Briefing für den 7.6.2018 | Ausgabe #462

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 462. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings! Heute werfen wir einen Blick auf die Bemühungen von Facebook Inc, das Video-Angebot auf den eigenen Plattformen weiter auszubauen. Zudem gibt es die Geschichte hinter dem Abgang der beiden WhatsApp-Gründer. Vielen Dank für das Interesse, Martin & Team


Insta Discovery Tube

Was ist: Einem Bericht zufolge wird bei Instagram gerade schwer daran gearbeitet, künftig auch Videos mit einer Gesamtlänge von bis zu 60 Minuten auf der Plattform anzubieten. Daneben soll es einem weiteren Bericht zufolge auch einen speziellen Ort geben, an dem Shows, Musikvideos und alles, was Content Creator und Publisher halt so produzieren, angeboten werden. Natürlich alles hochkant.

Warum ist das interessant: Das Vorhaben unterstreicht Facebook Incs Pläne, das eigene Angebot an Videos weiter auszubauen. Bereits vor Monaten hatte Mark Zuckerberg verlauten lassen, dass er davon ausginge, dass Video das primäre Format darstellen würde, wie Nutzer Inhalte auf Facebook erleben. Dass dies nun auch für Instagram gelten könnte, war so allerdings nicht abzusehen. Zudem ist dies natürlich ein weiterer Frontalangriff auf YouTube und Snapchat, das mit seiner Discover-Sektion ähnliche Angebote bereitstellt.

Was ist davon zu halten:

  • Auf der einen Seite versucht Facebook natürlich die wachsende Popularität von Instagram zu nutzen, um noch mehr Werbeeinnahmen zu erzielen – im Segment Video ist schließlich weiterhin viel Musik drin hinsichtlich der zu verteilenden Werbegelder. Aus Business-Sicht also ein durchaus nachzuvollziehender Schachzug.
  • Auf der anderen Seite sind Publisher und Content Creator natürlich auch daran interessiert, gerade auf den Plattformen zu wirken, auf denen sich die meisten Leute tummeln. Von daher ist das Vorhaben sicherlich aus der Sicht von Facebook und aus der Sicht der Inhalte-Anbieter interessant.

Und was ist mit dem Nutzer? Genau da liegt das Problem. Bislang wird Instagram nicht für Videos genutzt, sondern für Fotos und Stories. Ob die Nutzer es goutieren, wenn die Plattform jetzt weiter aufgebohrt wird, halte ich für fraglich. Die spannende Frage lautet also: Kriegt Facebook Instagram noch kaputt oder schaffen sie es die Plattform so auszubauen, dass die Nutzer nicht vergrault werden?


Exklusive News-Shows bei Facebook Watch

Was ist: Auch die zweite Nachricht des Tages beschäftigt sich mit Facebooks Plänen, das Video-Segment auf der eigenen Plattform auszubauen. So hat Facebook angekündigt, dass es ab Sommer extra für Watch produzierte Nachrichten-Angebote geben wird.

Wer ist mit dabei: Vorerst hat Facebooks Head of Global News Partnerships, Campbell Brown, sieben Shows angekündigt – darunter:

  • ABC News‘ „On Location“ [wt] is a daily news show with ABC News journalists from around the globe delivering on-the-ground reporting and the top headlines that are driving the day.
  • Advance Local’s „Chasing Corruption“ In Alabama Media Group’s Chasing Corruption’s weekly series, host Ian Hoppe and the Reckon by AL.com team travel across the USA to meet some of America’s toughest watchdog journalists — and the stories of conspiracy, bribery, fraud and more they’ve uncovered.
  • ATTN:’s „Undivided ATTN“ is a weekly explainer show that breaks down the biggest issue of the week. In 3-5 minute episodes hosted by a rotating cast of social influencers, Undivided ATTN: will provide context on the stories everybody’s talking about.
  • CNN’s „Anderson Cooper Full Circle“ is a daily global brief on the world, M-F evenings featuring Anderson Cooper and a roster of guests. The interactive program will air live from Anderson’s New York City newsroom in mobile-friendly vertical video.
  • FOX News‘
    Fox News Update“ will focus on up-to-the minute breaking news and the most compelling stories of the day. FNC’s chief news anchor Shepard Smith will report the latest news each weekday afternoon, with Carley Shimkus updating viewers every morning. Additionally, Abby Huntsman will provide the latest headlines once each morning throughout the weekend.
  • Mic’s „Mic Dispatch“ reveals the world as we see it: complicated, diverse and full of potential. Mic correspondents on this new, twice-weekly show go beyond the headlines to profile the underrepresented, the problem-solvers and the provocateurs.“
  • Univision’s „Real America with Jorge Ramos” Award-winning journalist, anchor and author Jorge Ramos travels the country to talk to immigrants of diverse backgrounds and situations, delivering a rarely covered view of today’s America from their perspective. Univision will also cover the top stories in Spanish at noon every day on Watch with “Noticiero Univision Edición Digital.“

Wie ist das zu bewerten? Zunächst einmal klingt das alles sehr spannend. Wenn ich mir etwa vorstelle, dass analog zu CNNs Anderson Cooper hierzulande Claus Kleber in Ergänzung zu seiner heute-journal-Ausgabe einige Stunden vorher extra auf Facebook noch eine Sendung anbietet, dann würde das sicherlich für ordentlich Schlagzeilen sorgen. Von daher ist es schon beachtlich, wie ernst die einzelnen Sender es mit Facebook Watch meinen. Allerdings müssen wir auch sehr genau anschauen, welche Inhalte dann wirklich dort auf Facebook präsentiert werden. In der Ankündigung von CNN etwa heißt es, man wolle:

(…)deliver insight into the daily news stories that Facebook audiences care about most, leveraging the interactivity of the platform to inform each evening’s lineup and engage a new generation of consumers.

Welche News das dann sein werden, die bei der Facebook-Audience besonders relevant sind, wird man sehen.

Wie finanziert sich das? Allem Anschein nach zahlt Facebook für die Produktion der Shows. Genaues weiß man noch nicht. Insbesondere nicht, wie lange dieser Deal gilt. Auch kommt hier der berühmte Matthäus-Effekt zum Tragen: Facebook finanziert Sender, Shows und Gesichter, die sich bereits im traditionellen TV großer Beliebtheit erfreuen. Alternative Medien werden durch diese Form der Partnerschaften keine Vorteile genießen.

Be smart: Facebook hat sich bislang mit Journalismus auf der Plattform sehr schwer getan. Egal ob mit Blick auf Trending Topics, die große Gleichmacherei von Weltklasse-Reportagen, Werbung und Katzenbildern oder hinsichtlich einer Gewinnbeteiligung für das Bereitstellen von Inhalte auf Facebook. Die nun angekündigte Koop für Facebook Watch scheint für Facebook eine Option zu sein, erstens News auf der Plattform kontrolliert anbieten zu können – und zweitens News-Anbieter eben auch an den Gewinnen ein Stück weit zu beteiligen, wenn auch nur sehr ausgewählt. Ob das reicht, um Facebook aus der Verantwortung zu nehmen hinsichtlich der gesellschaftlichen Relevanz, die es im Bereich Verteilung von Informationen, erlangt hat, wage ich zu bezweifeln.


One More Thing

Der Abgang der WhatsApp-Gründer: In einem längeren Artikel beschreibt das Wall Street Journal, warum es von Anfang an nicht so richtig stimmte zwischen WhatsApp und Facebook. So hätten die beiden WhatsApp-Gründern wohl von Beginn an große Vorbehalte gegenüber der Monetarisierung ihrer App gehabt – vor allem Werbung wäre für die beiden Gründer keine Option gewesen. So sieht Gründer Jan Koum Werbung als eine „Beleidigung für die Intelligenz“. Das konnte natürlich nicht lange gut gehen und so ist der Abgang der beiden Gründer wohl auch als Zäsur hinsichtlich der App selbst zu betrachten – ein Aufweichen der Verschlüsselung und die Einführung von Werbung wurden von Zuckerberg und Sandberg dem Artikel zufolge immer wieder gefordert. Mal sehen, wie sich das also für WhatsApp alles weiter entwickelt.