Briefing für den 15.2.2018 | Ausgabe #430

martin Briefing

Salut! Die Umstellung des Facebook Algorithmus ist noch in vollem Gange, vielerorts ist noch nicht ganz abzusehen, wie groß die Konsequenzen am Ende wirklich sein werden. Allerdings scheinen sich alle darin einig, dass es künftig verstärkt darum gehen soll, echte Communities aufzubauen – etwa in Form von Facebook Gruppen. Deshalb gibt es heute von uns keine News, sondern zwei Extras zum Thema Facebook Gruppen, die hoffentlich inspirieren! Merci, Martin & Team


BEISPIEL AUS DER PRAXIS: DER ZDFINFO WISSENSSENAT

Was ist: ZDFinfo ist im Oktober 2017 auf den Trend zur Facebook Gruppe aufgesprungen und hat den ZDFinfo Wissenssenat gegründet. Ich habe mir von Kollege Jonas Schlatterbeck erklären lassen, wie der ZDF Wissenssenat funktioniert.

Was ist der Wissenssenat?

  • Zuerst war der Wissenssenat eine Gruppe für Power-User, die größtenteils über swat.io ausgewählt wurden. Das Kriterium dabei: die meisten Kommentare auf der Fanpage, positive wie negative.
  • Jetzt ist die Testphase mit dem geschlossenen Personenkreis beendet und die Gruppe für alle Interessenten geöffnet. Aktuell zählt die Gruppe 100 Mitglieder, Tendenz stark steigend.
  • Als Ankündigungseffekt und „Letter of Intent“ hat die Redaktion ein Video mit Senderchef Robert Bachem gedreht.
  • Auch experimentiert die Redaktion damit, auf der eigenen Fanpage live zu gehen, um so neue Gruppenmitglieder zu akquirieren.

Was ist das Ziel der Gruppe? Die Zielsetzung der Gruppe wurde im Verlauf der Zeit noch einmal leicht überarbeitet und geschärft: Die Redaktion möchte vor allem Hintergrundinfos zu Wissenschaftsinhalten und Redaktionsleben bieten und erhofft sich redaktionellen Input von den Gruppenmitgliedern, die Senatorinnen und Senatoren genannt werden.

Die Idee des Labs:

  • Die Redaktion arbeitet gemeinsam gewissermaßen in einem „Labor“, wobei alle Teilnehmer – also Redakteure ebenso wie die Senator*innen – als Forscher*innen angesehen werden. Inhalte und Kommunikation untereinander sind das Forschungsobjekt.
  • Das Interesse besteht darin, thematischen Input zu bekommen, der noch besser zur Zielgruppe passt. Die Redaktion möchte nach und nach eine Community mit einem starken Zusammengehörigkeitgefühl (Integration über Wissen) aufbauen und erhofft sich wertvolles Feedback für TV- und Social-Media-Redaktion.
  • Die Senator*innen wiederum haben in erster Linie das Interesse, bei Themen mitzubestimmen („Programmbeirat 2.0“) und einen direkten Draht zu Autoren und Entscheidern zu bekommen. Diese Informationen bekommt die Redaktion, indem sie Umfragen in der Gruppe macht.

TRENDING TOPICS IN GRUPPEN

Was ist: Die Kollegen von der Rheinischen Post nutzen in ihrem Listening Center das Social Media Monitoring Tool Crowdtangle, um mitzubekommen, welche Themen in Gruppen besonders stark diskutiert werden.

Wie funktioniert das? Kollegin Hannah Monderkamp, Social-Media-Analystin bei der Rheinischen Post, hat für die Leser des Social Media Watchblogs einmal aufgeschrieben, wie das funktioniert – here we go:

Was ist die Idee dabei? Immer mehr Menschen verlagern ihre Kommunikation über Alltagsthemen von sozialen Netzwerken in geschlossene Messenger. Gleichzeitig gewinnen Gruppen bei Facebook zunehmend an Bedeutung im zwischenmenschlichen Austausch, besonders im Lokalen und bei speziellen Interessengruppen. Wenn jemand Hilfe braucht, etwas verschenken möchte, oder etwas passiert ist – dort tauschen sich Menschen mit anderen Nutzern aus, die ihnen nahe stehen, aber nicht ihre direkten Facebook-Freunde sind. Deshalb nutzen wir bei der Rheinischen Post CrowdTangle-Gruppen-Alerts als Teil unseres eigenen Listening-Centers, um schnell mitzubekommen, wenn etwas in der Region diskutiert wird, das auch unsere Leser interessieren könnte.

Wie funktioniert das?

  • Im CrowdTangle-Facebook-Dashboard kann man zusätzlich zu den Seiten auch Listen mit offenen Facebook-Gruppen erstellen. Dafür kennt man entweder schon die Gruppen-URL und fügt sie direkt ein oder kann im Eingabefenster nach Stichworten suchen. Die Gruppen-Beiträge dieser Liste lassen sich dann nach verschiedenen Kategorien sortieren, zum Beispiel “Overperforming”, “Underperforming” oder chronologisch. Außerdem kann man den Zeitraum und die Content-Art der anzuzeigenden Postings auswählen.
  • Aber viel entscheidender: CrowdTangle verschickt Benachrichtigungen, sobald ein Beitrag aus einer Gruppen-Liste viral geht – also mehr Interaktionen als sonst erzeugt (verglichen mit den letzten 100 Beiträgen aus dieser Gruppe). Hier kann man voreinstellen, bei welcher Schwelle das Alerting rausgehen soll, also beispielsweise wenn ein Beitrag dreimal so viel Interaktionen erzielt hat.
  • Das Alerting geht dann entweder automatisch per E-Mail an die angegebenen Adressen raus. Hier lassen sich Titel und Betreff per Voreinstellung personalisieren. Oder man hinterlegt einen Slack-Channel, in dem die Benachrichtigungen einlaufen. (Wichtig: Wenn der Channel umbenannt wird, muss man das auch bei CrowdTangle anpassen!). In der Mail oder der Slack-Nachricht ist dann eine Vorschau des Gruppen-Beitrags zu sehen, der dazugehörige Link sowie die Interaktionsdaten.
  • Außerdem gibt es noch erweiterte Optionen, die sich für ein Alerting einstellen lassen. Man kann sich zum Beispiel auch benachrichtigen lassen, sobald irgendetwas in der Gruppe gepostet wird. Oder man stellt eine Gewichtung bei den Interaktionen ein, so dass eine Benachrichtigung hinausgeht, wenn besonders viele Menschen Kommentare zu dem Gruppen-Beitrag verfasst haben oder überdurchschnittlich viele Mitglieder auf die “wütend”-Reaction geklickt haben.

Was sind die Vorteile? Durch die Gruppen-Alertings erfährt man schnell, wenn die Menschen in der Region oder in einem bestimmten Interessengebiet etwas beschäftigt oder wenn etwas Besonderes passiert ist. Ganz oft sind es besonders die emotionalen und schönen Geschichten, über die noch nicht in den Medien berichtet wurde und die erst durch ein Posting in einer Gruppe zustande kommen. Da die Mails oder Slack-Nachrichten erst ab einer bestimmten Schwelle verschickt werden, kann man relativ sicher sein, dass auch der nachrecherchierte Artikel zu diesem Thema viele Menschen interessiert.

Was die Nachteile? In Facebook-Gruppen werden auch sehr viele banale Alltagsthemen ausgetauscht, mit denen zwar viele Menschen interagieren, die aber überhaupt nicht relevant für unsere Redakteure sind. Das sind zum Beispiel Wohnungsannoncen, vermisste Hunde oder Ärzte-Tipps. Deshalb ist es nötig, jedes Alerting eine Weile zu testen, bevor man es auf die Kollegen loslässt. Bei Gruppen mit besonders aktiven oder sehr wenigen Mitgliedern lohnt es sich sogar, eine eigene Liste anzulegen, die nur diese Gruppe enthält, damit man die Schwelle für eine Benachrichtigung passgenau einstellen kann.


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