Der Erfolg der Fake News Fact Checker

martin

Die Story

Facebook hat in einer internen Email seinen Fact-Checking-Partnern mitgeteilt, dass ihre Arbeit durchaus Früchte tragen würde. So würden Inhalte, die von ihnen als falsch deklariert werden, danach um 80 Prozent weniger Impressions erreichen. Das sei ein ermutigendes Signal, so Facebook. Allerdings sei es problematisch, dass so viel Zeit verstreicht, bis eine entsprechende Geschichte als falsch markiert wird – nämlich in der Regel drei Tage.

Sorry, aber worum geht es?

Nachdem für viele Stakeholder zu ihrer großen Überraschung bekannt geworden ist, dass auf Facebook fast genau so viel Mist und Unfug verbreitet wird wie Hochzeitsfotos, hatte Facebook Kooperationen mit unabhängigen Dritten angekündigt, um nicht selbst zur obersten Löschbehörde dieser nachrichtlich-anmutenden Artikel zu mutieren. In Deutschland arbeitet etwa Correctiv als Fact Checker für Facebook. Fakt-Checker sollen die von Nutzern als fraglich identifizierten Artikel überprüfen und bei Bedarf mit einem Label versehen. In Deutschland funktioniert das Markieren allerdings ganz anders als in den USA – Kollege Hoppenstedt kennt den Unterschied.

Ok, und funktioniert das jetzt mit den Fact Checkern oder nicht?

Nun, wer selbst auf Facebook Artikel teilt, weiß wie es um die Halbwertszeit von Posts bestellt ist. In aller Regel erreichen Postings in den ersten Stunden die größten Reichweiten. Wenn etwa ein Post nach drei Stunden noch keine nennenswerten Interaktionen vorweisen kann, ist nicht wirklich davon auszugehen, dass damit noch irgendetwas passiert. Dass Posts nach mehreren Tagen noch einmal wirklich funktionieren, dürfte somit eher eine absolute Ausnahmen darstellen. Ob somit das Markieren durch die Fact Checker nach drei Tagen wirklich für die geringen Impressions verantwortlich ist, bleibt fraglich. Facebook jedenfalls erklärt nicht genauer, wie sie zu der Zahl kommen. Hier wäre mehr Transparenz wünschenswert.

Gibt es denn keine externen Studien zu dem Thema?

Doch, doch. Aber nicht mit einem Ergebnis, das Facebook gefallen könnte. Zuletzt war eine Studie publiziert worden, wonach die Arbeit der Fact Checker gleich doppelt kritisch gesehen werden müsste: Erstens würde die Arbeit der Faktenchecker nicht dazu führen, dass die Stories weniger geklickt würden. Im Gegenteilt: Das Markieren als „Falsch“ würde potentielle Leser eher noch ermutigen, die Geschichte zu klicken. Die Markierung würde als Gütesiegel interpretiert, geben die Forscher zu bedenken. Zweitens würden die Faktenchecker, wenn überhaupt, nur die Spitze des Eisberges sehen – viel zu wenig Faktenchecker kämen auf viel zu viele „fake news“.


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Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter