Preisgekrönter Indie-Newsletter zu Social Media

Reuters Institute Trends 2019, Dark Social, Wege der Desinformation

Salut und herzlich Willkommen zur 515. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Heute widmen wir uns primär den Trends und Vorhersagen des Reuters Institute for the Study of Journalism für die Bereiche Journalismus, Medien und Technologie. Zudem schauen wir auf die zunehmende Bedeutung von Dark Social. Dazu gibt es natürlich wie immer die wichtigsten neuen Features der Plattformen. Ich wünsche eine gewinnbringende Lektüre und einen angenehmen Tag, Martin

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Trends 2019: Journalismus, Medien und Technologie

Was ist: Das „Reuters Institute for the Study of Journalism“ hat sein alljährliches Paper mit den wichtigsten Trends und Vorhersagen zu den Themen Journalismus, Medien und Technologie veröffentlicht.

Warum ist das interessant? Das Reuters Institute hat für das Paper 200 Experten aus 29 Ländern befragt. Vom Chefredakteur, Head of Digital, CEO, CTO, Director of Strategy bis hin zum Chief Data Officer ist alles vertreten, was die Medienwelt antreibt. Aus Deutschland wurde zum Beispiel Stefan Ottlitz, Leiter der Produktentwicklung beim SPIEGEL, befragt.

Die Executive Summary:

This will be the year when the regulation of platform companies starts to bite following growing concern about misinformation, privacy, and market power. Something once considered unthinkable has become ‘inevitable’, in the words of Apple boss Tim Cook – though the details will be messy, hard-fought, and take time to play out. Meanwhile the spread of false, misleading and extreme content will continue to undermine democracies around the world with polarising elections in India, Indonesia and Europe likely flashpoints. Journalism will continue to be hollowed out by structural shifts that have already led to significant falls in advertising revenue. Publishers are looking to subscriptions to make up the difference but the limits of this are likely to become apparent in 2019. Taken together these trends are likely to lead to the biggest wave of journalistic lay-offs in years – weakening further the ability of publishers to hold populist politicians and powerful business leaders to account.

Too long, didn’t read: Die Wissenschaftler sehen zwei alarmierende Trends: eine massive Entlassungswelle im journalistischen Bereich und noch mehr Versuche, Demokratien mit „Fake News“ zu destabilisieren.

Die wichtigsten Themen 2019 im Überblick:

  • Subscription- und Membership-Modelle genießen die allergrößte Priorität bei den Befragten, wenn es um die Frage geht, wie Geld verdient werden soll. Display-Advertising hingegen spielt nur für 27 Prozent eine große Rolle. Native Advertising ist sogar nur für 8 Prozent der Interviewten wichtig.
  • Fast ein Drittel der Befragten ist sich sicher, dass Stiftungen und Non-Profits eine wichtige Rolle einnehmen werden hinsichtlich der Finanzierung von Journalismus. 18 Prozent gehen davon aus, dass Tech-Unternehmen Journalismus mehr unterstützen werden. 11 Prozent erwarten, dass sich Regierungen mehr einbringen.
  • Nur noch 43 Prozent gehen davon aus, dass Facebook wichtig oder sehr wichtig für das eigene Geschäft ist. Auf fast die gleichen Zahlen kommen in­te­r­es­san­ter­wei­se auch Apple News (43 %) und YouTube (42 %). Satte 87 Prozent hingegen gehen davon aus, dass Google dieses Jahr sehr wichtig wird fürs Geschäft.
  • Zudem zeigt die Umfrage, dass die digitalen Führungskräfte sich über die Themen Diversity (56%) und Burnout von Kollegen (62%) sorgen. Auch die Fragen, ob Personal gewonnen (73%) und gehalten (74%) werden kann, stehen auf der Agenda für das neue Jahr.
  • Mehr als Dreiviertel sehen die Notwendigkeit, mehr in Künstliche Intelligenz zu investieren. Auch das Thema Personalisierung steht hoch im Kurs (73 %).
  • Last but not least gehen 75 Prozent der Befragten davon aus, dass Audio eine große Rolle spielen wird, 78 Prozent meinen sogar, dass Sprachassistenten eine zentrale Rolle einnehmen werden, wenn es darum geht, wie Nutzer journalistische Inhalten künftig finden.

Weitere Trends im neuen Jahr:

  • Social-Media-Plattformen werden sich verstärkt den Themen Falschinformation und Propaganda annehmen. Gleichwohl verschiebt sich das Problem zunehmen in den Bereich „Dark Social“ (mehr dazu in diesem Briefing).
  • Das Thema Vertrauen in den Journalismus wird eine zentrale Rolle einnehmen.
  • Der Techlash wird sich nun auch bei den Nutzern niederschlagen: mehr Menschen kehren den Experten zufolge den sozialen Medien den Rücken, bzw. machen sich Gedanken darüber, wie sie ihre Zeit online verbringen.
  • Slow News wird ein Thema werden – nicht zuletzt durch den Start von Tortoise in England und De Correspondent in den USA.
  • Die Zunahme an Paywalls wird dazu führen, dass immer mehr Menschen sich von News abwenden oder „Paywall-Blocking“-Software benutzen.

Be smart: Es lohnt sich das Paper komplett zu lesen, auch wenn es recht umfangreich ist und viele Hausaufgaben parat hält: hier ist das PDF. Hinsichtlich der Vielzahl an Herausforderungen sollte Mensch nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern zunächst einmal bei jedem Thema schauen, wo man selbst steht und ob / wie das Thema im Haus priorisiert werden sollte. Alles kann man nicht auf einmal machen. Aber gar nichts davon anzufassen, wäre auch wieder fahrlässig.

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Im Fokus: Dark Social

Was ist: Immer mehr Menschen posten Links und Beiträge lieber wieder in geschlossenen Räumen (etwa in Chat- oder Facebook-Gruppen, via Email oder Messenger), anstatt öffentlich (etwa auf Facebook Fanpages, via Kommentarfunktion oder im News Feed). Diese Form der Interaktion wird als Dark Social bezeichnet und lässt sich nur schwer messen und erfassen (siehe The Atlantic, 2012).

Warum ist das interessant: Die Social-Media-Plattformen haben lange Zeit versucht, öffentlich als neuen Standard zu definieren. Mark Zuckerberg natürlich allen voran, Zitat:

It's interesting looking back, right? When we got started — just a night in my dorm room at Harvard — the question a lot of people asked is, 'Why would I want any information on the intern…

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