Salut und herzlich Willkommen zur 487. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings! Heute schauen wir auf die Herausforderungen von Facebook-Publishern, blicken auf die wichtigsten Journalismus-Trends für 2019 und setzen uns mit Instagrams neuer Shopping-Funktion auseinander. Ich wünsche eine gewinnbringende Lektüre und sage Danke für die Aufmerksamkeit, Martin & Team

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Das Ende der Facebook-Publisher

Was ist: Einem Bericht zufolge steht es um den englischen Facebook-Publisher Unilad nicht all zu gut – genauer gesagt: sie stehen vor der Insolvenz. (Digiday)

Warum ist das interessant? Unilad gehört zu den größten Facebook-Publishern der Welt. Die Fanpage von Unilad generierte etwa im August 2018 fast so viele Interaktionen wie ABC News, Fox News und CNN zusammen – nämlich mehr als 33 Millionen Likes, Shares und Kommentare. Trotz dieser beeindruckenden Metriken schafft es Unilad allerdings nicht, genügend Einnahmen zu erzielen, um den Motor am Laufen zu halten.

Das Kreuz mit „social only“: Während New-Media-Giganten wie BuzzFeed und Mashable jüngst empfindliche Einschnitte hinnehmen, bzw. rigoros umbauen mussten, sind andere, ehemals sehr erfolgreiche Social-Publisher bereits vor die Hunde gegangen: eines der prominenteren Beispiele ist sicherlich Little Things. (Business Insider)

Was sind die Gründe für die Probleme? Jeder, der primär darauf abzielt, Facebooks Publikum zu leihen, begibt sich in eine maximale Abhängigkeit. Das kann sich auf zwei Arten rächen:

  • Das Beispiel Little Things führt einem vor Augen, wie groß die Konsequenzen für Viral-Publisher sind, wenn die Plattform, auf die sie angewiesen sind, überraschend am Algorithmus schraubt und etwa – wie jüngst bei Facebook geschehen – verstärkt Posts von Freunden und Bekannten anzeigt. Die besagte News-Feed-Umstellung führte bei Little Things zu Traffic-Einbußen um die 75 Prozent.
  • Das Beispiel Unilad wiederum zeigt, dass selbst enorme Reichweiten- und Engagement-Erfolge auf Facebook noch lange keinen finanziellen Erfolg bedeuten. Da sich Facebook weiter extrem schwer damit tut, Publisher adäquat am Gewinn zu beteiligen, sind die Medienmacher darauf angewiesen, das Geld auf der eigenen Website zu verdienen. Wenn nun aber – wie im Fall von Unilad – das Gros der Interaktionen mit Videos auf Facebook selbst erzeugt wird, dann ist man automatisch abhängig von den Margen, die einem Facebook zuteil werden lässt. Offenkundig nicht genug bislang.

Be smart: Selbst wenn Distributed Content, bzw. Homeless Media auch im Jahr 2018 für viele noch sehr reizvoll erscheint – ein eigener Hafen, ein eigener Revenue-Stream (am besten via Abo – aber wem erzähle ich das…) plus maximale Diversifizierung sind immer noch the way to go. Alls andere ist PR.

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Was ist: Amy Webb hat beim ONA18 ihre berühmt-berüchtigte Präsentation zu den wichtigsten Trends des kommenden Jahres gehalten. Der Report ist imho ein must-read für alle, die in den Medien tätig sind.

  • Hier gibt es die Präsentation als Video
  • Hier gibt es den Report und weitere Inspiration per Dropbox

Was steht im Report? Ganz im Ernst: Der Anspruch des Social Media Watchblog Briefings ist es, Dir als Leser Zeit zu ersparen, indem wir die wichtigsten News und Debatten übersichtlich zusammenfassen und mit unseren eigenen Gedanken anreichern. Da der Trends-Report allerdings 155 Seiten umfasst, ist eine adäquate Zusammenfassung an dieser weder wirklich möglich, noch sinnvoll.

Drei Key Findings: Ok, weil Du gefragt hast. Die drei Key Findings kann ich Dir hier natürlich nennen – aber Du solltest wirklich auch den ganzen Report anschauen. Here you go:

  • Blockchain emerged as a significant driver of change in 2019 and beyond
  • Mixed Reality is entering the mainstream
  • Artificial Intelligence is not a tech trend—it is the third era of computing. And it isn't just for story generation

Be smart: Ja, ich weiß. Der Report von Amy Webb ist tatsächlich sehr, sehr umfangreich. Allerdings gibt es zu jedem Trend einen Hinweis, wie akut man sich mit dem Thema auseinandersetzen sollte – das dürfte bei der Lektüre helfen. Be smart und read it!

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Kampf gegen Desinformation

Studie zur Eindämmung von „Fake News“: Einer neuen Studie zufolge zeigen die Bemühungen von Facebook, der Verbreitung von „Fake News“ auf der Seite den Kampf anzusagen, durchaus erste Erfolge. Zwar ist die schiere Anzahl von Desinformationen auf der Plattform immer noch überwältigend, aber erstens sehr viel weniger als noch rund um die US-Wahl 2016 und zweitens sehr, sehr, sehr viel weniger als auf Twitter. Oh boy. (Slate)

Facebook sucht Human Rights Policy Director: Facebook ist auf der Suche nach einem Human Rights Policy Director. Die Aufgabe der neuen Kollegin wird es sein, herauszufinden, wie Facebook die Menschenrechte in den Ländern dieser Welt (negativ) beeinflusst. Alleine mit Blick auf die Situation der Rohingya eine Herkulesaufgabe. (Techcrunch)

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Inspiration

AMP-Experiment von der BBC: Die BBC macht einen super Job, wenn es darum geht, Dritten Einblicke in ihre Experimente zu gewähren. So auch in diesem Fall, in dem sie berichten, wie sie Googles AMP-Stories ausprobiert haben und weiter nutzen wollen. Für alle, die nicht selbst die Ressourcen haben, ähnliche Tests durchzuführen, ist das ein extrem wertvoller Beitrag. Das Ergebnis in aller Kürze: Ganz schön chic, dieses AMP-Stories, aber im Vergleich zu Insta- oder Snapchat-Stories leider auch echt kompliziert zu bauen. (Medium / BBC News Lab)

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Neues von den Plattformen

Instagram

  • Shopping bekommt eigenen Explore-Chanel: Instagram will mehr verdienen und erweitert daher seine Shoppability. (Instagram Blogpost) Künftig wird es Marken möglich sein, in ihren Stories Tags zu Shopping-Optionen zu setzen. Ferner wird es im Explorer einen eigenen Shopping-Chanel geben. Wie schreibt Josh Constine bei Techcrunch so schön:

Instagram is embracing its true identity as a mail-order catalog. The question will be how much power merchants will give Instagram after seeing what its parent Facebook did to news outlets that relied on it.

YouTube

  • Vertical Video Ads: YouTube hat von Instagram und Snapchat geräubert und hat nun auch vertikale Video-Werbung im Portfolio. Aber wie habe ich auf der DMEXCO doch auch so schön gelernt: Nutzer halten ihr Smartphone sowieso über 90 Prozent am Tag in der vertikalen – wer will da noch Werbung im Querformat? (The Drum)

Twitter

  • Live-Stream-Hinweise: Twitter testet ein Features, das Live-Broadcasts extrem prominent anzeigt – thinking of Stories früher bei Instagram – also direkt über dem eigentlichen Feed. Warum sie das machen? Nun: Video ist für alle Plattformen ein Thema und Twitter möchte im Bereich Live gern die Nummer 1 bleiben. (Twitter)

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Apps, Tricks und Tipps

Iphone Fotos: Ok, das ist womöglich ein Artikel-Hinweis, den ich an anderen Tagen nicht mitgenommen hätte, aber jüngst heute habe ich mich genau mit diesem Thema beschäftigt: Wie kann ich eigentlich aus meinen iPhone-Fotos mehr rausholen? Diese sechs Tipps können helfen. (New York Times)

10 Investigative Tools: Wer sich mit der Verifizierung von Inhalten beruflich auseinandersetzt oder wer einfach nur ein Tool braucht, um blitzschnell Thumbnails von YouTube-Videos abzugreifen, der wird in dieser Liste fündig. Bis auf Evernote – keine Ahnung, warum das dort überhaupt mit aufgenommen wurde – lauter Werkzeuge, die ich so noch nicht oft benutzt habe. Definitiv ein Blick wert. Oder zwei. (GIJN)