Briefing für den 11.10.2018 | Ausgabe#494

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 494. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Heute blicken wir u.a. auf die Ergebnisse der neuen ARD/ZDF-Onlinestudie. Zudem erfahren wir, dass Instagram künftig mittels Machine Learning das Thema Mobbing in den Griff kriegen möchte. Last but not least gibt es als Empfehlung fürs Wochenende einen Longread zur Zukunft der Sprachassistenten. Herzlichen Dank für das Interesse an unserem Newsletter und die Wertschätzung für unsere Arbeit, Martin & Team



ARD/ZDF Onlinestudie

Was ist: Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2018 ist erschienen und hält allerlei bemerkenswerte Statistiken bereit – die wichtigsten für unser Sachgebiet im Überblick:

Generelle Fakten zur Internetnutzung in Deutschland:

  • 63,3 Millionen Deutsche ab 14 Jahren sind online
  • Die tägliche Nutzungsdauer des Internets beträgt für Menschen ab 14 Jahren durchschnittlich 196 Minuten: also mehr als drei Stunden.
  • Wer 14 bis 29 Jahre alt ist, kommt im Schnitt auf 353 Minuten am Tag – also fast sechs Stunden.
  • Dabei entfallen durchschnittlich 82 Minuten am Tag auf die Nutzung von Medien – konkret:
    • 32 Minuten für Video
    • 30 Minuten fürs Lesen
    • 25 Minuten fürs Hören

Fakten zur Bedeutung der Netzwerke für die Nutzer

  • Zwar nimmt sowohl die wöchentliche als auch die tägliche Nutzung von Facebook ab, gleichwohl bleibt Facebook im Schnitt die wichtigste Plattform.
  • Schaut man jedoch auf die 14-19jährigen, dann belegt Instagram bei der wöchentlichen Nutzung Platz 1 (62%), Snapchat folgt auf Platz 2 (55%), Facebook befindet sich knapp dahinter auf Platz 3 (50%).
  • Deutlicher wird Facebooks Bedeutungsverlust in der ganz jungen Nutzergruppe, wenn wir auf die tägliche Nutzung schauen. Auch hier ist Instagram am wichtigsten und belegt Platz 1 (48 % ), gefolgt von Snapchat auf Platz 2 (44 %). Facebook hingegen findet sich mit 27 % auf Platz 3 wieder.

Es fällt also durchaus ins Auge, dass Facebook nicht komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, sehr wohl aber in der ganz jungen Zielgruppe nicht mehr zwangsläufig zum täglichen Medienmix dazu gehört. Sehr wohl ist Snapchat für die junge Zielgruppe ein elementarer Bestandteil des Medienmenüs geworden.

Stichwort Video-Boom:

  • Wer sich im Internet Videos anguckt, nutzt dazu Videoportale wie YouTube – über alle Altersgruppen hinweg haben sie die Nase vorn, fasst Kollege Dennis Horn die Ergebnisse der Studie bei Digitalistan zusammen.
  • Erstaunlich hierbei ist, wie viele aus der jüngeren Zielgruppe bereits Videos bei Facebook und Instagram schauen: Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 47 Prozent bei Facebook und 42 Prozent bei Instagram.
  • Jedoch – und das ist der entscheidende Unterschied – werden Videos bei Facebook und Instagram nicht habitualisiert geschaut – also weder gesucht noch angesteuert. Videos werden in diesen Netzwerken laut den Autoren der Studie immer noch eher beiläufig konsumiert.

Die Zahlen unterstreichen Facebook Incs Ambitionen: Zwar werden sie bereits als Ort für Videos wahrgenommen, jedoch noch nicht in einer habitualisierten Form. Genau hier setzt Facebook Inc mit Instagram TV und Facebook Watch an – anders als über den News Feed bei FB oder den Feed bei Insta sollen hier nicht Videos nur zufällig gefunden und geschaut werden, sondern ganz konkret nachgefragt werden.

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Be smart: Die Studie macht deutlich, dass Social Media ein elementarer Bestandteil des durchschnittlichen Medienmenüs in Deutschland ist. Auch sollte nicht überraschen, dass Instagram und Snapchat weiterhin populärer in der jüngeren Zielgruppe sind. Sehr wohl darf aber überraschen, wie gut Facebook (die App) an sich noch abschneidet: nach all den Skandalen innerhalb der letzten Jahre ist ein Rückgang um zwei Prozentpunkte in der Gesamtbevölkerung ein (schlechter) Witz. Sieht ganz so aus, als hätte Facebook trotz der immer wieder neuen Skandale wirklich reichlich wenig zu befürchten.

Go deeper: ard-zdf-onlinestudie.de



Machine Learning gegen Mobbing

Was ist: Instagram nutzt künftig Machine Learning, um Fotos und Bildunterschriften (Captions) auf Mobbing hin zu überprüfen. Ein ähnliches Feature wurde bereits für Kommentare eingeführt. (Instagram Press)

Wie soll das funktionieren? Dem Unternehmen zufolge werden auffällige Inhalte zunächst via Machine Learning erfasst und dann an ein Content-Moderatoren-Team weitergereicht, um von ihnen ggf. gelöscht oder freigeschaltet zu werden.

Der größere Zusammenhang: Fehler und zweifelhafte Entscheidungen sind natürlich vorprogrammiert, denken wir nur an die automatisierte Löschung von historischen Gemälden bei Facebook. Gleichwohl ist laut Zuckerberg diese Form der maschinellen Überprüfung von Inhalten die Antwort auf die Herausforderungen, mit denen Facebook sich konfrontiert sieht – jedenfalls wurde Zuckerberg bei der Anhörung vor einem halben Jahr nicht müde genau dies zu betonen.

Be smart: Sollte die Einführung von Machine Learning zur Überprüfung von Inhalten bei Instagram ein Erfolg sein, werden wir ähnliches auch für andere Themen jenseits von Mobbing erleben – und eben nicht nur bei Instagram, sondern sicherlich auch bei Facebook selbst. Da können wir uns auf was gefasst machen.



Wie Instagram Orte verändert

Was ist: Weltweit eröffnen immer häufiger Locations, die nur einen Zweck verfolgen: Nutzer anlocken, damit sie Fotos für Instagram machen können. (VOX)

Warum ist das interessant? Museen etwa ringen darum, Besucher anzulocken. Stellt sich heraus: die klassische Art, Kunst zu präsentieren, ist nicht besonders instagrammable. Folglich orientieren sich traditionelle Häuser immer stärker an den trendy Pop-Up-Locations für Kunstinstallationen, die man faktisch begehen kann – die also eine immersive Erfahrung anbieten.

Der größere Zusammenhang: Nicht nur Museen stellen sich auf die Lust am Selfie ein, auch Hotels und Restaurants planen Räume so, dass sie möglichst insta-fame werden.

Be smart: Das, was früher einmal im Mittelpunkt stand, das Gemälde des berühmten Künstlers, das gute Essen des Sternekochs oder aber auch der Artikel des geliebten Autoren – vieles dient Teilen des Publikums nur als Kulisse der Selbstdarstellung oder – wie es Vice-Chef Shane Smith ausdrücken würde – also Proxy for Conversation.



Kampf gegen Desinformation

Morddrohungen gegen Facebooks Fact-Checker: Auf den Philippinen sind Desinformationen, die via Facebook lanciert werden, alltäglich. Um den Mist wenigstens ein wenig aufzuräumen, hat Facebook das philippinische News Startup Rappler engagiert. Doch die Kooperation läuft nicht so wie gedacht für Rappler: erstens kommen sie aufgrund der Menge an Falschnachrichten überhaupt nicht hinterher, zweitens ist Facebook nur bedingt hilfreich bei der Bekämpfung und drittens müssen sie um Leib und Leben fürchten. (New York Times)

Rechte Vernetzung vor Bayernwahl: Allem Anschein nach haben rechte Troll-Netzwerke die Bayernwahl auserwählt, um sie von landespolitischer Bedeutung in einen internationalen Kontext zu heben. So sei zwar laut Londoner Institute for Strategic Dialogue nicht erkennbar, dass die Gruppen Wahl-entscheidenden Einfluss nehmen würden, sehr wohl sei es aber erstaunlich, dass sich im Netz überhaupt eine international organisierte Rechte gefunden habe und die bayerische Landtagswahl mit Memes und Co befeuere. (taz)

Wie man Trolle erkennt: Das Portal The Conversation hat eine Art Anleitung dafür erstellt, wie man politisch-motivierte Trolle erkennen kann. Die wissenschaftliche Analyse ist recht umfangreich und lässt sich nur schwer hier im Briefing 1:1 auf den Punkt bringen. Aber sagen wir mal so viel: wer Twitters Web Client nutzt, fällt auf. (The Conversation)



Schon mal im Briefing davon gelesen

Instagram: Facebooks wichtigstes Zugpferd: Einem Artikel von Kurt Wagner zufolge wird Instagram schon übernächstes Jahr rund 70 Prozent sämtlicher neuer Umsätze für Facebook Inc generieren. Bereits jetzt ist Instagram für etwa 15 Prozent der Gesamtumsätze im Hause Facebook verantwortlich. (Recode)



Empfehlungen fürs Wochenende

Alexa, sollten wir dir vertrauen? Die Voice-Revolution hat einem Artikel in The Atlantic zufolge gerade erst begonnen. Erlebten wir etwa Alexa zur Zeit noch als einfachen Diener, so könnte sie schon sehr bald sehr viel mehr sein: Lehrerin, Therapeutin, Informantin. Bereits im Jahr 2021 würde es bereits annähernd so viele Personal-Assistant-Bots geben wie Menschen. Judith Shulevitz mit einem wirklich sehr aufregenden Artikel zur digitalen Zukunft. (The Atlantic)

Interview mit Zeynep Tufekci: Die Soziologin Tufekci hat seit Jahren einen Stammplatz im Social Media Watchblog, gilt sie doch zurecht als eine der schärfsten und profiliertesten Kritikerinnen der sozialen Medien. Auch wenn für Social-Media-Watchblog-Abonnenten womöglich inhaltlich nicht all zu viel Neues im Interview mit der SZ steht, möchte ich es doch an dieser Stelle empfehlen: zumal es endlich mal ein Interview mit Tufekci auf Deutsch ist. (SZ)

Facebook tut nichts leid: Der geschätzte BuzzFeed-Kollege Charlie Warzel, dessen Newsletter zum Thema Desinformation (Infowarzel) ich nur wärmstens empfehlen kann, arbeitet sich an der Einführung von Facebooks Hardware Portal ab: Facebook is not sorry – It just wants your data. (BuzzFeed)



Neues von den Plattformen

 

Instagram

  • Kindness Filter: Instagram ist auch nichts zu albern: Der neueste Filter, der bei Instagram genutzt werden kann, hat zum Ziel „Freundlichkeit“ zu verbreiten. Vielleicht ist aber auch das Ziel herauszufinden, wer die wichtigsten Personen unter all den Leuten sind, denen man folgt. Nur so eine Idee. (Instagram Press)

Snapchat

  • Neue Shows angekündigt: Um weiterhin attraktiv zu bleiben, hat Snapchat noch für diesen Herbst neue Shows angekündigt, die exklusiv auf Snapchat zu sehen sein werden. So habe Snap u.a. die Köpfe hinter der Hit-Show „Keeping up with the Kardashians“ für sich gewinnen können. Mit Blick auf die ARD/ZDF-Onlinestudie ist eine Wette auf Mobile-Video sicherlich nicht die allerschlechteste. (Reuters)

Twitter

  • Twitter killt Moments: Jedenfalls fast. Auf Twitter haben sie angekündigt, dass es Moments fortan nur noch in der Laptop/Desktop-Variante geben wird. Mobil jedoch nicht mehr. Da über 80 Prozent der Twitter-Nutzer Twitter mobil nutzen, ist Moments somit eigentlich tot. (Twitter)


Tipps, Tricks und Apps

Parsely baut Content-Dashboard: Das Daten-Analyse-Netzwerk Parsely, das viele Publisher weltweit nutzen, hat ein neues Werkzeug gebaut, um Nutzern die am meisten gelesenen Artikel im Netzwerk aufzuzeigen. Alles, was es braucht, ist eine Email-Adresse, um sich zu registrieren. (Parsely Currents)