Briefing für den 30.5.2018 | Ausgabe #459

martin Briefing

Salut und herzlich Willkommen zur 459. Ausgabe des Social Media Watchblogs! Das Wetter ist wunderbar und die News überschaubar. Von daher an dieser Stelle ein für meine Verhältnisse eher kürzeres Update. Ich bedanke mich wie üblich für das Interesse und wünsche gute Lektüre, Martin & Team


6 Gründe, warum Social Media ein Bummer ist

Was ist: Jaron Lanier, der mit den krassen Dreads, hat ein neues Buch geschrieben. Der Titel „Ten Arguments for Deleting Your Social Media Accounts Right Now“ ist Programm.

Warum ist Social Media ein Bummer? Jaron Lanier hat nichts gegen das Internet. Im Gegenteil. Er arbeitet ja auch für Microsoft. Und die machen ja mit ihrer Cloud-Sparte bekanntermaßen auch Sachen im Internet. Lanier hat auch nichts gegen Smartphones. Oder Netflix. Er hat einzig und allein etwas gegen Social-Media-Plattformen, die er für geradezu toxisch hält und deshalb auch lieber unter dem Acronym „Bummer“ (zu deutsch: Horrortrip) zusammenfasst.

Wofür steht denn überhaupt Bummer? Bummer steht für Behaviours of Users Modified, and Made into an Empire for Rent.

Was ist so schlecht an Social Media aus Laniers Sicht?

  • Ausverkauf von Aufmerksamkeit: Lanier hat wenig übrig für die Art und Weise, wie Social-Media-Plattformen strukturiert sind. Vor allem verachtet er, dass der Lauteste stets am meisten Aufmerksamkeit bekommt.
  • Überwachung: Lanier ist fundamental gegen die Komplett-Überwachung und die damit einhergehende Anhäufung von Daten.
  • Content, Content, Content: Lanier spricht vom Mästen, wenn er anprangert, wie Social-Media-Plattformen via Algorithmen den Nutzer nur mit dem Versorgen, was ihn vermeintlich interessiert.
  • Verhaltensmodifikation: Lanier wirft den Social-Media-Plattformen vor, das Verhalten der Nutzer zu manipulieren. Vollkommen zurecht, wie ich finde.
  • Das Geschäftsmodell: Zudem stört er sich massiv daran, dass das Geschäftsmodell der Social-Media-Plattformen darin besteht, die angesammelten Daten dafür zu nutzen, dass Dritte (er nennt sie „the worst people“ und meint damit wahrscheinlich auch Dich!) sich ebenfalls darin versuchen können, dich zu manipulieren.

Money-Quote:

While we can’t know what details in our world would be different without Bummer, we can know about the big picture. Like climate change, it will lead us into hell if we don’t self-correct.

Mehr: Falls dich das Buch und Laniers Thesen interessieren, dann kannst du beim Guardian mehr erfahren.


Facebooks Kampf gegen Desinformation

Was ist: Facebooks Kampf gegen Desinformation ist auch ein Kampf um gute PR. Deshalb überrascht es wenig, dass WIREDs Chefredakteur Nicholas Thompson die Gelegenheit hatte, sich mit neun Facebook-Mitarbeitern zu diesem Thema zusammen zu setzen.

Warum ist das interessant: Facebook hat ein erhebliches Problem hinsichtlich der Verbreitung von Falschinformationen und anderem Schrott, der entweder politisch oder finanziell motiviert ist. Bei zwei Milliarden Nutzern herauszufinden, welche Story auf der Plattform zirkulieren sollte, und welche vielleicht eher im News Feed quasi begraben wird, ist eine riesige Aufgabe für Facebook – und ein riesiges Thema für eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich nicht komplett darauf verlassen darf, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen darüber entscheidet, was Falschinformationen sind.

Wie geht Facebook bei dem Thema vor? In den letzten eineinhalb Jahren hat Facebook tatsächlich eine Menge unternommen – und auch für Facebooksche Verhältnisse sehr transparent darüber berichtet. So hat Facebook unter anderem Fact-Checker-Initiativen gelauncht und versucht, sich mit Machine Learning Skills gegen Clickbait zu wehren.

Be smart: Facebooks Kampf gegen Desinformationen hat natürlich auch Konsequenzen für deine eigene Arbeit – z.B. mit Blick darauf, welche Inhalte im News Feed auftauchen (Hallo Engagementbait-Freunde!). Deshalb sei dieses sehr lange Gruppen-Interview von WIRED mit den Facebook-Mitarbeitern durchaus empfohlen: How Facebook Wants to Improve the Quality of Your News Feed.


Lesetipps:

  • Hass im Netz: Die Kollegen von netzpolitik haben 10.000 Facebook-Kommentare und Tweets an deutsche Abgeordnete gesichtet. Die Analyse zeigt: Wer sich positiv über Migranten und Muslime äußert, darf man Hasskommentaren rechnen. Das gleiche gilt auch für Abgeordnete, die Rechtspopulisten kritisieren. Hier die ganze Analyse lesen: Geflüchtete, Islam, AfD: So toxisch ist die Debatte im Netz
  • Der Job des Social Media Redakteurs – vor allem etwas für Frauen? Diese Frage stelle natürlich nicht ich, sondern Wissenschaftler der Universität Cornell, die sich damit beschäftigt haben, warum vor allem weibliche Kollegen für die Stelle der Social Media Redakteure angesprochen werden. How Social Media Became a Pink Collar Job.

Neues von den Plattformen

WeChat

  • WeChat Mini Games werden von fast einer halben Milliarde Nutzern gespielt. Und weil das eine beachtliche Zahl ist, können wir wohl davon ausgehen, dass Mini Games auch bei WhatsApp oder dem Facebook Messenger bald noch eine sehr viel größere Rolle spielen könnten. WeChat mini games have now amassed nearly half a billion users.

Snapchat

  • Snapchats Sound Lense: Snapchat hat den ersten Filter gelauncht, der auf Sound reagiert. Jetzt lassen sich also nicht nur mit Bewegung, sondern auch mit Geräuschen die Snapchat Lenses in ihrer Form verändern. Ist das nicht spannend, wie wir zwar rumheulen, uns aber zugleich von den Unternehmen komplett vermessen lassen? Snapchat launches its first Lens that reacts to sound.

One more thing

Es ist super warm: Da muss man ganz viel trinken, habe ich gehört: