr 27 unterschiedlichen Messenger-Plattformen auseinanderhalten, die Google im Monatsrhythmus startet, zusammenlegt und wieder einstampft? Wir auch nicht. Wer es optimistisch auslegt, könnte sagen: Google wäre nicht so erfolgreich, wenn es nicht in der Lage wäre, aus seinen eigenen Fehlern zu lernen. In den vergangenen Jahren hat man sich jedenfalls reichlich Anschauungsmaterial geliefert, wie es nicht funktioniert. Es kann nur besser werden – zumal YouTube selbst ja wunderbar funktioniert.
  • TikToks Vorsprung: YouTube steigt ganz schön spät ins Kurzvideo-Game ein. Facebook hat mit dem längst eingestellten TikTok-Klon Lasso festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, ByteDance ernsthaft Konkurrenz zu machen. Mit Reels läuft es besser, aber selbst Facebook ist es bislang nicht gelungen, TikToks Aufstieg zu stoppen. YouTube startet mit einem gewaltigen Rückstand und wird viele gute Entscheidungen treffen müssen, um TikTok, Reels und Spotlight einzuholen.
  • TikToks Funktionen: Verglichen mit dem großen Rivalen fühlt sich YouTube Shorts bislang ziemlich nackt an. Der Editor ist deutlich reduzierter (YouTube will "im Zuge des Ausbaus von Shorts zukünftig viele weitere Tools" nachlegen), es fehlen etwa direkte Video-Replies auf andere Clips, das beliebte Duett-Feature oder die Möglichkeit, den Empfehlungsalgorithmus ähnlich zu personalisieren wie TikToks For-You-Feed. Auch in Sachen Videolänge ist TikTok schon wieder voraus: Anfang Juli wurden aus 60 Sekunden drei Minuten (TikTok-Newsroom).
  • TikToks Algorithmus und Netzwerkeffekt: TikTok ist beliebt und erfolgreich – und verdammt schwer zu kopieren. Das liegt nicht nur an der Funktionsvielfalt, sondern am Zusammenspiel vieler Faktoren. In einem Essay beschrieb Eugene Wei im Februar, wie einzigartig TikTok ist:

This is why TikTok's network effects of creativity matter. To clone TikTok, you can’t just copy any single feature. It’s all of that, and not just the features, but how users deploy them and how the resultant videos interact with each other on the FYP feed. It’s replicating all the feedback loops that are built into TikTok's ecosystem, all of which are interconnected. Maybe you can copy some of the atoms, but the magic lives at the molecular level.

Be smart

Wir haben in den vergangenen Monaten die US-Version von YouTube Shorts verfolgt. Unser Eindruck: Dort finden sich viele Crossposts von TikTok-Clips und vergleichsweise wenig originärer Content.

Das Verhältnis hat sich aber bereits verändert und dürfte sich künftig weiter verschieben. Das Budget des Creator Fund schüttet YouTube natürlich nur an Shorts aus, die in der YouTube-App produziert wurden. Das könnte ein Anreiz für Creator sein, Ressourcen in YouTube Shorts zu investieren.

Zudem ist YouTube sehr aktiv dabei, Shorts zu bewerben, und spricht Creator und deren Management an (Bloomberg), um die Vorzüge der Plattform zu betonen:

"It’s the biggest opportunity for YouTube creators or YouTube wannabes in the past five years,"" said Eyal Baumel, who represents several top online creators. "I’ve worked with YouTube for eight years, and I’ve never seen them so eager to promote a new product.""

Wenn wir Social-Media-Seminare geben, sagen wir oft: Wer herausfinden will, ob Schwimmen Spaß macht, muss sich nass machen. Das gilt auch für YouTube Shorts. Wir raten dringend dazu, die Plattform auszuprobieren. Wer ohnehin Clips für TikTok oder Reels produziert, kann sie einfach auch als Shorts veröffentlichen.

Gerade in der Anfangsphase verändern sich die Seh- und Nutzungsgewohnheiten schnell, und es lohnt sich unserer Meinung nach, damit zu experimentieren. Langfristig raten wir aber dringend dazu, hart zu selektieren. Um ein halbes Dutzend Netzwerke angemessen zu bespielen, braucht es enorme Ressourcen. Drei gute Social-Media-Präsenzen sind besser als sieben halbgare.


Social Media & Politik

  • Beschwerde gegen WhatsApp: Die Europäische Verbraucherorganisation BEUC hat sich bei der EU-Kommission über WhatsApp beschwert (BEUC). Der Grund: WhatsApp nötige seine Nutzerïnnen zu sehr, den neuen Nutzungsbedingungen zuzustimmen. Ähm, ja, da könnte was dran sein.
  • Biden will mehr Wettbewerb: US-Präsident Biden hat eine Executive Order unterzeichnet, die für mehr Wettbewerb zwischen den Tech-Plattformen sorgen könnte. Wir schauen uns das demnächst noch einmal ausführlicher an. Heute erst einmal nur der Verweis auf die Berichterstattung von Süddeutsche, Techdirt und New York Times.
  • Twitter haftet in Indien für Inhalte der Nutzerïnnen: Twitter ist in Indien künftig für die geposteten Inhalte seiner Nutzerïnnen rechtlich verantwortlich und haftet gegebenenfalls dafür (Reuters).

Creator Economy

  • Facebooks Kampf um Creator: Die geschätzten NYT-Journalisten Mike Isaac und Taylor Lorenz haben einen sehr lesenswerten Artikel über Facebooks Kampf um Creator geschrieben. Ihr Take: So sehr Facebook sich auch bemüht, es dürfte extrem schwer werden, Creator zu Facebook zu locken. YouTube und TikTok waren einfach früher am Start…
  • YouTube lanciert neuen New-To-You-Feed: TikToks Erfolg basiert bekanntlich vor allem auf dem extrem gut gemachten For-You-Feed, der Nutzerïnnen immer wieder neue, passgenaue Videos präsentiert. Um in der Gunst der Userïnnen nicht abzufallen, führt YouTube nun etwas ähnliches ein: der sogenannte New-To-You-Feed (Creator Insider, YouTube) ist mobile-only und soll den YouTube-Feed wieder etwas interessanter machen.

Neue Features bei den Plattformen

Twitter

WhatsApp

  • Bessere Foto-Qualität: Fotos werden bei WhatsApp vor dem Senden standardmäßig ziemlich arg runtergerechnet. Das ist zwar praktisch, aber der Foto-Qualität nicht besonders zuträglich. Wabetainfo berichtet, dass WhatsApp nun an einem Feature arbeitet, mit dem sich Fotos künftig auch in hoher Qualität verschicken lassen sollen.

TikTok

  • Automatisches Löschen: TikTok führt ein neues System ein (Newsroom TikTok), mit dem das Unternehmen Videos, die gegen die Richtlinien verstoßen, automatisch nach dem Upload blockieren kann. Laut TikTok könne sich das Sicherheitsteam so stärker auf schwieriger zu differenzierende Inhalte wie Hassreden, Mobbing und Belästigung konzentrieren.
  • TikTok jetzt auf Fire TV: Wer Amazon Fire TV nutzt, kann jetzt auch zuhause auf dem Fernseher TikTok-Videos schauen (Newsroom TikTok). TikTok hat das Feature in Deutschland, Frankreich und UK gelauncht. Wir werden das direkt mal ausprobieren und melden uns dann vermutlich in sieben Wochen wieder…

One more thing

You Really Need to Quit Twitter: Caitlin Flanagan beschreibt bei The Atlantic sehr eindrücklich, warum die Welt besser dran wäre, wenn wir uns alle von Twitter zurückziehen. Wäre es nur nicht schwierig, sich von der Plattform zu lösen… Auch lesenswert dazu: Johannes Kuhns Gedanken zum Text. Er sieht Twitter als Gewässer, das gekippt ist: „Twitter entspricht einem dysfunktionalen Forum, einer Community, die wie ein Gewässer ,gekippt ist‘ „


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Trumps Klagen gegen Facebook, Twitter und Google | Wie viel Zeit Influencerïnnen in ihre Accounts stecken | Amerikaner verbringen mehr Zeit auf TikTok als auf YouTube

Trumps Klagen gegen Facebook, Twitter und Google sind ein Witz – und gar nicht lustig

Was ist

Donald Trump verklagt Facebook & Mark Zuckerberg, Twitter & Jack Dorsey sowie YouTube & Sundar Pichai (jeweils PDFs). Der Vorwurf: Die Plattformen hätten ihn zensiert und damit sein Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt.

Warum das wichtig ist

Er ist wieder da, aber wir hätten gut darauf verzichten können. 2020 haben wir das Wort "Trump" knapp 1000-mal in unseren Briefings erwähnt. Im vergangenen halben Jahr tauchte der Ex-Präsident nur noch bei uns auf, wenn es um seine gesperrten Facebook-Accounts und die Entscheidung des Oversight Boards ging. Ohne Amt und Mandat ließ sich Trump ganz gut ignorieren.

Jetzt müssen wir uns erneut mit ihm beschäftigen. Denn die Klagen, so viel sei vorweggenommen, haben keine Aussichten auf Erfolg. Aber leider geht es nicht nur um Trump, der versucht, sich irgendwie im Gespräch zu halten. Es geht um viele Millionen Menschen, die ihm nach wie vor vertrauen. Es geht um eine zutiefst gespaltene Gesellschaft und eine Situation, in der etliche prominente Republikaner Big Tech als Sündenbock für ihre Niederlage ausgemacht haben. Mit absurden Vorwürfen, aber leider mit Erfolg.

Was Trump den Plattformen vorwirft

Versprochen: Wir machen es kurz. Die Anschuldigungen sind dermaßen hanebüchen, dass es sich gar nicht lohnt, ausführlich auf die Klageschriften einzugehen. Sie könnten fast lustig sein, wenn die Situation nicht so ernst wäre.

Im Wesentlichen behauptet Trump, dass Facebook, Twitter und YouTube gegen den ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten verstoßen hätten, indem sie seine Accounts sperrten. Das 1st Amendment schützt aber nur Bürgerïnnen vor Eingriffen des Staats und richtet sich nicht gegen private Konzerne. Trump sagt also, dass die Plattformen seine privaten Rechte als US-Bürger zu seiner Zeit verletzt hätten, als er selbst Teil der Regierung war, obwohl das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Meinungsfreiheit genau andersherum funktioniert.

Es geht noch wirrer: Trump verlangt auch, Section 230 abzuschaffen, also jenen Teil des Communications Decency Acts, der verhindert, dass Plattformen für Inhalte haftbar gemacht werden können, die Nutzerïnnen veröffentlichen. Tatsächlich hätten Facebook und Twitter Trump ohne den Schutz durch Section 230 womöglich sogar früher rauswerfen müssen, weil sie dafür verklagt worden wären, dessen teils grenzwertige Äußerungen online zu lassen.

Die drei Klageschriften strotzen vor weiterem Unsinn, den wir an dieser Stelle nicht in Gänze wiedergeben. Wer will, kann sich die Absurditäten von Mike Masnick erklären lassen (Techdirt). Ausnahmslos alle Expertïnnen, die in Medien zum Thema zitiert werden, sind sich einig: Diese (Axios) Klagen (Vox) haben (Techcrunch) keine (Protocol) Chance (Washington Post) auf (The Verge) Erfolg (NYT). (Okay, Fox News und der Parler Interims-CEO sehen das anders, aber wir sprachen ja auch von Medien und Expertïnnen.)

Am prägnantesten drückt es Yale-Professorin Kate Klonick aus (Twitter):

I’ll be filing a class action suit against Trump for unconstitutionally wasting everyone’s time.

Was hinter den Klagen steckt

Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump Rumpelstilzchen spielt und vollkommen aussichtslose Gefechte anzettelt. Doch im Gegensatz zu ein paar Tweets schreiben sich drei Klageschriften mit jeweils mehreren Dutzend Seiten nicht von selbst. Dafür braucht es Menschen mit juristischem Sachverstand, und die werden wissen, dass die Vorwürfe vor Gericht keinen Bestand haben werden.

Womöglich weiß das auch Trump selbst. Schließlich wurden die Klagen nicht mal in Kalifornien eingereicht, wo die drei Konzerne sitzen, sondern in Florida. Selbst wenn die Vorwürfe ernster zu nehmen wären, könnten die CEOs dort gar nicht verurteilt werden. (Interessanter Nebenaspekt: In Florida schützt ein Gesetz vor missbräuchlichen Klagen, was zur Folge haben könnte, dass Trump auch für die Rechtskosten von Facebook, Twitter und YouTube aufkommen muss. Wir vermuten, dass sie sich teure Anwältïnnen suchen werden.)

Es geht Trump aber ohnehin nicht darum, Zuckerberg, Dorsey und Pichai verurteilt zu sehen (auch wenn ihn das sicher freuen würde). Die Klagen erfüllen einen anderen Zweck: Sie bringen Trump zurück in die Schlagzeilen.

Mit seinem Amt und seinen Social-Media-Konten hat Trump auch einen Großteil der Aufmerksamkeit verloren: Die Zahl der Interaktionen in sozialen Medien, die sich um seinen Namen drehen, ist seit Januar um rund 90 Prozent gesunken (Axios). "Trump's social media superpower was never his ability to tweet — it was his ability to get the media to cover what he tweeted", sagt Jim Anderson, CEO von SocialFlow, das einen Teil der Daten ausgewertet hat. Diese Superpower hat Trump eingebüßt – und das ist für ihn ein großes Problem.

Zum einen geht ihm das Geld aus. Wenn er 2024 erneut als Kandidat der Republikaner antreten will, ist er auf Spenden angewiesen. Die fließen aber nur, wenn Trump weiter präsent in den Medien ist. Zur großen Überraschung von exakt niemandem hat Trump just in dem Moment, als er die Klagen ankündigte, zu einer neuen Spendenkampagne aufgerufen (MotherJones).

Zum anderen können die Klagen Facebook, Twitter und YouTube schaden, auch wenn kein Gericht in den USA sie ernst nimmt. Sie nähren ein Narrativ, das Trump und viele Republikaner seit Jahren mit Erfolg gewoben haben (OneZero): Das angeblich linke Silicon Valley habe sich gegen Konservative verschworen, "zensiere" abweichende Meinungen und tue alles, um die Demokraten an die Macht zu bringen.

Das setzt nicht nur die Konzerne unter Druck (NYT), sondern eint auch das eigene Lager, das auf "die da oben" schimpfen und sich ungerecht behandelt fühlen kann (Washington Post). Dabei ist es egal, was Richterïnnen sagen – Gefühle wiegen schwerer als Fakten.

Be smart

Die gute Nachricht: Trump ist nach wie vor auf klassische Medien und große Plattformen angewiesen. "Il faut parler de Parler" (Man muss über Parler reden), schrieben wir im vergangenen November (#684). Nachdem Amazon, Apple und Google dem alternativen Netzwerk die Plattform entzogen haben, spricht niemand mehr von und auf Parler (Axios). Auch Gab, MeWe und Rumble werden immer irrelevanter.

Anfang der Woche dachten wir noch, dass wir uns in diesem Briefing mit Gettr beschäftigen müssen. Ehemalige Mitglieder von Trumps Team hatten den Twitter-Klon gegründet, und wir fürchteten, dass eine rechtslastige Echokammer entstehen könnte – doch das Projekt zerlegte sich schneller, als wir schreiben konnten. Deshalb verweisen wir nur auf Casey Newton (Platformer), der den (sehr kurzen) Aufstieg und (sehr tiefen) Fall von Gettr beschreibt.

Die schlechte Nachricht: Trump ist weg, der Trumpismus ist es nicht. Die US-amerikanische Gesellschaft ist tiefer gespalten denn je, Jahre voller Desinformation, Lügen und Rassismus haben Spuren hinterlassen. An vielen Orten im Land formieren sich Trumps Unterstützerïnnen (Washington Post), die jegliches Vertrauen in Medien und staatliche Institutionen verloren haben. Sie verhindern die Einführung von Impfausweisen oder protestieren vor Impfzentren, bis diese geschlossen werden. Auch QAnon lebt und gedeiht weiter (LA Times).

Trumps Einfluss mag abgenommen haben und dürfte weiter schrumpfen, doch für viele Menschen ist er immer noch ein Idol. Sie hängen an seinen Lippen und folgen seinen Worten. Trump selbst ist seit Januar geimpft, trotzdem hat er sich öffentlich immer wieder widersprüchlich über die Impfung geäußert. Das hat Folgen (Washington Post): 93 Prozent der Anhängerïnnen der Demokraten sind bereits geimpft oder wollen sich impfen lassen – aber nur 49 Prozent der Menschen, die den Republikanern nahestehen. Unter den Impfgegnerïnnen vertrauen 53 Prozent auf den medizinischen Rat von Trump – und gerade mal neun Prozent auf die Expertise von Anthony Fauci (YouGov).

Kurzum: Trump hat große Macht – aber offenbar kein Interesse, die Verantwortung wahrzunehmen (Popular Information), die damit einhergeht:

Trump still has a chance to (…) end the pandemic in the United States, and save many lives. He can reach people that don't trust Biden, Fauci, or the CDC. But his new lawsuits suggest Trump has other priorities.

Follow the money

  • Fidji Simo verlässt Facebook: Wir sind kein Medium, das sich explizit mit Personalrochaden beschäftigt. Wenn sich allerdings die Chefin von Facebook Blue, also der guten alten Facebook App, verabschiedet, um CEO beim Essenslieferservice Instacart zu werden (CNBC), ist uns das eine Notiz wert. Zwei Gründe: Erstens zeigt es, dass der Job, Chefin der Facebook App zu sein, nicht mehr das Größte auf der Welt ist. Zweitens wird mit Tom Alison jemand ihr Nachfolger, der bislang vor allem die Entwicklung von Facebook Gruppen verantwortete – zeigt also vielleicht ganz gut, in welche Richtung die Reise für Facebook gehen könnte.

Influencer

  • 24 Stunden pro Woche verbringen Influencer im Schnitt damit, ihre Social-Media-Accounts zu pflegen. Diese und viele weitere interessante Stats hat eine Studie von Hype Auditor hervorgebracht. Hier einige ausgewählte Ergebnisse:

Schon einmal im Briefing gehört

  • Amerikaner verbringen mehr Zeit auf TikTok als auf YouTube: So lautet das Ergebnis einer Untersuchung, die die App-Analyse-Firma App-Annie veröffentlicht hat. Zwar stützt sich die Untersuchung nur auf Zahlen von Android-Nutzerïnnen, sie untermauern aber trotzdem den unfassbaren Höhenflug, den TikTok über die letzten Monate hingelegt hat: Nutzerïnnen verbringen im Schnitt 24,5 Stunden pro Monat auf TikTok, auf YouTube hingegen nur 22 Stunden. Beides völlig irre Zahlen.

  • YouTube-Empfehlungen können an dunkle Ort führen: Eigentlich hatte YouTube Besserung gelobt: Keine spalterischen Videos mehr empfehlen, so lautete die gut gemeinte Zielvorgabe. Eine Untersuchung von Mozilla zeigt: Funktioniert hat das leider nicht wirklich. Immer noch trägt der Empfehlungsalgorithmus in großem Umfang dazu bei, dass „minderwertige, spalterische und desinformierende Inhalte“ ein Publikum auf YouTube finden.
  • Pinterest macht Ernst in Sachen Body Positivity: Wenn das keine guten Nachrichten sind: Pinterest aktualisiert seine Anzeigenrichtlinien, um alle Anzeigen mit Sprache und Bildmaterial zum Thema Gewichtsverlust zu verbieten. Konkret sind fortan alle Anzeigen verboten, die folgende Dinge beinhalten:
    • Jegliche Sprache oder Bildsprache zur Gewichtsabnahme
    • Jegliche Zeugnisse über Gewichtsabnahme oder Produkte zur Gewichtsabnahme
    • Jegliche Sprache oder Bildsprache, die bestimmte Körpertypen idealisiert oder verunglimpft
    • Bezugnahme auf den Body Mass Index (BMI) oder ähnliche Indizes
    • Jegliche Produkte, die eine Gewichtsabnahme durch etwas versprechen, das getragen oder auf die Haut aufgetragen wird

Pinterest ist damit die erste große Plattform, die sämtliche Anzeigen zum Thema Abnehmen verbietet. Wir sind gespannt, ob die Regeln auch effektiv durchgesetzt werden (können).

Neue Features bei den Plattformen

TikTok

  • Shoutouts von Influencerïnnen: TikTok bastelt an einem Feature (Business Insider), das stark an Cameo erinnert. Mit der neuen Funktion könnten sich Fans von Influencerïnnen Shoutouts kaufen – etwa Geburtstagsgrüße für eine Freundin.
  • Job via TikTok finden: Wenn Amerikaner schon mehr als einen ganzen Tag ihres Lebens pro Monat auf TikTok abhängen, dann könnten sie die Zeit doch wenigstens auch etwas produktiv nutzen, oder? Well, zumindest können sich US-Nutzerïnnen jetzt via TikTok mit einem Video auf Jobs von ausgewählten Unternehmen bewerben. Ob mensch mit einem Prank, Shuffle-Dance oder Shanty die besten Karten hat, ist nicht überliefert.

Facebook

  • Threads: Facebook testet eine neue Art, Kommentare zu strukturieren. Threads (Techcrunch) sind uns ja bereits von anderen Plattform bekannt.

Twitch

  • Watch Parties jetzt auch auf iOS und Android: Watch Parties sind anscheinend immer noch ein Thema. Mit Watch Parties können Twitch-Nutzerïnnen zusammenkommen, um Sendungen, die mit ihrem Amazon-Prime-Abonnement verfügbar sind, direkt auf Twitch anzusehen, darauf zu reagieren und darüber zu diskutieren. Bislang war das nur am Desktop möglich – jetzt geht das auch mobil (The Verge).

Discord

One more thing

  • Social Media Watchblog auf Instagram: Ja, Instagram ist ziemlich überdreht aktuell. Da hat Daniel in unserer gestrigen Lecture schon einen Punkt gemacht. Nichtsdestotrotz wollen wir in den kommenden Monaten ein wenig auf Instagram experimentieren. Wer mag, kann uns dort gern folgen: instagram.com/socialmediawatchblog. Falls jemand Lust hat, bei unseren Instagram- (und weiteren Social-) Aktivitäten mitzuwirken, bitte melden!


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Umbau bei Instagram: Video, Shopping, Creator und Messaging im Fokus | Kartellbeschwerde gegen Facebook abgewiesen | Facebook-Traffic fällt

Umbau bei Instagram

We are no longer a photo-sharing-app or a square photo-sharing app.

Wow, dieser Satz hat gesessen. Instagram-Boss Mosseri hat in einem Video bei Twitter erklärt, auf welche Bereiche sich das Unternehmen künftig primär konzentrieren möchte:

  • Creator
  • Video
  • Shopping
  • Messaging

Klar, dieser Umbau ergibt mit Blick auf die aktuellen Trends total Sinn:

  • Creator müssen endlich solide Optionen bekommen, um für ihre Arbeit auf den Plattformen adäquat entlohnt zu werden. Wir haben darüber in der Vergangenheit ausführlich berichtet (#703, #712).
  • Video: Der anhaltende Erfolg von TikTok und YouTube zeigt, wie wichtig Video ist. Wie sagt Mosseri so schön: „TikTok is huge, YouTube is even bigger.“ Instagram hat hier einiges aufzuholen, möchte es von den anderen Plattformen nicht gnadenlos abgehängt werden.
  • Social Shopping ist bekanntlich in anderen Ländern – vor allem in China – bereits ein riesiges Thema. Facebook und Instagram setzen derzeit alles daran, hier ganz vorne mit dabei zu sein. Zu verlockend sind die Verdienstmöglichkeiten.
  • Messaging: Zu guter Letzt berichten wir seit Jahren darüber, dass Nutzerïnnen Plattformen wie Instagram zunehmend passiver nutzen. Inhalte teilen sie lieber dort, wo sie sich nicht in einem so krassen Wettbewerb mit anderen ausgesetzt sehen. Die Entscheidung von Instagram, sich stärker auf das Thema Messaging zu konzentrieren, ist daher nur konsequent.

Ob die Rechnung für Instagram aufgeht und was das für all die Medienprofis bedeutet, die täglich Instagram nutzen, um ihre Inhalte in Form von Fotos und Cards zu teilen, wird sich zeigen. Ein Pivot-to-Video ist ja an anderer Stelle schon einmal schief gegangen. Wer mag, diskutiert mit uns drüben bei Insta oder Slack über das Thema.


Social Media & Politik

  • Kartellbeschwerde gegen Facebook abgewiesen: Im Dezember hatten die US-Handelskommission (FTC) und 48 US-Generalstaatsanwältïnnen Kartellklagen gegen Facebook eingereicht (#689). Es ging um die Frage, ob Facebook seine Marktmacht illegal ausgenutzt hat. Jetzt wurde die Klage abgewiesen (Vox). Die Begründung: Die FTC hätte nicht ausreichend dargelegt, dass Facebook überhaupt ein Monopol innehabe.
  • 1-Billion-Dollar-Club: Die Zurückweisung der FTC-Klage hat dafür gesorgt, dass Facebook in einen ziemlich elitären Club aufgestiegen ist – den Club der wenigen Firmen, die bereits eine Marktbewertung von 1 Billion Dollar (Axios) verbuchen – also Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon. Oder anders gesagt: Die Kartellklage gegen Facebook wurde abgewiesen? Dem Kapitalmarkt gefällt das.
  • Facebook-Auftritte von Bundesbehörden nicht datenschutzkonform: Dass der Bundesdatenschutzbeauftragte die Bundesbehörden auffordert, ihre Facebook-Seiten bis zum Ende des Jahres abzuschalten (netzpolitik), erscheint dagegen wie eine Provinz-Posse.

Kampf gegen Hass und Desinformation

  • Besserer Schutz vor Hass im Netz: Facebook, Google, Twitter und TikTok haben sich dem von der World Wide Web Foundation (WWWF) angeführten Versprechen angeschlossen (Guardian), Probleme und Schwachstellen im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt im Internet zu beheben.
  • Women’s Safety Hub: Facebook hat zudem einen Women’s Safety Hub eingeführt. Hier finden sich Informationen und Ressourcen für alle, „die Unterstützung und Hilfe zum Thema Online-Sicherheit von Frauen benötigen“.
  • Facebook zeigt sich besorgt: „Are you concerned that someone you know is becoming an extremist“, fragt Facebook jetzt neuerdings einige Nutzerïnnen in den USA. Der Hinweis (CNN) soll dabei helfen, Menschen vor Radikalisierung zu schützen.
  • Deutlichere Hinweise: Seit einem Jahr arbeitet Twitter mit besonderen Hinweisen, um vor Tweets zu warnen, die Falschinformationen verbreiten. Eben diese „Prompts“ erhalten nun ein neues Design (@TwitterSupport) – einerseits kommt Farbe ins Spiel, andererseits werden die Links zu weiterführenden Informationen stärker betont.

Follow the money

  • Mehr Shopping: Facebook führt in ausgewählten Ländern die neue Shop-Funktionen jetzt auch bei WhatsApp ein. Zudem gibt es Shops in den USA nun auch bei Facebook Marketplace. Auch bastelt Facebook an einer Option, die eine Art virtuelle Anprobe ermöglicht, und an einem Feature, das visuelles Suchen ermöglicht. In Facebooks Newsroom gibt es die News im Überlick.
  • Die Technik dahinter: Wer sich für die Technik hinter Facebooks neuen Shopping-Funktionen interessiert, kann hier einmal schauen. In dem Blogpost erklärt Facebook auch, was das Ziel ist – nämlich nichts weniger als die Shopping-Weltherrschaft:

Facebook AI is on a quest to build the world’s largest shoppable social media platform, where billions of items can be bought and sold in one place.

  • BuzzFeed möchte an die Börse: Über ein spezielles Konstrukt strebt BuzzFeed an die Börse (Handelsblatt). Das allein wäre in unserem Briefing sicherlich keine Erwähnung wert. Wir sind allerdings auf eine spannende Präsentation (PDF) gestoßen, die verdeutlicht, was BuzzFeed in den kommenden Jahren vorhat. Mit Blick darauf, dass BuzzFeed es als erstes Medienunternehmen so richtig verstanden hatte, aus Social Media Kapital zu schlagen, ist die Präsi sicherlich ganz interessant für den einen oder die andere.
  • Deal zwischen Snapchat und Viber: Snapchat hat ein spannendes Modell gefunden, um „mehr Snapchat“ außerhalb der eigenen App zu ermöglichen. Über Lizenzen können Messenger-Apps wie Viber auf Snap’s Camera Kit tools zugreifen (The Information). Der Deal: Snapchat verdient durch die Lizensierung gutes Geld und ist bei Dritt-Anbietern ebenfalls präsent. Viber (et al) wiederum muss keine eigenen AR-Lenses entwickeln, kann aber trotzdem einen entsprechenden Mehrwert bieten. Win-Win. Allerdings nur in den Märkten, in denen sich die Apps bislang nicht wirklich etwas wegnehmen. Ist klar.
  • Globale Werbeausgaben Mittlerweile streichen Google, Facebook, Alibaba, ByteDance und Amazon unglaubliche 46 Prozent der globalen Werbeausgaben ein. Diese zwei Diagramme (pressgazette) verdeutlichen, wie sehr sich der Anzeigenmarkt in den vergangenen zehn Jahren verändert hat.


Social Media & Journalismus

  • Slides und Cards bei der Times: Die New York Times nutzt – wie wir alle auch – Slides und Cards, um bestimmte Themen für Social visueller aufzubereiten. Das Nieman Lab widmet sich dem Thema in einem Artikel und zeigt, welche Erfolge die NYT damit feiern konnte. Spoiler: Mehr Sichtbarkeit.
  • Facebook-Traffic fällt weltweit – in Europa aber stabil: Weltweit ist der Traffic-Anteil, den Medien über Facebook erzielen konnten, stark zurückgegangen (Chartbeat). Europa bleibt stabil.


Creator Economy

  • Facebook launcht Bulletin: Das ging fix: Facebook hat sein neues Newsletter-Tool Bulletin an den Start gebracht. Die Aufmachung erinnert stark an Substack und Revue. Aber Facebook ist ja auch nicht gerade dafür bekannt, das Rad neu zu erfinden. Zum Beta-Start sind vier bekannte US-Persönlichkeiten als Autoren auserchoren worden. Bis du auch deinen Newsletter via Facebook rausschicken kannst, dauert es noch eine Weile (Vox). Aber vielleicht willst du das auch gar nicht tun.
  • Subscriber-only Stories bei Instagram: Manche nennen es Super Folows, andere nennen es Only Fans. Wieder andere ganz lapidar Paid-Content. Instagram jedenfalls arbeitet an einer Option, Stories nur einem zahlenden Publikum zugänglich zu machen – sogenannte Exlusive Stories. Ob man die dann nicht einfach Screenshotten kann? Nope (@alex193a).

Video Boom

  • YouTube Culture Trends Report 2021: Wir haben länger darüber nachgedacht, YouTubes Culture Trends Report größer aufzubereiten. Am Ende haben wir uns aber dagegen entschieden – nicht etwa, weil der Report eine nähere Betrachtung nicht verdient hätte. Vielmehr deshalb, weil der Report im wahrsten Sinne des Wortes sehr „sehenswert“ ist. Wir sind uns gar nicht so sicher, ob wir eine derartige Aufbereitung bereits einmal gesehen habe – YouTube at its best. Anyway. Inhatlich geht es u.a. um folgende Themen:
    • Immediacy – also die Idee, auch dann etwas zusammen zu erleben, wenn wenn man alleine ist.
    • Synchronisierte Aktivität – etwa gemeinsames Lernen, Arbeiten, Studieren, Konzentrieren. Das Lofi Girl dient dafür als Beispiel. Der Lofi Merkelwave ist noch einmal ein ganz anderes Thema.
    • Ferner werden laut YouTube Report die Themen „radical relatability“ und „extreme authenticity“ immer wichtiger. Superficial und perfectionism waren gestern.
    • Auch verschwimmen die Grenzen zwischen privat und öffentlich immer stärker. Das macht sich nun auch bei YouTube bemerkbar.
    • Und Podcasts, die als Video konsumiert werden, sind laut Culture Trends Report regelrecht explodiert.

Schon einmal im Briefing davon gehört

  • Kuaishou verbucht eine Milliarde monatlicher Nutzerïnnen: Vermutlich hast du von Kuaishou noch nie etwas gehört. Die App gilt als Douyins (TikToks Schwesterapp) größter Konkurrent in China. Jetzt hat die Short-Video-App, die außerhalb von China unter Kwai firmiert, eigenen Angaben zufolge die Marke von 1 Milliarde Monthly Active User (MAU) geknackt (Techcrunch). Wie groß das ist? Ziemlich groß! Facebook kommt weltweit auf 2,8 Milliarden MAU…
  • Social Upstarts, die Clubhouse herausfordern: Falls du dich für Clubhouse interessierst, könnte dich dieser Artikel von Fast Company über weitere Upstarts interessieren, die angetreten sind, um ihre ganz eigene Interpretation von Social Audio am Markt zu platzieren – etwa Quilt, Peanut oder Yoni Circl.

Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • Posten vom Desktop ist hier – also jetzt for real. Wirklich.
  • Links in Stories für alle: Zwar vorerst nur ein Test, und auch kein Swipe-Up sondern ein Sticker (The Verge), aber immerhin denkt Instagram über Optionen nach, wie Normal-Sterbliche innerhalb von Stories auf eine externe Website (völlig verrückt!!!!) verlinken können.
  • Recommendations: Willkommen bei Instatok: Instagram hat ja bereits vor Monaten damit angefangen, Nutzerïnnen Posts von Menschen in den Feed zu spülen, denen sie bislang nicht folgen. Bislang ließen sich solche Empfehlungen am Ende des Feeds finden. Jetzt testet Instagram, ob sich Nutzerïnnen über entsprechende Empfehlungen auch innerhalb ihrer Feeds freuen. Der Erfolg von TikTok (aka The Sorting Hat, Eugene Wei) muss sich doch irgendwie kopieren lassen, don’t?!

Twitter

TikTok

  • Längere Videos: Erst 15 Sekunden, dann 30, dann 60, demnächst 180: TikTok ermöglicht bald 3-minütige Videos. Mit Blick darauf, dass die beliebtesten Formate bei YouTube zwischen 10 und 20 Minuten lang sind, kann man erahnen, dass es wohl nicht die letzte Verlängerung bei TikTok gewesen sein wird. Die Gründe liegen auf der Hand: Mehr Werbung + ideale Vorbereitung für TikTok auf dem Fernseher.

Telegram

Slack

  • Slack Huddles: Slack möchte mehr Büro-Atmosphäre daheim schaffen. Dafür hat es Slack Huddles gelauncht – laut Beschreibung „eine einfache Art, um ein Gespräch zu starten“. Das Feature ist vorerst zahlenden Teams vorbehalten.

Header-Foto von Mercedes Mehling bei Unsplash


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