Briefing für den 13.9.2017 | Ausgabe #389

martin Briefing


Hi! Vielen lieben Dank für all die Rückmeldungen gestern! In der Tat sind die Stats bei Mailchimp nicht sonderlich aussagekräftig. Von daher habe ich sie jetzt einfach komplett ausgeschaltet: mehr Privatsphäre für Euch, weniger Daten für Mailchimp! Cheers, M

Feindliche Facebook-Werbung

Das Thema „dark posts“ ist allem Anschein nach nicht nur ein amerikanisches Phänomen: Auch in Österreich nutzen politische Gruppen Facebook-Werbeanzeigen, um gezielt Personen zu diskreditieren. So dokumentiert Kollegin Ingrid Brodnig auf ihrem Blog, wie eine ziemlich dubiose Facebook-Page gezielt die Fans von Sebastian Kurz mit einer Verleumdungs-Kampagne anspricht. Wer hinter der Page steckt, ist nicht herauszufinden. Wer die Gelder für die Werbeanzeigen bereitstellt, ist nicht herauszufinden. Dass Facebook an der Diskreditierung Dritter verdient, ist hingegen belegt.

Fact Checker bringen nix

Facebook hatte bekanntlich mit recht großem Getöse angekündigt, der Flut von sogenannten „fake news“ (weiterhin ein schrecklicher Begriff, weil er alles, was stinkt, in einen großen Topf schmeißt) mit externen Partnern Herr werden zu wollen. Diese Fact Checker würden, so die Idee, entsprechende Inhalte überprüfen und dann mit einer Markierung versehen, um potentielle Leser darüber zu informieren, dass die Story wohl eher Quatsch ist. Eine Yale-Studie zeigt nun, dass diese Markierungen überhaupt nichts bringen: Insbesondere nicht bei Trump-Anhängern und bei unter 26jährigen. Gerade einmal 3,7 Prozent wären aufgrund der Markierungen in der Lage gewesen, die Story dann doch als „fake news“ zu erkennen.

Zwei Probleme schwingen hier mit: Erstens kann die recht überschaubare Anzahl an Fact Checkern der Masse an „fake news“ nicht gerecht werden, was automatisch den Anteil an „fake news“, der nicht markiert wurde, als wahrhaftig erscheinen lässt. Zweitens würde das Markieren eben jener „fake news“ nur den Effekt haben, dass die potentielle Zielgruppe erst recht das glaubt, was da an Quatsch verbreitet wird. Quasi aus Trortz. Ein all zu menschlicher Reflex, wie ich finde. Tagging fake news on Facebook doesn’t work, study says[Politico]

Facebook erreicht Millionen Deutsche, die es statistisch gar nicht gibt

Viele unserer Leser dürften bereits Erfahrungen mit dem Werbeanzeigen-Manager von Facebook gemacht haben. Dort lässt sich bekanntermaßen sehr genau einstellen, welche Zielgruppe mit der Anzeige erreicht werden soll. Anscheinend gibt es aber eine erhebliche Diskrepanz zwischen den dort vorgeschlagenen, potentiellen Reichweiten und den tatsächlich statistisch erhobenen. Vor ein paar Tagen wurde das Thema vom Wall Street Journal in den USA losgetreten. Jetzt gibt es auch für Deutschland entsprechende Zahlen-Vergleiche: Facebook-Werbung erreicht nach Angaben des Konzerns zwölf Millionen Deutsche im Alter von 20 bis 29 Jahre. Allerdings hat die Bundesrepublik nur 9,2 Millionen Einwohner in diesem Alter. Facebook erreicht Millionen Deutsche, die es nicht gibt[Heise]

Schwarzmarkt für Instagram-Verifikationen

Das ist wirklich eine absurde Geschichte. Allem Anschein nach gibt es bei Instagram Mitarbeiter, die unter der Hand Account-Verifikationen für bis zu 15.000 Dollar herausgegeben haben. Also wir sprechen hier von diesen kleinen Häkchen. Und von Mitarbeitern bei Instagram, die das Dealer-mäßig klargemacht haben. Was für eine verrückte Welt. Inside the black market where people pay thousands of dollars for Instagram verification [Mashable]

Tipp

Tolles Quiz, um einmal zu überprüfen, wie gut du dich wirklich mit dieser verrückten Welt auskennst, in der du lebst: #whatthefact


Falls du eine Frage zum heutigen Briefing hast oder diese Unterhaltung einfach gern fortsetzen möchtest, schreib mir zurück – ich beantworte jede Mail.


Diese Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings wurde gesponsert vom "Listening Center" der Rheinischen Post
Wir freuen uns: Audio boomt, und immer mehr Verlage machen jetzt mit und bringen eigene Podcasts an den Start. Ganz neu dabei sind jetzt die Kollegen von „Zeit Online“. Dort heißt der tägliche Nachrichtenpodcast „Was jetzt„. Das Format arbeitet, ähnlich wie die Kollegen von „The Daily“ von der New York Times, mit Expertengesprächen innerhalb der Redaktion. Der Markt für Podcasts wächst: 15 Prozent der deutschen Bevölkerung geben an, wöchentlich Podcasts zu hören. Weitere spannende News- und Politik-Formate als Hör-Tipp: unser täglicher „Rheinische Post Aufwacher„, der mittlerweile schon seit Oktober 2016 läuft, die wöchentliche Polit-Analyse „Stimmenfang“ von „Spiegel Online“ und natürlich die „Lage der Nation„, die statt von einem großen Verlag vom privaten Podcast-Label Küchenstud.io produziert wird.

Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Aufmerksamkeit, Martin