Plattformen weiter unter Druck

martin

Die Story

Seit Wochen wird der Druck auf die Technologie-Plattformen, allen voran Facebook, spürbar größer – siehe hier und hier. Waren sie einst die Lieblinge der US-Wirtschaft, bläst ihnen nun von allen Seiten kräftig der Wind ins Gesicht:

  • Die Demokraten glauben fest daran, dass Facebook für den Wahlsieg Donald Trumps verantwortlich ist.
  • Die Republikaner sind überzeugt, dass die Plattformen mehrheitlich die Demokraten favorisieren.
  • Die Medien haben das Gefühl, endlich wieder ein bisschen Oberwasser zu gewinnen und es den Plattformen ein Stück weit heimzahlen zu können, haben sie doch in den letzten paar Jahren ihr gesamtes Business-Modell auf den Kopf gestellt.

Von allen Seiten werden die Rufe nach Regulierung lauter. Doch hat eigentlich jemand mal die Frage der Regulierung wirklich zu Ende gedacht? Ben Thompson und James Allworth diskutieren in ihrer aktuellen Exponent-Ausgabe, was es bedeuten würde, wenn die Exekutive in den USA ihren Regulierungsträumen nachkommen dürfte. Spoiler: Don`t mess with the Orange Man.

Wie reagieren denn die Plattformen auf den Druck?

So richtig offen und gesprächsbereit scheint keiner. Facebook zeigt sich derzeit eher sehr bemüht, den Schaden, den die russischen Werbeanzeigen im US-Wahlkampf angerichtet haben, so klein wie möglich zu reden. Aber immerhin reden sie überhaupt, das ist durchaus neu. In einer neuen Ausgabe der hauseigenen PR-Serie "Hard Questions" stellt sich Facebooks Sheryl Sandberg den Fragen eines ausgewählten Journalisten. Wirklich Neues kommt dabei nicht rum. Kein Wunder, dass sich Facebook fortan häufiger journalistischen Fragen stellen möchte. In einer Stellungnahme heißt es: "We’ll also be working with other news outlets and independent groups wanting access to our executives." Das ist doch toll.

Und Twitter? Die sind doch bekanntermaßen für Free Speech!

Äh, ja. Free Speech ist so eine Sache. Twitter hat aktuell mal wieder damit zu kämpfen, dass sich Nutzer über Twitters Löschverhalten massiv ärgern. Allein dieser Thread spricht Bände. Aber auch Twitter-Freunde der ersten Stunde ärgern sich massiv über das Verhalten von Jack Dorsey und Co, würden sie doch mit zweierlei Maß messen: Während etwa Trump politische Gegner mit Hasstiraden überziehen dürfe und kriegerische Auseinandersetzungen androhen könne, würde regulären Nutzern sehr, sehr schnell der Account gesperrt. Charlie Warzel zeigt in einer lesenswerten Zusammenfassung, wie lange genau dieser Spagat Twitter schon begleitet.

Unnützes Wissen:

Facebooks Team zum Moderieren von Inhalten ist übrigens größer als die gesamte Belegschaft von Twitter und Snapchat zusammen. Ist ja jetzt auch nicht so, dass sie gar nix machen würden.


About the Author

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter