Monat: August 2020

27.8.2020 | Facebook News in Deutschland, Facebook Shop, TikTok über Alexa steuern, Kontext bei Twitter DM

Facebook News kommt nach Deutschland: Trau, schau, wem

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Was ist

Im vergangenen Herbst startete Facebook News in den USA. Jetzt will Facebook das Angebot in fünf weiteren Ländern lancieren, darunter auch in Deutschland (jeweils Facebook-Newsroom).

Warum das wichtig ist

Der Traffic, den Nachrichtenseiten von Facebook erhalten, ist in den vergangenen Jahren gesunken. Medien, die ihr Geschäftsmodell ausschließlich auf Facebook ausgerichtet hatten, sind Pleite gegangen. Trotzdem bleibt Facebook für die meisten großen Verlage eine wichtige Plattform.

In der Vergangenheit haben Medien mit Facebook aber, sagen wir, gemischte Erfahrungen gemacht – dazu später mehr. Deshalb sollten Verlage genau prüfen, ob sie eine Partnerschaft mit Facebook eingehen wollen. Kurzfristig mag das zusätzliche Reichweite bringen. Langfristig könnte es die eigene Homepage entwerten oder eine Paid-Content-Strategie konterkarieren.

Was Facebook News ist

Als vor einem Jahr die ersten Gerüchte kursierten, dass Facebook ein neues Produkt für journalistische Inhalte einführen will, analysierten wir Chancen und Risiken in Ausgabe #572. Seitdem hat sich einiges getan. Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Seit vergangenem Oktober testet Facebook in den USA einen separaten News-Tab, in dem Inhalte ausgewählter Medien zu sehen sind.
  • Die Abspielfläche gibt es nur in der mobilen App, auf dem Desktop fehlt der Tab.
  • Die meisten Nutzerïnnen mussten lange Zeit den Umweg über das Menü in der Seitenleiste gehen, um auf den Bereich zuzugreifen.
  • Erst im Juni (TechCrunch) schaltete Facebook den News-Tab, der als prominentes Icon am oberen Bildschirmrand angezeigt wird, für alle Nutzerïnnen in den USA frei.
  • Anfangs waren nur Artikel überregionalen Medien enthalten. Mittlerweile sind neben 200 großen Verlagen auch Tausende lokale und regionale Angebote dabei. Außerdem wurden Videos integriert.
  • Einen Teil der Inhalte kuratieren Journalistïnnen. Der Rest wird genau wie der Newsfeed algorithmisch erstellt und ist dementsprechend personalisiert.
  • Nutzerïnnen können bis zu einem gewissen Grad selbst gewichten und etwa bestimmten Medien entfolgen, deren Artikel sie nicht mehr sehen wollen.

Was Facebook News den Medien bringt

  • Facebook zahlt einigen teilnehmenden Verlagen Geld. Wer genau wie viel für welche Inhalte erhält, sagt Facebook auch auf unsere Nachfrage nicht. Vergangenes Jahr war von bis zu drei Millionen Dollar (Digiday) für große Medien die Rede.
  • Ein etwas verschwurbelter Satz in der aktuellen Ankündigung gibt einen Hinweis auf die Resonanz: "Wir haben festgestellt, dass 95 Prozent der Zugriffe über Facebook News zusätzlich zu dem aus News Feed stammenden Traffic erfolgen."
  • Im Klartext: Der Traffic, den teilnehmende Medien über Facebook erhalten, hat sich angeblich knapp verdoppelt. Der News-Tab bringt etwa gleich viele Besucherïnnen wie der Newsfeed.
  • Die Zahlen stammen von Facebook selbst und lassen sich nicht nachprüfen, weil die Verlage den Traffic nicht unterscheiden können. Klicks aus dem Newsfeed und dem News-Tab werden nicht separat ausgewiesen.
  • Im Mai fiel das Zwischenfazit der Verlagsseite eher verhalten aus. Als sich Max Willens bei Facebooks Medienpartnern umhörte (Digiday), hatten viele den Eindruck, dass Facebook das Projekt nicht besonders hoch priorisiere und nur langsam weiterentwickle.
  • Auch inhaltlich scheint der News-Tab eher uninspiriert zu sein: unpolitisch, eindimensional, kaum personalisiert und mit wenig Bezug zu den Inhalten, die auf Facebook gerade kontrovers diskutiert werden, urteilte Laura Hazard Owen im Juni (NiemanLab).

Wie Facebook News in Deutschland aussehen wird

  • Bislang sind nur sehr wenige Details bekannt. Eine Sprecherin konnte uns wenig sagen, was über den ohnehin vagen Blogeintrag hinausgeht.
  • In allen fünf Ländern stehen die Gespräche mit Verlagen noch am Anfang. Wann Facebook News mit welchen Medienpartnern in Deutschland startet, ist unklar.
  • Wie in den USA sollen Inhalte auch hierzulande vergütet werden. Genauere Summen nennt Facebook nicht.
  • Als Zeitrahmen stehen sechs bis zwölf Monate im Raum. Allerdings "beabsichtigt" Facebook nur, das Angebot international auszuweiten – wenn die Gespräche schlecht laufen, könnte es also auch länger dauern oder gar nicht kommen.
  • Facebook sagt nicht, mit welchen Verlagen es verhandelt und wie das Aufnahmeverfahren abläuft.
  • In den USA ist unter anderem das Rechtsaußen-Portal Breitbart im News-Tab enthalten – um ein "möglichst breites Meinungsspektrum" abzubilden.
  • Facebook sagt nur, dass alle Verlage, die Teil des News-Tab werden wollen, Ihre Seite für den sogenannten News Page Index registrieren und dafür bestimmte Richtlinien einhalten müssen. Der Index ist aber nicht öffentlich.
  • Offenbar geht Breitbart als Produzent "qualitativ hochwertiger Inhalte" durch. Tichys Einblick und die Junge Freiheit als deutsche Medienpartner? Es bleibt spannend.

Was sich Facebook erhofft

Facebook verfolgt mindestens zwei Interessen:

1. Die eigene Plattform am Leben halten

  • Facebook verdiente im vergangenen Quartal mehr als fünf Milliarden Dollar (Facebook Investor Relations), weil 1,79 Milliarden Menschen täglich Zeit auf Facebook verbrachten. Sie scrollten durch einen Newsfeed, in dem sich zwischen vielen Anzeigen auch ein paar Inhalte verstecken.
  • Um Nutzerïnnen auf der Plattform zu halten, braucht es Inhalte, für die sie sich interessieren. Bei den meisten Menschen sind das Nachrichten von Freunden.
  • Dummerweise posten viele Nutzerïnnen aber gar nicht mehr öffentlich auf Facebook und weichen lieben auf private Gruppen oder andere Plattformen aus.
  • Mit einem Nachrichten-Tab sichert sich Facebook auch davor ab, dass immer mehr Karteileichen immer weniger Fotos, Videos und Links teilen.
  • Medien werden sobald nicht aufhören, Artikel zu schreiben, und bescheren einen konstanten Strom an Inhalten.

2. Das angespannte Verhältnis zu Medien verbessern

  • Wir haben nicht nachgezählt, glauben aber, dass wir auch ohne empirische Datengrundlage behaupten können: Die meisten Schlagzeilen, die seit der US-Wahl 2016 über Facebook erschienen sind, waren negativ.
  • Das hat in erster Linie mit Facebook selbst zu tun: Skandal reihte sich an Skandal, im Monatsrhythmus wurden neue Fehler, Leaks und Pannen bekannt.
  • Das liegt aber auch an den Medien. Lange Zeit galt Google als ärgster Konkurrent der Verlage, konnte das Verhältnis aber durch geschickte Lobbyarbeit und sinnvolle Projekte deutlich entspannen.
  • Diese Rolle hat Facebook eingenommen, das im Vergleich zu anderen Plattformen, die genauso viel Anlass zur Kritik bieten, einen Großteil der negativen Presse abbekommt.
  • Den meisten Nutzerïnnen ist es ziemlich egal, was Medien schreiben. Werbekunden achten aber sehr wohl darauf, in welchem Umfeld ihre Anzeigen erscheinen.
  • Das halbe Silicon Valley ist mittlerweile auf Kuschelkurs mit den Verlagen: Von Apple (News+) über Snapchat (Discover) bis Google, das Hunderte Millionen Euro in die Google News Initiative steckt und nun auch direkt für journalistische Inhalte bezahlen will (SZ) bieten die großen Plattformen Medien nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geld.
  • In der Jahresbilanz der Tech-Konzerne gehen diese Investitionen unter, kriselnden Verlagen hilft das Geld aber sehr.
  • Wir wollen nicht suggerieren, dass sich Facebook nun ebenfalls positive Presse erkaufen will. Ganz so plump läuft die Einflussnahme nicht ab. Aber natürlich schadet es auch nicht, gute Beziehungen zu Redaktionen zu pflegen.

Glaubt man Facebook, gibt es noch einen dritten Grund. "Innovationen sind entscheidend für ein nachhaltiges Nachrichten-Ökosystem", schreibt Facebook-Managerin Campbell Brown. Man wolle "unsere Partner bei der Etablierung nachhaltiger Geschäftsmodelle begleiten" und Medien dabei unterstützen, neue Zielgruppen zu erreichen.

Nach eigener Aussage hat Facebook also ein Interesse daran, Medien zu stärken und qualitativ hochwertigen Journalismus zu fördern. Das sind schöne Worte – Facebooks Taten spiegeln das aber nicht unbedingt wider:

Warum Medien vorsichtig sein sollten

Im Juni forderte Australien auf, für Nachrichten zu bezahlen, die auf der Plattform zu sehen sind. Die Antwort (PDF) spricht für sich. Wir zitieren Teile daraus:

The past two years have seen an increase in people engaging on our services and increased revenues, suggesting both that news content is highly substitutable with other content for our users and that news does not drive significant long-term commercial value for our business.

Facebook sagt unverhohlen, dass es auch auf journalistische Inhalte verzichten könnte, weil diese keinen wirtschaftlichen Mehrwert böten. An einer andere Stellen wird Facebook noch deutlicher:

If there were no news content available on Facebook in Australia, we are confident the impact on Facebook’s community metrics and revenues in Australia would not be significant, because news content is highly substitutable and most users do not come to Facebook with the intention of viewing news. But the absence of news on Facebook would mean publishers miss out on the commercial benefits of reaching a wide and diverse audience, and social value would be diminished because news would be harder to access for millions of Australians.

Nicht wir sind auf die Verlage angewiesen – sie sind abhängig von uns. Damit mag Facebook Recht haben. Wer mit Facebook verhandelt, sollte aber immer im Hinterkopf haben, welches Selbstverständnis dieses Unternehmen durchzieht und dass Mark Zuckerberg – entgegen vieler öffentlicher Beteuerungen (Atlantic) – die nächste Quartalsbilanz eben doch wichtiger zu sein scheint als das Schicksal der Verlage und der vielbeschworene "Qualitätsjournalismus".

Diese Haltung hat sich im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder gezeigt (NiemanLab). Facebook hat:

  • Metriken für Videos vollkommen falsch berechnet und Medien dazu gebracht, unsinnigerweise viel zu viel Geld in Videoproduktion zu stecken. (NYT)
  • Verlage überzeugt, in Instant Articles zu investieren und ihre Inhalte vollständig auf Facebook auszuspielen. Keine gute Idee: Das Projekt ist gescheitert. (CJR)
  • Medien Geld dafür gezahlt, dass sie Videos exklusiv für Facebook Live und Facebook Watch produzieren. Keine gute Idee: Das Projekt ist gescheitert. (CJR)
  • Sich großen, großen Ärger mit seinen Trending Topics eingehandelt, die angeblich konservative Nachrichten unterdrückten. (Gizmodo)
  • Das berühmte Foto des vietnamesischen "Napalm-Mädchens" Phan Thị Kim Phúc als pornografisch eingestuft (und etliche weitere berühmte Fotos und Kunstwerke zensiert). (Aftenposten)
  • Medien als externe Faktenprüfer bezahlt, um Falschmeldungen zu identifizieren – doch etliche dieser Partner ziehen sich frustriert zurück. (Snopes)
  • Ohne Vorankündigung den Newsfeed umgebaut und weniger Medieninhalte angezeigt, was bei etlichen Verlagen den Traffic einbrechen ließ und manche in den Ruin trieb. (Slate)

Das ist nur das Worst-of. Es gibt auch sinnvolle Initiativen wie die großzügige Förderung des Lokaljournalismus in den USA, die wir in Briefing #516 vorgestellt hatten. Die Lowlights überwiegen aber die Highlights – und zwar deutlich.

Be smart

Facebook ist nicht dafür verantwortlich, Verlagen ein funktionierendes Geschäftsmodell zu liefern. Die finanzielle Krise, in der viele Medien stecken, ist größtenteils hausgemacht. Nur sollten Journalistïnnen keine allzu großen Hoffnungen ins Silicon Valley stecken. Facebook und Google sind nicht die Totengräber des Journalismus – aber auch nicht dessen Retter.


Follow the money

  • Facebook Shop: Facebook führt eine neue Shopping-Funktion ein. Die neue Section hört auf den Namen Facebook Shop und wird zunächst in den USA ausgerollt. Eine ähnliche Funktion gibt es bereits seit einigen Monaten auf Instagram. Das Besonere: Nutzerïnnen können künftig nicht nur Produkte auf Facebook (bzw. Instagram) finden, sondern dort auch tatsächlich direkt erwerben – inklusive Bezahlvorgang & Co.

Inspiration

  • The Endless Doomscroller: Ben Grosser hat ein neues Projekt: Beim Endless Doomscroller können Nutzerïnnen unendlich lange schlechte Nachrichten scrollen. Die Idee dahinter beschreibt Grosser so:

    “Doomscrolling” refers to the ways in which people find themselves regularly—and in some cases, almost involuntarily—scrolling bad news headlines on their phone, often for hours each night in bed when they had meant to be sleeping. Certainly the realities of the pandemic necessitate a level of vigilance for the purposes of personal safety. But doomscrolling isn’t just a natural reaction to the news of the day—it’s the result of a perfect yet evil marriage between a populace stuck online, social media interfaces designed to game and hold our attention, and the realities of an existential global crisis. Yes, it may be hard to look away from bad news in any format, but it’s nearly impossible to avert our eyes when that news is endlessly presented via designed-to-be-addictive social media interfaces that know just what to show us next in order to keep us “engaged.”

    Andere Projekte des Profs und Künstlers sind z.B. der Facebook Demetricator (ein Plugin, das sämtliche Zahlen bei Facebook entfernt), Go Rando (ein Plugin, das bei Facebook zufällig eine Reaktion auswählt) und Order of Magnitude (ein 47minütiger Film, der Ausschnitte von Mark Zuckerberg zeigt, in denen deutlich wird, worum es ihm vor allem geht: mehr, mehr, mehr!)


Empfehlungen fürs Wochenende

  • How to destroy surveillance capitalism: Cory Doctorow, ein kanadischer Science-Fiction-Autor und einer der bekanntesten Blogger der Welt, hat bei Medium einen Longread (Lesezeit: 109 Minuten!) veröffentlicht, das sich als Sequel zu Shoshana Zuboffs Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ versteht: How to destroy surveillance capitalism. Ehrlichweise hatten wir selbst noch nicht die Zeit, den gesamten Text zu lesen. Da Doctorow aber zu den smartesten Vordenker des World Wide Web gehört, empfehlen wir seinen Text zunächst auch gern „blind“. Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit seinen Thesen folgt.
  • Freedom is a serious crime: Wer sich für künstlerisch gestaltete Kurz-Dokumentarfilme interessiert, sollte sich 4:43 Minuten Zeit nehmen und „Freedom is a serious crime“ auf Vimeo schauen. Der Film widmet sich den Protesten in Hongkong und ist definitiv ein Augenöffner.


Neue Features bei den Plattformen

Instagram

Messenger

  • Rooms individualisieren: Nutzerïnnen von Facebook Rooms können nun ihre Hintergründe einfacher personalisieren (Messengernews / Facebook) . Nichts spricht mehr gegen einen Call aus dem Weltraum.

TikTok

  • TikTok über Alexa steuern: Ungeachtet des politischen Hickhacks führt TikTok munter neue Features ein – etwa die Option, TikTok auch über Alexa-Sprachbefehle (Newsroom TikTok) zu steuern. Zwar lassen sich so noch nicht ganze Videos posten, sehr wohl aber können Nutzerïnnen die App per Sprache öffnen und innerhalb der App nach bestimmten Videos suchen.

Twitter

  • Kontext ist Queen: Bei Twitter erhalten Nutzerïnnen jetzt mehr Context zu Usern (Twitter Supporrt), von denen sie erstmals eine DM erhalten. Stop the creep!

One more thing

  • Stichwort Selbstüberschätzung: Dieses Video auf Twitter ist einfach zu herrlich…


Header-Foto von Florian Olivo bei Unsplash


25.8.2020 | Trump vs. TikTok: ByteDance will sich nicht aus den USA vertreiben lassen, Zwischenfazit: Was bringt die Corona-App?

Trump vs. TikTok: ByteDance will sich nicht aus den USA vertreiben lassen

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Was ist

Unsere letzte TikTok-Analyse liegt knapp zwei Wochen zurück. In Ausgabe #658 erklärten wir, warum Donald Trump eine der erfolgreichsten Apps der Welt verbannen will und wer als Käufer in Frage kommt. Seitdem ist einiges passiert. Deshalb geben wir ein Update und ordnen die Geschehnisse ein.

Warum das wichtig ist

Nach knapp vier Jahren Trump hat man sich mittlerweile an die tägliche Dosis Irrationalität gewöhnt. Dennoch ist und bleibt die Tatsache, dass ein US-Präsident einen ausländischen Konzern erst mit einer Executive Order (EO) zum Verkauf zwingt und dann unverhohlen Schmiergeld dafür verlangt (Bloomberg), nicht nur politisch höchst fragwürdig.

Für Dutzende Millionen US-amerikanischer Teenager gehört TikTok zum Alltag: Hier treffen sie ihre Freundïnnen, lästern über Lehrerïnnen, informieren sich über die Klimakrise und protestieren gegen Rassismus. Influencerïnnen haben ihr Leben auf TikTok ausgerichtet, Medien bauen sich Reichweite auf, Unternehmen schalten millionenschwere Kampagnen. All das steht auf dem Spiel.

Wie Trump den Verkauf erzwingen will

  • Mit seiner dritten EO (PDF) verlängert Trump die Deadline: ByteDance bleiben nun 90 statt 45 Tage.
  • Ursprünglich hätte ByteDance am 20. September sein US-Geschäft einstellen oder TikTok verkaufen müssen. Jetzt bleibt bis 12. November Zeit (The Verge), um einen Deal auszuhandeln. Der Termin liegt gut eine Woche nach der US-Wahl.
  • Die EO zwingt ByteDance, das Geschäft von TikTok in den USA komplett in fremde Hände zu übergeben (Axios) und sämtliche gespeicherten Daten zu löschen.
  • Die Gründe bleiben unverändert: TikTok sei angeblich eine Gefahr für die nationale Sicherheit. ByteDance könne jederzeit Daten nach China übermitteln.
  • Trump scheint sich jedenfalls schon mal vorzubereiten: Er hat jetzt einen verifizierten Account beim TikTok-Konkurrenten Triller (Gizmodo).
  • In seinem ersten Video (Triller) bezeichnet er sich selbst als "Professional at Technology".
  • Sagen wir es so: Der Clip, der bislang mehr als 30 Millionen Mal abgerufen wurde, ist zumindest professionell produziert. Dafür dürfte aber eher Trumps Team verantwortlich gewesen sein.

Wie TikTok reagiert

  • Am Wochenende kündigte TikTok juristische Schritte an. Eine Sprecherin sagte uns:

"Auch wenn wir die Bedenken der US-Regierung nicht teilen, haben wir uns fast ein Jahr lang um eine konstruktive Lösung bemüht. Wir begegneten jedoch keinem ordnungsgemäßen Verfahren, weil die Regierung Fakten keine Beachtung schenkte und versuchte, sich in Verhandlungen zwischen Privatunternehmen einzumischen. Um sicherzustellen, dass die Rechtsstaatlichkeit nicht missachtet wird und unser Unternehmen und unsere Nutzerïnnen fair behandelt werden, haben wir keine andere Wahl, als die Executive Order über das Justizsystem anzufechten."

  • Diese Ankündigung hat TikTok am Montag wahrgemacht und die US-Regierung an einem kalifornischen Gericht verklagt (NYT).
  • In einem ausführlichen Blogeintrag (TikTok-Newsroom) erklärt TikTok die Hintergründe und weist die Vorwürfe zurück.
  • Trumps Anschuldigungen seien spekulativ, TikTok schütze die Privatsphäre seiner Nutzerïnnen und teile keine Daten mit der chinesischen Regierung (Axios).
  • Trump habe TikTok verbannt, ohne vorher die Gegenseite zu hören oder Belege vorzulegen, die seine Vorwürfe stützen. Deshalb verstoße die EO gegen den Fünften Zusatzartikel der US-Verfassung.
  • Zuvor hatten bereits US-amerikanische WeChat-Nutzerïnnen Klage eingereicht (Washington Post). Auch diese App will Trump verbannen.

Warum Trump den USA schaden könnte

  • Auch TikTok kann Polit-Poker: Eigentlich hätte man ja 10.000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen wollen – aber wenn der Präsident auf seiner Entscheidung beharre, sei das leider nicht möglich (Axios).
  • Ein noch gewichtigeres Argument dürften die Auswirkungen für US-Unternehmen sein, die in China Geschäfte machen. Das gilt vor allem für Apple, das 44 Milliarden Dollar pro Jahr (Bloomberg) in China umsetzt.
  • Sollte Trump WeChat verbieten, dürfte der iPhone-Verkauf dort einbrechen. Die App ist in China nicht aus dem Alltag wegzudenken (SZ).
  • Die meisten Chinesïnnen würden eher auf iPhones verzichten als auf WeChat. Bei einer Umfrage auf Weibo mit mehr als einer Million abgegeben Stimmen sagten 95 Prozent der Teilnehmerïnnen, dass ihnen die App wichtiger sei als das Apple-Handy.
  • Ein chinesischer Weibo-Nutzer drückt es so aus (What's on Weibo): "For the Chinese market, not using an iPhone could have some impact, but not using WeChat would mean cutting yourself off from society."
  • Die US-Regierung versucht, Apple, Google und andere Unternehmen zu besänftigen. Hinter verschlossenen Türen soll Trump den Konzernen versichern (Bloomberg), dass sie in China weiter Geschäfte mit dem WeChat-Eigentümer Tencent machen dürften.

Wie gefährlich TikTok wirklich ist

  • … weiß wohl nur ByteDance selbst – und auch das nicht mit Sicherheit. Selbst wenn die Beteuerungen zutreffen und ByteDance noch nie Daten von US-Nutzerïnnen nach China übermittelt hat, dürfte der Konzern keine Chance haben, einer Anordnung der Regierung zu widerstehen.
  • Für die ausführliche Sicherheitsanalyse verweisen wir deshalb auf die Ausgaben #657 und #658. Hier beschränken wir uns auf Meldungen, die seitdem neu dazu gekommen sind.
  • TikTok sammelte jahrelang die MAC-Adressen von Android-Nutzerïnnen (SZ). Das ist unschön, aber keineswegs ungewöhnlich. Auch US-Unternehmen wie Uber legen ähnliche Praktiken an den Tag (pxlnv).
  • Geleakte Dokumente zeigen, dass TikTok eine Menge Daten an US-Behörden weitergibt (The Intercept). Auch das ist in der Branche aber normal: Amazon, Facebook und Google arbeiten genauso mit Strafverfolgungsbehörden zusammen und rücken auf Anfrage auch private Informationen heraus.
  • Offiziell ist TikTok ab 13 Jahren freigegeben. Ein Drittel der TikTok-Nutzerinnen in den USA ist jünger als 14 (NYT). Ob die alle genau 13 Jahre als sind?
  • TikTok setzte die Regeln wohl selbst nicht durch und sperrte minderjährige Nutzerïnnen nicht (Netzpolitik).
  • Weltweit ermitteln immer mehr Datenschutzbehörden wegen möglicher Verstößte gegen TikTok. In Europa haben Dänemark, die Niederlande und Frankreich (Netzpolitik) Verfahren eingeleitet.

Wer TikTok kaufen könnte

  • Lange Zeit galt Microsoft als eindeutiger Favorit. Nun ist auch Oracle ins Bieterrennen eingestiegen (FT).
  • Eigentümer Larry Ellison ist nicht nur ein recht exzentrischer Milliardär, sondern wohl nicht ganz zufällig auch ein Freund von Trump.
  • "Oracle ist ein großartiges Unternehmen und sein Besitzer ein toller Typ", sagte der US-Präsident (SZ), der wohl eindeutige Präferenzen hat, was die möglichen Käufer angeht.
  • Microsoft könnte TikTok im Fall einer Übernahme ähnlich behandeln wie LinkedIn (Digiday): wenig eingreifen und das Unternehmen unabhängig arbeiten lassen, um den bisherigen Erfolg nicht zu gefährden.
  • Zumindest ein Teil der Angestellten von Microsoft lehnt den Kauf als "unethisch" ab (Business Insider).
  • Dan Primack hält Microsoft dennoch weiter für den wahrscheinlichsten Käufer. Könnte man in Vegas auf die Übernahme wetten, gäbe er als Buchmacher folgende Quoten heraus (Axios): Microsoft 2:1, Oracle 5:2, Twitter 20:1, gar kein Deal 30:1.
  • Wir geben zu bedenken: Bis vor einigen Tagen hatte niemand Oracle auf dem Schirm. Noch sind einige Monate Zeit – in denen durchaus ein überraschender Bieter auftauchen könnte, der letztendlich das Rennen macht.
  • ByteDance selbst sagt bislang ohnehin, dass sie gar nicht verkaufen wollen. Und auch die bisherigen Investoren scheinen eine "feindliche" Übernahme abzulehnen (Reuters): Sie wollen wohl lieber ihre Anteile erhöhen und Microsoft oder Oracle höchstens kleine Teile abtreten.

Was Facebook dazu sagt

  • Einer der größten Gewinner eines TikToks wäre Facebook: TikTok ist der wohl hartnäckigste Rivale, dem Zuckerberg bislang begegnet ist, und wird sich nicht einfach aufkaufen oder in die Bedeutungslosigkeit kopieren lassen.
  • In einer der kommenden Ausgaben werden wir uns ausgiebig mit Facebook TikTok-Klon Reels beschäftigen. Spoiler: Es ist bislang eine ziemlich miese Kopie und würde unter normalen Umständen wohl eher das Lasso-Schicksal teilen – jenen TikTok-Nachbau, den Facebook im Juli nach anderthalb erfolglosen Jahren einstellte (TechCrunch).
  • Nun wird bekannt, dass Mark Zuckerberg, bereits im vergangenen Jahr bei Treffen mit Trump und US-Senatorïnnen vor dem Einfluss Chinas gewarnt haben soll.
  • Facebook habe gezielt Bedenken geschürt, TikTok als Bedrohung für US-amerikanische Werte bezeichnet und versucht, sich selbst in einer Imagekampagne öffentlich als Konzern darzustellen, der viel für die USA leiste.
  • Im Kern sind diese Berichte aber nicht neu: Zuckerberg vertritt diese Position öffentlich, etwa in einer Rede, die er im vergangenen Oktober vor Studierenden gehalten hatte und auf seinem Facebook-Account veröffentlichte. Das Transkript stellte Facebook auch in seinem Newsroom zu Verfügung.
  • Damals ging es eher darum, harte Regulierung zu verhindern – sinngemäß: Wenn ihr uns zerschlagt, übernehmen die Chinesïnnen.
  • Ein Facebook-Sprecher betont (Twitter / Andy Stone), dass Zuckerberg sich niemals für ein Verbot von TikTok eingesetzt habe.
  • Das ist glaubwürdig: In den vergangenen Wochen wurden mehrere (The Verge) Aussagen (BuzzFeed) von Zuckerberg öffentlich, der auf internen Meetings vor einem "gefährlichen Präzedenzfall" gewarnt hatte, den ein TikTok-Verbot schüfe.

Be smart

Es gibt gute Argumente (ACLU), ein Verbot abzulehnen. Es gibt aber auch Gründe, es für überfällig zu halten. Tim Wu argumentiert (NYT), dass Trump zwar aus den falschen Motiven handle, sein Ziel aber richtig sei:

"In China, the foreign equivalents of TikTok and WeChat — video and messaging apps such as YouTube and WhatsApp — have been banned for years. The country’s extensive blocking, censorship and surveillance violate just about every principle of internet openness and decency. China keeps a closed and censorial internet economy at home while its products enjoy full access to open markets abroad. The asymmetry is unfair and ought no longer be tolerated."

TikTok dürfte seinerseits fragen: Und was können wir dafür? Wir sind doch nicht für die Politik der chinesischen Regierung verantwortlich.

Kurzum: Es ist kompliziert. Und nichts drückt das besser aus als diese Grafik, die der frühere Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos auf Twitter geteilt hat.


Ein Zwischenfazit: Was bringt die Corona-App?

Was ist

Im Juni berichteten wir in Ausgabe #647 das letzte Mal ausführlich über die Corona-App. Damals war sie gerade gestartet, und die Hoffnungen waren groß. Gut zwei Monate später ist es Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Was die Download-Zahlen sagen

  • Bislang wurde die App rund 17,2 Millionen Mal heruntergeladen (RKI): 9,2 Millionen Mal in Googles Play-Store, 8 Millionen Mal in Apples App-Store.
  • Anfangs waren die Bewertungen überwiegend positiv, dann sind sie stetig gesunken. Aktuell kommt die App im Play-Store auf rund 3,4 Sterne (GoogleWatchBlog).
  • "Damit die Corona-Warn-App wirklich etwas bringt, sollte sich die Zahl der Downloads verdoppeln", sagt Ökonom Gert Wagner (Welt), Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen.

Wie viele Menschen gewarnt wurden

  • Das RKI selbst gibt nur die Zahl der herausgegeben Teletans an. Damit können Menschen ihr positives Testergebnis über eine telefonische Hotline (Netzpolitik) melden, wenn das Testlabor noch keine digitale Verifizierung per QR-Code unterstützt.
  • Bislang wurden knapp 1700 Teletans ausgehändigt. Diese Zahl ist aber wenig aussagekräftig, da unklar ist, wie hoch der Anteil der telefonischen Verifizierung im Vergleich zum QR-Code-Verfahren ist.
  • Vor knapp zwei Wochen wurden insgesamt 77.000 Testergebnisse digital übermittelt (SZ). Es ist aber nicht bekannt, wie viele davon positiv waren. Unklar ist auch, wie viele davon in die App eingegeben wurden.
  • "Wegen des datensparsamen, dezentralen Ansatzes der Corona-Warn-App können in der Tat keine Aussagen dazu getroffen werden, wie viele Menschen eine Benachrichtigung über eine Risikobegegnung erhalten haben", teilt das RKI mit.
  • Diese Aussage ist gewagt. Der Entwickler Michael Böhme hat ein Dashboard gebaut (Github), das genau diese Zahlen ausspuckt – zwar nur geschätzt, aber wohl ziemlich genau.
  • Demnach haben bislang knapp 2000 Menschen ihren positiven Diagnoseschlüssel geteilt und damit Warnungen über die App ausgelöst. Die Zahl steigt seit einigen Wochen deutlich an, allein in der vergangenen KW 34 waren es mehr als 500.
  • Das kann unterschiedliche Gründe haben: Entweder nutzen mehr Menschen die App – oder es gibt einfach nur mehr positive Tests, während die Zahl der Nutzerïnnen höchstens leicht ansteigt.

Was Studien sagen

  • Ende Juni veröffentlichten irische Forscherïnnen eine Studie (PDF), die in Deutschland erst mit einiger Verspätung wahrgenommen wurde.
  • Nach einem Heise-Bericht, griffen Nachrichtenagenturen die Untersuchung auf, woraufhin etliche Medien das Thema entdeckten.
  • Der Studie zufolge funktioniert die Kontaktverfolgung in Zügen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen nur sehr unzuverlässig. Die metallenen Streben und Oberflächen im Inneren des ÖPNV reflektierten die Bluetooth-Signale und brächten die Messungen durcheinander.
  • Die irische Studie durchläuft derzeit ein Peer-Review-Verfahren und soll im kommenden Monat in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht werden.
  • Eine neue Meta-Studie des University College London (The Lancet) kommt zum wenig überraschenden Ergebnis, dass Apps kein Allheilmittel, sondern allenfalls eines von vielen Werkzeugen im Kampf gegen die Pandemie sein können.

Was Gesundheitsministerium und Entwickler sagen

  • BMG, Telekom und SAP verteidigen die Corona-App.
  • Das Gesundheitsministerium zweifelt die Studie an (Netzpolitik) und verweist auf eigene Messungen des Fraunhofer-Instituts. Demnach seien rund 80 Prozent der Begegnungen korrekt erfasst worden
  • Allerdings stellte das Fraunhofer-Institut das Bus-und-Bahn-Szenario lediglich im Labor nach. Den Autorïnnen der Studie zufolge sei das nicht vergleichbar.
  • Eine RKI-Sprecherin sagt, das Problem der Störungen durch Metall sei bekannt gewesen und ausreichend berücksichtigt worden.

Be smart

Bei der Corona-App ist einiges schief gelaufen. Die Kommunikation von Regierung und RKI ließ lange Zeit zu Wünschen übrig. Der öffentliche Streit um den richtigen Ansatz hat Vertrauen zerstört. Bei ihrer Kostenkalkulation gingen die Entwickler von viel zu hohen Nutzerzahlen aus (Golem), wie aus Verträgen hervorgeht, die FragDenStaat veröffentlicht hat. Eine europaweite Lösung lässt immer noch auf sich warten (Netzpolitik), was angesichts der Ferienzeit mindestens unglückliches Timing ist.

Und dennoch: Es spricht nichts dagegen, die App zu nutzen. Nach allem, was wir wissen, ist sie sicher und so datenschutzfreundlich wie möglich. Bei uns sieht das dann so aus:


Header-Foto von Braden Collum bei Unsplash


21.8.2020 | Facebook gegen den Wahnsinn der Welt, zur Rolle von Telegram in Belarus, Google Trends für Facebook, Instagram und Twitter

Facebook kämpft gegen den Wahnsinn der Welt

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Was ist

Zugegeben: Die Überschrift ist etwas pathetisch. Doch angesichts des allgegenwärtigen Irrsinns erscheint uns das gerechtfertigt. Außerdem bietet sie uns die Möglichkeit, eine ganze Reihe neuer Entwicklungen unter einen Hut zu bringen, die sich alle darum drehen, wie Facebook mit Verrückten und Radikalen umgeht: von QAnon-Anhängerïnnen über Anti-Vaxxer, Rassistïnnen und Antisemitïnnen bis zur gewaltverherrlichenden Boogaloo-Bewegung.

Wir fassen die Nachrichten zunächst kompakt zusammen und verlinken die besten weiterführenden Quellen. Dann sehen wir uns einen Avaaz-Bericht näher an, der das Ausmaß der Desinformation über das Coronavirus auf Facebook vermisst. Abschließend ordnen wir das Geschehen kurz ein.

Was alles passiert ist

QAnon- und Boogaloo-Bewegung

Antisemitismus und Rassismus

Politische Desinformation

Desinformation zu Gesundheitsthemen

  • Ein Avaaz-Bericht bezeichnet Facebooks Algorithmus als "Gefahr für die öffentliche Gesundheit" (Avaaz).
  • "Facebook zeigt zwar guten Willen und versucht, Fehlinformationen zu bekämpfen", sagt Kampagnendirektor Christoph Schott. "Trotzdem erreichen Seiten, die immer wieder Lügen und Verharmlosungen über das Coronavirus verbreiten, ein Millionenpublikum."
  • Die Forscherïnnen haben ein Netzwerk aus Webseiten und Facebook-Seiten analysiert, die regelmäßig gefährliche Desinformation über Gesundheitsthemen teilen.
  • Diese Inhalte hätten im vergangenen Jahr rund 3,8 Milliarden Abrufe erzielt. Allein im April, auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie, seien es fast 500 Millionen Views gewesen.
  • Die Inhalte der zehn größten Seiten dieses Netzwerks hätten fast viermal so viele Abrufe wie die Inhalte der zehn größten Gesundheitsorganisationen wie der WHO.
  • Die Netzwerke der Desinformation existierten oft schon seit Jahren und seien strategisch aufgebaut und miteinander verknüpft worden. Die Akteure teilen sich gegenseitig und helfen, bestimmte Artikel massenhaft zu verbreiten.
  • Teils werden Inhalte, die Facebook gelöscht hatte, von anderen Seiten leicht abgewandelt neu veröffentlicht oder in eine andere Sprache übersetzt. Die Kopien fallen durch Facebooks Raster und erreichen teils mehr Menschen als der ursprüngliche Beitrag.
  • Dieses Vorgehen hebelt Facebooks Gegenmaßnahmen aus: Facebook habe nur 16 Prozent der geprüften Fehlinformationen mit einem Warnhinweis versehen, obwohl Faktenprüferïnnen die Behauptungen als falsch eingestuft hätten.

Was von dem Avaaz-Bericht zu halten ist

Wir haben die 33 Seiten (PDF) gründlich gelesen und mit Avaaz, Facebook und Ulrich Montgomery, dem Präsident des Weltärztebundes, darüber gesprochen. Grob zusammengefasst: Avaaz hat sich große Mühe gegeben, das Ausmaß der Desinformation zu vermessen – die genauen Zahlen, die in dem Bericht vorkommen, sollte man aber vorsichtig behandeln.

Das fängt bei den angeblich 3,8 Milliarden Abrufen an, die wir aus zwei Gründen höchstens als groben Schätzwert durchgehen lassen:

  1. Facebook zeigt nicht an, wie viele Nutzer ein Posting in ihrer Timeline sehen. Eingeblendet wird lediglich die Zahl der Menschen, die den Beitrag liken, teilen oder kommentieren. Nur bei Videos sind sowohl Abrufe als auch Interaktionen sichtbar. Dieses Verhältnis hat Avaaz auf andere Postings übertragen, um aus den öffentlichen Interaktionen eine geschätzte Reichweite abzuleiten. Facebook nennt die Methodik auf Nachfrage hypothetisch und ungenau.
  2. Der Wert bezieht sich auf sämtliche Inhalte, die ein Netzwerk aus 82 Webseiten und 42 Facebook-Seiten verbreitet hat. Darunter sind nicht nur Lügen und verharmlosende Aussagen über Covid-19, sondern auch Artikel, die gar nichts mit dem Virus oder anderen Gesundheitsthemen zu tun haben. Die Zahl beschreibt also die Gesamtreichweite des Netzwerks, nicht aber die Verbreitung einzelner Beiträge.

Trotzdem können wir das Vorgehen von Avaaz nachvollziehen. Die Grundannahmen der Hochrechnung sind alle eher konservativ, sodass kein maßlos übertriebener Wert herausgekommen sein dürfte. Und solange unabhängige Wissenschaftler keinen Zugriff auf Facebooks Daten erhalten, bleibt nichts anderes übrig, als solche Vermutungen anzustellen.

Auch die beiden Lösungsvorschläge, die Avaaz macht, finden wir sinnvoll. Beide knüpfen an Maßnahmen an, die Facebook bereits eingeleitet hat – nach Meinung von Avaaz aber nicht weit genug gehen:

"Correct the Record"

  • Was Facebook macht: Im April begann Facebook, Nutzerïnnen Hinweise einzublenden, die zuvor mit Inhalten agiert hatten, die gefährliche Fehlinformationen über Covid-19 enthalten. Bislang verweist Facebook nur allgemein auf die WHO, ohne Menschen zu sagen, warum sie das Pop-up sehen, welchen Inhalt sie zuvor gelikt, geteilt oder kommentiert hatten und warum die darin enthaltenen Behauptungen falsch sind.
  • Was Avaaz fordert: Die Warnungen müssten spezifischer werden: "Jede Untersuchung zu diesem Thema zeigt, dass konkrete Korrekturhinweise helfen können", sagt Schott. "Menschen glauben den Fehlinformationen dann deutlich seltener." Außerdem sollten sie auch angezeigt werden, wenn man die Desinformation nur in der Timline gesehen, aber nicht damit interagiert habe.

"Detox the Algorithm"

  • Was Facebook macht: Facebook wertet Seiten ab, die wiederholt Inhalte teilen, die unabhängige Faktenprüfer als falsch einstufen. Von außen sind solche Drosselungen aber nicht sichtbar, abgestrafte Seiten werden nicht gekennzeichnet.
  • Was Avaaz fordert: "Wie genau diese Drosselung funktioniert, wann sie greift und wer davon betroffen ist, bleibt völlig intransparent", sagt Schott. Wir berichteten zuletzt in Briefing #659, dass Facebook bei manchen rechtskonservativen Seiten offenbar mit zweierlei Maß misst, wenn es um die Verbreitung von Fehlinformationen geht. "Wir müssen Facebook vertrauen, die sagen, dass die Reichweite um bis zu 80 Prozent sinkt", sagt Schott. Die Drosselung müssten konsequenter durchgesetzt werde und öffentlich nachvollziehbar sein.

Be smart

Wir haben es schon oft gesagt. Wir sagen es nochmal, weil es so wichtig ist: Facebook ist keine neutrale Plattform, als die es sich selbst gern darstellt. Ein Großteil der beschriebenen Probleme ist hausgemacht (Technology Review). Desinformation spricht oft Gefühle an. Emotionen rufen Interaktionen hervor, die der Algorithmus als Relevanzsignale deutet – und den Lügen und Verharmlosungen zusätzlich Aufmerksamkeit verschafft, bis Facebook eingreift (oder auch nicht).

Allen Gegenmaßnahmen zum Trotz schlägt Facebook Nutzerïnnen weiter vor, QAnon-Gruppen beizutreten (Twitter / Adrienne LaFrance). "Der Wille ist vorhanden, aber er ist nicht gut genug", sagt Frank Ulrich Montgomery. Ihm gehe es gar nicht um Menschen, die Verschwörungserzählungen über Bill Gates glaubten. Die könne man nicht ernstnehmen. Viel mehr beunruhigen ihn zwei andere Gruppen:

Das sind einmal die Impfverweigerer, die das Leben ihrer Kinder riskieren. Und jene Menschen, die daran zweifeln, dass Covid-19 gefährlich ist und etwa irreführende Vergleiche mit der Grippe verbreiten. Wenn solche Behauptungen einmal viral gehen, kann die Wissenschaft fast nichts tun, um das wieder einzufangen. Da sehe ich die Plattformen in der Pflicht, das vorher zu verhindern. Sonst nützt uns der beste Corona-Impfstoff nichts.


Empfehlungen fürs Wochenende

Bei unseren Lesetipps konzentrieren wir uns diese Woche auf zwei Plattformen: Wir empfehlen Texte über Telegram und Facebook.

Telegram

  • Bereits vor zwei Wochen erklärte Stefan Krempl, warum Telegram bei Rechtsradikalen und Verschwörungsideologïnnen so beliebt ist (Golem). Zu Wort kommen unter anderem Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung und Anna-Lena von Hodenberg von Hateaid. Sie werfen Telegram Untätigkeit vor und sehen eine Lücke im NetzDG.
  • Dass Telegram aber nicht nur Extremistïnnen eine Plattform bietet, zeigt ein Blick nach Belarus. Dort spielte der Messenger eine zentrale Rolle (Wired), um die Proteste gegen den diktatorisch agierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko zu koordinieren. Wir kennen uns in Belarus nicht aus, deshalb fällt es uns schwer zu beurteilen, wie groß der Einfluss und die Verbreitung von Telegram wirklich sind. Vorsorglich erinnern wir an die angebliche "Social-Media-Revolution" des Arabischen Frühlings, bei der sich im Nachhinein herausstellte (Washington Post), dass Facebook und Twitter wohl doch weniger entscheidend waren als zunächst angenommen.
  • Wer es etwas kürzer mag und lieber auf Deutsch liest, kann auch bei der taz nachlesen, warum Telegram in Belarus so schnell so groß wurde. Unter anderem ermöglicht es der Messenger, die Internetblockaden der Regierung zu umgehen.

Facebook

  • In den vergangenen Jahren haben Facebooks Machine-Learning-Systeme große Fortschritte gemacht, wenn es darum geht, hasserfüllte Kommentare zu erkennen und automatisch zu löschen. Doch Kommunikation im Netz ist zunehmend visuell – und Bilder, Videos und Memes stellen Facebooks AI vor eine große Herausforderung, wie dieser Longread herausarbeitet (Fast Company).
  • Erinnert sich noch jemand an Free Basics? Mit dieser Initiative wollte Facebook Menschen in Schwellen- in Entwicklungsländern Internet bringen – allerdings eine Facebook-Version des Internets. Indien verbannte das Projekt, doch Facebook expandierte in 55 andere Länder. James Ball beleuchtet, wie Facebook den globalen Süden mit Technik versorgt und sich damit Einfluss verschafft (Wired).
  • Die Daten von Google Trends sind nicht immer verlässlich( (NDR), aber zumindest bietet Google die Möglichkeit, grobe Tendenzen abzulesen. Auch andere Plattformen werden als Suchmaschinen genutzt, gerade während der Corona-Pandemie. Doch Wissenschaftlerïnnen haben keinen Zugriff auf diese Daten. Wir brauchen ein Google Trends für Facebook, Instagram, Twitter, TikTok und Reddit, fordert Tommy Shane von First Draft (Nieman Lab).
  • Im Herbst wird Apple iOS 14 auf den Markt bringen – und könnte damit das Milliardengeschäft mit personalisierter Werbung deutlich weniger lukrativ machen. Apple will Tracking standardmäßig deaktivieren, Nutzerïnnen müssen per Opt-in einwilligen. Das bedroht insbesondere das Geschäftsmodell von Facebook, analysiert Torsten Kleinz. Bis zur Veröffentlichung von iOS 14 dürften wir noch einiges zu diesem Thema lesen. Dieser Text ist ein sehr guter Anfang.

Neue Features bei den Plattformen

Instagram

  • You are all caught up, also theoretisch. Rein praktisch kannst du natürlich weiterscrollen: Hier hätten wir für dich ein paar Posts, die dich interessieren könnten.“ Time Well Spent war einmal: Instagram rolls out suggested posts to keep you glued to your feed (The Verge)
  • QR-Codes: Was Snapchat kann, kann Instagram schon lange. Um Accounts leichter zu finden, ist das Scannen von QR-Codes wahnsinnig praktisch, keine Frage. Nach Tests in Japan wird das Feature nun weltweit ausgerollt (The Verge).

Tipps, Tricks und Apps

  • Muze: Im wunderbaren Newsletter von Johannes Klingebiel haben wir zum ersten Mal vom Muze-Messenger gelesen. Der Reiz von Muze besteht darin, Text, Gifs, Fotos, Videos und Gemaltes wie auf einer riesigen Leinwand nutzen zu können. Kann man schwer erklären, muss man gesehen haben. Ist jedenfalls mal eine ziemlich artsy Rangehensweise an das Thema Messenger.

One more thing

Très chic 😂


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19.8.2020 | Epic vs. Apple, Mozilla kämpft ums Überleben, TikTok startet PR-Offensive, Facebook führt Paid Online Events ein

Epic vs. Apple: Milliarden-Entwickler legt sich mit Billionen-Konzern an

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Was ist

Fortnite-Entwickler Epic Games (Marktbewertung: rund 17 Milliarden Dollar) streitet mit Apple, das 2018 als erster Konzern die Billionen-Dollar-Marke knackte. Es geht um die Frage, ob Apple die Regeln für seinen App-Store allein schreiben und beliebig viel Provision abzwacken darf.

Warum das wichtig ist

Was auf den ersten Blick nach einem Thema klingt, das nur eingeschränkt zum Social-Media-Watchblog passt, hat bei genauerem Hinsehen alle Bestandteile eines mittelgroßen Dramas: Hier kämpft Goliath, der Entwickler des erfolgreichsten Videospiels der Welt gegen Uber-Goliath, eines der mächtigsten Unternehmen der Welt. Beide fahren härteste Geschütze auf, es wird riskant gepokert, hollywoodreif inszeniert und professionell getrollt.

Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel. Epic könnte den Großteil seiner Nutzerïnnen und die technologische Grundlage seiner Games-Entwicklung verlieren. Apple riskiert, es sich mit einer ganzen Generation junger Gamerïnnen zu verscherzen – und damit das Geschäftsmodell des App-Store zu gefährden (beide The Verge).

Die Fehde der beiden Unternehmen steht stellvertretend für einen Konflikt, der derzeit zwischen Apple und vielen anderen Entwicklern schwelt. Auch Spotify und Facebook mischen mit, weltweit ermitteln Wettbewerbshüter, Staatsanwälte und Parlamente gegen Apple. Die Schlacht gegen Epic könnte Apple gewinnen, den Kartellkrieg aber verlieren.

Was bislang geschah

"That escalated quickly", überschreibt The Verge die Sektion, in der es alle Texte zum Thema Epic vs. Apple sammelt. 16 Artikel in fünf Tagen verdeutlichen die Relevanz, die (nicht nur) das Tech-Portal dem Streit beimisst, der mittlerweile die halbe Branche mitgerissen hat. Wie fassen die Eckpunkte zusammen:

  • Apple und Google verlangen jeweils 30 Prozent Provision für Apps und In-Game-Käufe, die Nutzerïnnen über die jeweiligen App-Stores tätigen.
  • Ende vergangener Woche umgeht Epic diese Zwangsabgabe mit einem Trick. Spieleentwickler können ihre Apps aktualisieren, ohne dass jedes Update den Review-Prozess von Apple und Google durchlaufen muss.
  • Das nutzt Epic, um in Fortnite eine neue Direktzahlung einzuführen: Wer virtuelle Güter und die In-Game-Währung V-Bucks erwirbt, kann 20 Prozent sparen. Das gilt aber nur für Gamerïnnen, die Epics neue Zahlungsmöglichkeit nutzen.
  • Für Epic ist es ein Win-Win-Move: Es spart sich die 30 Prozent Provision, gibt 20 Prozent an zufriedener Nutzerïnnen weiter und streicht selbst zehn Prozent ein.
  • Apple und Google reagieren wie erwartet: Die Umgehung der Provision verstößt eindeutig gegen die Richtlinien der App-Stores. Also verbannen beide Unternehmen Epic von ihren Plattformen und fordern den Fortnite-Entwickler auf, das Update zurückzuziehen.
  • Genau damit hat Epic gerechnet. Stunden später liegen an einem kalifornischen Gericht zwei mehr als 60-seitige Klagen vor (Epic vs. Apple, Epic vs. Google), und das Unternehmen ruft Gamerïnnen auf, unter dem Hashtag #FreeFortnite in sozialen Netzwerken zu protestieren.
  • Der dreisteste Troll-Move ist aber das 48-sekündige Video "Nineteen Eighty-Fortnite" (YouTube). Es spielt auf Apples ikonischen Werbespot "1984" (YouTube) an, der die Einführung des ersten Macintosh begleitete und den damaligen Markführer IBM attackierte. Nun vertauscht Epic die Rollen, inszeniert sich selbst als Opfer und stellt Apple als Orwellschen Diktator dar.
  • Social-Media-Kampagne und Videoclip richten sich explizit gegen Apple, obwohl Google genauso reagiert hat. Doch da Android-Nutzerïnnen Apps zumindest in der Theorie auch per Sideload installieren und den Play-Store umgehen können, misst Epic der Auseinandersetzung mit Apple offenbar größere Bedeutung und wohl auch größere Erfolgsaussichten zu.
  • Am Wochenende versucht Epic-Chef Tim Sweeney, den Streit um Margen und Profite in einen großen Gerechtigkeitskampf umzudeuten (Twitter): "Another argument against supporting #FreeFortnite is 'this is just a billion dollar company fighting a trillion dollar company about money'. But the fight isn't over Epic wanting a special deal, it's about the basic freedoms of all consumers and developers."
  • Facebook nutzt die Gelegenheit, von seinen eigenen kartellrechtlichen Problemen abzulenken, und zeigt mit dem Finger auf Apple (Washington Post), das sich geweigert habe, die Provision für Unternehmen zu senken, die während der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind.
  • Bis zu diesem Punkt läuft alles nach Plan für Epic. Sämtliche Reaktionen waren antizipiert, die Gegenmaßnahmen vorbereitet. Doch dann packt Apple die Bazooka aus (Bloomberg), um es in der martialischen Fortnite-Sprache auszudrücken: Wenn Epic nicht klein beigibt, verliert es am 28. August seine Entwickleraccounts und kann nicht mehr auf die Entwicklerwerkzeuge für iOS und Mac zugreifen. John Gruber vermutet, dass Epic von dieser Eskalation überrascht wurde (Daring Fireball)
  • Das bedroht nicht nur die Zukunft von Fortnite, sondern die Unreal Engine (Protocol), auf der viele erfolgreiche mobile Games aufbauen, etwa PUBG oder Mortal Kombat.
  • Epic spricht von einem "katastrophalen" Schritt und versucht, das Verbot per einstweiliger Verfügung (PDF) zu stoppen. Apple bleibt gelassen und sagt, dass Epic sich einfach nur an die Richtlinien für Entwickler halten müsse (The Verge).

Was für Apple und Epic auf dem Spiel steht

Beide Parteien spielen mit hohem Einsatz. Epic riskiert, den Zugang zu einer der beiden großen mobilen Plattformen zu verlieren – dummerweise zu jener, in der Nutzerïnnen deutlich mehr Geld ausgeben. Von der Wut und virtuell geäußerten Unterstützung Hunderter Millionen Gamerïnnen kann sich Epic nichts kaufen. Die Cashcow ist Fortnite, und die könnte bald deutlich weniger Geld abwerfen.

Apple hat noch mehr zu verlieren. Epic hat die Eskalation geschickt terminiert: Erst vor wenigen Wochen musste Tim Cook vor dem US-Kongress aussagen und dort unter anderem die 30-Prozent-Provision rechtfertigen (docs.house.gov). In den USA ermitteln etliche Staatsanwälte wegen möglicher Kartellrechtsverstöße gegen Apple. Auch die EU-Kommission untersucht Vorwürfe, dass Apple seine Position wettbewerbswidrig ausnutzt.

Die größten Sorgen dürfte Apple die Auseinandersetzung mit Spotify (NYT) bereiten, das ebenfalls gegen die 30-Prozent-Provision vorgeht. Spotify konkurriert mit Apple Music, das logischerweise keine Abgabe leisten muss. Deshalb versucht Spotify, Nutzerïnnen zu bewegen, Abos nicht über die iPhone-App, sondern über die Webseite abzuschließen – darf das innerhalb der App aber nicht erwähnen, weil das gegen Apples Richtlinien verstieße. Die EU-Kommission ermittelt, und die Chancen stehen gut (Ben Evans), dass sie der Argumentation von Spotify folgt.

Zudem versucht Epic, in der Tech-Branche Unterstützer zu gewinnen (The Information). Offenbar will der Games-Entwickler Spotify, Sonos und andere Unternehmen dazu bringen, sich dem Kampf gegen Apple anzuschließen. Im Hintergrund sollen vielen Gespräche laufen, angeblich sympathisieren andere große Spieleentwickler mit Epic.

Auch aus PR-Sicht macht Apple keine gute Figur. Epic hat es geschafft, den Verstoß gegen die Entwickler-Richtlinien in einen vermeintlichen David-gegen-Goliath-Kampf zu verwandeln – zumindest aus Sicht Millionen junger Gamerïnnen. Obwohl Apple nur auf die Einhaltung von Verträgen beharrt, steht es öffentlich als Bully da.

Be smart

In diesem Streit gibt es kein Gut und Böse. Es ist ein knallharter Kampf um Interessen – und um viel Geld. Im Gegensatz zu vielen kleinen Entwicklern verdient Epic mit Fortnite Milliarden obwohl es Apple eine angeblich unmenschliche hohe Provision zahlen muss. Die Inszenierung als Underdog ist strategisch geschickt, aber inhaltlich lächerlich.

Epic will einfach nur noch mehr Kohle machen und am liebsten eine eigene Plattform auf iPhones- und Android-Handys anbieten – aus wirtschaftlicher Sicht verständlich, aber kein Ziel, für das man den Fortnite-Entwickler feiern muss (Stratechery). Zumal es aus Nutzerïnnensicht auch einen Vorteil bietet (Ben Evans), dass Apple alle Apps sorgfältig prüft und Malware aus dem App-Store fernhält.

Wer wirklich unter dem 30-Prozent-Abschlag leidet, sind Indie-Studios wie das Schweizer Unternehmen Information Architects, das die Notizen-App iA Writer entwickelt. In einem langen und lesenswerten Blogpost schildert Gründer Oliver Reichenstein das Problem: Kaum ein Entwickler hat eine Gewinnmarge von 30 Prozent, die Provision bedrohe die Existenz vieler kleiner Software-Schmieden:

To be perfectly clear: The argument is not "are you for Epic or Apple?"". Both are big corporations with shareholders, political influence, self-interests, PR agencies, hypocrisies, and economic fears, striving for more and more power. What we are saying: "In our industry, taking 30% from your revenue, prevents developers from running a sustainable business".

Vor zwölf Jahren, als Apple den App-Store einführte, war das womöglich noch eine angemessene Provision. Schließlich musste Apple die Infrastruktur und die Zahlungsabwicklung bereitstellen. Mittlerweile hat das Geschäft aber skaliert (NYT), und Apple verdient viele Milliarden Dollar pro Jahr (The Verge).

Apple selbst sagt, dass für alle dieselben Regeln gälten – doch das stimmt nicht. Einige große Fische erhalten einen Special-Deals: Um Amazon dazu zu bringen, Prime-Abos direkt über den App-Store zu verkaufen, bot Apple Amazon an, die Provision zu halbieren (Bloomberg). Trotzdem sagte Tim Cook, als er während der Anhörung vor dem Kongress gefragt wurde, ob manche Entwickler eine Vorzugsbehandlungen erhielten:

That is not correct. We treat every developer the same.

Würden wir Apps entwickeln statt Briefings zu schreiben, wären wir ein bisschen sauer auf Apple.


Mozilla kämpft ums Überleben

Was ist

Die Mozilla Corporation, nicht zu verwechseln mit der gemeinnützigen Mozilla Foundation (Wikipedia)) entlässt 250 Mitarbeiterïnnen, das ist ein Viertel der Belegschaft. Mozilla-Chefin Mitchell Baker schreibt (PDF), das Unternehmen leide unter den Folgen der Corona-Krise und wolle sich künftig darauf konzentrieren, effizienter zu arbeiten und neue Erlösquellen zu erschließen.

Warum das wichtig ist

"Wenn Google den Browser-Krieg gewinnt, wird das Netz zur Monokultur", schrieb ich vergangenes Jahr (SZ). "Google bedroht das freie Netz, Facebook bedroht die Demokratie", sagte der damalige Mozilla-Geschäftsführer Mark Surman (SZ).

Chrome dominiert, den Brower-Markt, seine Marktanteile steigen stetig. Firefox war lange eine ernsthafte Alternative, doch mittlerweile scheint Mozilla den Kampf gegen Google verloren zu haben. Wenn der Firefox-Entwickler nun auch noch in finanzielle Schwierigkeiten gerät, ist das ein schlechtes Zeichen.

Selbst wenn Google seine (All)macht nicht missbraucht, sondern nur gebraucht, schadet das dem offenen Netz. Wer den Browser kontrolliert, bestimmt, wie Milliarden Menschen das World Wide Web wahrnehmen (Twitter / @Pinboard). Kein Unternehmen sollte diese Regeln allein bestimmen, warnt der Entwickler Alan Gibson (Landshark):

Google’s capture of the Web is a fait accompli. Only legislation will keep the World Wide Web from finally becoming Web by Google™.

Was hinter den Entlassungen steckt

Bakers Verweis auf die Pandemie ist nur ein Teil der Wahrheit. Andere Tech-Unternehmen haben finanziell davon profitiert, dass Hunderte Millionen Menschen im Home-Office arbeiten mussten. Mozilla hat kein eigenes Anzeigengeschäft, das leiden könnte, wenn sich Werbekunden zurückziehen.

Tatsächlich steckt Mozilla schon länger in der Krise. Bereits Anfang des Jahres mussten 70 Angestellte gehen, damals schrieb Baker in einem internen Memo (TechCrunch):

You may recall that we expected to be earning revenue in 2019 and 2020 from new subscription products as well as higher revenue from sources outside of search. This did not happen.

Mozilla ist und bleibt abhängig vom Such-Deal mit Google, der kurz nach der Ankündigung der aktuellen Entlassungen erneuert wurde. Google zahlt bis 2023 geschätzte 400 bis 450 Millionen Dollar pro Jahr (The Register), um die Standardsuchmaschine im Firefox-Browser zu bleiben. Dieses Abkommen macht seit Jahren den Großteil von Mozillas Einnahmen aus. Angesichts des sinkenden Marktanteils des Firefox-Browsers ist das aber kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell (ZDNet).

Deshalb versucht Mozilla, weitere Einkommensquellen aufzubauen, etwa über das kostenpflichtige Abo für den Bookmark-Dienst Pocket oder ein eigenes VPN-Angebot (Mozilla-Blog). Bislang gelingt das mehr schlecht als recht. Wir hoffen sehr, dass Mozilla die Kurve kriegt – und schließen verstohlen das Chrome-Fenster, in dem zumindest die Hälfte des Watchblog-Teams die Links für dieses Briefing gesammelt und gelesen hat.


Social Media & Politik

  • Set the record straight: TikTok hat eine PR-Offensive samt Website und Twitter-Account gestartet, um die Dinge mal gerade zu rücken, wie sie es nennen. Auf tiktokus.info beteuert das Unternehmen einmal mehr, dass niemals Nutzerdaten mit chinesischen Behörden geteilt würden, ja, dass sie eigentlich sowieso der letzte sonnige Ort im Internet wären. Nun ja. Das ganze erinnert stark an die Hard-Questions-PR-Offensive von Facebook, die auch nicht wirklich dabei geholfen hat, ein besseres Licht auf das Unternehmen zu werfen. Es ist halt wie im echten Leben: Selbst wenn dir niemand beweisen kann, dass das Gegenteil der Fall ist, siehst du immer ein bisschen schlecht aus, wenn du permanent beteuerst, dass du auf keinen Fall etwas falsch gemacht hast.

Follow the money

  • Oracle prüft Übernahmen von TikTok: Eigentlich ist Oracle spezialisiert auf die Entwicklung und Vermarktung von Computer-Hardware und -Software für Unternehmenskunden. Nun überrascht das milliardenschwere Unternehmen mit der Nachricht (CNBC), dass es sich ebenfalls um eine Übernahme von TikTok bemühen würde. Ob ein solcher Deal zu Oracle passt, müssen andere bewerten. Dass ein weiteres Schwergewicht ins Bieterrennen um die populäre Short-Video-App einsteigt, möchten wir an dieser Stelle aber dennoch nicht unerwähnt lassen. Mehr dazu in einem kommenden TikTok-vs-Trump-Roundup.
  • Paid Online Events: Facebook führt in den USA, Deutschland und 18 weiteren Ländern eine Funktion ein, mit der Unternehmen Online-Veranstaltungen auf Facebook monetarisieren können. Die Idee besteht darin, Geschäftsinhabern die Möglichkeit zu geben, Veranstaltungen zu kreieren, einen Preis für das Event festzulegen, für die Veranstaltung zu werben, die Zahlungen abzuwickeln und die Veranstaltung durchzuführen – alles von einem Ort aus. In Tests wurden bereits Box-Kämpfe, Kochkurse, Podcast Recordings und Fitnesskurse kostenpflichtig abgehalten. Not bad.

Neue Features bei den Plattformen

Facebook / Instagram

  • Facebook-Instagram-Messaging: So langsam wird es ernst: Facebook startet mit der Integration seiner Messenger, ein erster Schritt in diese Richtung ist getan (The Verge): einigen Instagram-Nutzerïnnen wird bereits das Logo vom Facebook Messenger anstelle des Insta-DM-Icons angezeigt. Zwar können Nutzerïnnen noch nicht von Insta zu Facebook schreiben, aber das wird sicher in den nächsten Tagen der Fall sein.

Telegram

  • Verschlüsselte Videotelefonie: Telegram bietet jetzt Ende-zu-Ende-verschlüsselte Video-Calls an. Und bevor wir unsere Witze über „Attila Hildmann kann jetzt endlich ungestört mit Eva Herman quatschen“ machen, freuen wir uns erst einmal darüber, dass jetzt für sehr viel mehr ganz normale Menschen ein Stück mehr Privatsphäre gewonnen ist.

Snapchat

TikTok

  • Text to Cover: Bei TikTok können Kreative jetzt Text auf Cover-Fotos integrieren (Twitter / @TikTokCreators). Sieht zwar zunächst einmal ganz hübsch aus, könnte aber mittelfristig dazu führen, dass alles gleich aussieht – ähnlich wie wir es bereits von YouTube kennen.
  • 2-Factor-Authentifizierung: TikTok bietet jetzt auch eine 2-Stufen-Verifizierung via SMS oder Email an. Einfach mal im Menü unter Sicherheit gucken. Daumen hoch!

Tipps, Tricks und Apps

  • Witeboard: Wer mal eben schnell mit Kollegïnnen online ein Whiteboard beackern möchte, sollte mal witeboard.com ausprobieren. Quite a gem!

Header-Foto von Anubhav Saxena bei Unsplash


14.8.2020 | Facebook kuschelt mit Konservativen, Zensur-Vorwürfe bei ByteDance, unlauteres Datensammeln bei TikTok

Facebook kuschelt mit Konservativen: Angestellte leaken angebliche Vorzugsbehandlung

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Was ist

In den vergangenen Wochen sind vier interessante Recherchen erschienen, die zusammengenommen einen seltenen Einblick in das Innenleben von Facebook ermöglichen. Sie zeichnen das Bild eines Unternehmens, das alles tut, um Republikaner und Rechte zu besänftigen.

Facebook soll für konservative Stimmen immer wieder Ausnahmen machen – und damit zunehmend die eigenen Angestellten verärgern. Angeblich zieht sich ein tiefer Graben durch die Belegschaft, Mitarbeiterïnnen sprechen von "beispiellosen" Konflikten.

Was wir nicht wissen

Eine wichtige Einschränkung gleich zu Beginn: Wir haben für die Vorwürfe keine eigenen Quellen. Normalerweise versuchen wir, solche Anschuldigungen auf Plausibilität gegenzuchecken, bevor wir darüber berichten. Aufgrund unserer Sommerpause war uns das bislang nicht möglich. Zudem ist es für einen kleinen deutschsprachigen Nischen-Newsletter natürlich schwer, auf die Schnelle Informantïnnen in den USA aufzutreiben.

Die Recherchen bestätigen sich teils gegenseitig und stammen von vertrauenswürdigen und gut vernetzten Journalistïnnen, denen wir aufgrund ihrer früheren Arbeit ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringen.

Doch selbst Casey Newton, neben Steven Levy wohl der Reporter mit dem direktesten Draht zu Facebook, erhält für seinen "The Interface"-Newsletter regelmäßig "Pushbacks" von Facebook-Angestellten, für die er eine eigene Kategorie eingerichtet hat: In der jeweils folgenden Ausgabe schreibt er dann, was Mitarbeiterïnnen an seiner Darstellung auszusetzen hatten.

Im aktuellen Fall äußern sich die Angestellten teils mit vollem Namen, viele der Zitate stammen aus Screenshots interner Foren. Es geht nicht darum, dass die Vorwürfe nicht zutreffen – es geht darum, ob sie ein repräsentatives Bild zeichnen. Facebook hat rund 50.000 Angestellte. Wenn ein kleiner Teil davon rebelliert, ist das immer noch relevant. Aber es ist eben nicht mehr als eine laute Minderheit.

Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: Bestimmt gab es auch früher kontroverse Entscheidungen und hitzige interne Diskussionen. Neu ist, dass der Dissens nach außen dringt. Spannend für uns – für Facebook wohl eher lästig.

Warum das wichtig ist

Anfang Juni schrieben wir (#643):

"Wir erklären, warum der mächtigsten CEO der Welt ein gewaltiges Problem hat: den mächtigsten Politiker der Welt. Moralische Grenzen überschreitet Trump täglich – nun muss sich Mark Zuckerberg entscheiden, ob der US-Präsident auch Facebooks eigene Regeln bricht. Die Antwort auf diese Frage wird das Unternehmen Facebook auf Jahre hinaus prägen."

Die Ereignisse der vergangenen Wochen bestätigen diese Prognose. Es geht nicht nur um Donald Trump, sondern um den Großteil des rechten bis rechtsradikalen Lagers. Die US-Gesellschaft ist tief gespalten, und egal wie sich Facebook verhält, irgendjemand wird sich immer schlecht behandelt fühlen – oder öffentlich über die angebliche Voreingenommenheit Facebooks lamentieren und damit die eigenen Anhängerïnnen in Rage versetzen.

Nun zeigt sich: Der Riss zieht sich nicht nur durch die Gesellschaft, sondern auch durch die Teams von Facebook. Zumindest ein Teil der Mitarbeiterïnnen verlangt, dass Zuckerberg noch vor der US-Wahl Stellung bezieht und Trump Grenzen setzt.

Das sind die Recherchen

Das sind die Vorwürfe

Wir bündeln die Kernaussagen der drei Texte und ergänzen sie mit Kontext aus anderen Recherchen und unseren eigenen Briefings. In den Fällen, wo sich die Journalistïnnen auf Screenshots oder andere eindeutige Belege beziehen, verzichten wir auf den Konjunktiv.

  • Aktuelle und ehemalige Facebook-Mitarbeiterïnnen finden drastische Worte für die Entscheidungen, die Zuckerberg und andere Managerïnnen jüngst getroffen haben. "We are failing”, sagt einer. "And what's worse, we have enshrined that failure in our policies."
  • Ein Programmierer im Sabbatical spricht von zerstörtem Vertrauen: "I can’t shake the feeling that the company leadership has betrayed the trust my colleagues and I have placed in them."
  • Immer wieder wird der Einfluss des früheren Republikaners Joel Kaplan thematisiert, der direkten Einfluss auf etliche Entscheidungen des Policy-Teams genommen haben soll. Teil habe er aktiv interveniert, um zu verhindern, dass konservative Seiten bestraft werden.
  • Im Mai beleuchtete das Wall Street Journal die Rolle Kaplans, wir fassten den Bericht in Briefing #642 zusammen.
  • Intern soll Zuckerberg kritische Fragen nach Kaplan abwehren und darauf verweisen, Facebook benötige politische Diversität.
  • Ein Angestellter, der Belege dafür sammelte, dass Facebook konservative Seiten eine Verzugsbehandlung erteile, wurde gefeuert. Die Sichtbarkeit der Belege wurde eingeschränkt.
  • Facebook dementiert einen Kausalzusammenhang. Der Mitarbeiter habe gegen Regeln der "respektvollen Kommunikation" verstoßen.
  • Tatsächlich ist der Tonfall des Postings ziemlich scharf: "Just like all the robber barons and slavers and plunderers who came before you, you are spending a fortune you didn’t build", greift der Mitarbeiter Zuckerberg an. "No amount of charity can ever balance out the poverty, war and environmental damage enabled by your support of Donald Trump."
  • Im vergangenen halben Jahr hat Facebook verhindert, dass rechte Seiten und Prominente wie Breitbart, Diamond and Silk, PragerU und Charlie Kirk bestraft werden, weil sie Falschbehauptungen verbreiteten.
  • Eigentlich werden Seiten gedrosselt, wenn sie dreimal Links oder Beiträge teilen, die Facebooks Faktenchecker als falsch einstufen.
  • In mehreren Fällen haben sich die betroffenen Seiten direkt bei Facebook beschwert. Daraufhin wurde die Einstufung in Abstimmung mit den Faktenchecken zurückgenommen oder abgeschwächt, sodass das 3-Strikes-System nicht mehr griff.
  • Teils wurden wirtschaftliche Gründe genannt. Ein Facebook-Angestellter gab eine Beschwerde mit hoher Priorität an seine Vorgesetzten weiter und schrieb, es sei "especially worrisome due to PragerU having 500 active ads on our platform".
  • Seiten wie PragerU verwandeln die Strikes teils in Geld: Sie starten auf Facebook Spendenkampagnen, weil Facebooks angeblich voreingenommene Faktenchecker sie willkürlich zensierten. Empörte Nutzerïnnen spenden jedes Mal Zehntausende Dollar, PragerU soll auf diese Art insgesamt mehr als 400.000 Dollar eingenommen haben.
  • Facebook hat rechtsextreme Anzeigen erst mit Verzögerung und nach Medienanfragen entfernt, obwohl Zuckerberg etwas anderes anderes behauptet hatte.
  • Facebook-Angestellte erhalten monatlich 250 Dollar Werbebudget. Sie dürfen das Geld, angeblich aus Neutralitätsgründen, aber nicht in Werbung für Bürgerrechtsorganisationen stecken.
  • In einer internen Gruppe namens "Let’s Fix Facebook (the company)" tauschen sich rund 10.000 Angestellte über Missstände aus.
  • Knapp 3000 Angestellte wollten bei einem internen Meeting von Zuckerberg wissen, wie Facebook sich verhalten werde, wenn Trump die Plattform benutzen sollte, um das Vertrauen in die Wahl zu beschädigen oder das Ergebnis anzuzweifeln.
  • Zuckerberg spricht von einer "bislang einmaligen Situation", für die es noch keine abschließende Policy gebe.

Be smart

Zuckerberg dürfte wenig für Trump übrig haben. Immer wieder hat er die Äußerungen des Präsidenten in internen Meetings und öffentlichen Statement als "disgusting" oder "disturbing" bezeichnet. Aber er ist ein Machtmensch, der das Beste für sein Unternehmen herausholen will. Deshalb ist es nur logisch, dass er sich um gute Beziehungen zu Trump und den Republikaner bemüht.

Wie unsinnig der Vorwurf des anti-konservativen Bias im Silicon Valley ist, beschrieben wir unter anderem in Briefing #643. Trotzdem hält sich die Unterstellung hartnäckig (CJR) und wird von den Republikanern bei jeder Gelegenheit öffentlich wiederholt, zuletzt beim Antitrust-Hearing vor dem Kongress.

Leider verfängt das: Ein Großteil von Trumps Unterstützerïnnen ist fest davon überzeugt, dass die großen Plattformen ihre Meinungen unterdrücken. Um diesem unbegründeten Eindruck entgegenzuwirken, begehen die Konzerne einen Fehler, den schon viele Medien begangen haben (NYT):

"The biggest one is about false balance, and false symmetry. The American right and left have never been mirror images of each other. They’re different sorts of coalitions, with different histories and strategies."

"And in the Trump era, a specific kind of misinformation on social media is a central tactic of the right. President Trump says false and misleading things at a remarkable rate, and a whole constellation of blogs and websites, like The Gateway Pundit, support and amplify that strategy."

"Facebook, Google and Twitter are making the same mistakes the news media made decades ago, looking for balance rather than confronting the plain reality of the moment."


Social Media & Politik

  • Zensur-Vorwürfe bei TikTok-Mutter: ByteDance soll bei einer in Indonesien populären News-App einem Reuters-Bericht zufolge von 2018 bis Mitte 2020 China-kritische Inhalte zensiert haben.
  • Labels für Staatsmedien bei Twitter: Russische und chinesische Staatsmedien werden bei Twitter fortan mit einem Hinweis für staatsnahe Medien versehen. Zudem werden Tweets dieser Medien nicht mehr empfohlen. Twitter schreibt: We will also no longer amplify state-affiliated media accounts or their Tweets through our recommendation systems including on the home timeline, notifications, and search. Das Ziel sei eine bessere Unterscheidung zwischen freier Presse und Angeboten, die Propaganda-Zwecken dienen.

Datenschutz-Department

  • Unlauteres Datensammeln bei TikTok: Das Wall Street Journal berichtet, dass TikTok mehr als ein Jahr lang die MAC-Adressen (aka Geräteadresse) seiner Nutzerïnnen mit Android-Smartphones gesammelt haben soll. Durch diese Praxis lässt sich mehr über Nutzerïnnen erfahren, was gerade für Werber sehr interessant ist. Bei Google ist diese Praxis bereits seit 2015 verboten (SZ). Bei Apple sogar bereits seit 2013. Zum November letzten Jahres wurde das Sammeln eingestellt.

Schon einmal im Briefing davon gelesen

  • Community building mit Circle: Es gibt eine neue spannende Plattform, um eine Community aufzubauen: circle.so. Bislang haben wir die Plattform nur rudimentär testen können. Da wir große Fans von Notion sind, fühlt sich Circle gleich sehr vertraut an. Wir werden die Plattform weiter im Auge behalten und freuen uns über Hinweise von euch, falls jemand ebenfalls bereits erste Erfahrungen mit Circle gesammelt hat.


Neue Features bei den Plattformen

Twitter

  • Replies einschränken: Bei Twitter können Nutzerïnnen jetzt auswählen, wer auf einen Tweet antworten kann. Es gibt drei offizielle und eine inoffizielle Option:

    1) Alle
    2) Leute, denen du folgst
    3) Nur Nutzerïnnen, die du erwähnst
    4) Niemand , wenn Option Nr. 3 ausgewählt und kein anderer Account erwähnt wird

  • Natürlich lässt sich über einen Retweet mit Kommentar weiterhin auf einen Tweet Bezug nehmen. Allerdings verändert das nicht Twitters Intention: Es geht darum, die toxische Diskussionskultur zu unterbinden, die auf Twitter Alltag ist. Durch die Einführung dieser neuen Optionen verhindert Twitter, dass direkt unter einem Tweet auf den Verfasser eingedroschen werden kann. Dass jemand über den Umweg eines Replied Retweets auf den Tweet Bezug nimmt, ist dort nicht direkt sichtbar. Möge Twitter ein angenehmerer Ort werden.
  • Neue API: Jahreslang lag Twitter mit Entwicklerïnnen und Hardcore-Nutzerïnnen im Clinch. Der Grund: Twitter ermöglichte jahrelang, dass auf der Grundlage der API – also quasi der Daten-Schnittstelle zum Unternehmen – viele spannende Apps & Features entstehen konnten, die Twitter selbst so noch gar nicht entwickelt hatte: Tweetdeck ist ein Beispiel unter vielen. Irgendwann schaltete Twitter die API für solche Zwecke ab, interessante Drittanbieter-Apps wurden quasi über Nacht unbrauchbar. Jetzt scheint sich Twitter auf seine Anfänge zu besinnen und bietet eine grunderneuerte API an (Heise).

Header-Foto von Camila Rubio Varón bei Unsplash


12.8.2020 | Tik Tok, TikTok: Für ByteDance tickt die Uhr, Facebook vs. Covid-19-Quatsch, Ralph Lauren stattet Bitmojis aus

Tik Tok, TikTok: Für ByteDance tickt die Uhr

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Was war

  • Vor zwei Monaten war TikTok die heißeste App der Welt, allen Drohungen und angeblichen Sicherheitsbedenken der USA zum Trotz.
  • Als wir in unsere Sommerpause gingen, war TikTok immer noch "hot" – aber eher im Sinne einer heißen Kartoffel, an der ByteDance sich verbrennen könnte.
  • In unserem letzten Briefing analysierten wir den "Kampf um TikTok", nachdem Gerüchte über einen möglichen Verkauf an US-Investorïnnen kursierten.
  • Damals erschien uns (und vielen anderen) dieses Szenario noch unwahrscheinlich.

Was ist

  • Binnen zwei Wochen hat Donald Trump die halbe Tech-Welt auf den Kopf gestellt.
  • Mit zwei Executive Orders (EO) setzt der US-Präsident TikTok und überraschend auch WeChat (jeweils Whitehouse.gov) die Pistole auf die Brust.
  • Vom 20. September an sollen alle Geschäftsbeziehungen zwischen US-Unternehmen und den Eigentümern ByteDance und Tencent verboten werden.
  • TikTok scheint derzeit nur eine Möglichkeit zu bleiben: Es verkauft die US-Version der App – oder Trump zieht eine gigantische Firewall hoch.
  • Als wahrscheinlichster Käufer ist derzeit Microsoft im Gespräch, aber auch Twitter soll mit TikTok verhandeln (und StudiVZ kauft Facebook?).
  • Unklar ist bislang, was genau verkauft werden soll – und ob ByteDance überhaupt dazu bereit ist. Schließlich wird im November gewählt, vielleicht sitzt man das Embargo auch einfach aus und hofft auf Joe Biden.

All das wirft 1001 Fragen auf. Wir versuchen, die wichtigsten zu beantworten.

Was ist nochmal TikTok?

  • Als Watchblog-Abonnentïn brauchst du diese Erklärung nicht. Aber vielleicht hast du Verwandte oder Bekannte, die plötzlich wissen wollen, was das für eine App ist, über die gerade alle reden.
  • Acht Zeit-Autorïnnen haben einen langen und verständlichen Explainer geschrieben, der sich auch für Eltern eignet.
  • Wer für den Einstieg keinen Longread verschicken will: Deutlich kürzer (und oberflächlicher) habe ich den Konflikt um die App für Leserïnnen der SZ beschrieben – Nerd-Level: 2 von 10.
  • Nerd-Level 9 erreicht ein Essay von Eugene Wei, der damit auch für Abonnentïnnen dieses Briefings interessant sein dürfte. Er erklärt, wie TikToks Algorithmus der chinesischen App hilft, in den USA Fuß zu fassen:

"It turns out that in some categories, a machine learning algorithm significantly responsive and accurate can pierce the veil of cultural ignorance. Today, sometimes culture can be abstracted."

Warum die Aufregung über Trump?

  • Seine Anordnungen sind vage, die genaue Umsetzung eines Verbots ist unklar (Guardian), und beide EOs werfen eine Menge juristische Fragen auf (The Verge).
  • Auch Mark Zuckerberg, dessen TikTok-Klon Reels von einem Verbot massiv profitieren könnte, spricht in einem internen Meeting von einem "really bad long-term precedent“ (BuzzFeed).
  • Im Falle eines Verkaufs an Microsoft verlangt Trump "key money" für den US-Haushalt – schließlich habe er TikTok mit seinen wüsten Drohungen und dem Dekret weichgeklopft.
  • Das ist schlicht illegal. Der Begriff steht in der Immobilienbranche, in der sich Trump auskennt, für Schmiergeld (Brick Underground).
  • "This is all as dumb as it is possible for a thing to be", schreibt das sonst eher seriöse Finanzportal Bloomberg. "When President Trump says something, that just represents the crankish views of a guy who watches way too much television."
  • Das Wall Street Journal fordert Microsoft gar auf, den Deal abzulehnen, weil es einen "gefährlichen Präzedenzfall" schüfe, TikTok unter diesen Vorzeichen zu übernehmen.
  • Selbst Trumps Wirtschaftsberater und eine Sprecherin des Weißen Haus waren auf einer Pressekonferenz ratlos (Gizmodo). Sie konnten auch nicht erklären, was Trump mit "key money" meinte und sagten nur, sie wollten dem Präsident nicht vorgreifen.
  • Die "Clean Internet Policy" (SZ), mit der Außenminister Pompeo das Netz säubern will, kommt nicht nur mit rassistischer Semantik daher (Twitter / Te-Ping Chen), sondern ist hochgradig heuchlerisch (Intercept): Die USA warnen vor Überwachung, die sie selbst ganz selbstverständlich praktizieren (WSJ).
  • In seiner EO bezeichnet Trump TikTok als "Risiko für die nationale Sicherheit, Außenpolitik und Wirtschaft der USA". Als Beleg nennt er unter anderem widerlegte Verschwörungserzählungen über den Ursprung des Coronavirus, die sich auf TikTok verbreitet hätten.
  • Die passende Reaktion kommt von Nick Heer (Pixel Envy):

"This guy is complaining about TikTok spreading pandemic conspiracy theories (Politico)? This guy (Independent)? This guy (Mother Jones)? This fucking guy (Mother Jones)?"

Wie reagiert TikTok?

  • Für ByteDance-Gründer Zhang Yiming bedeuten die jüngsten Entwicklungen wohl das Ende seines Traums (NYT), eine globale App zu bauen, die den Graben zwischen China und den USA überwindet.
  • In einem Brief an die Angestellten (Bloomberg) nenn Yiming eine Übernahme "unvernünftig" und schreibt, dass es Trump in Wahrheit nicht um einen Verkauf, sondern um ein Verbot gehe.
  • "Wir sind schockiert über die jüngste Executive Order der US-Regierung, welche ohne ein ordnungsgemäßes Verfahren erlassen wurde", teilt das Unternehmen mit.
  • Angeblich will TikTok die US-Regierung noch im Laufe des Dienstags verklagen. TikTok-Manager Michael Beckerman bestätigte, dass juristische Schritte denkbar seien (Washington Post)
  • Da wir uns vorgenommen haben, unsere Briefings nach Möglichkeit nicht mehr quasi überwiegend in Nachtarbeit zu schreiben, machen wir heute um 20 Uhr Redaktionsschluss. Auf die mögliche Klage und alle weiteren Entwicklungen gehen wir dann in der kommenden Ausgabe ein.

Wie gefährlich ist TikTok?

  • Was die Bedenken angeht, TikTok sei ein Sicherheitsrisiko, übermittle Daten nach Peking und könne zum Spionagewerkzeug der chinesischen Regierung werden, verweisen wir auf unsere letzte Ausgabe zu diesem Thema. Damals schrieben wir: "Unterm Strich gibt es keine eineindeutigen Beweise – weder für die eine, noch für die andere Seite."
  • Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die USA haben bislang keine Belege für ihre Vorwürfe vorgelegt. Und TikTok kann Geraune nicht durch Beteuerungen entkräften, schließlich fehlt es an konkreten Anschuldigungen, die man widerlegen könnte.
  • Eine umfassende Analyse mit Einschätzungen vieler IT-Sicherheitsforscherïnnen liefert Shirin Ghaffary (Vox). Eine endgültige Antwort gibt aber auch dieser Text nicht.
  • "TikTok ist keine größere Gefahr für die IT-Sicherheit als andere große Social-Media-Apps", sagt der französische IT-Sicherheitsforscher Baptiste Robert (Spiegel), der analysiert hat, welche Daten vom Smartphone zu den Servern fließen. "TikTok ist keine Schadsoftware. Das ist eine geopolitische Debatte und keine Debatte um IT-Sicherheit."
  • Auch die New York Times hält die Sicherheitsbedenken für vorgeschoben. Von Huawei gehe etwa ein viel größeres Risiko aus.
  • Wer es lieber etwas technischer hat, kann sich mit den detaillierten Untersuchungsergebnisse von Elliot Alderson beschäftigen. Er kommt zum Schluss (Medium):

"As far as we can see, in its current state, TikTok doesn’t have a suspicious behavior and is not exfiltrating unusual data."

Wer könnte TikTok kaufen?

  • Derzeit scheint Microsoft der aussichtsreichste Kandidat zu sein. Der Konzern hat das Interesse auch schon öffentlich bestätigt.
  • Als Kaufpreis wurden 50 Milliarden Dollar kolportiert. Allerdings ist unklar, was genau Bestandteil der Übernahme wäre.
  • Ursprünglich hieß es, es ginge nur darum, TikTok in den USA, Australien, Neuseeland und Kanada zu kaufen. Will Oremus erklärt, wie die Trennung praktisch funktionieren könnte (OneZero).
  • Mittlerweile soll Microsoft aber an einer Übernahme des weltweiten Geschäfts (FT) inklusive Europa und Indien (das TikTok bereits verboten hat) interessiert sein.
  • Insiderïnnen bezweifeln, dass Trumps Frist reicht, um alle nötigen Details einer Übernahme zu verhandeln. Was geschieht mit den Angestellten? Wer kontrolliert den Code der Algorithmen? Wie wird sichergestellt, dass China wirklich außen vor bleibt?
  • Ein Kauf durch Microsoft könnte auch kartellrechtliche Probleme nach sich ziehen. Schließlich wollen die Wettbewerbshüterïnnen nicht die Fehler wiederholen, die 2012 und 2014 machten, als Facebook WhatsApp und Instagram schlucken durfte.
  • Zumindest in dieser Hinsicht wäre Twitter der unproblematischere Käufer. Angeblich führen beide Unternehmen Gespräche (WSJ). Wie Jack Dorsey das nötige Geld für eine Plattform auftreiben soll, die Twitter in Sachen Größe und Umsatz längst abgehängt hat, ist unklar.
  • Alex Sherman erklärt, warum Netflix TikTok kaufen sollte (CNBC) – valide Argumente, aber wohl wenig Chancen auf Realisierung.
  • Weitere, teils nicht ganz ernst gemeinte Vorschläge stellt David Pierce in den Raum (Protocol): Wie wäre es mit Spotify? Tesla? WeWork?

Was verspricht sich Microsoft von TikTok?

  • Microsoft hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu erfunden. Unter der Führung von Satya Nadella hat es sich auf Unternehmenskunden und sein Cloud-Geschäft konzentriert. Auf den ersten Blick passt eine App wie TikTok nicht ins Portfolio (Techonomy).
  • Zumal die Übernahme auch Gefahren birgt. Bill Gates spricht gar von einem "Giftkelch" (500ish).
  • Doch Microsoft hat im Vergleich zu Google und Facebook einige Schwachstellen: Daten, Werbung und AI. Bei allen Punkten (Washington Post) könnte TikTok helfen (The Verge).
  • Microsoft hat die mobile Revolution verschlafen und findet über seine Office-365-Apps erst langsam wieder Zugang auf Smartphones. Mit TikTok wäre Microsoft auf einen Schlag auf Hunderten Millionen Handys präsent.
  • Einer der wenigen Consumer-Tech-Sparten, in denen Microsoft halbwegs erfolgreich agiert, ist Gaming. Die jungen TikTok-Nutzerïnnen wären eine ideale Ergänzung (Fast Company).
  • Im Gegensatz zu Google oder Facebook ist Microsoft seit Jahrzehnten aktiv in China (FT) und bietet seine Dienste dort immer noch an. Diese Erfahrung könnte in der aktuellen Situation hilfreich sein (Wired).

Be smart

Vor einigen Wochen haben wir uns über das Ende des "Wild Wild Web" gefreut. Jetzt sorgen wir uns, dass das World Wide Web bald Geschichte sein könnte. Von Belarus über China, Hong Kong, Indien, Russland und der Türkei haben Staaten das einst globale Netz in den vergangenen Monaten nationalisiert und balkanisiert (Axios) – und jetzt reiht sich auch noch die USA ein.

1997 schrieb Tim Berners-Lee (w3.org), der Gründungsvater des World Wide Web:

"The dream behind the Web is of a common information space in which we communicate by sharing information. Its universality is essential: the fact that a hypertext link can point to anything, be it personal, local or global, be it draft or highly polished."

23 Jahre später ist von diesem Traum nicht mehr viel übrig (OneZero).



Social Media & Politik

  • Snapchat möchte mit neuer Mini-App für die US-Wahl im November mobilisieren (The Verge). 2018 hatte Snapchat eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 450.000 Menschen dazu gebracht, sich für die Wahl zu registrieren. Dieses Jahr dürfen es dem Unternehmen zufolge gern noch mehr sein. Facebook hatte jedenfalls jüngst ähnliche Pläne vorgelegt und das Ziel von vier Millionen Registrierungen (Forbes) ausgegeben.
  • TikTok-Influencerinnen in Ägypten zu Haftstrafen verurteilt: Ein ägyptisches Gericht hat fünf weibliche TikTok-Influencerinnen wegen Verstoßes gegen die öffentliche Moral zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt (Aljazeera).

Kampf gegen Desinformation

  • Facebook vs. Covid-19-Quatsch: Wir haben in unseren Briefings immer wieder betont, wie wichtig ein konsequentes Vorgehen gegen Desinformationen ist – gerade mit Blick auf Covid-19 (etwa hier und hier). Umso erfreulicher ist daher die Nachricht (Washington Post), dass Facebook mehr als 9 Millionen Posts gelöscht und 98 Millionen Posts mit Hinweisen versehen hat. Eine genauere Einschätzung zu dieser Meldung liefern wir am Freitag.

Follow the money

  • Starke Zahlen für GAFA in Q2: Die großen Vier haben für das zweite Quartal extrem starke Zahlen vorgelegt (Business Insider):
    • Amazons Umsatz in Q2: 88,9 Milliarden Dollar – 40 Prozent höher als im Vorjahr. Auch der Anteil von „subscription services“ kann sich sehen lassen: der Umsatz liegt bei 6 Milliarden Dollar – 29 Prozent höher als im Jahr zuvor.
    • Apples Umsatz in Q2: 59,7 Milliarden Dollar
    • Alphabets Umsatz in Q2: 38,3 Milliarden Dollar – zwar zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber immerhin noch 7 Milliarden Dollar Gewinn. Der Umsatz bei YouTube lag übrigens bei 3,81 Milliarden Dollar.
    • Facebooks Umsatz in Q2: 18,69 Milliarden Dollar – 11 Prozent höher im Jahresvergleich.
  • Facebook ordnet seine Finzanzen: Der ehemalige Libra-Architekt, David Marcus, bekommt eine neue Abteilung: f2 (Bloomberg) wird sich fortan um die Entwicklung sämtlicher Finanzprodukte aus dem Hause Facebook kümmern – von Versicherungen (Techcrunch) bis zu digitalen Währungen.
  • Ralph Lauren stattet Bitmojis aus: In einer bis dato einzigartigen (und irgendwie auch leicht irre anmutenden) Partnerschaft haben Ralph Lauren und Snapchat 12 digitale Kleidungsstücke kreiert (Vogue Business), die sowohl von Bitmojis als auch im echten Leben gekauft und getragen werden können. Sure. Why not?!


Neue Features bei den Plattformen

Facebook

  • Mehr Teilnehmer: Bis zu 50 Nutzerïnnen können jetzt bei Facebook via Messenger Rooms in Live Video Broadcasts teilnehmen (CNBC). Zoom mag zwar für Firmen weiterhin ein praktisches Werkzeug sein – sämtliche Zoom Parties könnten aber künftig eher bei Facebook stattfinden.
  • Mehr Raum: Facebook testet ein neues Design für Pages (Techcrunch) – spannendes Detail: der neue Look kommt ohne Like Button daher.

Snapchat

  • Mehr Musik: Auch bei Snapchat können Posts jetzt mit Musik unterlegt werden (Variety). TikTok-People, we can here you loud and clear!

Twitch

  • Mehr Sport: Bei Twitch gibt es jetzt einen dezidierten Sport-Kanal (The Verge). Dort können z.B. Videos von Real Madrid, Juventus Turin und Paris Saint-Germain bestaunt werden. Aber auch echte Partien – von der Champions League bis zu zur NBA – sollen künftig bei der Amazon-Tochter zu finden sein.

Tipps, Tricks und Apps


Header-Foto von Robert Bye bei Unsplash


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