Briefing für den 2.8.2018 | Ausgabe #474

martin Briefing

Moin! Nur noch fünf Mal aufwachen und dann ist Martin wieder da. Bis dahin bekommt Ihr noch eine neue Ausgabe (no. 474) des Social Media Watchblog Briefings von mir zu lesen.

Heute mit Infos zu möglichen neuen Wahlmanipulationsattacken auf Facebook vor den Midterm Elections, Neuerungen bei Facebook & Instagram zu mehr ZEN-Feeling, ein neues Whatsapp-Geschäftsmodell und einem Gedankenspiel zu einer Löschfunktion auf Twitter.

Viel Spass beim Lesen und einen schönen Tag wünscht Euch
Tilman



Verdacht auf erneute Wahlbeeinflussung

Was ist: Facebook hat am Dienstag verkündet, dass es 32 Seiten und Accounts (von Facebook und Instagram) gelöscht hat, weil diese angeblich verdächtige, koordinierte Aktivitäten unternommen hätten.

Warum ist das interessant? Facebook befürchtet, dass es sich hierbei erneut um gezielte Wahlbeeinflussung (der Midterm Elections) handeln könnte, und will dieses Mal frühzeitig reagieren. Das wird ausgesprochen deutlich, wenn man das Posting ließt, in dem fortwährend auf die enge Kooperation mit den Behörden und dem Congress verwiesen wird. Klar, Facebook weiß, dass es unter Beobachtung steht.

Was ist soweit bekannt?

  • Zum einen gibt es Verbindungen zwischen den jetzt gelöschten Accounts und einigen der Accounts, die Facebook schon in Folge der Präsidentenwahl als Übeltäter indentifiziert hat.
  • Zum anderen entspricht das Verhalten der Accounts dem Muster, das ebenfalls in den Untersuchungen zur Präsidentschaftswahl aufgefallen ist. D.h. also Postings, eingestellte Events und Werbeanzeigen versuchen mit krassen Statements Meinungen zu beeinflussen.

Be smart: Facebook reagiert vor den nahenden Wahlen natürlich äußerst sensibel, um sich keinen weiteren Vorwürfen der achtlosen Inaktivität schuldig zu machen:

  • Es demonstriert durch Taten (das Löschen) und sorgfältig gewählte Worte („coordinated inauthentic behaviour – klingt das nicht sehr seriös, fast schon wie eine geheimdienstliche Analyse?) Handlungsfähigkeit und Kontrolle, und koordiniert seine Aktivitäten mit den Behörden. Das ist einerseits beruhigend.

Ich halte es mit Sarah Fischer: Es ist ein positiver Schritt, dass Facebook jetzt tätig wird und damit auf die bisherige Kritik reagiert. Beibt die Frage, wie die Situation auf anderen Plattformen aussieht, die 2016 ebenfalls betroffen waren?



Facebook bleibt politisches Werbeinstrument

In seinen Bemühungen, politische Aktivitäten auf Facebook transparenter zu machen, hat Politico neue Erkenntnisse aus seiner Analyse der dort geschalteten Werbung veröffentlich. Demnach gibt es nach wie vor einige europäische Institutionen und Parteien in Frankreich, Deutschland und Großbritannien, die trotz aller Negativschlagzeilen und Skandale weiter groß auf Facebook werben.

Das wirft zum einen die berechtigte Frage auf, wie glaubwürdig all die Vorwürfe und Kritik wirken, die Politiker vor laufenden Kameras gegen Facebook vorbringen, wenn es um Dinge wie Wahlbeeinflussung oder Nutzerdaten geht. Durch den Kauf von Werbung unterstützen sie ja gerade die grundlegenden Prozesse dahinter. Zum anderne macht es aber das Problem deutlich, dass wir alle mit Facebook haben: Das Netzwerk ist zu groß und (vermeintlich) bedeutend, als das wir es einfach ignorieren oder uns einem anderen Netzwerk zuwenden könnten. Man/frau bleibt eben dort, wo auch alle anderen sind.



Neues von den Plattformen

Whatsapp

  • Hurra, ein Geschäftsmodell: Keine Angst, Whatsapp bleibt für Euch kostenlos. Aber um endlich direkt über die App Einkommen zu generieren, führt Whatsapp eine Gebühr für Unternehmen ein, die Whatsapp als Service Hotline nutzen. Das Lockangebot: Anfragen, die innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden, sind kostenlos. Alles was länger dauert, wird in Rechnung gestellt. Whatsapp fördert damit zum einen die Nutzung des Dienstes (Whatsapp geht ja so viel schneller, als Telefonate), kann das Modell zum anderen aber nach Belieben verändern, wenn es erstmal etabliert ist.

Facebook/Instagram

  • Positive & inspirierende Zeiten: Da Facebook sich um unsere Gesundheit sorgt, führt es demnächst ein Aktivitäten-Dashboard ein. Das Feature soll Facebook- und Instagram-Nutzern eine bessere Kontrolle darüber geben, wie lange sie auf den Plattformen verweilen. Die Dashboards zeigen die Nutzungszeit pro Woche und Tag an, ein Timer erinnert nach Ablauf einer von den Nutzern festgelegten Zeit daran, wieder mal was anderes zu tun. Und Ihr könnt Push-Nachrichten temporär deaktivieren. Nur dann auch die Finger vom Handy zu lassen, dass müsst Ihr noch selbst tun.


One More Thing

Was wäre, wenn Twitter automatisch alte Tweets löschen würde, wäre das ein wünschenswertes Feature? Bevor Ihr jetzt alle aufschreit, weil Ihr Euch Sorgen um Eure kostbare Tweet-Historie macht, empfehle ich Euch diesen Artikel von Heather Schwedel zum lesen und nachdenken.

Angelehnt an aktuelle Fälle, in denen US-Celebrities alte Tweets „zum Selbstschutz“ löschten um damit potentiellen Troll-Angriffen zuvor zu kommen, stellt sie die Frage, ob Twitter nicht am besten nur zur Gegenwartsdiskussion genutzt werden sollte. Ja, sie betrachtet dabei auch den Aspekt der Transparenz und Kontrolle von z.B. tweetenden Politikern und ihrer Aussagen, spielt mit verschiedenen Design-Optionen und reflektiert den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs und Umgang miteinander.

Das Ergebnis: Ein spannendes Gedankenspiel und auf jeden Fall lesenswert.