Briefing für den 26.9.2017 | Ausgabe #393

martin


Liebe Watchblog-Abonnenten, unsere Briefings sind aktuell sehr politisch. Fast jede Ausgabe gehen wir mit Facebook hart ins Gericht. Wir tun das, weil wir davon überzeugt sind, dass Facebook und all die anderen Technologie-Unternehmen, über die wir hier berichten, unser Leben massiv verändern – und nicht nur zum Guten. Herzlichst, Martin

# Facebooks Verantwortung für den Wahlerfolg der AfD

Die AfD gewinnt über 12 Prozent der Stimmen und geht damit als drittstärkste Kraft aus dem Bundestagswahlkampf 2017 hervor. Das, was nicht sein durfte, ist nun Realität: eine Partei, die Rechtsextreme in ihren eigenen Reihen nicht nur duldet, sondern sogar hofiert, zieht in den Bundestag ein.

In den kommenden Tagen und Wochen wird nun darüber diskutiert werden, wie das passieren konnte. Nicht wenige werden sich auch mit Blick auf den US-Wahlkampf fragen, ob Facebook schuld am Erfolg der AfD ist. Damit diese Diskussion vernünftig geführt werden kann, kommt hier unsere Analyse zur Frage: „Ist Facebook schuld am Erfolg der AfD?“ [Social Media Watchblog]

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# Welche Rolle spielten Fake News im Bundestagswahlkampf?

Alexander Sängerlaub hat für die Stiftung Neue Verantwortung untersucht, welche Rolle „Fake News“ im Bundestagswahlkampf gespielt haben. Zunächst einmal sei es dabei wichtig gewesen zu definieren, was mit „Fake News“ eigentlich gemeint ist – schließlich hätte sich die Zuschreibung zu einem Kampfbegriff entwickelt und sei wenig trennscharf.

Für Sängerlaub müsse also hinter „Fake News“ immer eine Manipulationsabsicht stecken, also das gezielte Verbreiten irreführender oder falscher Inhalte. Zumeist ginge es bei „Fake News“ darum, dem politischen Gegner zu schaden.

Mit Blick auf die Bundestagswahl warnt Sängerlaub vor Alarmismus. „Die Masse der Fake News hält sich in Grenzen“, fasst er seine Studie zusammen. Zudem würde auch der Einfluss von „Fake News“ überschätzt – nicht jeder, der eine solche Schlagzeile zu Gesicht bekommt, ändert daraufhin seine Meinung. Watchblog-Kollege Simon Hurtz hat die Studie für die Süddeutsche zusammengefasst: Welche Rolle Falschmeldungen im Wahlkampf spielten [SZ]

# Zuckerberg nicht mehr Herr über seine Algorithmen

Mark Zuckerberg scheint nicht mehr Herr der Lage zu sein: Die von ihm geschaffene Plattform lässt sich ihm zufolge jedenfalls nicht mehr komplett kontrollieren. „I wish I could tell you we’re going to be able to stop all interference, but that wouldn’t be realistic“, so der Facebook-Chef in einem Live-Video auf Facebook. Doch was bedeutet es, wenn die Erfinder nicht mehr Herr über ihre eigenen Algorithmen sind? Zwei lesenswerte Texte zu diesem Thema:

# Wenn Instagram mit der Androhung von Vergewaltigung Werbung macht

Die folgende Geschichte hat sich genau so zugetragen: Einer Reporterin des Guardian, Olivia Solon, wurde eine Email geschickt, in der sie mit folgenden Worten bedroht wurde: „I will rape you before I kill you, you filthy whore!“ Diese fürchterliche Nachricht hatte sie auf ihrem Instagram-Account gepostet. Knapp ein Jahr später verwandelte Instagram exakt diesen „engaging“ Post in eine Anzeige, die der Schwester von Solon auf Facebook angezeigt wurde, um sie davon zu überzeugen, auch Instagram beizutreten. Automatisierung gone wild. Instagram uses ‚I will rape you‘ post as Facebook ad in latest algorithm mishap [Guardian]

# Ein Angestellter auf 100.000 Nutzer

Die sehr geschätzte Autorin und Wissenschaftlerin Zeynep Tufekci erinnert in einem lesenswerten Gastbeitrag bei der New York Times daran, dass wir Nutzer Facebooks Produkt sind. Das primäre Ziel Facebooks wäre es eben nicht, uns mit Freunden, Bekannten und Kollegen zu vernetzen, sondern unsere Aufmerksamkeit automatisiert an den Meistbietenden zu verkaufen – mit was auch immer sie handeln mögen. Facebook’s Ad Scandal Isn’t a ‘Fail,’ It’s a Feature [New York Times]

# Am Ende nur Positives

Die App tbh (To be honest) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die mentale Gesundheit von Millionen Teenager zu fördern. Wie sie das machen wollen? Nun: Die App ermöglicht es dir, anonym Fremden, Freunden und Bekannten Komplimente zu schicken. Ist das nicht schön? Hach! How tbh hit #1 by turning anonymity positive [Techcrunch]


Falls du eine Frage zum heutigen Briefing hast oder diese Unterhaltung einfach gern fortsetzen möchtest, schreib mir zurück – ich beantworte jede Mail.


About the Author

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Kulturanthropologe, Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter

Diese Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings wurde gesponsert vom "Listening Center" der Rheinischen Post