Twitter kopiert Snapchat kopiert TikTok | Anzeigenpreise bei Facebook und Instagram stagnieren | Instagram zahlt Publisher

Salut und herzlich willkommen zur 686. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute beschäftigen wir uns ausführlich mit den Klonkriegen zwischen Facebook, Snapchat, Twitter, TikTok und Co: Es droht eine Social-Media-Welt, in der sich die Netzwerke nur noch durch Design und Begrifflichkeiten unterscheiden – Funktionalität und Ausdrucksmöglichkeiten könnten austauschbar werden. Wir bedanken uns für das Interesse an unserer Arbeit und wünschen eine gewinnbringende Lektüre. Wer mag, kann sich gern an der Diskussion zur heutigen Ausgabe bei Slack beteiligen. Merci, Simon und Martin

Twitter kopiert Snapchat kopiert TikTok

Was ist

Der Jedipedia zufolge waren die Klonkriege ein Konflikt zwischen der Galaktischen Republik und der Konföderation. Dem Social Media Watchblog zufolge sind die Klonkriege ein Konflikt zwischen Facebook, Snapchat, TikTok und YouTube, bei dem einer dreister kopiert als der andere.

Was bekannt ist

Dass Social-Media-Plattformen die erfolgreichsten Alleinstellungsmerkmale ihrer Konkurrenten nachahmen, sollte niemanden mehr überraschen. Allein Facebook hat sich in den vergangenen Jahren Dutzende Male bei der Konkurrenz bedient und so ziemlich jedes Feature, das ansatzweise interessant schien, ins eigene Produkt integriert.

Was neu ist

Innerhalb weniger Tage haben mehrere große Konzerne voneinander kopiert. Selbst Snapchat, das mit seinen Stories die Klonkriege ausgelöst hatte, ahmt nun TikTok nach. Die Plattformen nähern sich dadurch immer weiter an.

Wir beziehen uns dabei auf diese aktuellen Entwicklungen:

  • Twitter führt Fleets nun weltweit ein (Twitter-Blog), nachdem das Format in Ländern wie Brasilien, Indien und Italien getestet wurde. Abgesehen vom Namen unterscheidet es sich nicht groß von Stories, wie man sie von nahezu jeder anderen Plattform kennt.
  • Twitter testet Spaces (The Verge), das der Audio-App Clubhouse nachempfunden ist. Nutzerïnnen können dort in Chat-Rooms zu bestimmten Themen diskutieren und sich mit Sprachnachrichten austauschen.
  • Snapchat startet Spotlight (Snap), ein neuer vertikaler Feed für kurze Videos, dessen Aufbau und Ranking-Faktoren TikToks "For You"-Seite gleichen.

Was Twitter bislang machte

  • Twitter war noch nie dafür bekannt, Innovation an Innovation zu reihen. Das Produkt veränderte sich jahrelang nur unwesentlich, die (technisch banale) Verdoppelung des Zeichenlimits war noch die bemerkenswerteste Neuerung.
  • Auch 2020 hat sich Twitter bislang eher darauf konzentriert, bestehende Probleme zu beseitigen. Es gibt eine Reihe von neuen Funktionen, um Belästigungen und Bedrohungen zu melden. Twitter ist für Frauen, Minderheiten und marginalisierte Gruppen dadurch zu einem etwas erträglicheren Ort geworden.
  • Im Mai war Twitter die erste Plattform, die es wagte, sich offen mit Donald Trump anzulegen, als es dessen Tweets mit Faktenchecks versah. Das gab die Richtung für die US-Wahl vor: Im Vergleich zu Facebook griff Twitter entschlossener durch und versuchte zu verhindern, dass sich Desinformation ausbreitet.
  • Neue Features kamen aber nicht hinzu. Das Nutzungserlebnis blieb mehr oder weniger unverändert.

Was Twitter jetzt macht

  • Nach Snapchat (2013), Instagram (2016), Facebook/Messenger (2017), WhatsApp (2017), Youtube (2018), Netflix (2019), LinkedIn, Spotify, Google und der New York Times (alle 2020) ist Twitter mit sieben Jahren Verspätung nun auch auf die Idee gekommen, es doch mal mit Stories zu versuchen.
  • Fleets werden keinen Kreativitätspreis gewinnen – im Gegenteil: Wenn sich Instagram nicht schon vor Jahren unverfroren bei Snapchat bedient hätte, hagelte es sicher Hohn und Spott über die Kopie des Stories-Formats.
  • Auch Spaces sind nicht unbedingt innovativ, sondern eine Reaktion auf den Erfolg von Clubhouse. Twitter hofft, dass Menschen empathischer reagieren, wenn sie auch die Stimme ihres Gegenübers hören, statt nur einen unpersönlichen Text zu lesen. Die Funktion wird zunächst mit ausgewählten Nutzerïnnen getestet, die besonders oft zur Zielscheibe von Hass und verbaler Gewalt werden. Dazu zählen etwa Frauen, Schwarze oder LGBTQI.
  • Will Oremus interpretiert (OneZero) die beiden Formate als Versuch, nach dem absehbaren Ende der Trump-Ära eine neue Daseinsberechtigung zu ergründen. Jack Dorsey und die meisten Twitter-Angestellten dürften Trump persönlich verabscheuen, doch zumindest wirtschaftlich hat das Unternehmen von seiner Präsidentschaft profitiert.
  • Angeblich sind noch weitere Funktionen geplant. "We’re exploring methods of private feedback on the platform, as well as private apologies, and forgiveness", sagte Produktmanagerin Christine Su bei einem Pressebriefing. "And so that may look like a notification — that’s like a gentle elbowing from someone that you follow. Or it also may look like a nudge like you’ve seen before." Details oder ein Zeitplan sind noch nicht bekannt.

Warum das Risiken birgt

  • Einerseits passen Stories perfekt zu Twitter. Dort sind die Inhalte ohnehin noch vergänglicher als auf anderen Plattformen. Visuell erzählte Geschichten oder Beobachtungen, die nach 24 Stunden verschwinden, ergänzen das Produkt auf eine sinnvolle und natürliche Art.
  • Andererseits könnte man argumentieren: Twitter braucht Stories gar nicht, um die Timeline zu erweitern. Alex Hern drückt es so aus: "An Instagram user’s profile is a carefully curated version of themselves, all but begging to be scrolled back through; a Twitter profile page is a chaotic mess of posts that make little sense outside the context in which they were sent."
  • Er fragt sich deshalb, wodurch sich Fleets von Tweets unterscheiden sollen. Vor allem stellt er eine berechtigte Frage: Warum führt Twitter nicht einfach vergängliche Tweets ein, auf die viele Nutzerïnnen sehnsüchtig warten?
  • Viele Menschen teilen weniger Inhalte auf Twitter, weil sie fürchten, dass ihne…

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