Briefing für den 17.10.2017 | Ausgabe #398

martin


Salut! Ich habe so gute Laune: Und du bist mit dafür verantwortlich! Danke, dass ich das hier alles machen kann. Merci, Martin


Der Erfolg der Fake News Fact Checker

Die Story

Facebook hat in einer internen Email seinen Fact-Checking-Partnern mitgeteilt, dass ihre Arbeit durchaus Früchte tragen würde. So würden Inhalte, die von ihnen als falsch deklariert werden, danach um 80 Prozent weniger Impressions erreichen. Das sei ein ermutigendes Signal, so Facebook. Allerdings sei es problematisch, dass so viel Zeit verstreicht, bis eine entsprechende Geschichte als falsch markiert wird – nämlich in der Regel drei Tage.

Sorry, aber worum geht es?

Nachdem für viele Stakeholder zu ihrer großen Überraschung bekannt geworden ist, dass auf Facebook fast genau so viel Mist und Unfug verbreitet wird wie Hochzeitsfotos, hatte Facebook Kooperationen mit unabhängigen Dritten angekündigt, um nicht selbst zur obersten Löschbehörde dieser nachrichtlich-anmutenden Artikel zu mutieren. In Deutschland arbeitet etwa Correctiv als Fact Checker für Facebook. Fakt-Checker sollen die von Nutzern als fraglich identifizierten Artikel überprüfen und bei Bedarf mit einem Label versehen. In Deutschland funktioniert das Markieren allerdings ganz anders als in den USA – Kollege Hoppenstedt kennt den Unterschied.

Ok, und funktioniert das jetzt mit den Fact Checkern oder nicht?

Nun, wer selbst auf Facebook Artikel teilt, weiß wie es um die Halbwertszeit von Posts bestellt ist. In aller Regel erreichen Postings in den ersten Stunden die größten Reichweiten. Wenn etwa ein Post nach drei Stunden noch keine nennenswerten Interaktionen vorweisen kann, ist nicht wirklich davon auszugehen, dass damit noch irgendetwas passiert. Dass Posts nach mehreren Tagen noch einmal wirklich funktionieren, dürfte somit eher eine absolute Ausnahmen darstellen. Ob somit das Markieren durch die Fact Checker nach drei Tagen wirklich für die geringen Impressions verantwortlich ist, bleibt fraglich. Facebook jedenfalls erklärt nicht genauer, wie sie zu der Zahl kommen. Hier wäre mehr Transparenz wünschenswert.

Gibt es denn keine externen Studien zu dem Thema?

Doch, doch. Aber nicht mit einem Ergebnis, das Facebook gefallen könnte. Zuletzt war eine Studie publiziert worden, wonach die Arbeit der Fact Checker gleich doppelt kritisch gesehen werden müsste: Erstens würde die Arbeit der Faktenchecker nicht dazu führen, dass die Stories weniger geklickt würden. Im Gegenteilt: Das Markieren als „Falsch“ würde potentielle Leser eher noch ermutigen, die Geschichte zu klicken. Die Markierung würde als Gütesiegel interpretiert, geben die Forscher zu bedenken. Zweitens würden die Faktenchecker, wenn überhaupt, nur die Spitze des Eisberges sehen – viel zu wenig Faktenchecker kämen auf viel zu viele „fake news“.


Plattformen weiter unter Druck

Die Story

Seit Wochen wird der Druck auf die Technologie-Plattformen, allen voran Facebook, spürbar größer – siehe hier und hier. Waren sie einst die Lieblinge der US-Wirtschaft, bläst ihnen nun von allen Seiten kräftig der Wind ins Gesicht:

  • Die Demokraten glauben fest daran, dass Facebook für den Wahlsieg Donald Trumps verantwortlich ist.
  • Die Republikaner sind überzeugt, dass die Plattformen mehrheitlich die Demokraten favorisieren.
  • Die Medien haben das Gefühl, endlich wieder ein bisschen Oberwasser zu gewinnen und es den Plattformen ein Stück weit heimzahlen zu können, haben sie doch in den letzten paar Jahren ihr gesamtes Business-Modell auf den Kopf gestellt.

Von allen Seiten werden die Rufe nach Regulierung lauter. Doch hat eigentlich jemand mal die Frage der Regulierung wirklich zu Ende gedacht? Ben Thompson und James Allworth diskutieren in ihrer aktuellen Exponent-Ausgabe, was es bedeuten würde, wenn die Exekutive in den USA ihren Regulierungsträumen nachkommen dürfte. Spoiler: Don`t mess with the Orange Man.

Wie reagieren denn die Plattformen auf den Druck?

So richtig offen und gesprächsbereit scheint keiner. Facebook zeigt sich derzeit eher sehr bemüht, den Schaden, den die russischen Werbeanzeigen im US-Wahlkampf angerichtet haben, so klein wie möglich zu reden. Aber immerhin reden sie überhaupt, das ist durchaus neu. In einer neuen Ausgabe der hauseigenen PR-Serie "Hard Questions" stellt sich Facebooks Sheryl Sandberg den Fragen eines ausgewählten Journalisten. Wirklich Neues kommt dabei nicht rum. Kein Wunder, dass sich Facebook fortan häufiger journalistischen Fragen stellen möchte. In einer Stellungnahme heißt es: "We’ll also be working with other news outlets and independent groups wanting access to our executives." Das ist doch toll.

Und Twitter? Die sind doch bekanntermaßen für Free Speech!

Äh, ja. Free Speech ist so eine Sache. Twitter hat aktuell mal wieder damit zu kämpfen, dass sich Nutzer über Twitters Löschverhalten massiv ärgern. Allein dieser Thread spricht Bände. Aber auch Twitter-Freunde der ersten Stunde ärgern sich massiv über das Verhalten von Jack Dorsey und Co, würden sie doch mit zweierlei Maß messen: Während etwa Trump politische Gegner mit Hasstiraden überziehen dürfe und kriegerische Auseinandersetzungen androhen könne, würde regulären Nutzern sehr, sehr schnell der Account gesperrt. Charlie Warzel zeigt in einer lesenswerten Zusammenfassung, wie lange genau dieser Spagat Twitter schon begleitet.

Unnützes Wissen:

Facebooks Team zum Moderieren von Inhalten ist übrigens größer als die gesamte Belegschaft von Twitter und Snapchat zusammen. Ist ja jetzt auch nicht so, dass sie gar nix machen würden.


Auch interessant

Die New York Times hat neue Social-Media-Guidelines für ihre Mitarbeiter formuliert. Quintessenz: Jeder Mitarbeiter müsse sich auf Social Media immer so verhalten, wie es sich für einen Angestellten der Times gebührt, könne doch ansonsten alles auf die Times zurückfallen. Die Regeln gelten übrigens nicht nur für öffentliche Postings, sondern auch in privaten Chat-Gruppen und in Messengern. Das ist schon ziemlich krass. Bedeutet letztlich, dass jeder Times-Mitarbeiter eigentlich einen Fake-Zweit-Account braucht, möchte er nicht vollends ständig im Dienst sein. Der Hinweis in der Twitter Bio "Privat hier" reicht jetzt jedenfalls nicht mehr aus…

WeChat ist ja bekanntlich in vielerlei Hinsicht das große Vorbild für die westliche Konkurrenz. So verwundert es nicht, dass Facebook innerhalb weniger Tage direkt drei Features präsentiert, respektive heraushebt, die allesamt auch auf WeChat zu finden sind:

  • Bei Forbes feiert die Verantwortliche für den Facebook Messenger die Möglichkeiten, die sich dort für den Einsatz von Bots ergeben würden.
  • Im Facebook News Room ist nachzulesen, dass Facebook jetzt auch endlich bei so krassen first "world problems" wie den folgenden eine Lösung hat: "Ordering food for takeout or delivery is supposed to be simple. That’s the point. But somehow it’s gotten complicated. First you need to decide what to eat, then you have to sift through a bunch of options and services."
  • Und Business Insider weiß zu berichten, dass es künftig bei Facebook möglich sein soll, seinen Lebenslauf ans persönliche Profil zu hängen. Da kann sich Xing noch so sehr über 13 Millionen Nutzer freuen.

One Last Thing


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martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter

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