Briefing für den 14.9.2017 | Ausgabe #390

martin Briefing


Guten Morgen, liebe Social Media Crew! Wir starten heute erneut mit einem Video-Schwerpunkt in den Tag. Textbasiert aber natürlich, sorry. Das Vlog kommt dann ab Januar…

Geld verdienen mit Video auf Facebook

Facebook hat in einer Mitteilung angekündigt, einigen Bewegtbild-Produzenten künftig die Möglichkeit entziehen zu wollen, ihre Videos zu Geld zu machen. Die Begründung: „5 million advertisers on Facebook (…) need to feel confident and in control over where their ads appear.“

Für werbende Unternehmen ist dieser Schritt wichtig. Im Zeitalter von Social Media und automatisierter Werbung haben wir schon öfter unglücklich platzierte Anzeigen gesehen. Da braucht es nicht viel Fantasie, um sich das auch im Bereich Video vorzustellen.

Facebook übt dadurch allerdings auch indirekt Kontrolle auf die Inhalte selbst aus: Wer entscheidet, was sich finanziell rechnet, der entscheidet dadurch auch, was produziert wird.

Wer etwa Clickbait betreibt oder Fake-News postet, der könnte laut Facebook künftig ganz das Recht verlieren, mit Werbeeinblendungen Geld zu verlieren. Fair enough. Keine Frage.

Aber im gleichen Zug nennt Facebook auch die Möglichkeit, von einer Form der finanziellen Beteiligung ausgeschlossen zu werden, wenn Verstöße gegen die hauseigenen Guidelines erkannt werden. Was diesen Guidelines zufolge gar nicht geht, zeigt somit im Umkehrschluss deutlich auf, welche Video-Inhalte Facebook auf seiner Seite sehen will. Was laut Guidelines nicht geht:

  • Gewalt
  • Nacktheit
  • Straftaten
  • Alkohol und Drogen
  • grausame Darstellungen (Blut, offene Wunden, Operationen…)
  • unangemessene Sprache
  • Kriminalität
  • Naturkatastrophen
  • tödliche Krankheiten

Die Überprüfung der Videos wird natürlich mit Blick auf die Schiere Masse an Bewegtbild-Inhalten auf Facebook zu einem Großteil automatisiert erfolgen müssen. Publisher werden sich dadurch also wirklich dreimal überlegen, was sie produzieren, wollen sie doch nicht von einer Form der finanziellen Beteiligung ausgeschlossen werden. Facebook diktiert die Spielregeln und definiert womöglich somit bald auch im Segment Video neue (journalistische) Standards und Sehgewohnheiten.

Erfolg mit visuellen Inhalten

Das US-Portal „mic“ hatte vor einigen Monaten durchwachsene Schlagzeilen gemacht, als es einen Übergang zu mehr Video ankündigte – und 25 Kollegen entließ. Doch der Schritt scheint sich für „mic“ laut einer Meldung bei Digiday rein wirtschaftlich zu rechnen:

Etwa die Hälfte der Inhalte würde nun visuell erzählt. Satte 75 Prozent der Nutzerzeit würde auf visuelle Geschichten entfallen. Mic wuchs in einem Zeitraum von einem Jahr von knapp 0,8 auf 3,5 Milliarden Video-Views.

Die Kernthemen, die von „mic“ visuell aufbereitet werden, liegen übrigens in gesellschaftlichen Gruppen, die sonst in den Medien eher unterrepräsentiert sind. Manche sprachen ja in diesem Zusammenhang von der Kommodifizierung des Themas soziale Gerechtigkeit. „Mic“ aber wird es egal sein. Sie können sich hier gut positionieren.

Spannend für Publisher: Mic hat kein Video-Team. Jeder im Newsroom arbeitet auf die eine oder andere Art an der Entstehung der Videos mit.

Auf welche Medien verlinken die Parteien?

Der ARD Faktenfinder hat eine spannende Auswertung vorgenommen: Wie oft nehmen Parteien auf ihren Facebook-Seiten Bezug auf Medieninhalte – und vor allem auf welche? „Welt“, „Spiegel“ und „Focus“ liegen bei den Parteien der Auswertung zufolge ganz weit vorn. Aber auch die „Junge Freiheit“ ist dank der AfD unter den ersten zehn Plätzen zu finden. Auf welche Medien verlinken die Parteien[ARD]

Neues Tool für Instagram Stories

Bei „storrito“ können Nutzer künftig Instagram-Stories vom PC aus bauen. Per Drag and Drop baut man die Geschichte zusammen – und kann sie dann sogar direkt vom Computer aus posten.

Bislang funktioniert das nur mit Bildern (und Links!), Videos sollen aber auch bald möglich sein. Außerdem soll das Tool Stories nach einem Zeitplan posten können – bei Instagram, später aber auch bei anderen Story-Plattformen, Snapchat oder WhatsApp zum Beispiel.

Wenn Instagram das Tool nicht sperrt, bekommen wir hier vielleicht ein echt feines Werkzeug für Publisher. Macher Philipp Steuer erklärt bei Medium, wie es geht und wie ihr Betatester werden könnt!

Post Scriptum

Wusstet ihr eigentlich, dass Netflix früher mal DVDs verschickt hat? Robert Kyncl arbeitete damals noch für den US-Konzern und hat ein Buch darüber geschrieben, wie Netflix wurde, was es heute ist. Bei re/code gibt’s einen Auszug aus „Streampunks: YouTube and the Rebels Remaking Media“. Ein spannender Einblick in einen so allgegenwärtigen Konzern, der uns doch noch ein bisschen unbekannt geblieben ist. The inside story of how Netflix transitioned to digital video after seeing the power of YouTube [Recode]


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