Briefing für den 8.3.2018 | Ausgabe #436

martin Briefing

Guten Morgen und vielen Dank für das Interesse am Social Media Watchblog Briefing! Ich wünsche eine gute Lektüre und einen angenehmen Donnerstag. Bei Fragen, Feedback oder Kritik bin ich stets per Email oder DM bei Twitter erreichbar. Merci, Martin & Team



NÄCHSTE ESKALATIONSSTUFE

Was ist: In den USA wird u.U. ein Gesetz eingebracht, das es Publishern erlauben würde, im Verbund gegen Google und Facebook vorzugehen.

Worum geht es konkret? Den Publishern geht es vor allem um folgende fünf Punkte: Die Plattformen sollen…

  • Daten über die Leser mit den Publishern teilen
  • etablierte Medienmarken besser kennzeichnen
  • Abonennten-Modelle für Publisher unterstützen
  • potentiell Werbeeinnahmen mit Publishern teilen
  • in Erwägung ziehen, Publisher für Inhalte zu bezahlen

Bigger Picture: Die Publisher sind sich zwar schon länger darin einig, dass Facebook und Google viel zu viel nehmen und viel zu wenig geben, allerdings ist ein gemeinsames Vorgehen gegen die Tech-Riesen bislang weder mehrheitsfähig, noch rechtlich möglich gewesen. Das könnte sich nun ändern.




FOLGEN DES NEWS-FEED-UMBAUS

Was ist: Der Umbau von Facebooks News Feed ist zwar noch längst nicht abgeschlossen, aber vor Veröffentlichungen zu den Konsequenzen eben jenes Umbaus kann man sich trotzdem kaum retten. Die neuesten und spannendesten Artikel hier im Überblick:

  • Die immer lesenswerten Auswertungen von Kollege Jens Schröder zeigen, dass sich die Facebook-Interaktionen der Top-100-Websites auf einem 33-Monatstief befinden. Interaktionen via Twitter verzeichnen hingegen einen Rekord.
  • Wer sich dafür interessiert, welche US-Publisher der News-Feed-Umbau womöglich am meisten trifft, der bekommt von Forbes einen via SimilarWeb ausgewerteten Überblick geboten: Here Are The News Sites That Stand To Lose The Most.
  • Interessanterweise betrifft der News-Feed-Umbau natürlich nicht nur Publisher selbst, sondern hat auch andere Kollateralschäden zur Folge. So haben etwa Agenturen, die ihr Geld dafür bekamen, Inhalte von Dritten auf Fanpages zu lancieren, die nicht genuin zur Marke, respektive zum Publisher selbst gehörten, nicht mehr viel zu posten.



ZWEI MONATE NUR PRINT-NEWS

Was ist: Der geschätzte Kollege Farhad Manjoo von der New York Times hat sich zwei Monate lang nur via Print über das Weltgeschehen informiert.

Warum ist das interessant? Nun, Farhad Manjoo ist nicht irgendwer, sondern einer der profiliertesten Kolumnisten in Sachen Tech-Journalismus. Von daher wiegt das, was er in diesen zwei Monaten gelernt und nun zu Protokoll gebracht hat, durchaus schwer – was auch die Masse an Tweets und Kommentaren zum Artikel zeigen.

Ok, und was hat er gelernt? Manjoo stellt fest, dass er durch das Lesen von Print-Artikeln und den Verzicht auf das niemals ruhende News-Business via Twitter, Facebook, Mobile Notifications und Co sehr viel gezielter und umfassender informiert worden sei. Zudem fordert er seine Leser auf, sich nicht mehr hauptsächlich via Social Media über das Weltgeschehen zu infomieren.

Bigger picture: Der Artikel von Manjoo trifft einen Nerv, unterstreicht er doch das Unbehagen gegenüber den Tech-Konzernen, das derzeit in vielen verschiebenen Facetten um sich greift.

Blind Spot: Auch wenn ich persönlich durchaus große Sympathien habe für eine solche Form des ruhigeren Medienkonsums, möchte ich darauf hinweisen, dass viele Themen, die auf Social verhandelt werden, eben nicht in regulären Print-Medien diskutiert werden (siehe How Black Twitter and other social media communities interact with mainstream news). Von daher ist die Einschätzung von Manjoo nicht frei von Arroganz, wenn er behauptet, die Print-Ausgabe der New York Times würde alles wesentliche über die Welt erzählen.

Plus: Ergänzend zum Artikel von Manjoo möchte ich diesen Text der Krautreporter empfehlen: Online-Lesen ist wie Koma-Saufen.




„FAKE NEWS“

AP macht Fact Checking für Facebook: Im November stehen die Midterm Elections in den USA an. Wie in Ausgabe #435 berichtet, befürchten die Tech-Giganten aus dem Valley, das hier abermals ihre Plattformen für Propaganda und Desinformations-Kampagnen ausgenutzt werden könnten. Facebook konnte jetzt AP als neuen Fact-Checking-Partner gewinnen.

Bookmark für alle, die sich mit „Fake News“ beschäftigen: Dieses Dokument des Director of Research beim Reuters Institute, Rasmus Kleis Nielsen, wurde zwar bereits im Januar aufgesetzt, ist aber immer noch brandaktuell und erst jetzt von mir entdeckt: eine unglaubliche Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln zum Thema Falschinformationen.




IN OTHER NEWS

Facebook goes Musikfernsehen: Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass der am meisten geteilte Inhalt auf Facebook im Jahr 2017 ein Link zu einem YouTube-Musikvideo war – 22 Millionen Interaktionen für Despacito. Wahnsinn. Anscheinend ist dies kein Einzelfall, sondern hat durchaus System. Umso wenig dürfte es überraschen, dass Facebook nun Deals mit großen Labels eingetütet hat, die analog zu YouTube auch Vevo-Videos bei Facebook ermöglichen würde. Facebook looks to change the tune with move into music.

Blackberry verklagt Facebook Inc: Wegen Patentstreitigkeiten geht Blackberry gegen Facebook, WhatsApp und Instagram vor. Es geht dabei z.B. um Erfindungen wie die numerische Anzeige von Nachrichten auf dem Icon selbst. Facebook lässt das nicht auf sich sitzen und kündigt einen Kampf an.




ONE MORE THING

Premium Twitter: Es gibt Dinge auf Social, die scheinen in der Sache nur konsequent, muten aber trotzdem etwas komisch an. So habe ich heute gelernt, dass es auf Twitter Accounts gibt, denen man nur für Geld folgen kann – etwa dem eines ehemaligen NSA-Mitarbeiters, der laut Recherchen von The Outline monatlich immerhin 17.000 Dollar mit seinem Account via Subscriptions umsetzt.