Briefing für den 26.10.2017 | Ausgabe #403

martin

Salut, ich bin heute auf den Münchener Medientagen unterwegs. Würde mich sehr freuen, wenn ich einige meiner Leser dort einmal in Persona treffen würde. Ping me!


FACEBOOKS VERANTWORTUNG

Facebook testet bekanntermaßen in sechs Ländern, wie es sich für die Nutzer verhält, wenn sie künftig zwei News Feed zur Auswahl haben: einen Hauptfeed mit Posts von Freunden und Bekannten und einen zweiten Feed, in dem alle öffentlichen Postings von Facebook Seiten zu finden sind. Zu den Testländern gehört auch die Slowakei. Ausgerechnet dort tobt ein Informationskrieg, der von extrem rechten Gruppen auf Facebook geführt wird.

Die Slowakei ist damit natürlich nicht allein. In vielen Ländern dieser Welt wird Facebook genutzt, um gegen Bevölkerungsgruppen zu hetzen, politische Propaganda in Umlauf zu bringen und Menschen öffentlich zu diskreditieren. Das gestern auf Twitter vielfach weitergereichte Beispiel aus Myanmar ist nur eines von vielen – wenn auch ein sehr trauriges.

Es ist Facebooks Verantwortung, sich auch um diese Vorkommnisse intensiv Gedanken zu machen und sich die Frage zu stellen, wie sich zwei News Feeds darauf auswirken können. Und darüber hinaus: Wie sich diese Form der Agitation vermittelt durch die Technologie Facebooks (News Feed, Messenger, WhatsApp…) künftig transparent bekämpfen lassen wird. Was mich an dieser Stelle ermutigt: Es kann gar nicht in Facebooks Interesse sein, dass die Plattform derart ausgenutzt wird. Ich habe mich gestern zu diesem Thema im Deutschlandfunk geäußert.


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PLATTFORMEN UNTER DRUCK

Twitter wird künftig mehr Transparenz bei Werbeanzeigen auf seiner Plattform wagen. Ein sogenanntes Transparenz Center soll dabei helfen, Dark Ads ein Ende zu setzen. Es wird im Transparenz Center nachzulesen sein, wie lange eine Werbeanzeige geschaltet wurde, wer wieviel Geld für die Anzeige ausgegeben hat, welche Zielgruppe mit der Anzeige „getargetet“ wurde, etc. BuzzFeed hat den kompletten Überblick.

Seit knapp zehn Monaten tourt Mark Zuckerberg durch die USA. Nicht täglich, ist klar. Die Reise durchs Land wurde von vielen zunächst als Vorbereitung auf eine Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten gewertet. Es dürfte aber vor allem als Anstrengung gewertet werden, um Facebook in ein positives Licht zu rücken. Aktuelle Daten zeigen nun, dass die Tour keinen nennenswerten Effekt auf die Popularität von Facebook hat. Die scheint – sicherlich sehr zur Freude von Mark Zuckerberg – unverändert hoch. Von daher kann Mark Zuckerberg wieder aufhören, Kälber zu streicheln und sich lieber um den politischen Wahnsinn kümmern, der auf seiner Plattform ausgetragen wird.


PRIVACY

Für eine Stärkung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmungund vertrauliche Kommunikation in der EU wird es laut Netzpolitik doch noch eng: Nachdem der Innenausschuss des EU-Parlaments vor einigen Tagen für eine datenschutzfreundliche Version der ePrivacy-Verordnung gestimmt hatte, könnte das Vorhaben heute scheitern. Noch können Nutzerinnen und Nutzer aktiv werden.


FUTURE OF JOURNALISM

The Economist berichtet in einem Werkstattbereicht von seinen Erfahrungen mit Snapchat Discover. Erstaunliche sieben Millionen Nutzer würde The Economist monatlich mit seinen Aktivitäten auf Snapchat Discover erreichen. Die populärste Ausgabe „How Well Do You Know Your Presidents?“ hat mehr Nutzer in einer Woche erreicht als die eigentliche Website des Magazin sonst in einem Monat erreicht.


AUCH INTERESSANT

Welche mittelfristigen Auswirkungen hat eigentlich Facebooks aggressives Vorgehen hinsichtlich der Startup-Szene? Verhindert die wirtschaftliche Kraft Facebooks, dass es je ein „neues Facebook“ geben könnte? Thinkpiece auf Wired.

Kollege Konrad Lischka hat auf den Münchener Medientagen über algorithmische Systeme und den Strukturwandel der digitalen Öffentlichkeit gesprochen. Klingt etwas sperrig, ist aber genau mein Thema – deshalb auch an dieser Stelle der Hinweis auf die Präsentation von Lischka.

About the Author

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter

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