Briefing für den 18.1.2018 | Ausgabe #419

martin Briefing

Einen wunderschönen guten Morgen in die Runde und ein herzliches Hallo an all die neuen Abonnenten – schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind! Wir dutzen uns hier übrigens. Von daher meine Frage: Wann hattest Du eigentlich das letzte mal eine bedeutungsvolle Unterhaltung auf Facebook? Eben. Auf zum Briefing!


FACEBOOK (AGAIN)

Was ist: Die Welt diskutiert weiter über den angekündigten Umbau des News Feeds.

Warum? Gibt es nichts Spannenderes? Doch, garantiert! Aber Facebooks Entscheidung, künftig öffentliche Inhalte sehr viel weniger im News Feed der Nutzer anzuzeigen, hat so viele Implikationen, dass sich darüber wohl noch wochenlang diskutieren lassen wird.

Was sind denn die Knackpunkte? Nun, es gibt sehr viele. Damit es heute aber etwas übersichtlich bleibt, nur drei zentrale Punkte:

  • Fehlende Transparenz: Keiner weiß genau, was im Facebookschen Sinne „meaningful“ bedeuten mag. Welche Inhalte sind es, die der Nutzer künftig in seinem News Feed angezeigt bekommt?
  • Video: Wie geht es mit dem Thema Video genau weiter? Laut Zuckerberg sei ja der Konsum von Video häufig mit genau jener Art von Passivität verbunden, die so wahnsinnig schlecht für die Nutzer sei. Die beste Antwort könnte lauten: Facebook will die Nutzer zwar dazu bewegen, weniger Videos im News Feed, dafür aber mehr Videos bei Facebook Watch zu schauen. Der Hintergrund: Die Videos im News Feed lassen sich kaum monetarisieren (frag mal die Kollegen in UK). Facebook Watch hingegen soll sich zu einem Ort entwickeln, der extra aufgesucht wird, um die Lieblingssendung XY zu schauen. Dort lässt sich – so die Vorstellung – Werbung gewinnbringender schalten.
  • Die Relevanz von Journalismus für Facebook: Nachrichten sind in erster Linie nicht dafür gemacht, um Interaktion zu befördern. Passivität ist also nichts Schlechtes beim Konsum von Informationen – man nennt es auch nachdenken, verarbeiten, Meinung bilden. Welche Form von Journalismus will Facebook also künftig auf seiner Plattform den Usern noch erlauben? Oder anderes gefragt: Welche Form von Journalismus sind Verlage und Co noch bereit, auf Facebook anzubieten?

Be smart: Facebooks News Feed Umbau könnte vor allem folgende Gründe haben:

  • Facebook will sichergehen, dass sie ihre Nutzer nicht verlieren.  Wer wollte schon ein Netzwerk nutzen, das schlecht für die Gesundheit ist?
  • Facebook will Stärke beweisen und signalisieren, dass sie sehr wohl Herr im Hause sind. Eine Regulierung durch die Politik? Jetzt ja wohl nun wirklich kein Thema mehr…

Bookmark: Auf der Suche nach der perfekten Sammlung aller relevanten Texte zum Thema, bin ich bei Charlie Beckett von der London School of Economics gelandet. Bitte was? Mein Text ist auch dabei? Ach ja. Freu*


MONEY TALKS

Was ist: YouTube hat neue Regeln erlassen, welche Videos künftig mit Werbung versehen werden können. Dafür sind mindestens 1000 Abonnenten und 4000 Stunden annual viewing time notwendig.

Warum ist das wichtig? YouTube versucht ebenfalls gerade gehörig aufzuräumen. Viel zu viele Nutzer tummeln sich auf der Plattform, die sowohl schlecht fürs Image als auch schlecht fürs Geschäft sind. Deshalb erhöht YouTube nun die Standards dafür, Geld auf der Plattform verdienen zu können.

Ist doch prima. Oder? Nicht unbedingt. Zwar gibt es auf YouTube extrem viel Mist, in dessen Umfeld man als Werbetreibender via Programmatic Ads garantiert nicht auftauchen möchte, aber es gibt eben auch viele wunderbare, bezaubernde, aufstrebende Künstler, Journalisten und Kreativschaffende, die nun, um diesen Satz noch länger zu machen, von potentiellen Einnahmen abgeschnitten werden. Das verärgert die Community.

Speaking of money: Die Influencer-Szener scheint sich übrigens über den angekündigten Umbau von Facebooks News Feed mächtig zu freuen. Dadurch, so die Lesart, würde die Position der Influencer nur noch weiter gestärkt. schließlich lässt sich doch mit einem normalen Profil und Hunderttausend Abonnenten auf Facebook allem Vernehmen nach gutes Geld verdienen.

Ja, aber…: Nix. Influencer passen perfekt in die Lücke, die Facebook an dieser Stelle bietet. Weg mit den großen Brands, weg mit den Inhalten von Fanpages. So ein Inluencer wird ja wohl noch einen bedeutungsvollen Kontakt zu seinen Fans, Freunden aufbauen können. Oder nicht? Klar!

Bonus: Bei The Atlantic gibt es ein herrliches Porträt über Eltern von Webstars. Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn der eigene Sprössling schon jetzt ausgesorgt hat?


MESSENGER – QUO VADIS?

Was ist: David Marcus, Chef vom Facebook Messenger, hat in einem Facebook-Post sechs Trends aufgezeigt, die 2018 vom Messenger-Team in Angriff genommen werden sollen.

Was sind die Trends?

  • Echtzeit: Messenger soll der zentrale Ort werden, an dem sowohl in Momenten der Krise als auch bei freudigen Erlebnissen Nutzer miteiander in Kontakt treten.
  • Mehr gemeinsam machen: Gruppen sollen auch auf Messenger eine sehr viel größere Rolle spielen.
  • Vereinfachungen: Zwar zählt Marcus so unfassbar viele Dinge auf, die der Messenger können soll, dass man seinen Wunsch nach einer Schlankheitskur für den Messenger kaum glauben mag, aber ja, es scheint ein ausgewiesenes Ziel zu sein, sich von einigen Funktionen wieder zu trennen. Wie wäre es mit Stories? Nur so eine Idee.
  • Visualität: Facebook Messenger soll visueller werden. Das sei letztlich nichts, was sich das Messenger-Team ausgedacht hätte, sondern der generelle Trend. Stimmt. Hallo Snapchat!
  • Kundenservice: Messenger soll 2018 eine sehr viel größere Rolle hinsichtlich der Verbindung von Unternehmen und Kunden spielen. Finde ich erst einmal prima: Telefonwarteschleifen nerven auch einfach zu hart.
  • Messenger als Marketing-Kanal: Das wiederum kann ich mir nun überhaupt nicht vorstellen. Von irgendwelchen Bots angepiepst zu werden, wäre nichts, was ich auf Dauer in meinem Messenger bräuchte. Da reicht mir die Erfahrung, als ich jüngst aus Interesse an der Funktionsweise den Bundeswehr-Bot im Messenger hinzugefügt hatte – Kamerad Giesler? Nein, Danke.

Be smart: Messenger werden bereits heute stärker genutzt als reguläre Social Media Apps. WhatsApp und Messenger sind hier führend in der westlichen Welt. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich das Verhältnis von Messenger zur normalen Facebook App im Verlauf des Jahres 2018 darstellen wird.


FEATURES

Instagram: Während der Kollege vom Team Messenger erklärt, dass sie sich stärker dem Thema Visualität widmen wollen, lanciert Instagram ein neues Feature, mit dem sich – Achtung – einfach nur eine Text-Tafel kreieren lässt. Tja, ich weiß es doch auch nicht.

Skype: Eigentlich haben wir Skype sonst hier so gut wie nie im Programm, aber da sie eine Partnerschaft mit der App Signal angekündigt haben, machen wir mal eine Ausnahme. Künftig soll es jedenfalls bei Skype auch echte Verschlüsselungsoptionen geben. Hört, hört. Bzw.: eben nicht!

Confide: Wo wir abschließend gerade noch über Privatsphäre reden, die App Confide hat eine spannende Technologie entwickelt, die es verhindern soll, dass Nutzer Screenshots machen können. Dadurch wird der Nutzer eben nicht nur darüber informiert, dass ein Screenshot aufgenommen wurde, sondern bereits im Vorfeld verhindert die App, dass ein Screenshot gemacht wird. Für echte Detektive gibt es hier alle Infos.

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