Monat: Januar 2021

Tipp: So suchst du effektiv im Browser

  • Was: In Chrome und Firefox lassen sich Custom Search Engines (individuelle Suchmaschinen) anlegen, mit denen du über einen Shortcut in der Adresszeile jede Seite durchsuchen kannst, du somit eine eigene Suchfunktion besitzt. Das allein ist für dich vermutlich nichts Neues. Aber es geht noch besser: Du kannst auch bestimmte Google-Parameter vordefinieren und abspeichern.
  • Wofür: Wir müssen für unseren Newsletter immer wieder in unserem eigenen Archiv stöbern, um auf vergangene Ausgaben zu verlinken. Das ist für dich vermutlich weniger wichtig, aber es gibt mit Sicherheit eine Webseite, die du regelmäßig durchsuchst – und zwar meist mit Google, weil die interne Suchfunktion nichts taugt (was für nahezu alle Medien zutrifft).
  • Wie: Viele Wege führen nach Rom, aber je nach Browser unterscheidet sich die Route. Chrome: Rechtsklick in die Adresszeile > Manage search engines > Add. Firefox bietet es keine native Möglichkeit, dafür hilft das Add-on „Add custom search engine„. In beiden Fällen trägst du als URL https://www.google.com/search?q=site%:socialmediawatchblog.de+%s ein, vergibst einen Namen (SMWB) und ein Keyword (sm). Wenn du jetzt „sm facebook“ in die Adresszeile eingibst, durchsucht Google das Watchblog-Archiv nach dem Suchbegriff facebook. Ich habe entsprechende Shortcuts für etwa ein Dutzend Nachrichtenseiten, bei denen ich gezielt nach Artikeln suchen will.
  • Was noch: Wenn du lieber mit einer Google-Alternative suchst, kannst du in der URL einfach google.com durch duckduckgo.com oder die Suchmaschine deiner Wahl ersetzen. Die Parameter für die Suche in einer Seite sind fast immer dieselben.

Tool: So wird Twitter zur Nachrichtenzentrale

  • Was: Nuzzel (Web/ Android/ iOS)
  • Wie viel Nuzzel ist gratis.
  • Wofür: Ich folge auf Twitter knapp 1000 Accounts, bei Martin sind es nur geringfügig weniger. Das sind mehr Inhalte, als man jemals lesen kann (geschweige denn will). Nuzzel filtert die Signale aus dem großen Rauschen und bringt Ordnung ins Nachrichtenchaos.
  • Wie: Du loggst dich mit deinem Twitter-Konto bei Nuzzel ein. Der Dienst analysiert deine Timeline und schickt Benachrichtigungen, sobald eine bestimmte Anzahl von Accounts, denen du folgst, einen Link teilt. Die Schwellen lassen sich frei konfigurieren. Ich lasse mir bei fünf Shares eine Push-Nachricht schicken und erhalte eine E-Mail, wenn zehn Menschen einen Artikel für empfehlenswert halten. Spätestens, wenn ich eine Nachricht im Posteingang habe, weiß ich, dass der Text für mich relevant ist.
  • Warum: Wir haben beide eine Hassliebe zu Twitter. Ruppigkeit und Rechthaberei stehen Weisheit und Witz gegenüber – und vor allem ist Twitter beruflich oft wahnsinnig nützlich. Nuzzel hilft uns, Twitter als Nachrichtenaggregator zu nutzen, ohne ständig unsere anstrengende Timeline im Blick haben zu müssen. Gerade an stressigen Tagen erleichtert Nuzzel die Arbeit enorm, weil man alle wichtigen Entwicklung mitbekommt, ohne eine Minute auf Twitter verbringen zu müssen.

App: So wird das Smartphone zur Webcam

  • Was: DroidCam/DroidCamX, iVCam Webcam (Android), Camo, EpocCam (iOS)
  • Wie viel: Alle Apps sind in der Grundversion gratis, haben aber Einschränkung: Teils fehlt der HD-Modus, oder es sind Wasserzeichen im Bild. Die Vollversionen kosten wenige Euro und sind garantiert günstiger als eine gute Webcam. Ich habe mit DroidCam und iVCam gute Erfahrungen gemacht und viel Positives über Camo und EpocCam gelesen.
  • Wofür: Meetings, Familienfeiern, Watchblog-Lectures: Das Leben spielt in Zoom und auf Teams. Ein Königreich für eine gute Webcam – leider wortwörtlich: Die Preise sind explodiert. Doch niemand muss für 250 Euro eine Logitech Brio kaufen, um in Videokonferenzen gut auszusehen. Profis nehmen ihre DSLR-Kamera, aber das ist gar nicht nötig: Jedes Smartphone hat eine Kamera, die selbst die teuersten Webcams deutlich distanziert (Reincubate).
  • Wie: Du installierst die App auf dem Handy und ein Programm auf dem Windows- oder Mac-Rechner. Dann wird das Signal über WLAN oder USB-Kabel übertragen. In Zoom, Teams, Meet oder nahezu jeder anderen Plattform wählst du als Eingangssignal den PC/Mac-Client aus und siehst das hochauflösende Bild der Handykamera.
  • Was noch: Im Idealfall hast du ein Stativ oder eine andere Möglichkeit, das Smartphone auf Augenhöhe zu befestigen. Das hat im Vergleich zur Laptop-Webcam den zusätzlich Vorteil, dass du dich nicht aus der unvorteilhaften Froschperspektive zeigst, in der alle Welt deine Nasenlöcher sehen kann. Mindestens genauso wichtig wie eine passable Kamera ist übrigens das richtige Licht (Matt Stauffer).

Tool: So wird Twitter zur Nachrichtenzentrale

  • Was: Nuzzel (Web/ Android/ iOS)
  • Wie viel Nuzzel ist gratis.
  • Wofür: Ich folge auf Twitter knapp 1000 Accounts, bei Martin sind es nur geringfügig weniger. Das sind mehr Inhalte, als man jemals lesen kann (geschweige denn will). Nuzzel filtert die Signale aus dem großen Rauschen und bringt Ordnung ins Nachrichtenchaos.
  • Wie: Du loggst dich mit deinem Twitter-Konto bei Nuzzel ein. Der Dienst analysiert deine Timeline und schickt Benachrichtigungen, sobald eine bestimmte Anzahl von Accounts, denen du folgst, einen Link teilt. Die Schwellen lassen sich frei konfigurieren. Ich lasse mir bei fünf Shares eine Push-Nachricht schicken und erhalte eine E-Mail, wenn zehn Menschen einen Artikel für empfehlenswert halten. Spätestens, wenn ich eine Nachricht im Posteingang habe, weiß ich, dass der Text für mich relevant ist.
  • Warum: Wir haben beide eine Hassliebe zu Twitter. Ruppigkeit und Rechthaberei stehen Weisheit und Witz gegenüber – und vor allem ist Twitter beruflich oft wahnsinnig nützlich. Nuzzel hilft uns, Twitter als Nachrichtenaggregator zu nutzen, ohne ständig unsere anstrengende Timeline im Blick haben zu müssen. Gerade an stressigen Tagen erleichtert Nuzzel die Arbeit enorm, weil man alle wichtigen Entwicklung mitbekommt, ohne eine Minute auf Twitter verbringen zu müssen.

Tipp: So suchst du effektiv im Browser

  • Was: In Chrome und Firefox lassen sich Custom Search Engines (individuelle Suchmaschinen) anlegen, mit denen du über einen Shortcut in der Adresszeile jede Seite durchsuchen kannst, du somit eine eigene Suchfunktion besitzt. Das allein ist für dich vermutlich nichts Neues. Aber es geht noch besser: Du kannst auch bestimmte Google-Parameter vordefinieren und abspeichern.
  • Wofür: Wir müssen für unseren Newsletter immer wieder in unserem eigenen Archiv stöbern, um auf vergangene Ausgaben zu verlinken. Das ist für dich vermutlich weniger wichtig, aber es gibt mit Sicherheit eine Webseite, die du regelmäßig durchsuchst – und zwar meist mit Google, weil die interne Suchfunktion nichts taugt (was für nahezu alle Medien zutrifft).
  • Wie: Viele Wege führen nach Rom, aber je nach Browser unterscheidet sich die Route. Chrome: Rechtsklick in die Adresszeile > Manage search engines > Add. Firefox bietet es keine native Möglichkeit, dafür hilft das Add-on „Add custom search engine„. In beiden Fällen trägst du als URL https://www.google.com/search?q=site%:socialmediawatchblog.de+%s ein, vergibst einen Namen (SMWB) und ein Keyword (sm). Wenn du jetzt „sm facebook“ in die Adresszeile eingibst, durchsucht Google das Watchblog-Archiv nach dem Suchbegriff facebook. Ich habe entsprechende Shortcuts für etwa ein Dutzend Nachrichtenseiten, bei denen ich gezielt nach Artikeln suchen will.
  • Was noch: Wenn du lieber mit einer Google-Alternative suchst, kannst du in der URL einfach google.com durch duckduckgo.com oder die Suchmaschine deiner Wahl ersetzen. Die Parameter für die Suche in einer Seite sind fast immer dieselben.

War for Talent, Facebook Oversight Board präsentiert erste Entscheidungen, Neue Rubrik: Unsere Lieblings-Tools

War for Talent

Was ist:

Wir erleben aktuell einen spannenden War for Talent bei den Plattformen.

Warum ist das so?

Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat, Twitter, TikTok und Co haben zunehmend die gleichen Features. In Ausgabe 686 sprachen wir in diesem Zusammenhang von „den Klonkriegen“ zwischen den Plattformen. Inhalte machen daher (künftig) den Unterschied. Und die werden von sogenannten Creators geliefert. Creators ist natürlich schreckliches Denglisch, daher sprechen wir in diesem Artikel lieber von Kreativen. Gemeint sind damit all jene Menschen, die ein Einkommen über die Plattformen erzielen.

Wie sieht der War for Talent genau aus?

  • Facebook, YouTube und Co stehen vor der Herausforderung, die Kreativen auf der Plattform zu halten.
  • Nur wer über die Plattform Geld verdient, kann dort auch Inhalte liefern.
  • Seitens der Plattformen gibt es verschiedene Wege, die Kreativen zu unterstützen.

Wie Plattformen Kreative unterstützen

Die neuesten Entwicklungen

  • Um den für die Plattform so wichtigen Creators noch mehr Sichtbarkeit zu geben, startet TikTok den „For You Podcast„.
  • Instagram-Profis müssen verstehen, was mit ihren Inhalten auf der Plattform passiert. Um besser zu performen und um bessere Berichte für ihre Auftraggeber zu verfassen. Instagram launcht daher das „Professional Dashboard“.
  • Snapchat schüttet täglich 1 Million Dollar in einer Art „Kreativ-Lotterie“ für Inhalte bei Snapchat Spotlight (Snapchats öffentlicher Feed) aus. In den ersten sechs Wochen haben sie 42 Millionen Dollar an rund 2000 Kreative ausgezahlt (Business Insider).
  • Weil Twitter keinen Bock darauf hat, dass Journalisten / Wissenschaftler / Autoren etc. auf der Plattform zwar Hunderttausende Follower für sich gewinnen, ihre Arbeit aber andernorts zu Geld machen, haben sie jetzt die Newsletter-Plattform Revue gekauft. Das Ziel: An Subscriptions mitverdienen.
  • Vine war quasi TikTok, bevor es TikTok gab. Twitter hat es dann verbockt, die Plattform zu dem zu machen, was TikTok heute ist. Nach einem Relaunch machen das neue Vine – Byte – und Clash nun gemeinsame Sache (New York Times). Die Idee: Kreativen Funktionen bieten, um Cash zu machen, und selbst daran verdienen.

Be smart

Wir glauben, dass der War for Talent 2021 ordentlich an Fahrt aufnehmen wird. Waren es früher die Fernsehsender, Filmstudios und Major Labels, die dafür sorgen mussten, ihre Stars an sich zu binden, sind es jetzt die Social-Media-Angebote. Aktuell mag der Fokus noch darauf liegen, sich über die eigenen Stars von anderen Plattform abzuheben. Mittelfristig könnte aber in den Deals auch für die Unternehmen selbst jede Menge Musik drin sein. Bei The Information wird schon darüber fabuliert, dass Influencer demnächst Aktien ausgeben könnten, um Kapital einzusammeln. Nur falls sich jemand gerade noch fragt, ob das mit diesen Social-Media-Stars nicht vielleicht einfach nur eine Phase ist…


Social Media & Politik


Kampf gegen Desinformationen


Datenschutz-Department

Zahlreiche Schwachstellen bei Clubhouse entdeckt: Kollege Patrick Beuth hat sich von einem Hacker erklären lassen, wie Nutzer gezielt ausgesperrt werden können, wie massenhaft Daten abgefragt werden können und wie leicht es ist, zufällig Konten zu kapern. Clubhouse bietet Hackern zahlreiche Angriffsmöglichkeiten (SPIEGEL)


Follow the money

  • Facebook legt starke Quartalszahlen vor: Facebook verdient weiterhin prächtig: 2020 haben sie insgesamt 86 Milliarden Dollar umgesetzt. 2019 waren es noch 70,7 Milliarden Dollar. Allerdings hat Facebook das zweite Quartal in Folge einen Nutzerrückgang in den USA und Kanada zu verzeichnen. In Kombination mit Apples neuen Privatsphäre-Vorhaben (siehe Briefing #691) treibt das Facebook schon die eine oder andere Schweißperle aufs Gesicht. Facebook earnings beat but the company warns of impact from Apple privacy changes (CNBC)
  • Wenn Reddit die Wallstreet trollt: Eine Horde Kleinanleger, die sich primär über Reddit organisiert, hat es geschafft, die Aktien von GameStop zu einer der meist gehandelten Aktien überhaupt zu machen. Sehr zum Ärger der etablierten Finanzwelt (CNN). Das Thema ist definitiv eine nähere Betrachtung wert. Allerdings haben wir das bislang noch nicht geschafft.

Studien / Zahlen

  • Global State of Social Media 2021: Wie jedes Jahr veröffentlichen Hootsuite und We Are Social einen sehr umfangreichen Report mit allen wichtigen Fakten und Daten rund um soziale Medien. So kommen die Autoren zum Schluss, dass es derzeit weltweit rund 4,2 Milliarden Social-Media-Nutzerïnnen gibt. Ein Anstieg von 490 Millionen in den letzten 12 Monaten. Es lohnt, den gesamten Bericht zu lesen (The Next Web).

Neue Features bei den Plattformen

Telegram

Korrektur

  • Threema, nicht Telegram. In der letzten Ausgabe haben wir an dieser Stelle im Abschnitt zu Threema auf einmal von Telegram geschrieben. Das war natürlich ein Fehler. Bei Threema lassen sich jetzt Gruppen mit einer Größe von 256 Teilnehmerïnnen erstellen.

Wir teilen unsere liebsten Apps, Tools und Tipps

Was ist

Vergangene Woche haben wir überlegt, wie sich das Watchblog 2021 weiterentwickeln kann. Wir haben viele Pläne, an den meisten müssen wir noch weiter feilen. Eine Idee können wir sofort umsetzen: Ab sofort wollen wir regelmäßig digitale Werkzeuge und Lifehacks vorstellen, die uns das Leben leichter machen.

Was dich erwartet

Seit Jahren gibt es im Newsletter die Kategorie „Tipps, Tricks und Apps“. Bislang haben wir dort unregelmäßig auf neue Seiten und Dienste verwiesen, die wir in unseren Timelines und RSS-Readern entdeckt hatten. Künftig wollen wir persönlicher werden: Wir empfehlen Hilfsmittel, mit denen wir selbst arbeiten, und erklären, wie wir sie einsetzen.

Die Bandbreite lassen wir bewusst offen. Für unsere Empfehlungsecke kommen infrage:

  • Apps: Im Idealfall gibt es Versionen für beide Betriebssysteme. Es wird aber auch vorkommen, dass Martin eine reine iOS-App empfiehlt oder ich eine Software für Android-Geräte vorstelle.
  • Tools: Dazu zählen etwa Browser-Erweiterung oder praktische Freeware für macOS und Windows. Auch hier werden Programme dabei sein, die es nur für Chrome oder Apple-Rechner gibt. Aber wir versuchen, die Auswahl möglichst bunt zu mischen.
  • Tipps: Damit meinen wir alles, was uns im Alltag Arbeit abnimmt und Prozesse automatisiert: praktische Shortcuts, die über Copy/Paste hinausgehen; IFTTT-Rezepte, mit denen wir Links für das Watchblog sammeln und gleichzeitig bei Twitter und Slack teilen; kleine Tampermonkey-Scripte, die selbstständig die lästigen &UTM-Parameter von URLs abschneiden.

Für die erste Ausgabe nehmen wir einen Tipp aus jeder Kategorie auf. Künftig reduzieren wir den Umfang auf einen Tipp pro Newsletter (und sparen uns die salbungsvolle Einleitung).

Wie du uns helfen kannst

Wir haben genug Ideen, wie wir dieses Format füllen können. Allein bei unserer täglichen Arbeit für das Watchblog setzen wir so viele digitale Werkzeuge ein, dass die Empfehlungen Monate füllen könnten.

Es soll aber nicht nur darum gehen, was uns hilft, sondern was dir hilft. Also schreib uns bitte, wenn du konkrete Probleme hast, bei denen du denkst: Das muss doch einfacher gehen. Vielleicht kennen wir eine Lösung – oder unsere Abonnentïnnen kennen eine. In unserem Slack-Channel lesen knapp 800 Menschen mit, die sich immer wieder gegenseitig helfen.

Das Format soll nicht nur offen für Fragen sein, sondern auch für Antworten. Falls du selbst einen Geheimtipp hast, von dem du denkst, dass viel mehr Menschen davon wissen sollten, dann freuen wir uns über einen Hinweis. Oder du schreibst es einfach selbst kurz auf. Wenige Sätze reichen, um viele Kollegïnnen dankbar zu machen.

App: So wird das Smartphone zur Webcam

  • Was: DroidCam/DroidCamX, iVCam Webcam (Android), Camo, EpocCam (iOS)
  • Wie viel: Alle Apps sind in der Grundversion gratis, haben aber Einschränkung: Teils fehlt der HD-Modus, oder es sind Wasserzeichen im Bild. Die Vollversionen kosten wenige Euro und sind garantiert günstiger als eine gute Webcam. Ich habe mit DroidCam und iVCam gute Erfahrungen gemacht und viel Positives über Camo und EpocCam gelesen.
  • Wofür: Meetings, Familienfeiern, Watchblog-Lectures: Das Leben spielt in Zoom und auf Teams. Ein Königreich für eine gute Webcam – leider wortwörtlich: Die Preise sind explodiert. Doch niemand muss für 250 Euro eine Logitech Brio kaufen, um in Videokonferenzen gut auszusehen. Profis nehmen ihre DSLR-Kamera, aber das ist gar nicht nötig: Jedes Smartphone hat eine Kamera, die selbst die teuersten Webcams deutlich distanziert (Reincubate).
  • Wie: Du installierst die App auf dem Handy und ein Programm auf dem Windows- oder Mac-Rechner. Dann wird das Signal über WLAN oder USB-Kabel übertragen. In Zoom, Teams, Meet oder nahezu jeder anderen Plattform wählst du als Eingangssignal den PC/Mac-Client aus und siehst das hochauflösende Bild der Handykamera.
  • Was noch: Im Idealfall hast du ein Stativ oder eine andere Möglichkeit, das Smartphone auf Augenhöhe zu befestigen. Das hat im Vergleich zur Laptop-Webcam den zusätzlich Vorteil, dass du dich nicht aus der unvorteilhaften Froschperspektive zeigst, in der alle Welt deine Nasenlöcher sehen kann. Mindestens genauso wichtig wie eine passable Kamera ist übrigens das richtige Licht (Matt Stauffer).

Tool: So wird Twitter zur Nachrichtenzentrale

  • Was: Nuzzel (Web/ Android/ iOS)
  • Wie viel Nuzzel ist gratis.
  • Wofür: Ich folge auf Twitter knapp 1000 Accounts, bei Martin sind es nur geringfügig weniger. Das sind mehr Inhalte, als man jemals lesen kann (geschweige denn will). Nuzzel filtert die Signale aus dem großen Rauschen und bringt Ordnung ins Nachrichtenchaos.
  • Wie: Du loggst dich mit deinem Twitter-Konto bei Nuzzel ein. Der Dienst analysiert deine Timeline und schickt Benachrichtigungen, sobald eine bestimmte Anzahl von Accounts, denen du folgst, einen Link teilt. Die Schwellen lassen sich frei konfigurieren. Ich lasse mir bei fünf Shares eine Push-Nachricht schicken und erhalte eine E-Mail, wenn zehn Menschen einen Artikel für empfehlenswert halten. Spätestens, wenn ich eine Nachricht im Posteingang habe, weiß ich, dass der Text für mich relevant ist.
  • Warum: Wir haben beide eine Hassliebe zu Twitter. Ruppigkeit und Rechthaberei stehen Weisheit und Witz gegenüber – und vor allem ist Twitter beruflich oft wahnsinnig nützlich. Nuzzel hilft uns, Twitter als Nachrichtenaggregator zu nutzen, ohne ständig unsere anstrengende Timeline im Blick haben zu müssen. Gerade an stressigen Tagen erleichtert Nuzzel die Arbeit enorm, weil man alle wichtigen Entwicklung mitbekommt, ohne eine Minute auf Twitter verbringen zu müssen.

Tipp: So suchst du effektiv im Browser

  • Was: In Chrome und Firefox lassen sich Custom Search Engines (individuelle Suchmaschinen) anlegen, mit denen du über einen Shortcut in der Adresszeile jede Seite durchsuchen kannst, du somit eine eigene Suchfunktion besitzt. Das allein ist für dich vermutlich nichts Neues. Aber es geht noch besser: Du kannst auch bestimmte Google-Parameter vordefinieren und abspeichern.
  • Wofür: Wir müssen für unseren Newsletter immer wieder in unserem eigenen Archiv stöbern, um auf vergangene Ausgaben zu verlinken. Das ist für dich vermutlich weniger wichtig, aber es gibt mit Sicherheit eine Webseite, die du regelmäßig durchsuchst – und zwar meist mit Google, weil die interne Suchfunktion nichts taugt (was für nahezu alle Medien zutrifft).
  • Wie: Viele Wege führen nach Rom, aber je nach Browser unterscheidet sich die Route. Chrome: Rechtsklick in die Adresszeile > Manage search engines > Add. Firefox bietet es keine native Möglichkeit, dafür hilft das Add-on „Add custom search engine„. In beiden Fällen trägst du als URL https://www.google.com/search?q=site%:socialmediawatchblog.de+%s ein, vergibst einen Namen (SMWB) und ein Keyword (sm). Wenn du jetzt „sm facebook“ in die Adresszeile eingibst, durchsucht Google das Watchblog-Archiv nach dem Suchbegriff facebook. Ich habe entsprechende Shortcuts für etwa ein Dutzend Nachrichtenseiten, bei denen ich gezielt nach Artikeln suchen will.
  • Was noch: Wenn du lieber mit einer Google-Alternative suchst, kannst du in der URL einfach google.com durch duckduckgo.com oder die Suchmaschine deiner Wahl ersetzen. Die Parameter für die Suche in einer Seite sind fast immer dieselben.

Header-Foto von Alexey Soucho bei Unsplash


Lecture #4 | Design Thinking & Sprints

Seit November 2020 organisieren wir jeden ersten Donnerstag im Monat via Zoom eine Lecture, zu der alle Abonnentïnnen des Social Media Watchblogs herzlich eingeladen sind. Bei der nächsten Lecture am 4.2.2021 werden wir über Design Thinking und Sprints reden – also u.a. darüber, wie man es innerhalb von kürzester Zeit schafft, größere Projekte auf die Strecke zu bringen.

Wir freuen uns sehr, dass Vanessa Wormer und Andrea Eberhart (SWR X Lab) gemeinsam mit Sven Wiesner (Neon Gold Innovations) einen Einblick in die Arbeitsweise des SWR-Innovationslabors geben und ihre Erfahrungen aus aktuellen Projekten mit uns teilen werden. Was sie konkret mit uns vorhaben, beschreiben sie so:

„Die Mediennutzung verschiebt sich immer weiter ins Digitale. Das Netz ist der Marktplatz, auf dem Dialog und Austausch stattfinden und Menschen sich ihre Meinung bilden. Das Innovationslabor X Lab des SWR hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, die zu diesem Trend passenden, digitalen Angebote zu entwickeln.

In divers besetzten Teams erarbeiten Menschen aus den Bereichen Redaktion, Technologie und Innovation mittels agilen Methoden nach dem Design Thinking Prinzip nutzerzentrierte Medienformate. Sie erstellen Prototypen und testen diese an der Zielgruppe. Corona bedingt erfolgt die Zusammenarbeit derzeit zu 100% remote und rein digital.“

Den Link zum Call gibt es wie üblich einige Tage vorher. Wer dabei sein möchte, trägt sich bitte hier mit der Emailadresse ein, über die auch unser Newsletter bezogen wird.


Header-Foto von Charles Deluvio bei Unsplash


Clubhouse ist kein Clubhaus | Erste Eindrücke von Twitter Spaces | Ausblick auf Instagrams Zukunft

Clubhouse ist kein Clubhaus – und eine Milliarde Dollar wert

Was ist

Eine Woche, nachdem wir unter dem Titel „Warum alle über Clubhouse reden (wir auch)“ über Clubhouse schrieben, reden mal wieder alle über Clubhouse – inklusive uns. Dafür gibt es drei Gründe:

  1. Bodo Ramelow
  2. Ein Investment
  3. Ein Blogeintrag

In der Summe ermöglichen diese drei Punkte einen neuen Blick auf die Gegenwart und die Zukunft Clubhouse. Es wird klar, was die App nicht ist (ein privater Raum) – und es zeichnet sich ab, wie das Unternehmen Geld verdienen und Creators an sich binden will (mit Abos und Trinkgeld). Gehen wir die Ereignisse der Reihe nach durch:

1. Was auf Clubhouse passiert, bleibt nicht auf Clubhouse

Am Samstag sendete Deutschlandfunk Kultur in seiner Sendung Breitband einen interessanten Beitrag über Clubhouse. Eine Einschätzung sollte sich aber als allzu optimistisch erweisen. Der Journalist Malcolm Ohanwe sagte, Clubhouse fühle sich an wie ein Hinterzimmer:

„Das finde ich eigentlich etwas Schönes, vor allem weil dann nichts aus dem Kontext gerissen wird. Das hat natürlich die Gefahr, dass du unkontrolliert auch allerlei Lügen und Bullshit erzählen kannst. Aber es verbreitet sich ja dann auch nicht in der Welt.“

Für private Räume, in denen sich ausschließlich Menschen treffen, die sich gut kennen, mag das zutreffen. Für den Raum, in dem Bodo Ramelow am Freitagabend sprach, traf das ganz und gar nicht zu. Der Gesprächsrunde „Trash und Feuilleton“ lauschten rund 1600 Menschen, darunter etliche Journalistïnnen.

Was folgte, ging am Wochenende so breit durch alle Medien (Zeit), dass wir es nur in größtmöglicher Kürze wiedergeben:

  • Ramelow sagte dumme Dinge. Unter anderem bezeichnete er die Bundeskanzlerin als „Merkelchen“ und erzählte, dass er während Ministerpräsidentenkonferenzen schon mal Candy Crush spiele.
  • Im Publikum saß Johannes Boie, Chefredakteur der Welt am Sonntag. Am Samstag schrieb Boie einen Kommentar für die aktuelle Printausgabe, der auch online erschien – und mittelgroße politische Verwerfungen auslöste (SZ).
  • Ramelow hat sich für das „Merkelchen“ mittlerweile mehrfach und deutlich entschuldigt. Unter anderem schrieb er auf Twitter: „Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung.“

Ramelows Äußerungen haben Kritik verdient. Dazu gibt es keine zwei Meinungen, er sieht es ja sogar selbst so. Wir wollen an dieser Stelle auch nicht weiter auf die erwartbaren Reaktionen eingehen. Spannender ist, was das über digitale Öffentlichkeit und mediale Ethik aussagt:

  • Offenbar hatte Ramelow das Gefühl, in einer kleinen, halbprivaten Runde zu sprechen. Im Jahr 2021 ist das im Netz ein beeindruckendes Beispiel von Medieninkompetenz.
  • Aber es ist auch nachvollziehbar, wie Ramelow zu diesem Eindruck kam. Ein Teil des Erfolgs von Clubhouse beruht genau auf dieser empfundenen Intimität.
  • Das gilt für viele digitale Räume: Sie fühlen sich oft an wie die dunkelste Ecke der Dorfkneipe, wo man mit drei Kumpels quatscht.
  • Das Gegenteil ist der Fall: Was ins Netz geschrieben oder im Netz gesagt wird, ist öffentlich – Tweet, Facebook-Kommentare, Clubhouse-Diskussionen. Wenn es Skandalisierungspotential hat, wird es skandalisiert werden.
  • Der Begriff Skandalisierung trifft auch auf den Kommentar von Johannes Boie zu. Inhaltlich fehlt die Einordnung. Dass auch andere Politikerïnnen bisweilen während zähen Sitzungen daddeln oder SMS schreiben, wird nicht erwähnt. Boie stellt Ramelow als verantwortungslos dar und suggeriert, ihm seien die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenzen egal.
  • Die Art und Weise, wie Boie berichtet, finden wir in Teilen fragwürdig. Dass er es tut, ist aber nachvollziehbar. Ramelow ist eine Person öffentlichen Interesses und hat sich in einem öffentlichen Raum geäußert, in dem zahlreiche weitere Politikerïnnen und Journalistïnnen anwesend waren.
  • Die Nutzungsbedingungen von Clubhouse (Notion) verbieten es, die Diskussionen ohne Zustimmung der Beteiligten selbst mitzuschneiden.
  • Wenn Rednerïnnen Informationen als „off the record“ teilen, darf nicht darüber berichtet werden. Das tat Ramelow in dem Fall aber nicht.
  • Doch selbst wenn Boie gegen die Nutzungsbedingungen von Clubhouse verstoßen hätte, wäre die Veröffentlichung wohl legal gewesen. Bei einer juristischen Abwägung dürfte das öffentliche Interesse schwerer wiegen.

Man kann den Vorfall als politische Posse abtun. Trotzdem könnte er die deutsche Clubhouse-Kultur verändern:

  • Spätestens jetzt muss allen klar sein, dass man bei Clubhouse nicht unter sich ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hört immer irgendwo jemand aus der Medienbranche mit. Die Chatham House Rule gilt hier nicht.
  • Vor allem Politikerïnnen dürften künftig vorsichtiger werden, wie und was sie in nächtlichen Diskussionsrunden sagen. Ramelow dient als abschreckendes Beispiel.
  • Für Nutzerïnnen ist das schade: Die App war eine Möglichkeit, eine neue Perspektive auf öffentliche Personen zu gewinnen. Mit jedem Skandälchen dürfte sich die Clubhouse-Öffentlichkeit weiter den glatt geschliffenen ARD-Talkshows annähern.

2. Clubhouse wird zum Einhorn

  • Nach vielen Wörtern über einen kleinen Aufreger folgen weniger Wörter über eine große Bewertung: Am Sonntag gab der Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz ein neues Investment in Clubhouse bekannt.
  • Im Blogeintrag erklärt Andrew Chen lang und breit, warum er Clubhouse spannend findet und darin großes kulturelles, soziales und wirtschaftliches Potenzial sieht. Summen nennt er nicht.
  • Das übernimmt The Information. Zwar bleibt offen, wie viel Geld Clubhouse eingesammelt. Die Grundlage soll aber eine Bewertung von einer Milliarde Dollar sein.
  • Ein Dreivierteljahr nach dem Start der App ist Clubhouse damit bereits ein Einhorn. Die Bewertung hat sich seit April verzehnfacht. Jeder der zwei Millionen Menschen, die Clubhouse derzeit nutzen, ist damit rund 500 Dollar wert.
  • Zum Vergleich: Facebook ist rund 780 Milliarden Dollar wert. Monatlich nutzen 3,2 Milliarden Menschen Facebook, Instagram und WhatsApp. Die Bewertung pro Nutzerïn beträgt also knapp 250 Dollar.
  • Das ist besonders bemerkenswert, weil Facebook ein funktionierendes Geschäftsmodell hat, während Clubhouse bislang nur Risikokapital verbrennt und noch herausfinden muss, wie sich die App sinnvoll monetarisieren lässt.

3. Wie sich Clubhouse seine Zukunft vorstellt

Parallel zu Andreessen Horowitz veröffentlichte auch Clubhouse einen Blogeintrag. Neben neuen Nutzerzahlen (zwei Millionen) und einem Loblied auf die Vielfalt und Diversität der bestehenden Community enthält der Text eine Vorschau auf 2021. Clubhouse will das Geld von mittlerweile 180 Investorïnnen nutzen, um fünf Dinge zu erreichen:

  • Welcoming more amazing people: Die Entwicklung der Android-App beginnt bald. Als Mensch ohne iPhone hätte ich eher auf die Ankündigung eines Releases gehofft, nicht auf den Start der Programmierung. Es wird also noch eine Weile dauern. Instagram brauchte mehr als anderthalb Jahre für seine Android-App.
  • Keeping the servers up: Clubhouse wächst schnell. Signal weiß, wie es enden kann, wenn plötzlichen Millionen wechselwillige WhatsApp-Nutzerïnnen anklopfen. Deshalb will Clubhouse mit dem Risikokapital sicherstellen, dass die App weiter stabil läuft.
  • Ensuring you get fast support: Bislang hat Clubhouse keinen allzu großen Wert auf Moderation und ausgefeilte Richtlinien für Inhalte gelegt. Erst kam das Wachstum, dann kamen die Skrupel – leider ein recht bekannter Silicon-Valley-Mechanismus. Künftig sollen Trust-, Safety- und Support-Teams ausgebaut werden.
  • Improving ranking and discovery: Je mehr Menschen Clubhouse nutzen, desto mehr Diskussionsrunden gibt es, desto schwieriger wird es, sie zu finden. Also will Clubhouse Geld in Empfehlungsalgorithmen und Personalisierung stecken. Es könnte als noch filterblasiger werden, als es eh schon ist.
  • Investing in creators: In den kommenden Monaten wird Clubhouse Möglichkeiten anbieten, Creators direkt zu bezahlen, sei es über Trinkgeld oder Abos. Zusätzlich soll es ein Creator Grant Program geben. Damit steigt Clubhouse ein in den Kampf um die kreativen Köpfe. In dieser Arena duellieren sich auch schon Milliarden-Plattformen wie Instagram und TikTok. Zumindest besitzt Clubhouse durch den Fokus auf Audio ein Alleinstellungsmerkmal. Trotzdem muss sich das Unternehmen langfristig Gedanken machen, wie es Creators an sich bindet.

Der letzte Punkt lässt die Monetarisierungsstrategie von Clubhouse erahnen: Wer Transaktionen in einer App anbietet, kann einen Anteil abzwacken. Natürlich könnte Clubhouse trotzdem zusätzlich Werbung integrieren oder bestimmte Funktionen kostenpflichtig machen. Die ersten Dollars, die Clubhouse verdient, dürften aber nicht über Anzeigen, sondern über Provisionen für In-App-Payments fließen.

Be smart

Clubhouse droht bald echte Konkurrenz. Justin Jackson vom Podcast-Hoster Transistor konnte sich Twitters Clubhouse-Klon Spaces genauer ansehen. Neben einigen neuen Funktionen besitzt Spaces vor allem einen Vorteil: Es baut auf dem Social-Graph von Twitter auf und kann Nutzerïnnen viel besser miteinander verknüpfen. Jackson bilanziert:

„My gut feel is that Twitter Spaces has a good chance of disrupting Clubhouse.“


Erste Eindrücke von Twitter Spaces

Was ist

Twitters Clubhouse-Interpretation hört bekanntermaßen auf den Namen Spaces. Seit Dezember 2020 steht die Funktion ausgewählten Nutzerïnnen zu Testzwecken zur Verfügung. Wir selbst konnten Spaces noch nicht ausprobieren. Sehr wohl gibt es aber bereits einige Artikel, in denen erste Eindrücke davon vermittelt werden, was Spaces auszeichnet: auf deutsch etwa hier bei Ralph Kühnl oder bei Andreas Szabó.

Die Features

  • Twitter Spaces ist direkt bei Twitter integriert. Somit muss keine separate App genutzt werden, um sich mit jenen zu besprechen, die ansonsten auch bei Twitter unterwegs sind.
  • Spaces bietet zudem die Option, Twitter und Spaces miteinander zu verschränken. So lassen sich Tweets in Spaces teilen, um sie dort zu besprechen. Auch ist es möglich, direkt einen Blick auf die Twitter-Profile von anderen Gesprächsteilnehmerïnnen zu werfen.
  • Zuhörerïnnen können mit Emojis reagieren. Bislang zwar nur mit 😂, ✋, ✊, 👋, 💯 und ✌️ – aber immerhin muss man nicht für jedes Feedback das Mikro nutzen.
  • Bei Spaces können auf Wunsch Gespräch automatisch transkribiert werden – nicht nur für Gehörlose ein echter Gewinn.

Be smart

Wer bei Twitter Spaces zum Kreis der Beta-Tester werden möchte, kann mit diesem Formular sein Glück versuchen. All zu lange dürfte es aber sicherlich auch nicht mehr dauern, bis Spaces allen Nutzerïnnen zur Verfügung steht. Spätestens dann werden wir sehen, ob Clubhouse wirklich mehr ist als bloß ein Feature.


Wie das Facebook Oversight Board über Trump entscheidet

  • Im vergangenen Briefing vermeldeten wir, dass sich das Facebook Oversight Board der Causa Trump annehmen werde. Der siebte Fall, den das 20-köpfige Gremium annimmt, ist sein mit Abstand größter: Facebooks Oberster Gerichtshof soll entscheiden, ob und wie lang Trumps Sperre Bestand hat.
  • Mittlerweile gibt es neue Informationen, wie das FOB dabei vorgehen wird: Evelyn Douek (Lawfare) und Ben Smith (NYT) haben zwei spannende Artikel über die aktuelle Entscheidung des Boards veröffentlicht.
  • Facebook hat dem FOB zwei Fragen gestellt: War es richtig, Trump zu sperren? Und wie sollte Facebook allgemein mit Regierungsoberhäuptern und anderen politischen Führerïnnen (Rest of World) umgehen?
  • Die Antwort auf die erste Frage ist bindend, und Facebook wird sich dem Urteil beugen.
  • Bei der zweiten Frage erhofft sich Facebook eher Ratschläge für die Ausgestaltung neuer Richtlinien. Facebook kann diese Antwort aber auch einfach dankend zur Kenntnis nehmen und ignorieren.
  • Insgesamt hat das FOB 90 Tage Zeit. Fünf Mitglieder des Boards werden den Fall prüfen – wer genau, bleibt geheim. Mindestens ein Mitglied soll aus den USA kommen, der Rest wird ausgelost.
  • Das fünfköpfige Gremium fertigt ein schriftliches Urteil an, der den restlichen 15 Mitglieder vorgelegt wird. Wenn diese nicht zustimmen, beginnt der Prozess von vorn, bis sich alle auf ein Urteil einigen können.
  • Sobald die Entscheidung feststeht, veröffentlicht das FOB sie auf seiner Webseite. Daraufhin bleibt Facebook eine Woche Zeit, um das Urteil umzusetzen und Trump womöglich wieder Zugriff auf seinen Account zu geben.
  • Wie das Urteil ausfallen wird, lässt sich noch nicht sagen. Eine Umfrage der Washington Post unter Tech-Expertïnnen könnte aber einen Fingerzeig geben: 93 Prozent halten die Entscheidung, Trump zu sperren, für richtig.
  • Unabhängig davon, wie das FOB entscheidet, halten wir den Prozess für eine deutliche Verbesserung des Status quo und schließen und Douek an:

„Before the board stepped in, the bottom line on Trump’s account was simply that Mark Zuckerberg would decide what to do. If you believe that „Mark decides“ is a bad governance model for the future of speech online—regardless of whether Mark occasionally happens to decide correctly—this referral is good news.“


Follow the money

World’s biggest song (dank TikTok)

Es ist wieder einmal passiert: TikTok hat dafür gesorgt, dass ein Song komplett durch die Decke gegangen ist. Nach Lil Nas X mit Old Town Road schafft es jetzt die erst 17-jährige Olivia Rodrigo mit Drivers License sämtliche Rekorde zu brechen (Wall Street Journal). Ihr Debüt landete direkt auf Platz der Billboard Charts. Und das nur, weil es bei TikTok rauf und runterläuft… TikTok ist echt eine Macht, wenn es um Musik geht.

The Scary Future of Instagram

Wir haben schon oft darüber nachgedacht, wie wohl die Zukunft von Instagram aussieht. Alles deutet darauf hin, dass Instagram sich immer weiter von der Kernidee verabschiedet und sukzessive zu einer Shopping-Plattform mit angehängtem Bilder-Netzwerk umgebaut wird. Was einst als App startete, um sich selbst auszudrücken, mutiert zu einer Plattform, auf der man zuschaut, wie andere ihr Leben in eine Dauerwerbesendung integrieren. Die Kreativ-Agentur Growth Design bringt es in ihrer neuen Case Study auf den Punkt. Wenn du einen Link klickst in dieser Ausgabe, dann diesen.


Schon einmal im Briefing davon gehört

Beeper

Ein Messenger für alles: Wie wäre es, wenn man mit seinem Instagram-Account künftig nicht nur der Freundin bei Facebook Messenger schreiben könnte, sondern auch dem Kumpel bei Threema, der Tante bei Signal, der Kollegin bei Slack und dem BFF bei Snapchat? Bislang ist das ein Ding der Unmöglichkeitkeit, weil die einzelnen Apps untereinander hermetisch abgeriegelt sind. Ganz anders als bei Email. Dort kann jeder jedem schreiben – egal ob man einen Account bei Google, bei GMX oder bei Posteo hat. Diese Form der Interoperabilität stellt nun aber eine App her, die man sich schon einmal merken könnte: Bleeper kostet zehn Dollar im Monat, ist hier und da noch etwas buggy und am Ende vor allem auch mehr Konzept als wirkliche Download-Empfehlung. Die Idee dahinter ist aber nachhaltig.


Neue Features bei den Plattformen

TikTok

LinkedIn

  • Entscheiden, wer antworten kann: Auch LinkedIn gibt seinen Nutzerïnnen nun die Möglichkeit zu entscheiden, wer auf einen Post antworten können soll – entweder alle, nur diejenigen, die den Post auch sehen können oder eben gar keiner (ist ja manchmal auch ganz praktisch).

Pinterest

  • Stories on top: Pinterest bastelt bereits seit einiger Zeit an einer eigenen Stories-Funktion. Das Zwischenergebnis (Twitter / Ken Schillinger) ähnelt zu 99 Prozent dem Design, das wir von allen anderen Plattformen kennen. 🥱

Signal

  • Group Calls für 8 Nutzerïnnen, animierte Sticker und Chat-Wallpaper: Signal arbeitet fleißig daran (Wabetainfo), so Mainstream-tauglich wie möglich zu werden, ohne seine Ursprünge zu verraten. Das sorgt intern für ordentlich Spannung (Platformer). Extern sorgt es aber vor allem für Erfolg. Die Nutzerïnnen-Zahlen haben sich innerhalb eines Monats verdoppelt: von 20 Millionen auf 40 Millionen.

Threema

Snapchat


Header-Foto von Rodan Can bei Unsplash


Sieben Newsletter-Prognosen für 2021 | Facebook Oversight Board kümmert sich um Causa Trump | TikTok testet neues Q&A-Format

Sieben Newsletter-Prognosen für 2021

Was ist

Ende vergangenen Jahres fragte Watchblog-Abonnent Matthias Bannert:

„Willst du zwei, drei Absätze mit einer persönlichen Einschätzung auf Trends und Strategien im kommenden Jahr schreiben?“

Wollte ich (Simon). Es wurden dann ein bisschen mehr als zwei, drei Absätze. Eher so 20 bis 30, die sich alle um Newsletter drehen. Medieninsider hat meine Prognosen mittlerweile veröffentlicht.

Wir sammeln ohnehin seit Monaten Links für einen größeren Explainer zu Substack, der Creator-Economy und den Schattenseiten des Newsletter-Booms. Deshalb nehmen wir die Vorhersagen als Grundlage, übertragen sie in die gewohnte Watchblog-Struktur und ergänzen sie um weitere Aspekte.

Warum der Newsletter-Boom nicht neu ist

  • Seit Jahren taucht in jeder Neujahrs-Glaskugel mindestens eine Prognose zum ach so überraschenden Siegeszug der E-Mail auf.
  • Überraschend ist daran allerdings gar nichts. Die angeblich vom Aussterben bedrohte E-Mail hatte nämlich höchstens einen kurzen Messenger-Schnupfen, hat sich von den WhatsApp-Viren und Slack-Bakterien aber bestens erholt.
  • Als wirksames Medikament haben sich Newsletter herausgestellt, die seit vielen Jahren immer beliebter werden: als eine Art halböffentliches Tagebuch, als Nachrichtenquelle, als Marketing-Tool, als direkter Kommunikationskanal abseits der Algorithmen der großen Plattformen.
  • Zur Einordnung: Bereits 2014 analysierte David Carr das Comeback der E-Mail: „For Email Newsletters, a Death Greatly Exaggerated“ (NYT)
  • Das Social Media Watchblog gibt es sogar schon seit acht Jahren. Aus einem ambitionierten Hobbyprojekt wurde ein Beruf: seit 2018 gibt es unsere Newsletter nur noch für zahlende Abonnentïnnen. (Wer sich für die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Watchblogs interessiert, Martin hat das auf unserer Website ausführlich aufgeschrieben.)
  • Auch der Einsatz von Newslettern im redaktionellen Kontext ist alles andere als neu. Als ich 2016 „9 Tipps für den eigenen Newsletter“ gab, schrieb ich:

„Das machen sich Medien wie Quartz zunutze, die mit ihrem „Daily Brief“ täglich rund 150.000 Abonnenten erreichen. Die New York Times beschäftigt ein zwölfköpfiges Newsletter-Team, das 33 verschiedene Newsletter verschickt und dabei Öffnungsraten von mehr als 70 Prozent erreicht. Für Führungskräfte sind Newsletter zur wichtigsten Informationsquelle geworden: 60 Prozent lesen einen E-Mail-Newsletter, nur 28 Prozent öffnen eine Nachrichten-App.“

Wie Substack die Newsletter-Landschaft verändert

  • Newsletter an sich sind seit Internet-Ewigkeiten etabliert, doch eine Entwicklung kam im vergangenen Jahr tatsächlich neu dazu: Der neue heiße Scheiß heißt Substack.
  • Die Plattform wurde 2017 gegründet und hat für viele Menschen Mailchimp, TinyLetter und Revue abgelöst. Wer 2021 einen Newsletter startet, greift mit großer Wahrscheinlichkeit zu Substack.
  • Es gibt zwei Optionen: Man kann seine Newsletter gratis verschicken oder dafür Geld verlangen. Der Mindestbetrag liegt bei fünf Dollar pro Monat oder 30 Dollar pro Jahr. Substack behält davon zehn Prozent.
  • Das Unternehmen eröffnet damit Selbstständigen ein Geschäftsmodell. Suche dir eine Nische, schreibe Newsletter, lass dich von deinen Abonnentïnnen bezahlen.
  • Mehr als 250.000 Menschen bezahlen für Substack-Newsletter. Die Top-10-Publisher setzen zusammen mehr als zehn Millionen Dollar pro Jahr um.
  • Das passt gut in die Zeit: Medien müssen sparen, befristete Verträge werden nicht verlängert, langjährige Redakteurïnnen müssen gehen. Da sieht Substack wie eine willkommene Rutsche in die Selbstständigkeit aus.
  • Gründer und Chef Chris Best drückt es in einem spannenden Interview (The Verge) so aus:

„Our goal was we wanted to make it so that you could type into this box and if the things you type are good, you’re going to get rich.“

Wie wir die Substackeritis einschätzen

„The Substackerati“, überschreibt Clio Chang ihre lange und lesenswerte Bestandsaufnahme zu Substack (CJR). Leicht abgewandelt fragen wir: Substackeritis: Ist das ansteckend? Oder gefährlich? Und geht das wieder weg?

Den zweiten Teil des E-Mail-Booms heben wir uns für eine der kommenden Ausgaben auf. An dieser Stelle geht es deshalb nicht um Newsletter als Produkte von Verlagen, die damit nicht nur Hunderttausende Menschen erreichen, sondern auch einen signifikanten Teil ihrer Abo-Abschlüsse generieren.

Wer jetzt schon mehr dazu wissen will: Eindrückliche Zahlen zum Stellenwert von Newslettern für Medienhäuser finden sich etwa in der Januar-Ausgabe des monatlich aktualisierten Google-Docs „Not a Newsletter“ (das sich inhaltlich ausschließlich um Newsletter dreht, aber eben kein Newsletter ist). Dort analysiert Dan Oshinsky unter anderem Zahlen der Funke Mediengruppe: 2020 vervierfachte sich die Zahl der Abonnentïnnen auf mehr als 200.000, rund fünf Prozent aller neuen Abonnements kommen über Newsletter. Das Fazit:

„It’s no exaggeration that for many newsrooms, the difference between success and failure in the next 3-5 years will come down to this question: Did we build a loyal newsletter audience in 2020 and 2021?“

Und damit zurück zu unserem Thema – und unseren sieben Substack-Prognosen für 2021:

  1. Ernüchterung
  • Auf jede Heather Cox Richardson, die sich mit Substack einen Millionenumsatz erschreibt, werden etliche frustrierte Journalisten, Autorinnen und Wissenschaftlerïnnen kommen.
  • Newsletter sind kein Selbstzweck. E-Mails zu verschicken, ist kein Geschäftsmodell.
  • Was Anna Wiener im New Yorker über Substack schreibt, erinnert stellenweise an 2010: Medien lamentieren über Blogs – nur, dass WordPress jetzt Substack heißt und Menschen nicht mehr ins Netz schreiben, sondern Newsletter verschicken.
  • Aber sie hat einen Punkt: Substack wirkt nicht zwangsläufig demokratisierend. Bis auf wenige Ausnahmen sind dort Menschen erfolgreich, die bereits Zehntausende Fans besitzen: Follower in sozialen Medien, Leserïnnen in klassischen Medien.
  • So schön der Begriff der „Passion Economy“ klingt: Wer davon leben will, muss ein Produkt haben, das sich verkaufen lässt.
  • Für begnadete Autoren, renommierte Forscherinnen und Prominente geht die Rechnung auf. Wer seinen Chefredakteurssessel verlässt, um einen Newsletter zu verschicken, hat bereits einen Namen – und damit einen gewaltigen Startvorteil.
  • Das ist leider eine Minderheit. Obwohl Substack ein Mentorïnnen-Programm anbietet, das neue Autorïnnen unterstützen soll, drohen Ernüchterung, Burn-out und womöglich die Gegenbewegung zurück zu klassischen Medien (A Media Operator).
  1. Teamarbeit
  • Bislang stehen hinter den meisten erfolgreichen Newslettern eine oder höchstens zwei Personen.
  • Projekte wie der Wirtschafts-Newsletter Flip oder RUMS, das statt klassischem Lokaljournalismus Briefe an Menschen in Münster verschickt, sind die Ausnahme.
  • In diesem Jahr wird sich das ändern: Journalistïnnen werden sich zusammentun, es wird mehr Newsletter-Teams und Substack-Redaktionen geben.
  • Die Entwicklung hat bereits begonnen: Bei The Charlotte Ledger und The Mill macht eine Redaktion über Substack Lokaljournalismus. Auch The Dispatch ist ein erfolgreiches (und inhaltlich sehr konservatives) Journalismus-Start-up, in dessen Zentrum ein Substack-Newsletter steht.
  • Unternehmen wie Letterhead setzen genau auf diesen Trend: Sie bieten eine kollaborative Plattform (TechCrunch), auf der mehrere Menschen gemeinsam an Newslettern arbeiten und diese monetarisieren können.
  1. Konkurrenz
  • Casey Newton (The Verge), Matthew Yglesias (Vox), Andrew Sullivan (New York Magazine), Glenn Greenwald (The Intercept) und Anne Helen Petersen (BuzzFeed) haben eines gemeinsam: Alle sind bekannte Journalistïnnen, kündigten vergangenes Jahr ihren Job – und schreiben jetzt Substack-Newsletter.
  • Doch Substack ist längst nicht perfekt, und es lässt sich recht einfach kopieren. Bislang ist es noch lang nicht too big to fail, es gibt noch keinen vergleichbaren Netzwerkeffekt wie bei den großen Plattformen und Messengern mit Hunderten Millionen Nutzerïnnen.
  • Deshalb wird Substack 2021 Konkurrenz bekommen. Gründerïnnen werden neue Plattformen aufbauen, bestehende Unternehmen und Verlage werden in das Newsletter-Geschäft expandieren.
  • Steady (Disclaimer: über die wir einen Teil der Abonnements für das Social Media Watchblog abwickeln) hat kürzlich den Anfang gemacht und bietet jetzt eigenständige Newsletter an. Martin hat seinen ersten Eindruck in einem Twitter-Thread zusammengefasst.
  • Ein weiteres Beispiel ist Forbes, das offenbar große Ambitionen hat. Anfang der Woche wurde bekannt (Axios), dass Forbes 20-30 bekannte Autorïnnen mit fachlicher Expertise und großem Social-Media-Publikum überzeugen will, Newsletter zu schreiben.
  • Die Einnahmen sollen 50/50 aufgeteilt werden, Forbes übernimmt dafür redaktionelle Verantwortung und garantiert Reichweite.
  • Patch ist schon einen Schritt weiter (Axios): Die Plattform ermöglicht es Lokalreporterïnnen in den USA, Newsletter zu verschicken. Teils haben schon ganze Redaktionen wie die Michigan Sun Times ihr Geschäft komplett auf Patch-Newsletter umgestellt.
  1. Abwanderung
  • Langfristig wird Substack nicht nur Konkurrenz bekommen. Es hat auch ein Problem: Für den Einstieg ist die Plattform großartig, weil sie einem fast alles abnimmt – nur den Inhalt muss man selbst liefern.
  • Anmelden, Schreiben, Abschicken – das war’s. Das Backend ist intuitiv, die Einarbeitungszeit ist gering bis nicht existent.
  • Doch wer seine E-Mails von der Masse abheben und zusätzlich noch eine eigene Web-Präsenz will, hat kaum Möglichkeiten. Beim Social Media Watchblog setzen wir deshalb auf eine Mischung aus Mailchimp und WordPress, obwohl dieses Modell viel komplizierter und aufwendiger ist.
  • Damit sind wir nicht allein: Jacob Donnelly ist mit „A Media Operator“ im Dezember ebenfalls von Substack zu Mailchimp und WordPress gewechselt und erklärt seine Überlegungen hier.
  • Noch mehr (gute) Gründe gegen Substack liefert Rob Hardy: „Why Substack Is Terrible For Creators“ (Ungated)
  • Vor allem die mangelnde Individualität könnte erfolgreiche Substackerati stören. Ein Substack-Newsletter sieht immer gleich aus. Die drei unterschiedlichen Themes, die kürzlich eingeführt wurden, machen es auch nicht besser.
  • Und dann kommt da noch das Geld ins Spiel: Substack verlangt zehn Prozent Marge, hinzu kommen die Transaktionsgebühren für Stripe.
  • Zwar lockt Substack große Namen mit saftigen Vorschüssen, kommt bei den Top-Writern für die Krankenversicherung auf, unterstützt bei Marketing und Design oder übernimmt mögliche Anwaltskosten.
  • Doch wer eine Million im Jahr verdient, überlegt sich zweimal, ob er für das Geld nicht auf einen anderen E-Mail-Dienstleister umzieht und einen Webdesigner bezahlt, um eine hübsche Seite ins Netz zu stellen.
  • Langfristig braucht Substack nicht nur Star-Autorïnnen, die schnell ihre Koffer packen können. Genau wie die gesamte Creator Economy muss es eine Mittelschicht entwickeln (Harvard Business Review).
  1. Wirkung
  • Immer wieder verlinken wir in diesem Briefing Recherchen von Judd Legum. In seinem Newsletter Popular Information schaut er nicht nur Facebook auf die Finger, sondern deckt Missstände bei etlichen Unternehmen auf.
  • Seine teils investigative Arbeit zeigt Wirkung: Immer wieder ändern große Konzerne ihr Verhalten (Bloomberg), weil Legum seine 138.000 Abonnentïnnen darauf aufmerksam macht – und Medien seine Recherchen aufgreifen und zusätzlichen Druck erzeugen.
  • Die nächsten Panama Papers werden trotzdem von einem großen Medium enthüllt werden. Für solche Recherchen braucht es andere redaktionelle und finanzielle Ressourcen.
  • Aber nur, weil etwas nicht zuerst von einer klassischen Investigativredaktion aufgedeckt wird, heißt es nicht, dass es untergeht.
  • 2021 wird der politische und gesellschaftliche Einfluss von Newslettern zunehmen. Je mehr renommierte Journalistïnnen ihre Arbeit in E-Mail-Form veröffentlichen und je mehr Menschen sie damit erreichen, desto größer wird ihr Impact.
  1. Moderation
  • Wenn von Content-Moderation die Rede ist, geht es meist um Facebook, Twitter oder andere Social-Media-Konzerne.
  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Plattformen werden entscheiden müssen, wie sie mit problematischen Inhalten umgehen.
  • Vergangenes Jahr zeigte sich das schon an Spotifys laxem Umgang mit Joe Rogan (Vulture), das nicht nur Proteste vieler Hörerïnnen, sondern offenbar auch Widerstand bei Angestellten (Vice) auslöste.
  • An jedem Ort im Netz, an dem Menschen Inhalte erstellen oder teilen, stellt sich dieselbe Frage: Welche Regeln sollen dort gelten, und wer setzt sie durch?
  • Das gilt für Computerspiele wie Among Us (OneZero), für Plattformen wie Clubhouse, aber natürlich auch für Substack (OneZero), wie das Unternehmen kürzlich in einem Blogpost darlegte.
  • Substack-Chef Chris Best ist der Meinung (New Yorker), Substack habe ein eingebautes System für Content-Moderation in Form eines Unsubscribe-Buttons.
  • Diese recht naive Sichtweise (Lawfare) dürfte genau so lang halten, bis mehr Rechtsradikale, QAnon-Gläubige und andere gefährliche Extremistïnnen Substack für sich entdecken.
  1. Vielfalt
  • Der letzte Punkt ist keine Prognose, sondern Wunschdenken. Wir wünschen uns, dass Substack-Newsletter eigenständiger und offener werden – und vielleicht sogar wieder verschwinden.
  • Das müssen wir erklären. E-Mails sind großartig. Kein Algorithmus sagt, für welchen Inhalt ich mich angeblich interessiere. Man abonniert, filtert und löscht selbst.
  • Wir lesen mit Begeisterung Dutzende Newsletter und schreiben selbst einen, der uns einen Teil der Miete bezahlt. Kurzum: Newsletter könnten die tollste Erfindung seit geschnitten Brot sein …
  • …wenn es da nicht etwas gäbe, das noch großartiger ist. Es nennt sich RSS und ist Teil jenes fast vergessenen freien Netzes, das in der grauen Vorzeit der Nuller-Jahre unser digitales Leben bereicherte, bevor der Plattformkapitalismus das Internet auffraß.
  • In unseren RSS-Readern (SZ) lesen wir Hunderte Webseiten, die so viel mehr können als Newsletter. Sie sind schöner, individueller, flexibler und unabhängiger.
  • Aber RSS und Blogs sind kompliziert, das gilt für Produzieren und Konsumieren gleichermaßen. Und sie bieten kein so einfaches Bezahlsystem wie Substack. Wer einfach nur drauflos schreiben und Geld verdienen will, ist mit Substack besser bedient.
  • Doch nun hat ausgerechnet Substack kürzlich einen RSS-Reader für Newsletter vorgestellt. Vielleicht merken Menschen, dass sich Newsletter dort viel komfortabler lesen lassen als im Posteingang – und entdecken dann, dass sich darüber noch ganz andere Inhalte abonnieren lassen.
  • Außerdem boomt RSS. Zwar kennt kaum jemand das Format und die Technik, aber Millionen Menschen nutzen sie. Ohne RSS könnte niemand Podcasts abonnieren, auch die großen Anbieter wie Spotify und Apple greifen darauf zurück. Vielleicht kann RSS nicht nur Audio, sondern auch Text wiederbeleben.
  • Ein Teil dieser Gedanken stammt aus einem zauberhaften Essay von Robin Rendle. Die Mischung aus Rant und Utopie ist nicht nur klug, sondern auch wunderschön animiert und illustriert – wie es nur ein Blog und kein standardisierter Substack-Newsletter kann.

Social Media & Politik

Facebook Oversight Board entscheidet über Trumps Zukunft auf Facebook

Facebook hat bekannt gegeben, dass die Causa Trump nun an das hauseigene Oversight Board weitergereicht wurde. Das könnte noch richtig spannend werden. Schließlich geht es dabei womöglich um nichts geringeres als die Frage, ob Donald Trump in vier Jahren erneut Chancen hat, ins Weiße Haus einzuziehen. Die Hintergründe zu Trumps Deplatforming bei Facebook und Twitter gibt es in Ausgabe #694. Hintergründe zur Rolle von Facebooks Oversight Board findest du in Briefing #688 und Briefing #580.


Follow the money

TikToks chinesische Schwester-App launcht E-Wallet:

In China dominieren Tencent’s WeChat Pay und Alibaba’s Alipay, wenn es um digitales Bezahlen geht. Jetzt möchte TikToks Mutterkonzern auch ein Stück vom Kuchen: künftig ist es auch mit TikToks Schwester-App Douyin möglich, digital zu bezahlen (Techcrunch). Klingt erst einmal weit weg. Aber da viele der Features, die es bei Douyin bereits gibt, Stück für Stück auch bei TikTok integriert werden, lohnt stets ein Blick gen Osten. Beim Thema Bezahl-Funktionen dürfte sich das nicht viel anders verhalten.


Neue Features bei den Plattformen

Facebook / Instagram

  • AI generierte Bildunterschriften: Wenn Fotos bei Facebook oder Instagram hochgeladen werden, werden sie automatisch von einem Computer ausgelesen. Diese Funktion wurde nun von Facebook noch ein Stück smarter gemacht (Facebook Newsroom). Kurz gesagt: Das Tool kann jetzt noch genauer beschreiben, was auf Fotos zu sehen ist. Für Blinde und Menschen, die auf entsprechende Sehhilfen angewiesen sind, sind das gute Nachrichten. Für alle, die künftig einfach nur leichter ihre Fotos wiederfinden wollen, auch.

TikTok

  • Neues Q&A-Tool: TikTok ermöglicht es derzeit ausgewählten Kreativen, einen Q&A-Button in ihrem Profil zu hinterlegen (Techcrunch). Über die Funktion können Fans Fragen einreichen, auf die die Kreativen dann zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl antworten können – mit einem Video oder via Livestream. Für Kreative ist das vor allem deshalb interessant, weil sie dann alle Fragen der Fans auf einen Blick serviert bekommen. Vorbild ist die beliebte Option, Kommentare per Video zu beantworten.
  • Neue Notifications für Livestreams: TikTok testet zudem ein neues Feature, um mehr Aufmerksamkeit auf Livestreams zu lenken. Nutzerïnnen können sich testweise benachrichtigen lassen, wenn einer der verfolgten Accounts live geht (Twitter / alex193a)

YouTube

  • Hashtag-Pages: Bei YouTube gibt es jetzt spezielle Landingpages für Hashtags. Sinn und Zweck ist es nicht unbedingt, die neuesten Videos zu einem Hashtag zu finden. Vielmehr können sich Nutzerïnnen und Kreative zugleich einen Überblick über die Vielzahl an Videos zu bestimmten Hashtags machen. So gibt es etwa nur 14.083 Videos zu #teamtrees, aber mehr als 181743 Videos zum Hashtag #Yoga. Wer selbst einmal schauen möchte, wie viele Videos zu einem bestimmten Hashtags hochgeladen wurden, kann ganz einfach in dieser URL https://www.youtube.com/hashtag/yoga das letzte Wort (in diesem Fall yoga) gegen das gewünschte Hashtag tauschen.

Tipps, Tricks und App

  • Was funktioniert bei YouTube: Fortgeschrittene werden den Kanal bestimmt schon kennen, allen YouTube-Anfängerïnnen könnte es eine Hilfe sein: Bei Creator Insider gibt es immer wieder Tipps zu YouTube von YouTube selbst. In einem aktuellen Video geht es vor allem um die Frage, welche Keywords genutzt werden sollten, damit das Video von YouTube empfohlen wird.

Header-Foto von Josh Hild bei Unsplash


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