Propaganda bei Douyin – Chinas Version von TikTok, Datenleck bei Instagram, Herausforderungen digitaler Öffentlichkeit

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 571. Ausgabe des Social-Media-Watchblog-Briefings. Heute schauen wir auf TikToks Mutterhaus ByteDance: in der chinesischen Version von TikTok, Douyin, gehen nämlich immer öfter Propaganda-Videos der chinesischen Regierung viral. Ferner beschäftigen wir uns mit einem Datenleck bei Instagram und geben Lese- und Hörtipps fürs Wochenende. Herzlichen Dank für das Interesse, Martin & Team



Propaganda beim chinesischen TikTok

Was ist: In der chinesischen Version von TikTok, Douyin, gibt es so wie beim westlichen Pendant viele lustige Lip-Sync-Videos und jede Menge Robot-Dance. Laut South China Morning Post und Abacus News gehen aber auch zunehmend Propaganda-Videos der chinesischen Regierung viral.

Ein Beispiel: Ein Video, das das Militär bei Übungen zeigt, wie sie Protest niederschlagen, kommt aktuell auf der Plattform auf mehr als 88 Millionen Likes. Mit Blick auf die Proteste in Hongkong hat so ein Video natürlich einen ziemlich miesen Beigeschmack. Die folgenden Screenshots stammen von einer Version des Videos, das bei YouTube zu sehen ist.

Grundsätzlich machen Videos von Soldaten, die trainieren, militärische Übungen durchführen oder einfach nur generell besonders tuff aussehen, laut Abacus News einen Großteil der Inhalte aus, die im "patriotischen Teil" von Douyin gefunden werden können.

Wichtig: Douyin und TikTok haben zwar die gleichen Funktionen, sie sind aber zwei unterschiedliche Anwendungen. Die eine (Douyin) ist für den chinesischen Markt, die andere (TikTok) für den Rest der Welt. Mit Blick auf Datenschutz, etc. eine wohl überlebenswichtige Frage für ByteDance.

The bigger picture: Um mehr Menschen zu erreichen, hatte sich die chinesische Regierung im Januar darauf verständigt, sich künftig vor allem auf mobile Plattformen zu konzentrieren und junge "tech-savvy new media specialists" zu rekrutieren (SCMP). Das chinesische TikTok, Douyin, ist neben Weibo und WeChat eine der Plattformen, auf der diese Inhalte stattfinden.

TikToks Mutterkonzern ByteDance hat sich übrigens in Person von CEO Yiming 2018 dazu verpflichtet, den "four onsciousnesses” von Chinas Staatschef Xi Jinping gerecht zu werden: dazu gehört die "correct guidance of public opinion", also die korrekte Führung der öffentlichen Meinung. Zudem wolle man sich bei ByteDance in China um eine "Vertiefung der Zusammenarbeit mit den maßgeblichen Medien der offiziellen Partei" bemühen (siehe Briefing #560). Dass das passiert, kann mit Blick auf die Viralität der Militär-Videos nicht von der Hand gewiesen werden.

Be smart: Alle Medienhäuser, die sich nun auf Tests bei TikTok einlassen, sollten zumindest diskutieren, was bei der chinesischen Version passiert und bei welcher Plattform sie mitwirken. Während Facebook Inc wenigstens in Ansätzen versucht, die Probleme (Desinformationen, Fake News, Hetze, etc.) anzugehen, wird bei ByteDances Douyin Propaganda geduldet. Das ist noch einmal eine ganz andere Dimension.

Übrigens: In Hongkong werden Botschaften, die im Zusammenhang mit dem Protest stehen, mittlerweile sogar via Tinder, Pokemon Go und Apple AirDrop geteilt. (Des-) Information kennt keine Grenzen. Spannend!



Stichwort Datenschutz

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Millionen öffentlicher Daten bei Instagram abgegriffen: Ein Marketingpartner von Instagram hat "Stories" von Millionen Usern kopiert, deren Aufenthaltsorte verfolgt und aus diesen Daten eine Werbe-Datenbank mit Nutzerprofilen aufgebaut (SPON). Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie schwierig es für Facebook und Co ist, die Daten der Nutzer wirklich vollumfänglich zu schützen.

Datenleck bei Dating-App: Oh weia, bei der Dating-App 3Fun hat es ein massives Datenleck gegeben. Insgesamt 1.5 Millionen Nutzer sind betroffen. Da bleibt nur eins: Kinder, geht mehr in die Disco! Group dating app 3Fun exposed sensitive data on 1.5 million users (Techcrunch)

Auch Microsoft hört mit: Auch bei Skype werden Gespräche nicht nur von Software, sondern auch von Menschen ausgewertet. Das Problem daran: Microsoft weist seine Nutzer nirgends daraufhin, dass womöglich Menschen zuhören. Microsoft-Mitarbeiter hören manche Skype-Gespräche ab (SZ)



Herausforderungen digitaler Öffentlichkeit

Alex Sängerlaub (@alexkaterdemos) von der Stiftung Neue Verantwortung hat auf Twitter diese Infografik geteilt mit den folgenden Worten geteilt: "Die Demokratisierung öffentlicher Kommunikation ist natürlich in der Theorie "saugeil" (🐷) – stellt uns aber vor einer Menge noch weitgehend ungelöster Herausforderungen." Da wir uns dieser Einschätzung gut anschließen können, haben wir Alex gefragt, ob wir seine Grafik auch im Briefing teilen dürfen. Wir dürfen.



Empfehlungen fürs Wochenende

Was für eine Story: Anscheinend gibt es auf bestimmte Nike-Schuhe immer total den Run, weil die nur in limitierter Auflage rausgebracht werden. Um möglichst viele Exemplare zu ergattern und sie dann später teurer zu verkaufen, werden extra Bots gebaut. Ein Skate-Shop aus Frankfurt hat bei einem dieser Drops die Bots nun "reingelegt" und ihnen statt der Schuhe lediglich Fotos von den Schuhen verkauft – anscheinend völlig legal. LOL. Bonkers vs. Bots (Soloskatemag)

Auch auf die Gefahr hin, dass wohl schon alle von Euch diesen großartigen Text von Sascha Lobo gelesen haben: die Anatomie eines deutschen Shitstorms ist einfach zu gut, um es verpasst zu haben.

Macht Tech abhängig? Um sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern, hat sich Ezra Klein mit dem Godfather des Hooked-Models, Nir Eyal, getroffen. Die Grundfrage lautet: Wenn das Leben die Summe dessen ist, auf das wir unsere Aufmerksamkeit richten, wer hat dann wirklich die Kontrolle darüber? Is Big Tech addictive? A debate with Nir Eyal. (Vox) Ich hatte Anfang 2018 die Möglichkeit, mit Nir über das gleiche Thema zu sprechen. Das, was er mir damals sagte, ist auch die Baseline im Interview mit Ezra:

We cannot wait for Facebook to change. That is ridicoulous. We are not going to wait for the baker to make his cakes less delicious. There is no incentive for the baker to do that. So much of this is about personal responsibility.



One more thing

In eigener Sache: Ich überlege derzeit, ob ich nicht vielleicht mal einen Praktikanten gebrauchen könnte. Wer eventuell jemanden kennt, der Lust hätte, bei einem kleinen Indie-Journalismus-Startup für ein paar Wochen mitzumischen, möge sich melden. Vielleicht passt das ja. Alle Details besprechen wir dann besser persönlich. Merci <3



Header-Foto von Mandy Choi bei Unsplash