Monat: April 2021

7 Konflikte, die den Siegeszug von Big Tech aufhalten könnten, Live-Audio ist das neue Stories, Facebook festigt Kooperation mit Spotify

7 Konflikte, die den Siegeszug von Big Tech aufhalten könnten

Was ist

Alphabet/Google, Apple, Facebook und Microsoft haben ihre Quartalszahlen veröffentlicht – und was für welche: Rekorde, wohin man auch blickt. Amazon legt nach unserem Redaktionsschluss nach und dürfte seine Aktionärïnnen ebenfalls erfreuen. Neben Verschwörungsgläubigen und Klopapierfabrikanten scheint es einen großen Pandemie-Gewinner zu geben: Big Tech.

Doch der Siegeszug von GAFAM muss nicht so weitergehen. In den vergangenen Tagen wurden nicht nur unvorstellbar große Gewinne verkündet. Es sind auch eine Menge potenziell bedrohlicher Konflikte neu oder wieder entflammt.

Wir versuchen in diesem Briefing, einen Überblick zu geben, ohne jeden einzelnen Punkt im Detail zu analysieren. Dafür verweisen wir auf weitergehende Berichterstattung oder unsere eigenen Analysen.

Was die Quartalszahlen sagen

  • Wir ersparen uns und dir die Analyse der genauen Zahlen. Zusammengefasst: Sie haben alle sehr viel Nullen und sind noch mal deutlich größer ausgefallen als im Vorjahr.
  • Wenn du mehr wissen willst, kannst du die Details direkt bei Alphabet, Apple, Facebook und Microsoft nachlesen.
  • Interessanter erscheinen uns die generellen Trends und einige Beobachtungen, die wir hier skizzieren wollen.
  • LinkedIn entwickelt sich zu Microsofts Cashcow: 750 Millionen Nutzerïnnen, drei Milliarden Dollar Umsatz – mehr als Snapchat, Pinterest und Twitter.
  • Das Karrierenetzwerk zusammen mit der Suchmaschine Bing lässt Microsoft allmählich zu einem echten Player auf dem Werbemarkt werden. Was lange Zeit ein Duopol aus Google und Facebook war, bei dem längst auch Amazon mitspielt, könnte künftig noch etwas umkämpfter werden.
  • Richtig spannend wäre es geworden, hätte Microsoft TikTok aufgekauft. Auch die zwischenzeitlich kolportierte Übernahme von Discord für zehn Milliarden Dollar hätte die Social-Media-Welt ordentlich durcheinander gewirbelt. Aber nur, weil die Übernahmegespräche vorerst abgebrochen wurden, heißt das nicht, dass Microsoft seine Versuche aufgegeben hat, nach LinkedIn ein weiteres soziales Netzwerk zu schlucken.
  • YouTube wächst und wächst. In den vergangenen drei Monaten hat die Video-Plattform sechs Milliarden Dollar mit Werbung umgesetzt. Wenn die Entwicklung anhält, überholt YouTube bald Netflix – bei deutlich höheren Gewinnmargen. Schließlich muss Netflix viel mehr Geld ausgeben, weil es den Großteil der Inhalte selbst produziert oder einkauft.
  • Spannender Randaspekt: YouTubes TikTok-Kopie Shorts verzeichnete bislang rund 3,5 Milliarden Video-Abrufe. Wir können diese Zahl nicht richtig einschätzen, weil uns die Vergleichswerte fehlen. Die meisten Analystïnnen halten das aber für ein Anzeichen, dass Shorts auf einem guten Weg sei, eher zu Reels als zu Lasso zu werden. Facebooks TikTok-Klon ist bekanntlich gefloppt, die Instagram-Version entwickelt sich deutlich besser.
  • Das Cloud-Geschäft boomt weiter. Microsoft und Amazon nehmen seit Jahren immer mehr Dollar mit Office365, Azure und AWS ein. Jetzt gesellt sich allmählich auch Alphabet dazu.
  • Google Cloud verbrennt zwar weiter Geld, mit knapp einer Milliarde aber deutlich weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz von Googles Cloud-Plattform und des Workspace-Abos ist um fast die Hälfte gestiegen.
  • Lieferengpässe und Chip-Mangel haben Microsoft und vor allem Apple einige Milliarden gekostet. Insgesamt herrscht aber großer Optimismus. Vor einem Jahr klangen die CEOs bei den Earning Calls noch vorsichtig, weil sie nicht wussten, was die Pandemie für ihr Geschäft bedeutet.
  • Mittlerweile ist klar, dass die Corona-Krise für das Silicon Valley ein Glücksfall war. Der Lockdown hat die Digitalisierung beschleunigt, Menschen verbringen mehr Zeit vor Bildschirmen, viele dieser Verhaltensweisen werden von Dauer sein. Software and tech are eating the world.

Was den Siegeszug stoppen könnte

2021 muss man sich keine Hoffnung mehr machen, dass Menschen den großen Konzernen in Scharen davonlaufen, weil sie Wert auf ihre Privatsphäre, mehr Datenschutz, das freie Netz oder andere wünschenswerte, aber abstrakte Ziele legen. Eine Handvoll dominanter Unternehmen teilt die Macht unter sich auf. Alle paar Jahre kommt mal ein neuer Name dazu (TikTok), aber am Ende werden die Großen immer größer und reicher.

Doch neben den Entscheidungen der Nutzerïnnen gibt es noch andere wichtige Faktoren für den Erfolg der Tech-Konzerne: den Rahmen, den die Politik setzt, und die eskalierenden Konflikte zwischen den Unternehmen selbst.

1. Apple vs. Facebook

  • Apple hat das lange erwartete Update auf 14.5 veröffentlicht und damit auch das App Tracking Transparency Framework (ATT) scharf geschaltet.
  • Entwicklerïnnen dürfen Nutzerïnnen jetzt nicht mehr ungefragt quer durchs Netz und über Apps hinweg verfolgen. Dafür braucht es die ausdrückliche Zustimmung, die sie sich per Pop-up einholen müssen.
  • Umfragen zeigen, dass zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Nutzerïnnen ablehnen wird. Das bedroht die Werbeerlöse vieler Unternehmen, allen voran Facebook.
  • Facebook fährt deshalb seit Monaten eine heftige Kampagne gegen Apple und versucht, kleine und mittelständische Unternehmen zu mobilisieren.
  • Es ist aber auch Facebook selbst, das sich Sorgen machen muss. Mark Zuckerberg warnte beim jüngsten Earning Call, dass ATT Facebooks Umsätze senken könnte.
  • Tatsächlich trifft Apples neue Datenschutz-Offensive die ganze Werbebranche, die Hunderte Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt. Der Streit zwischen Apple und Facebook ist wohl auch deshalb so eskaliert, weil Zuckerberg und Tim Cook eine innige Ablehnung verbindet, die Mike Isaac und Jack Nicas kürzlich noch mal nacherzählt haben (NYT).
  • Know more: In Briefing #691 und #703 beleuchteten wir den Konflikt mitsamt seinen möglichen Folgen. Gute und aktuelle Q&As findest du bei Spiegel, SZ oder Zeit Online.

2. Spotify vs. Apple

  • Podcast waren einst eine offene Plattform: RSS-Feeds, Dutzende unterschiedliche Apps, eine Vielzahl an Hostern. Doch genau wie im Netz ziehen Unternehmen ihre Walled Gardens hoch und bauen geschlossene Ökosysteme, namentlich Apple und Spotify.
  • Ausnahmsweise könnte Apple dabei mal nicht gewinnen. Vergangene Woche wollte der Konzern mit den Apple Podcasts Subscriptions "ein neues Kapitel des Podcastings" einleiten und dabei seine gewohnte Provision auf die kostenpflichtigen Inhalte kassieren (30 Prozent im ersten Jahr, danach die Hälfte).
  • Wenige Tage später kündigte Spotify das Konkurrenzangebot an und sprach fast wortgleich von "einer neuen Ära der Podcast-Monetarisierung" – mit einem entscheidenden Zusatz: In den kommenden zwei Jahren werden alle Einnahmen an die Creator fließen, danach zweigt Spotify fünf Prozent ab.
  • Damit dürfte Spotify für viele Podcasts-Hosts, die auf ein Bezahlmodell setzen, deutlich attraktiver sein. Zudem kooperiert Spotify wohl auch mit Facebook (Vox) und will gemeinsam Möglichkeiten anbieten, um neue Podcasts zu entdecken.
  • Know more: Meike Laaff beschreibt, was die Kommerzialisierung und Plattformisierung der Podcast-Landschaft für die Szene bedeutet (Zeit Online).

3. Spotify/Epic/EU vs. Apple

  • Die Vorherrschaft auf dem Podcast-Markt ist nicht das Einzige, worum Spotify und Apple streiten. Der andere Ring, in dem sich die beiden beharken, ist deutlich größer: Es mischen noch mehr Konkurrenten mit – und obwohl Apple nicht k.o. gehen wird, könnte eine Niederlage dem Konzern schwer schaden.
  • Es geht um die Frage, ob Apple die Regeln für seinen App Store allein schreiben darf. Vergangenes Jahr eskalierte deshalb der Konflikt mit Epic Games (#660), im Februar beschwerte sich Epic bei der EU-Kommission (SZ), am 3. Mai treffen sich die beiden in einem Gerichtssaal in Kalifornien (The Verge).
  • Auch im Streit mit Spotify spielt die EU-Kommission eine wichtige Rolle. Noch diese Woche könnte die EU das Kartellverfahren gegen Apple ausweiten (Bloomberg), das Spotify vor zwei Jahren angestoßen hatte.
  • Vergangenes Jahr eröffnete Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager noch ein weiteres Verfahren, bei dem es um den Bezahldienst Apple Pay geht. In beiden Fällen steht der Vorwurf im Raum, dass Apple Konkurrenz verhindere, eigene Dienste bevorzuge und unfaire Bedingungen vorschreibe.
  • Know more: Der Kampf um die App Stores und Spieleplattformen hat gerade erst begonnen. Apple und Google verlangen 30 Prozent Provision (es gibt Ausnahmen für kleinere Entwicklerïnnen und Abos), auch im Spielebereich kassieren Sony und Valve ähnliche Anteile. Epic ruft in seinem Store dagegen nur zwölf Prozent aus – und gerade hat Microsoft angekündigt, die Provision für PC-Spiele von 30 auf zwölf Prozent zu senken (LinkedIn). Das dürfte den Druck auf Apple erhöhen und könnte den Gewinn des App Stores langfristig schmälern.

4. Everybody vs. Google

  • Mit Federated Learning of Cohorts, kurz FLoCs, will Google die Tracking-Cookies in seinem Chrome-Browser ersetzen. Doch die Technik stößt auf heftige Kritik.
  • "Everybody hates FLoC", titelte Ars Technica kürzlich. Und tatsächlich: Mit der EFF, Mozilla, Brave, Vivaldi und DuckDuckGo hat Google ernst zu nehmende Gegenspieler, die nicht mitmachen wollen. Auch WordPress (Bleeping Computer) und Github lehnen FLoCs ab, Verlage wie der Guardian sind ebenfalls skeptisch (Digiday).
  • Zugegeben: Googles Schicksal hängt nicht davon ab, ob die FLoCs ein Erfolg werden. Doch hinter der Technik steht viel mehr: Es geht um das ganze Konzept der personalisierten, programmatisch geschalteten Werbung (SZ), mit der (nicht nur) Google Milliarden verdient.
  • Know more: In Briefing #707 beschrieben wir, warum das Ende der Tracking-Cookies Googles Dominanz sogar noch stärken könnte – doch das gilt natürlich nur, wenn sich das Konzept der FLoCs durchsetzt. Der aktuelle Widerstand zeigt, dass Google die Regeln im Netz (noch) nicht allein schreiben kann.

5. USA vs. Big Tech

6. EU vs. Big Tech

7. Australia vs. Facebook/Google

  • Die letzten drei Punkte fassen wir zusammen: Alle gehen in eine ähnliche Richtung, zu jedem haben wir bereits viel geschrieben, und bei keinem gibt es eine rasend neue Entwicklung.
  • In den USA stehen den großen Tech-Konzernen vier ungemütliche Jahre bevor. Joe Biden und Kamala Harris dürften eine andere netzpolitische Agenda verfolgen als Donald Trump (#682). Bislang versammelt die neue Regierung jedenfalls mit Tim Wu, Lina Khan und Amy Klobuchar den Antitrust-Alptraum des Silicon Valleys (#709).
  • Besonders unangenehm dürfte es für Facebook werden. Zum einen gilt Biden nicht gerade als Freund von Zuckerberg (und das ist sehr zurückhaltend ausgedrückt), zum anderen laufen in den USA mehrere große Kartellklagen (#689).
  • Das ist aber nur ein Bruchteil der Klagen, Ermittlungen und Gesetzesvorhaben, die derzeit das Geschäftsmodell der Tech-Giganten bedrohen. "Die halbe Welt legt sich mit Big Tech an", schrieben wir in Briefing #691 und fassten dort unter anderem das doppelte Gesetzespaket der EU (Digital Services Act und Digital Markets Act) und Kartellklagen gegen Google zusammen.
  • Und dann gibt es da auch noch die Revolution Down Under: Mit der Drohung eines (absurden, schädlichen) Gesetzes nötigte die australische Regierung Facebook und Google dazu, Verträge mit Verlagen abzuschließen und Hunderte Millionen Dollar pro Jahr auszuschütten (#704 und #705).
  • Das können sich die beiden Konzerne locker leisten, doch mit den USA, Kanada und der EU könnten bald weitere Länder dem australischen Beispiel folgen – und dann wird es irgendwann doch teuer.
  • Klar ist jedenfalls: In fast jedem westlichen Land wollen die Regierungen dem Silicon Valley Zügel anlegen und den Plattformkapitalismus mitgestalten.

Be smart

Die sieben Punkte bilden nur einen kleinen Teil der großen Herausforderung ab, die Big Tech bevorstehen. Der "War for Talent", also der Kampf um die Kreativen, verschärft sich Monat für Monat (#699). Vor allem aber droht Konkurrenz aus China und Indien. Bislang haben die USA ihre Technik und Plattformen immer gen Osten exportiert. ByteDance hat mit TikTok gezeigt, dass Apps auch von China aus die Welt erobern können.


Social Media & Politik

Mit Blick auf die Länge der heutigen Ausgabe teilen wir an dieser Stelle nur Verweise auf News, die man im Blick behalten haben sollte:


Creator Economy

  • Geld verdienen mit Insta: Mark Zuckerberg hat eine Reihe von Tools angekündigt (CNBC), die Creatorïnnen dabei helfen sollen, Geld auf Instagram zu verdienen. Zum einen arbeitet das Unternehmen an einer Art Marktplatz, der dabei helfen soll, Creator mit Marken zu verbinden – ein Feature, das wir in Sachen Influencer-Kooperationen schon länger kennen. Zudem hat Zuckerberg erklärt, dass sie derzeit an Shop-Funktionen arbeiten, um es Creatorïnnen zu ermöglichen, Merch-Artikel zu verkaufen. Last but not least soll es einen Affiliate Marketplace geben, über den Creatorïnnen anteilig an Verkäufen mitverdienen könnten.
  • Facebooks Substack-Herausforderer: Facebook hat angekündigt, fünf Millionen Dollar bereitzustellen, um lokale Journalisten zu unterstützen, die ihre Arbeit auf Facebooks neuer „Plattform für unabhängige Autoren aufnehmen“ (#700).

Audio Boom

  • Live-Audio ist das neue Stories: Spotify-CEO Daniel Ek zeigt sich im Investoren-Call hinsichtlich des Hypes um Clubhouse pragmatisch: Live-Audio wird von jeder großen Plattform adaptiert werden – eben exakt so wie es auch mit Stories (einst bei Snapchat populär geworden) der Fall war, so seine Prognose (Techcrunch). Zitat:

It’s really no different than how you think about Stories. (…) Stories today exist on a format on a number of platforms, including Spotify, including, of course, Instagram, Snap and many others. So, I do look at live audio as a compelling feature set, and I think creators will engage in the places where they have the best sort of creator-to-fan affinity for the type of interactions that they’re looking for. And I think this is very similar to say how Stories played out historically.”


Neue Features bei den Plattformen

Facebook

  • Facebook festigt Kooperation mit Spotify: Mit dem Project Boombox (Techcrunch) bauen Facebook und Spotify die Zusammenarbeit weiter aus: Songs, die auf Spotify gehört werden, lassen sich nun direkt aus der App bei Facebook teilen. Facebook-Userïnnen können so Spotify-Songs via Miniplayer direkt in der Facebook-App hören und beim scrollen durch die App weiter laufen lassen. Die Wiedergabe läuft im Hintergrund über Spotify. Dadurch können die Songs auch weitergehört werden, wenn die Nutzerïnnen die Facebook-App verlassen.

Instagram

Twitter

YouTube

  • YouTube vereinfacht Umbenennung: YouTube macht es einfacher, den eigenen Kanal umzubenennen (Wersm). Bisher musste dafür das gesamte Google-Konto umbenannt werden. Kanalname und Profilbild lassen sich nun direkt in den YouTube-Einstellungen anpassen. Das Google-Konto bleibt davon unberührt.
  • Kommentare mit Zeitstempel: Analog zu Soundcloud können YouTube-Nutzerïnnen wohl demnächst auf einer Art Zeitstrahl kommentieren. Jedenfalls laufen derzeit entsprechende Tests (The Next Web).

TikTok

  • TikTok Topics: In Live-Streams kann nun ein übergeordnetes Thema eingefügt werden, mit dem der Stream zusammenhängt (Digital Information World). Mehr Kontext und mehr Sichtbarkeit ftw!

Pinterest

Telegram

Reddit

  • Followerlisten: Reddit reagiert auf Feedback der Community und führt ab Mai eine detaillierte Followerliste inkl. Suchfunktion (Reddit) ein. Geblockte Nutzerïnnen können dann nicht mehr folgen, sehen keine Updates auf dem ursprünglichen Profil und werden aus der Followerliste entfernt.

One more thing


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Facebook-Leaks: Oops, we did it again | Infodemie und Gewaltaufrufe | Twitter testet Business-Profile

Facebook-Leaks: Oops, we did it again – and again!

Was ist

Facebook hat binnen weniger Wochen gleich zweimal gezeigt, dass es nicht in der Lage ist, die Daten seiner Nutzerïnnen zuverlässig zu schützen. Noch problematischer als die Fahrlässigkeit ist der Umgang damit: Eine interne E-Mail, die Facebook versehentlich verschickt hat, offenbart die fragwürdige Strategie, mit der Facebook solche PR-Krisen aussitzen will.

Anders ausgedrückt: Facebook leakt versehentlich eine Handreichung für den Umgang mit Leaks – oh, the irony.

Was bisher geschah

Zuerst ein kurzer Blick zurück, denn das Frühjahr ist offenbar Peak-Leak-Time bei Facebook:

Ein Sprung ins Jahr 2021:

Diese Ereignisse dürften die meisten Menschen mitbekommen haben, schließlich haben fast alle großen Medien prominent darüber berichtet. Doch jetzt kommt noch ein weiteres potenzielles Privacy-Problem dazu:

  • Seit Dienstag kursiert das Video eines IT-Sicherheitsforschers, in dem er ein Tool namens "Facebook Email Search v1.0" demonstriert (Ars Technica).
  • Eine Schwachstelle ermöglichte es, massenhaft E-Mail-Adressen abzugreifen – angeblich bis zu fünf Millionen pro Tag.
  • Facebook selbst behauptet, dass es den Bug-Report versehentlich geschlossen habe, bevor es das zuständige Team informiert habe.
  • Der Sicherheitsforscher sagt, er habe den möglichen Exploit nur öffentlich gemacht, weil Facebook das Problem für zu irrelevant gehalten habe, um es zu fixen.

Wie Facebook reagiert

Die Reaktion von Facebook auf das erste Datenleck vermittelt den Eindruck, dass es dem Konzern in erster Linie darum geht, negative Schlagzeilen zu verhindern. Die Außenwirkung scheint mindestens genauso wichtig zu sein wie die Privatsphäre der Nutzerïnnen:

  • Nachdem mehr als eine halbe Milliarde Handynummern im Netz standen, schrieb eine Facebook-Sprecherin nur (Twitter / Liz Bourgeois): "This is old data that was previously reported on in 2019. We found and fixed this issue in August 2019."
  • Später veröffentlichte Facebook einen ähnlich befremdlichen Blogeintrag. Die Daten seien nicht gehackt, sondern gescrapt worden und beinhalteten keine sensiblen Finanz- und Gesundheitsinformationen oder Passwörter – als ob die Methode, mit der die Hacker an die Daten gelangten, für die Betroffenen einen Unterschied machte.
  • Grundsätzlich hat Facebook recht: Präzise Wortwahl ist wichtig, schon bei der Cambridge-Analytica-Affäre ging da einiges durcheinander. Auch damals wurden Daten nicht gehackt oder gestohlen, sondern gescrapt, also über eine Schnittstelle automatisiert abgerufen.
  • Tatsächlich waren die gescrapten Informationen grundsätzlich öffentlich abrufbar – aber eben nicht eine halbe Milliarde auf einmal, was dem Datensatz für Kriminelle einen ganz anderen Wert verschafft, als ihn einzelne Handynummern haben. Phishing ist Economy of Scale, irgendjemand wird schon anbeißen.
  • Facebook suggeriert, es läge in der Verantwortung der Nutzerïnnen, ihre Datenschutzeinstellungen anzupassen und Informationen nicht öffentlich zu teilen.
  • Das steht in krassem Widerspruch zu früheren Aussagen von Mark Zuckerberg, der Privatsphäre im Netz einst für überflüssig erklärte (Guardian): "People have really gotten comfortable not only sharing more information and different kinds, but more openly and with more people. That social norm is just something that has evolved over time."
  • Das dürfte er heute kaum wiederholen, doch diese Haltung spiegelte sich jahrelang in Facebooks Produkten wider. Die Standardeinstellungen lautete "alle Datenschleusen auf", Nutzerïnnen sollten möglichst viel von sich preisgeben.
  • Dass sich Facebook nun nach einem fetten Leak hinstellt und alle Schuld von sich weist, wundert nicht nur Patrick Beuth, der das Thema für den Spiegel scharf und treffend kommentiert.

Shit happens, Leaks auch, was habt ihr euch denn alle so? Diese Tendenz zum Kleinreden unterstreicht die E-Mail, die Facebook versehentlich der Antwort auf eine Presseanfrage des belgischen IT-Portals DataNews angehängt hatte:

  • In der Handreichung, die nur für Facebook-Angestellte gedacht war, schreibt der Konzern: "Da die Aufsichtsbehörden sich auf das Thema eingeschossen haben, solltet ihr davon ausgehen, dass der beständige Trommelschlag der Kritik in der Presse anhalten wird."
  • Und empfiehlt, das Problem auszusitzen: "Es ist aber wichtig zu wissen, dass sowohl die Berichterstattung als auch die Diskussion in sozialen Netzwerken weiter stetig nachlassen."
  • Da langfristig weitere solche Scraping-Fälle zu erwarten seien, solle man sie "als Problem der ganzen Branche darstellen und als regelmäßig auftretende Aktivität normalisieren".
  • In den kommenden Wochen will Facebook demnach einen weiteren Blogpost zu seinen Bemühungen veröffentlichen, Scraping zu unterbinden.
  • Zum aktuellen Fall ist aber kein Kommentar mehr zu erwarten: "Angenommen, die mediale Berichterstattung lässt weiter nach, planen wir keine weiteren Stellungnahmen zu dem Problem."

Be smart

Vermutlich verschicken andere Unternehmen ebenfalls solche internen Anweisungen, und es könnte sein, dass sich auch der Inhalt ähnelt: Abwiegeln, Herunterspielen, Aussitzen. Das macht es aber kaum besser.

Es mag sein, dass eine Plattform mit Milliarden Nutzerïnnen früher oder später Daten verliert, ob sie nun gehackt, gescrapt oder aus Versehen veröffentlicht werden. Trotzdem sollte sie nicht so einfach damit davonkommen, wie Eike Kühl zusammenfasst (Zeit Online):

Datenlecks im großen Stil sind kein branchenübliches Problem. Sondern ein Problem der Plattform, auf der sie stattfinden. In diesem Fall von Facebook. Und sie sind alles andere als normal.


Infodemie und Gewaltaufrufe: Facebook hat noch viel zu tun

Was ist

Zwei Berichte zeigen, dass Facebook nach wie vor von Corona-Leugnerïnnen und gewaltbereiten Extremistïnnen missbraucht wird:

  • Der Avaaz-Report "Left Behind: How Facebook is neglecting Europe's infodemic" kommt zum Schluss, dass gefährliche Desinformation über Covid-19 deutlicher länger stehen bleibt, wenn die Inhalte in anderen Sprachen als Englisch verfasst sind. Diese Infodemie mache die dritte Corona-Welle, die Europa derzeit überrolle, noch bedrohlicher.
  • Der zweite Bericht ist ein interner: Eine Taskforce hat Facebooks Rolle beim Sturm auf das Kapitol untersucht, das Ergebnis wurde BuzzFeed zugespielt. Man habe nicht erkannt, dass Rechtsradikale und Verschwörungsgläubige in "Stop the Steal"-Gruppen zum Putsch aufriefen, stellt sich Facebook selbst ein ernüchterndes Zeugnis aus – das wohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Was der Avaaz-Report enthält

  • Der Bericht baut auf einer Untersuchung aus dem vergangenen Jahr auf: "Facebook's Algorithm: A Major Threat to Public Health", die wir in Briefing #661 zusammenfassten und einordneten.
  • Diesmal haben sich die Forscherïnnen auf Corona-Desinformation in Europa konzentriert. Die Sprache ist offenbar mitentscheidend, ob Facebook bei nachweislich falschen Inhalten tätig wird.
  • Wenn Factchecking-Organisationen, mit denen Facebook in den USA zusammenarbeitet, Inhalte als falsch kennzeichnen, reagiert Facebook nach der Zählung von Avaaz in rund drei Viertel der Fälle.
  • Die Postings werden dann entweder als falsch gekennzeichnet und mit dem Faktencheck versehen, oder komplett gelöscht. Das dauert allerdings recht lang: im Schnitt 24 Tage.
  • In anderen Sprachen ist es noch eine Woche mehr. Vor allem erfolgt die Reaktion viel seltener. Mehr als drei Viertel der geprüften und für falsch befundenen Inhalte auf Italienisch bleiben unverändert stehen. Auch französisch-, portugiesisch- und spanischsprachige Desinformation kennzeichnet oder löscht Facebook unzuverlässiger.
  • Corona-Leugnerïnnen können Facebook leicht überlisten, indem sie Postings minimal verändern und erneut veröffentlichen. Dann rutschen sie durchs Raster. Diese Strategie war bereits im vergangenen Jahr ein großes Problem und scheint in anderen Sprachen noch erfolgreicher zu sein.
  • Avaaz glaubt, dass Facebook sein Versprechen nicht gehalten habe, Covid-19-Desinformation in Europa zu identifizieren und zu löschen.
  • Der bisherige "EU Code of Practice on Disinformation" sehe dafür keine Sanktionsmöglichkeiten vor. Deshalb sei weitere Regulierung nötig, wenn die EU ihre Bürgerïnnen vor der Infodemie schützen wolle.

Was Facebooks interne Untersuchung besagt

  • Die Analyse trägt den Titel "Stop the Steal and Patriot Party: The Growth and Mitigation of an Adversarial Harmful Movement".
  • Während sich Mark Zuckerberg im März vor dem US-Kongress damit brüstete, dass Facebook die Wahl geschützt und Menschen verbannt habe, die Böses beabsichtigten, kam Facebooks eigene Taskforce zu einem anderen Schluss.
  • Zwar sei es Anfang Januar schwer zu erkennen gewesen, ob die Menschen, die in den "Stop the Steal"-Gruppen zur Demonstration vor dem Kapitol aufriefen, tatsächlich organisierte Extremistïnnen waren. Im Nachhinein sei man immer schlauer.
  • Trotzdem habe sich Facebook zu sehr darauf ausgeruht, die Wahl selbst ohne größeren Zwischenfall überstanden zu haben. Die Plattform habe eine Rolle beim Sturm auf das Kapitol gespielt. Man müsse daraus lernen, um künftig zu verhindern, dass Facebook ungewollt dazu beitrage, Verschwörungserzählungen zu verbreiten und gewaltbereite Bewegungen zu befeuern.
  • Der Report passt zu einer Forbes-Recherche, über die wir in Briefing #701 berichteten. Demnach soll Sheryl Sandberg Facebooks Beitrag zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar massiv heruntergespielt haben.
  • Kurz nach dem Putschversuch sagte sie noch: "I think these events were largely organized on platforms that don't have our abilities to stop hate and don't have our standards and don't have our transparency."
  • Doch in den mehr als 200 Anklageschriften, die nach dem Gewaltausbruch eingereicht wurden, taucht Facebook 73 Mal auf – weit öfter als alle anderen Plattformen.
  • Natürlich lässt sich nicht allein aus der Anzahl der Erwähnungen ableiten, dass Facebook neunmal wichtiger war als Parler. Aber Sandbergs Behauptung, dass sich der Mob hauptsächlich außerhalb von Facebook organisiert habe, scheint auch nicht haltbar zu sein. Die interne Untersuchung untermauert jetzt diese Annahme.

Be smart

Es ist einfach, Facebook, Twitter oder YouTube in die Pfanne zu hauen. "Plattform XY soll mehr löschen" ist eine beliebte und teils leichtfertige Forderung. Dieselben Kritikerïnnen beklagen sich dann, dass Tech-Konzerne zu viel Macht hätten und nicht darüber entscheiden sollten, was im Netz gesagt und geschrieben werden darf.

Das gilt vor allem bei politischen Inhalten. Im Fall von Corona-Desinformation ist der Graubereich aber deutlich kleiner. Oft gibt es sehr wohl Schwarz und Weiß: Viele Behauptungen über Covid-19 sind schlicht falsch – und damit auch potenziell gefährlich, weil sie Menschen dazu bringen könnten, sich leichtfertiger zu verhalten.

Das haben die Plattform auch erkannt und greifen für ihre Verhältnisse ungewöhnlich entschlossen durch. Das bedeutet aber nicht, dass sie alles richtig machen. Ganz und gar nicht. Sie spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Lügen und Desinformation. Solange das so bleibt, muss man sie öffentlich dafür kritisieren – auch wenn man sich dabei oft vorkommt, wie sein eigener Papagei.


Neue Features bei den Plattformen

Facebook

Instagram

  • Filter für missbräuchliche DMs: Instagram führt einen Filter ein (Techcrunch), der Wörter, Phrasen und Emojis, die auf verdächtige Inhalte hinweisen, erkennt. Userïnnen sollen dadurch Personen leichter blocken können.

Twitter


One more thing


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Facebook macht Ernst in Sachen Audio | Facebook soll Pläne für ein Kinder-Instagram beerdigen | TikTok finanziert NowThis-Serie

Facebook macht Ernst in Sachen Audio

Was ist

Facebook hat eine Reihe neuer Audio-Features vorgestellt. Darunter ein Tool, um Audio aufzunehmen, ein neues Audio-Posting-Format mit dem Namen Soundbites, einen Clubhouse-Klon für Facebook und Messenger sowie eine weitgreifende Partnerschaft mit Spotify, die den Konsum von Podcasts und Musik innerhalb von Facebook ermöglicht.

Warum ist das interessant?

Audio boomt. Bereits seit vielen Monaten zirkuliert der folgende Witz:

"Immer wenn ich einen alten Bekannten länger nicht gesprochen habe, gratuliere ich zum gelungenen Podcast. Bislang lag ich noch nie daneben."

Fast 2 Millionen Podcasts listet allein Apples Podcast Library. Und nicht nur Podcasts liegen voll im Trend. Mit dem Start von Clubhouse steht das Thema Social Audio sehr viel grundsätzlicher im Fokus. Außer TikTok und Snapchat tüfteln derzeit alle etablierten Plattformen an eigenen Clubhouse-Varianten. Facebook hat jetzt die umfassendste Roadmap vorgelegt, wie das Thema Social Audio angegangen werden soll.

Was Facebook plant

  • Audio Creation Tools: Facebook arbeitet an Tools, die es jedem ermöglichen sollen, gut klingendes Audio zu posten. Zudem soll es möglich sein, Audio-Aufnahmen mit Musik aus Facebooks Sound Collection zu hinterlegen. Ferner möchte Facebook diverse Audio-Effekte zur Verfügung stellen – think Filter für Audio.
  • Soundbites: Dass Facebook nicht nur kopieren sondern auch innovativ sein kann, beweisen sie mit der Einführung des neuen Audio-Posting-Formats „Soundbites“. Was TikTok für Video ist, könnte Facebook Soundbites für Audio werden. Das Unternehmen beschreibt Soundbites wie folgt:

"Short-form, creative audio clips for capturing anecdotes, jokes, moments of inspiration, poems, and many other things we haven’t yet imagined."

  • Podcasts bei Facebook: Bislang mussten Facebook-Nutzerïnnen die App verlassen, um Podcasts zu hören. Durch eine erweiterte Partnerschaft mit Spotify wird sich das grundsätzlich ändern. Künftig können Nutzerïnnen Podcasts und Musik direkt innerhalb der Facebook-App hören (The Verge).
  • Live Audio Rooms: Darüber hinaus plant Facebook den Launch von sogeannten Live Audio Rooms bei Facebook und Messenger – quasi Facebooks Antwort auf den Hype um Clubhouse.

Was von Facebooks Plänen zu halten ist

  • Roadmap: Zunächst einmal ist erstaunlich, wie umfangreich die Roadmap ist, die Facebook in Sachen Audio vorlegt. Viele Beobachterïnnen sind davon ausgegangen, dass Facebook schnell einen Clubhouse-Klon präsentieren würde. Keine Überraschung an dieser Stelle. Dass Facebook aber so viel mehr in Sachen Audio plant, dürfte viele erstaunen.
  • Innovation: Die Einführung von Soundbites als eine Art TikTok für Audio ist wirklich smart. Bislang galt Zuckerbergs Laden vielen vor allem als dreistes Kopierwerk. Mit Soundbites legen sie ein Posting-Format vor, dass es so an keiner anderen Stelle gibt. Hut ab! Ohren auf!
  • Convenience und Discoverability: Eine Verzahnung von Spotify und Facebook scheint überfällig. Dass Nutzerïnnen künftig auf das Angebot von Spotify innerhalb von Facebook zugreifen können, ist für viele Nutzerïnnen sicherlich bequem. Für Künstlerïnnen bedeutet es aber vor allem eine bessere Auffindbarkeit, ergo mehr Sichtbarkeit und mehr Plays. Gute Sache!
  • Clubhouse nur ein Feature? Facebook setzt darauf, dass eine Integration von Social Audio viele davon abhalten wird, zu Clubhouse zu wechseln. Unserer Einschätzung nach wird das gelingen. Warum sollte z.B. eine gut funktionierende Facebook-Gruppe nicht direkt auf die Social-Audio-Funktionalitäten zurückgreifen, die die Plattform eh bietet? Es gibt keinen Grund, dafür eine andere App zu wählen.

Wo es noch hakt

  • Monetarisierung Mark Zuckerberg erklärt im Talk mit Casey Newton (Soundcloud), wie viel ihm Creator bedeuten würden. Schnief, da kommen einem glatt die Tränen. Warum Facebook gar nicht drum herum kommt, Creator stärker zu umgarnen, haben wir hier, hier und hier ausführlich erklärt. Die vom Unternehmen nun angekündigten Optionen (Facebook Stars, Einmalzahlungen, Subscriptions), mit Audio-Inhalten Geld verdienen zu können, klingen durchaus vielversprechend. Was am Ende wirklich beim Creator landet, bleibt allerdings abzuwarten. Bislang ist Facebook nicht das Mittel der Wahl, um mit kreativen Inhalten im Internet Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Bislang galt für Facebook stumpf „alle gegen alle“ – Kollateralschäden inbegriffen.
  • Content Moderation: Wer in der Kantine ein Gespräch zwischen Kollegïnnen mitbekommt, in dem es um die eine oder andere Verschwörungsideologie geht, würde vermutlich nicht darauf kommen, die Unterhaltung direkt bei der Polizei zu melden. Wie aber sollte Facebook vorgehen, wenn in einer Gruppe ähnliches geschieht? Direkt die Unterhaltung runternehmen? Die Nutzerïnnen gar sperren? Das Thema Content Moderation betritt mit Social Audio eine neue Dimension. Wie Facebook (und all die anderen Unternehmen in diesem Feld) hier für „Ordnung“ sorgen möchte, ist gänzlich ungeklärt.

Be smart

Social Audio ist here to stay. Ohne jede Frage! Facebook hat das erkannt und schreitet voran. Durchaus ungewöhnlich für das Unternehmen. Wir selbst betrachten Social Audio als Feature und sind weiterhin nicht all zu bullish was Clubhouse angeht. Den neuen Features von Facebook räumen wir daher gute Chancen ein, von den Nutzerïnnen angenommen zu werden. Die Hype-App Clubhouse dagegen erinnert immer stärker an Medium – einst dafür angetreten, Blogging zu revolutionieren, dann aber sehr schnell zum Medium der Wahl eines sehr speziellen Klientels geworden. Clubhouse droht trotz neuer, millionenschwerer Finanzierungsrunde ein ähnliches Schicksal. Wer aktuell an der eigenen Audio-Strategie feilt, sollte sich unserer Meinung nach nicht all zu sehr auf eine Plattform festlegen, sondern weiterhin vor allem im Blick behalten, wo die Zielgruppe unterwegs ist. Denn Audio ist bald überall.

Weitere Texte zum Themenkomplex

  • Can Clubhouse keep the party going? (The Verge)
  • How Clubhouse Can Thrive: Lessons from Live Video (Peter Yang)
  • Clubhouse’s Inevitability (Stratechery)
  • Reddit Talk is a Clubhouse competitor for subreddits (The Verge)

Social Media & Politik

Facebook soll Pläne für ein Kinder-Instagram beerdigen

In einem internen Memo hatte Instagrams Vice President of Product, Vishal Shah, vor ein paar Wochen erklärt, dass das Unternehmen an einer Art Instagram für Kinder unter 13 Jahren arbeitet. BuzzFeed berichtete. In einer gemeinsamen Erklärung (New York Times) haben nun 35 Kinder- und Verbraucherschutzgruppen Instagram dazu aufgefordert, diese Pläne nicht weiter zu verfolgen. In einem Brief an Mark Zuckerberg warnt der Zusammenschluss der Schutzorganisationen, dass auch eine Kinderversion der App nicht vor sexuellen Übergriffen und Mobbing schützen werde. Zudem kritisieren die Verbraucherschützerïnnen, dass ein Kinder-Instagram die Anfälligkeit für Manipulation bei Kindern leicht ausnutzen könnte.

Weitere Schlagzeilen

  • Facebook Oversight Board braucht noch ein paar Wochen, um zu entscheiden, ob Donald Trump seine Aktivitäten auf Facebook wieder aufnehmen darf (Politico)
  • Twitter will sich anschauen, welchen Schaden sie IRL anrichten (Engadget)
  • Wie sich YouTube für Alt-Right-Hass ausnutzen lässt (New York Times)
  • Parler darf zurück in Apples App Store (The Verge)

Social Media & Journalismus

TikTok finanziert NowThis-Serie

TikTok erweitert sein Programm der direkten Finanzierung und Förderung von geplanten Inhalten um die Serie „VIRAL“ von NowThis. Zwar wurden auch zuvor einzelne Content Creatorïnnen über das sogenannte Instruktive Accelerator Programm finanziell gefördert. Die Kooperation mit NowThis (Techcrunch) hat aber eine andere Qualität. Zudem geht TikTok mit dieser Zusammenarbeit neue Wege: Anstatt Informationen lediglich zu überprüfen und auf offizielle Quellen zu verweisen, beteiligt sich TikTok mit der Finanzierung von „VIRAL“ aktiv an der Produktion öffentlichkeitswirksamer Inhalte. 👀


Follow the money

Facebook testet neues Feed-Feature in USA

Facebook möchte noch mehr über seine Nutzerïnnen wissen und testet daher ein neues News-Feed-Features (Techcrunch): Ausgewählte US-Userïnnen können unter Anzeigen und Beiträgen auf Themen klicken, die sie interessieren, um verwandte Geschäfte zu entdecken. Das Unternehmen verspricht sich dadurch mittelfristig ein neues Anzeigenformat.

Weitere Schlagzeilen

  • ByteDance peilt märchenhafte Umsätze an (Bloomberg)
  • Triller kriegt neuen CEO nachdem bekannt wurde, dass die Stats aufgebläht waren (Techcrunch)
  • Die Messaging-App WIRE sammelt frisches Geld ein (Techcrunch)
  • Die Social-App IRL könnte bald eine Milliarde Dollar wert sein. (The Information)

Schon einmal im Briefing davon gehört

Facebook Dating eher lame

Seit der Einführung von Facebook Dating 2018 in Kolumbien und 2019 in den USA ist es weitgehend still um die Plattform geworden. Zwar gibt es die Dating-Funktion mittlerweile auch auf dem europäischen Markt, so richtig in Fahrt kommt Facebook Dating aber nicht (The Verge).


Neue Features bei den Plattformen

Facebook


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Clubhouse-Nutzung in Deutschland | Neue Wege bei der Content Moderation | TikTok wird zur Shopping-Mall

Frische Studien

Clubhouse-Nutzung in Deutschland

  • Der Bekanntheitsgrad von Clubhouse steigt nach dem Hype nicht weiter an: Die Nutzerzahlen bleiben mit vier Prozent der Bevölkerung gering.
  • 48 Prozent der von CIVEY befragten Personen haben schon einmal von der Plattform gehört, 95 Prozent haben diese aber noch nie genutzt.
  • Clubhouse verliert die allermeisten Nutzerïnnen nach der Erstanwendung. Ein Zehntel der Nutzerïnnen besucht Clubhouse täglich.
  • Etwa jeder Sechste diskutiert mit, 40% nutzen die App ausschließlich als Zuhörer.
  • Bei den 18- bis 29-Jährigen erreicht Clubhouse die höchsten Nutzerzahlen: Rund 63% haben von der App schon einmal gehört. 7,5% der Befragten haben die Anwendung schon einmal genutzt.
  • Das Interesse sinkt mit zunehmendem Alter: 1,6% der über 65-Jährigen haben die App schon einmal genutzt.
  • Der Datenschutz spaltet die Community. 44% schätzen den Datenschutz als unwichtig ein, 42% halten ihn dagegen für wichtig, dabei wird der Zugriff auf die Kontaktliste sowie die Verwendung der Daten als kritisch angesehen. Viele kritisieren zudem die unklare Datenverwendung.
  • Go deep: Nutzerstudie zu Clubhouse – Teil 2 (CIVEY)

—> Be smart: Clubhouse muss sich ordentlich ins Zeug legen, um die aktivsten Nutzerïnnen zu halten. Ein Mittel: Kreativen die Möglichkeit bieten, für ihr Engagement auf der Plattform bezahlt zu werden. Genau dieses Feature soll in den kommenden Wochen allen zur Vergügung stehen (Techcrunch). Ob dieser Schritt von nachhaltigem Erfolg gekrönt sein wird, muss sich erst noch zeigen. Es könnte aber ein wesentlicher Baustein für Clubhouse sein, um sich längerfristig am Markt zu positionieren. Peter Yang zeigt, was es darüber hinaus noch bräuchte:

  1. Help creators build community
  2. Help fans discover great content
  3. Introduce adjacent content formats

Social Media Nutzung 2021 (USA)

  • YouTube und Facebook dominieren bei erwachsenen Amerikanerïnnen weiterhin die sozialen Medien: 81 Prozent der Befragten nutzen YouTube, 69 Prozent nutzen Facebook.
  • Die Popularität von YouTube zeigt sich noch stärker bei den 18- bis 29-Jährigen: 95% gaben an, YouTube zu nutzen. Facebook erreicht bei jungen Erwachsenen 70%.
  • Neben den beiden Spitzenreitern sind die beliebtesten Apps in der jungen Altersgruppe Instagram (71%), Snapchat (65%) und TikTok (48%).
  • Das größte Wachstum verbuchten seit 2019 YouTube (+ 8%) und Reddit (+7%).
  • TikTok konnte sicherlich den mit Abstand größten Zuwachs verbuchen – hier fehlen PEW aber die Vergleichszahlen.
  • Während 50% der über 65-Jährigen Facebook nutzen, bleibt der Besuch bei Snapchat in dieser Altersgruppe aus. Lediglich 2% nutzen Snapchat.
  • Go deep: Social Media Use in 2021 (Pew), YouTube is social media’s big winner during the pandemic (NBC News)

—> Be smart: Die Zahlen zeigen, wie es um die Social-Media-Nutzung in den USA bestellt. Die Daten lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen. Der Blick über den Teich lohnt sich aber dennoch: Die USA sind der wichtigste Markt für die Plattformen, in keiner anderen Region verdienen sie so viel Geld. Wie heißt es so schön: die 16jährige Instagram-Nutzerin aus Nebraska entscheidet darüber, wie die Welt soziale Medien nutzt. Und wenn wir die Zahlen richtig lesen, dann schaffen es die Plattformen in den USA kaum noch, neue Nutzerïnnen hinzuzugewinnen. Von daher müssen die Unternehmen alles daran setzen, die bestehende Nutzerschaft bei Laune zu halten. Das geht entweder über neue Features (Hallo Audio, Hallo AR/VR, Hallo Kurz-Videos) oder über spannende Inhalte (Hallo Creators, Hallo Exclusives, Hallo Sportrechte).

Mehr Bildschirmzeit auf mobilen Geräten

  • Die weltweit verbrachte Bildschirmzeit in Apps steigt erstmals auf 4,2 Stunden pro Tag. Das entspricht einem Anstieg von 30% in zwei Jahren.
  • In einigen Märkten liegt der Durchschnitt noch höher – Brasilien, Südkorea und Indonesien kommen auf mehr als fünf Stunden.
  • Indien verbucht den größten Sprung: Im Vergleich zum ersten Quartal 2019 stieg die verbrachte Zeit mit Smartphone-Apps um 80% im ersten Quartal 2021.
  • Die westlichen Märkte verzeichnen einen starken Anstieg von Ende-zu-Ende verschlüsselten Messaging-Apps. Signal verzeichnete in Deutschland, Großbritannien und Frankreich den größten Wachstum bei den Downloads im Quartalsvergleich. In den USA schafft es Signal immerhin auf den vierten Platz.
  • Go deep: Consumers now average 4.2 hours per day in apps, up 30% from 2019 (Techcrunch)

—> Be smart: App Annie misst nur, was auf Android-Geräten passiert. Dadurch sind die Zahlen nur eingeschränkt aussagekräftig. Uns interessiert hier in erster Linie der Vergleich zu den Vorjahren. Dieser ist durchaus valide, weil die Smartphone-Durchdringung konstant ist. Und der Vergleich bestätigt eine These, die wir seit Jahren verfolgen: Das Smartphone ist das wichtigste Werkzeug, um das Internet zu nutzen. Hier nutzen die Leute aber kein freies, offenes Internet, sondern ein Internet im Internet – vermittelt durch die kommerziellen Interessen der Plattformen. Wer Menschen erreichen möchte, muss sich wohl oder übel den Interessen der Plattformen unterordnen und akzeptieren, dass das, was früher einmal Kunst oder Journalismus war, in der von den Plattformen vorgegebenen Aufmerksamkeitslogik nur noch ein Stück Ware ist. Alles wird kommodifiziert. Alles steht permanent miteinander in Konkurrenz. Und der Plan geht für die Plattformen auf. Immer mehr Zeit wird auf ihnen verbracht.


Social Media & Politik

Wo kein PR-Desaster droht, ist auch kein Problem

Honduras Präsident, Juan Orlando Hernández, konnte das Engagement seiner Beiträge auf Facebook durch ein ziemlich simples Schlupfloch fast ein Jahr lang ungestört aufblähen. Hernández Team legte Tausende Pages als Shops und Organisationen an, gab diesen Pages dann aber normale Personennamen – etwa Zeyneb Babayeva oder Laman Huseynova. So konnte unter Facebook-Posts kommentiert und geliked werden, ohne dass Dritten direkt auffiel, dass es sich nicht um reguläre Personen sondern um Fake-Pages handelte. Facebook selbst machte laut Guardian trotz Hinweisen 11 Monate lang genau gar nichts. Nur ein Beispiel aus einer Serie an Artikeln, die aufzeigt, wie wenig sich Facebook um das Ausnutzen der eigenen Plattform scherrt, wenn nicht unmittelbar ein PR-Desaster droht.

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Kampf gegen Desinformation und Hass

Neue Wege bei der Content Moderation

Viel zu lange hat die Tech-Industrie so getan, als gäbe es beim Thema Content Moderation nur Schwarz oder Weiß – sprich: entweder löschen oder auf der Plattform lassen. Peu à peu zeigen sich die Unternehmen aber zunehmend kreativer und warten mit neuen Lösungsansätzen auf:

  • Facebook: Kontext ist König: Facebook testet in den USA neue Labels (@fbnewsroom), um Nutzerïnnen auf einen Blick zu erklären, um was für einen Absender es sich beim entsprechenden Post handelt. Zunächst werden folgende Hinweise ausprobiert: „Public Official“, „Fan Page“ und „Satire Page“.
  • Twitch: Respekt kennt keine Grenzen: Die Streaming-Plattform Twitch erweitert seine „Hate and Harrassment Policy“ um einen spanennden Aspekt: Künftig können Streamerïnnen auch dann von der Plattform ausgeschlossen werden, wenn sie abseits von Twitch gegen die Policy verstoßen. Dabei geht es u.a. um gewalttätigen Extremismus, Terrorismus, Androhung von Gewalt, sexuelle Übergriffe und Verbindungen zu bekannten Hassgruppen.
  • Pinterest: Mehr Freundlichkeit wagen : Pinterest startet einen Creator Code. Das Unternehmen versteht den Code als eine Art Eid, um Nutzerïnnen dazu anzuhalten, freundlich und positiv miteinander umzugehen. Creator werden zudem dazu aufgefordert, Fakten zu prüfen und inklusiv zu wirken. Wer Creator auf Pinterest sein möchte, muss der Verpflichtung zustimmen.

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Follow the money

TikTok wird zur Shopping-Mall

Wie Business Insider zeigt, plant TikTok eine ganze Reihe von neuen Werbeangeboten. Einiges davon ist bereits bei der chinesischen Schwester-App Douyin erprobt. Unterm Strich geht es um verschiedene Varianten, Nutzerïnnen Hinweise zu den Konsumgütern zu geben, die in den jeweiligen Videos zu bestaunen sind. Hier ein paar Eindrücke aus dem Pitchdeck, das verschiedenen Werbern in den USA vorgelegt wurde, um ihnen die Plattform schmackhaft zu machen:

Zudem zeigt das Pitchdeck einige interessante Statistiken:

  • TikTok hat weltweit 732 Millionen monatlich aktive Nutzerïnnen (MAU)
  • In den USA kommt TikTok auf 100 Millionen MAU
  • Nutzerïnnen verbringen durchschnittlich 89 Minuten pro Tag (!) auf der Plattform
  • Nur die Hälfte der User hat auch einen Account bei Instagram

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Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • To hide or not to hide? Instagram testet eine neue Option (Techcrunch), mit der Nutzerïnnen bestimmen können, ob die Anzahl der Likes bei den Posts von Dritten zu sehen sein sollen oder nicht. Zudem können sie bei Bedarf die Like-Zählung für ihre eigenen Beiträge deaktivieren. Facebook wird sich dem Test in Kürze anschließen.

Facebook

  • Sparked: Facebook testet Video-Dating-App: Im Gegensatz zu Tinder swiped man bei Sparked nicht Personen nach links und rechts. Sparked schickt seine Nutzerïnnen auf kurze, vierminütige Video Speeddates (Techcrunch), die bei gegenseitigem Gefallen auf zehn Minuten verlängert werden können, um Kontaktdaten auszutauschen. Das Entwicklerteam von Sparked charakterisiert die App als kleinen externen Beta-Test, der Einblicke in die Funktionsweise von Video-Dating geben soll, um die Erfahrung mit Facebookprodukten zu verbessern. Dass Sparked breiter ausgerollt wird, wäre eine Überraschung.

Telegram

  • Voice Chats planen: Telegram erlaubt es in der neuesten Beta-Version, Voice Chats zu planen (TestingCatalog).

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Datenpannen bei Facebook, LinkedIn und Clubhouse | Pinterest lockt Creator | Facebook möchte auch Clubhouse sein

Eine Woche, drei Datenpannen

Facebook: Datenleck macht Handynummern von einer halben Milliarde Menschen öffentlich

  • Die IT-Sicherheitsfirma Hudson Rock hat Daten von 533 Millionen Facebook-Nutzerïnnen im Netz entdeckt (Business Insider).
  • Auch sechs Millionen Deutsche sind betroffen – darunter mehr als 50 Bundestags-Abgeordnete (netzpolitik).
  • Die Daten umfassen Dinge wie Profilnamen, Facebook-ID-Nummern, E-Mail-Adressen und Telefonnummern.
  • Facebook behauptete zunächst, es handele sich um Daten, über die bereits 2019 berichtet wurde. Später ruderte das Unternehmen zurück und erklärte in einem Blogpost, dass es wahrscheinlich um einen Datensatz geht, den Hacker durch Missbrauch einer Schwachstelle in einer Importfunktion für Facebook-Adressbuchkontakte erstellen konnten.
  • Das Pikante: Zwar hatte Facebook die Schwachstelle im August 2019 geschlossen. Wie oft sie bis dahin ausgenutzt wurde, ist allerdings völlig unklar. Zudem hatte Facebook seine Nutzerïnnen nie über die Schwachstelle informiert. Reuters zufolge wird das Unternehmen auch dieses Mal die betroffenen Personen nicht informieren.
  • Wenn du herausfinden möchtest, ob die eigene E-Mail-Adresse betroffen ist, bekommst du hier erste Hinweise: haveibeenpwned.com.
  • Vice berichtet allerdings bereits von einem weiteren gigantischen Datensatz, der bislang nicht in den einschlägigen Leak-Datenbanken auftaucht.
  • Nun ja, Datenpannen haben bei Facebook Tradition: 540 Millionen Daten im April 2019 (Upguard), 419 Millionen Daten im September 2019 (Techcrunch), Cambridge-Analytica-Skandal in 2018 (WIRED), 30 Millionen Accounts in 2018 (WIRED)…

LinkedIn: Daten von 500 Millionen Nutzerïnnen verfügbar

  • Die Website CyberNews hat Daten von 500 Millionen LinkedIn-Nutzerïnnen in einem Hacker-Forum entdeckt (CyberNews).
  • Gegenüber Businss Insider hat das Unternehmen den Datenfundus bestätigt.
  • Die Daten umfassen Konto-IDs, vollständige Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Informationen zum Arbeitsplatz, Geschlecht und Links zu anderen Konten in sozialen Medien.

Clubhouse: 1,3 Millionen Nutzerïnnen von Daten-Scraping betroffen

  • CyberNews berichtet zudem über 1,3 Millionen Clubhouse-Datensätze, die in einem Hacker-Forum frei heruntergeladen werden können.
  • Ähnlich wie bei LinkedIn handelt es sich auch hierbei nicht um Daten, die durch ausgeklügeltes Hacking erbeutet werden konnten. Vielmehr haben Unbekannte öffentlich verfügbare Daten wie User-ID, Klarnamen, Nutzernamen, Anzahl der Follower, etc. abgegriffen, zusammengeführt und aufbereitet.
  • Clubhouse unterstreicht bei Twitter, dass es sich „formal“ nicht um einen Breach handelt, sondern letztlich jeder via API auf die Daten in dieser Form zugreifen könnte.
  • Ähm, ja. Pricacy by design sieht anders aus. Aber das Thema Privatsphäre wird bei Clubhouse ja eh nicht besonders groß geschrieben.

Audio Boom

  • Hotline: Facebooks Team für experimentelle Apps war wieder fleißig. Der neueste Test hört auf den Namen Hotline und ist eine Mischung aus Instagram Live und Clubhouse (Techcrunch). Im Unterschied zur Boom-App Clubhouse können Creator bei Hotline wahlweise ihr Video einschalten. Zudem gibt es keine Begrenzung hinsichtlich der Teilnehmerzahl. Gespräche können aufgezeichnet werden und im Anschluss direkt bei YouTube, Facebook, Tiktok oder als Podcast geteilt werden. Zudem können Fragen schiftlich eingereicht werden. Ob eine Frage diskutiert werden soll, kann per Up- / Downvote ermittelt werden. Ob es die App auf den Markt schafft, ist nicht absehbar.
  • Stage Channel: Bei Discord können sich Menschen schon eine ganze Weile zusammenfinden, um fröhlich und wild miteinander zu quatschen. Jetzt geht Discord einen Schritt Richtung Clubhouse und bietet mit Stage Channel die Möglichkeit, dass ausgewählte Personen vor Publikum sprechen (The Verge) – etwa im Sinne eines Ask Me Anythings. Während Clubhouse nur bei iOS und Twitter lediglich Test-Nutzerïnnen zur Verfügung steht, ist Discord bereits auf allen gängigen Plattformen nutzbar.
  • Locker Room: Spotify hat die Übernahme der Live-Audio-App Locker Room verkündet (Axios). Bisland ist die App unter Sport-Fans beliebt, um sich über aktuelle Events auszutauschen. Spotify möchte die App nutzen, um mehr Live-Interaktionen zwischen Creators und Fans herzustellen – etwa in Form von Debatten und Konzerten.
  • Audio Experience: Audio ist jetzt auch bei LinkedIn ein Thema. Bei Techcrunch heißt es: „We’re doing some early tests to create a unique audio experience connected to your professional identity. And, we’re looking at how we can bring audio to other parts of LinkedIn such as events and groups, to give our members even more ways to connect to their community.“ Well… Seems legit.
  • Spaces am Desktop: Twitter Spaces gibt es bislang nur mobil. Das könnte sich aber schon sehr bald ändern. Laut The Verge wird Twitters Clubhouse-Klon künftig auch am Desktop verfügbar sein.

Follow the money

  • Feindliche Übernahme: Twitter und Clubhouse haben sich angeblich über eine mögliche Übernahme unterhalten. Bloomberg zufolge stand dabei eine Summe von vier Milliarden Dollar im Raum. Kein schlechter Preis für eine App, die weniger als ein Jahr am Start und bislang lediglich auf iOS verfügbar ist. Die Welt spinnt. Oder nicht?!
  • Screenshopping: Snapchat möchte in Sachen E-Commerce ganz vorne mit dabei sein (The Information $). Ein wichtiges Element dafür ist ein Feature, das Shopping-Vorschläge auf der Grundlage von Fotos macht, die bei Snapchat Memories (quasi Snapchats internes Fotoalbum) hinterlegt wurden.
  • Mehr, mehr, mehr! Die Ausgaben für digitale Werbung sind im vergangenen Jahr um 12 Prozent gewachsen (CNBC). Die Top 10 Unternehmen verbuchen dabei 78 Prozent aller Umsätze. Ein Plus um 1,5 Prozent gegenüber 2019. Insgesamt wurde 2020 139,8 Milliarden Dollar für digitale Werbung ausgegeben.
  • Signal testet digitales Bezahlsystem: Eigentlich ist Signal eine wunderbare App, um sicher zu kommunzieren. Jetzt sieht es aber ganz so aus, als sollte Signal unbedingt mehr als ein Kommunikationswerkzeug sein: In Großbritannien testet das Unternehmen eine Bezahlfunktion auf der Grundlage von MobileCoin (Techcrunch). Wir sind uns noch nicht ganz sicher, wie wir das finden sollen.
  • Im Club der Einhörner – Teil 1: Cameo ist jetzt eine Milliarde Dollar wert.
  • Im Club der Einhörner – Teil 2: Patreon ist jetzt sogar vier Milliarden Dollar wert.

Creator Economy

  • Pinterest lockt Creator mit einem 500.000-Dollar-Creator-Fund. Um allerdings als Creator auf der Plattform geführt zu werden, muss einem sogenannten Creator Code (Techcrunch) zugestimmt werden. Darin verpflichten sich Creator freundlich zu sein, Fakten zu checken und inklusiv zu wirken. Das ist mal ein Ansatz!
  • Clubhouse Payments: Clubhouse-Nutzerïnnen können ihren Lieblings-Laberköpfen jetzt Geld zukommen lassen – und zwar ohne die App zu verlassen. Clubhouse selbst verdient (noch) nicht mit: 100 Prozent gehen an die Creator.
  • Creator Mode: LinkedIn ermöglicht es seinen Nutzerïnnen, einen sogenannten Creator Mode (Techcrunch) zu nutzen. Anders als bei TikTok oder Instagram geht es bei LinkedIn aber eher um eine Form der Repräsentation, respektive der Auffindbarkeit. Es geht nicht darum, mit Inhalten auf der Plattform Geld zu verdienen.

Neue Features bei den Plattformen

TikTok

  • Neue Effekte: TikTok gibt weiter Gas, was die hauseigenen Effekte angeht. Sechs interaktive Musikeffekte (Techcrunch) sorgen derzeit für Furore.
  • Auto Captions: TikTok hat ein neues Feature gelauncht, das Videos automatisch beschriftet / untertitelt (Tik Tok Newsroom). Creator können über einen Editor die Untertitel anpassen.
  • Wellness Hub: TikTok hat ein Wellness Hub gelauncht, um Nutzerïnnen Informationen zu den Themen mentale und physische Gesundheit an die Hand zu geben. Konkret geht es um die folgenden vier Kategorien: „Food and Nutrition“, „Fitness“, „Life Advice“ and „Mindfulness“.
  • Playlists erstellen: Creator können jetzt Playlists anlegen. Wie das funktioniert, zeigt Jera Foster-Fell in ihrem TikTok.

Facebook

  • Kommentare abschalten: Facebook-Nutzerïnnen können jetzt entscheiden, ob bei einem Post Kommentare zulässig sind oder nicht (Facebook Newsroom). Die Einschränkungen erinnern an die kürzlich bei Twitter eingeführten Optionen: Entweder alle kommentieren (public), nur Freunde kommentiern (Friends) oder nur Personen, die im Post getagged wurden.
  • Feed Filter Bar: Facebook schwankt ja irgendwie immer zwischen der Vorstellung, dass Nutzerïnnen sowieso keinen Bock hätten, ihre Feeds händisch zu sortieren, und der Idee, ihnen eben genau dafür Extra-Tools an die Hand zu geben. Aktuell hat sich einmal wieder letztere Glaubensrichtung durchgesetzt und dafür gesorgt, dass in einer Feed Filter Bar angegeben werden kann, welche Freunde und Pages zu den Favoriten gehören (Facebook Newsroom). Und ob lieber ein algorithmisch sortierter oder ein chronologischer Feed angezeigt werden soll. Nutzt ihr das?
  • Bezahlen via QR-Code: Facebook testet in den USA eine neue Option, Bezahlvorgänge mittels Facebook Pay und QR-Codes zu vereinfachen (Macrumors).
  • Voting und Reactions: Facebook spielt derzeit mit allerhand Up- und Downvoting-Optionen für Posts in Gruppen (Social Media Today). Auch testet Facebook allerlei neue Reactions, um zeigen zu können, was der Post mit einem gemacht hat. I feel so aufgeschlaut – Eulen-Emoji!

Instagram

  • Remix: Instagram hat jetzt seinen TikTok-Duett-Klon Remix offiziell gelauncht (Techcrunch). Mittels Remix lassen sich Videos parallel zu bereits auf der Plattform verfügbaren Videos aufnehmen – um z.B. eine Choreografie zu tanzen oder ein Reaction-Video zu posten.
  • Tipps vom Chef: Adam Mosseri haut auf Twitter ein paar Instagram-Tipps raus. Vieles davon ist Power-Userïnnen sicherlich bekannt. Aber dass sich per langem Klick auf die Lupe direkt das Keyboard öffnet, um loszutippen, war uns zum Beispiel nicht klar. Naja. Wird unser Leben auch nicht radikal verändern. Aber ganz nice to know…

Twitter

  • Sticker in Fleets: Bei Twitters Story-Klon lassen sich jetzt auch Sticker posten (The Verge). Wurde aber auch langsam mal Zeit, dass Twitter da nachlegt.
  • Communities: Twitter möchte bekanntermaßen analog zu Facebook Gruppen künftig auch ein Community-Feature anbieten. Bislang ist noch nicht viel über diese Communities bekannt. Reverse-Engineering-Pro Jane Manchun Wong hat deshalb unter die Motorhaube gelunzt. Und siehe da: das könnte durchaus spannend werden!

Header-Foto von Austin Distel bei Unsplash


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