Briefing für den 22.6.2018 | Ausgabe #464

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 464. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Eigentlich dachte ich, dass ich die Entscheidung noch mit in den Sommer nehme, aber leichter würde sie mir dann wohl auch nicht fallen – will heißen: ich habe mich nun doch bereits dafür entschieden, das Social Media Watchblog Briefing künftig nur noch für zahlende Leser anzubieten. In meinem Post bei Medium erkläre ich, wie das genau funktionieren soll und welche Abo-Optionen es gibt. Herzlichen Dank für das Interesse und die Wertschätzung unserer Arbeit – wäre absolut fantastisch, wenn das mit einem Abo klappt! Merci, Martin


IGTV – kannst du mal Instagram einschalten?

Was ist: Instagram hat eine eigene Standalone-App angekündigt, die als ernstzunehmende Konkurrenz für YouTube gelten darf – Instagram TV (IGTV) heißt die APP, die in den kommenden Wochen für iOS und Android erhältlich sein wird. Strategisch klug: IGTV wird natürlich auch über die reguläre Instagram-App zu erreichen sein.

Warum ist das interessant? Mit Blick auf die Möglichkeiten für Facebook Inc weiter großes Geld zu verdienen, führt kein Weg am Thema Video vorbei. Nun ist der Transfer von TV-Geldern ins Internet (respektive zu den Plattformen) das mittelfristige Ziel. Bis dahin gilt es für Facebook, Instagram und Co zunächst einmal ein Stückchen vom leckeren YouTube-Kuchen abzugreifen. Genau das versucht Instagram nun mit IGTV.

Hat IGTV Aussicht auf Erfolg?

  • Bei Instagram tummeln sich eine Milliarde Nutzer. Für Content Creator, die zuvor auf YouTube gesetzt haben, könnte es also durchaus interessant sein, jetzt auch für Instagram Videos zu produzieren. Aus Marketing-Gründen sind sie ja eh schon dort und produzieren fleißig Stories. Warum ich darauf abhebe? Nun: Content Creator sind bei YouTube die treibende Kraft, bzw. der Grund, warum die Plattform bei Kids so beliebt ist – immerhin in den USA die wichtigste App in der jungen Zielgruppe.
  • Zudem ist die Suchfunktion bei Instagram sehr viel besser als bei Snapchat oder Facebook – insbesondere über die Hashtag- und Explore-Funktion lassen sich neue Inhalte entdecken. Somit dürfte es sowohl für Zuschauer als auch für Creators interessant sein, die App zu nutzen.
  • Auch widmet sich Instagram von der Konzeption der App komplett der mobilen Nutzungserfahrung – oder anders ausgedrückt: natürlich sind die Videos, die dort laufen, alle vertikal. Und wie wir im letzten Briefing gelernt haben, ist Mobile der Gewinner schlechthin, wenn es um die Frage geht, womit wir unsere Zeit verbringen.
  • Apropos Zeit: Bei IGTV wird es Videos von einer Gesamtlänge mit bis zu 60 Minuten geben. Das wäre dann wirklich sehr viel Zeit, die aufgebracht werden könnte, um am Stück auf sein Smartphone zu schauen. Nun denn.

Müssen jetzt alle bei IGTV mitmachen? Nun, mein Bauchgefühl sagt mir, dass IGTV tatsächlich das Zeug hat, wahnsinnig populär zu werden. Wenn sie es schaffen, das Thema Monetarisierung ähnlich vielversprechend hinzubekommen, wie es YouTube für Content Creators leistet, dann könnte IGTV im gesamten Facebook-Kosmos sicher einer der hellsten Sterne werden. Sieht auf jeden Fall tatsächlich sehr fresh aus, die App. Und ich lobe ja nun wahrlich nicht jeden Tag das, was aus dem Valley kommt.


Geld verdienen mit Facebook-Gruppen

Was geht? Facebook startet einen Test, um herauszufinden, wie kostenpflichtige Facebook-Gruppen angenommen werden.

Warum ist das interessant? Facebook-Gruppen sind ja laut Facebook der neue heiße Shice. (Entschuldigt meinen ketzerischen Unterton, aber Facebook wird jetzt tatsächlich bereits seit zwei Jahren nicht müde, uns das einzureden. Anyway.) Da sich für einige die Betreuung von Facebook-Gruppen zu einer echten Lebensaufgabe entwickelt hat, testet Facebook nun Bezahl-Optionen.

Wie soll das funktionieren? Admins können Nutzern Zugang zu exklusiven Gruppen von 5 bis 30 Dollar anbieten. Zunächst startet der Testlauf mit Koch-, Erziehungs- und Home Cleaning-Gruppen. Warum auch immer man dafür Geld ausgeben würde. Also für das letzte Beispiel.

Be smart: Facebook hat bislang nicht viele Versuche unternommen, Nutzer am Umsatz, der auf der Plattform generiert wird, zu beteiligen. Jetzt sieht es ganz so aus, als würde Facebook da eine neue Richtung einschlagen: erst die Option für Fans von Video-Creators, ihre Stars mit 5 Dollar im Monat zu unterstützen, jetzt die Option, für exklusive Gruppen Geld zu verlangen. Das sind durchaus spannende Testläufe, die zu einem anderen Verhältnis zwischen Nutzern und Facebook selbst führen könnten. Dann hätte Facebook womöglich wirklich irgendwann einmal die Bezeichnung Plattform verdient.


Lesetipps fürs Wochenende

Kritische Auseinandersetzung: Mary Meekers Präsentation des alljährlichen Internet Trend Reports ist ja nun schon einige Wochen alt. Verlinkt hatten wir den Report hier nicht. Wird hiermit nachgeholt. Allerdings nicht ohne den Verweis auf diese kritische Einschätzung zu Meekers Report, schließlich sind die 294 Slides, die sie präsentiert, vor allem eins: Balsam für die geschundenen Seelen der Top-Manager aus dem Silicon Valley.

The Facebook-Nevers: Der Skandal rund um Cambridge Analytica zeigt einmal mehr, dass eigentlich passieren kann, was will, Nutzer bleiben Facebook treu – ein nennenswerter Exodus ist nicht zu verzeichnen und somit für Facebook auch keine Gefahr. Sehr wohl aber sind all jene Nutzer, die sich bislang noch nicht für Facebook registriert haben, für Facebook ein Problem: nämlich die junge Generation. The „Facebook Nevers“ (500ish Words)

Why dont you like us: In einer ziemlich amüsanten Kolumne beschreibt Henry Grabar für Slate, wie sehr Facebook sich darum bemüht, Nutzer, die sich länger nicht eingeloggt haben, wieder auf die Plattform zu locken. Die per Email eintrudelnden Hinweise könnten kaum besser die Irrelevanz von Facebook aufzeigen. Why dont you like us. (Slate)

Twitters Wiedergeburt: Auf wundersame Weise hat es Twitter in den letzten Monaten geschafft, das Ruder rumzureißen und von einem echten Sorgenkind zu einer ambitionierten App zu mutieren. Zwar haben sie ihre Hater und Trolle noch längst nicht im Griff, aber dafür viele andere Dinge, die ihnen zuvor schlaflose Nächte bereitet haben dürften. BuzzFeed hat die ganze Geschichte: How Twitter Made The Tech Worlds Most Unlikely Comeback.


One More Thing

14 Gewohnheiten von Leuten, die echt mies drauf sind: Diesen wunderbaren Artikel habe ich im ebenfalls wunderbaren Newsletter von Martin Weigert gefunden. Selten so gelacht. Im Ernst. Ihr kennt ja sicherlich alle diese tollen Artikel, die einem immer aufzeigen, was erfolgreiche Menschen für Morgenroutinen haben, etc. Einfach nachahmen und dem Erfolg steht nichts im Wege – so die Erzählung. In diesem Artikel von Alternet aber wird die Geschichte einmal anders herum erzählt – wirklich sehr eindrücklich: Here Are the 14 Habits of Highly Miserable People.